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Alexander-Kenneth Nagel
Religiöse Pluralisierung: Herausforderung für konfessionelle Wohlfahrtsverbände. Stuttgart: Kohlhammer 2015. Gemeinsam mit T. Jähnichen und K. Schneiders …
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Person und akademischer Werdegang
Alexander-Kenneth Nagel (* 28. Juli 1978 in Merseburg) ist ein deutscher Religionswissenschaftler. Er studierte von 2000 bis 2005 Religionswissenschaft und Soziologie an der Universität Bremen und schloss beide Studiengänge mit einem Diplom ab. 2008 wurde er mit einer Arbeit über die institutionelle Verfassung von Politiknetzwerken zum Dr. rer. pol. promoviert.
Von 2009 bis 2014 war Nagel zunächst Juniorprofessor, später Universitätsprofessor an der Universität Bochum. Seit 2015 ist er Professor für Religionswissenschaft mit dem Schwerpunkt sozialwissenschaftliche Religionsforschung an der Universität Göttingen. Seine Forschung verbindet Fragen nach Religion mit gesellschaftlichen Themen wie Migration, öffentlicher Vielfalt, Sozialer Arbeit und Krisendeutungen.
Religion, Migration und gesellschaftliche Vielfalt
Ein zentraler Schwerpunkt ist das Verhältnis von Religion und Migration. Nagel untersucht religiöse Migrantenselbstorganisationen, also Gemeinschaften, die von Migrantinnen und Migranten religiös organisiert werden. Er vertritt dabei einen potentialorientierten Ansatz: Im Mittelpunkt stehen die Angebote und Vernetzungen dieser Gemeinschaften sowie ihre möglichen Beiträge zur Zivilgesellschaft. In der NRW-Nachwuchsgruppe „Religion vernetzt – Zivilgesellschaftliche Potentiale religiöser Vergemeinschaftung“ arbeitete er dazu von 2009 bis 2014. Außerdem befasst er sich mit Veränderungen religiöser Vorstellungen, Praktiken und Gemeinschaftsformen unter Bedingungen von Migration und Flucht.
Nagel erforscht auch interreligiöse Dialoge mit qualitativer empirischer Forschung. Er versucht, Aktivitäten im deutschen Sprachraum systematisch zu ordnen. Dazu unterscheidet er Formate wie interreligiöse Nachbarschaftstreffs und Friedensgebete und untersucht ihre Motivationslagen sowie Interaktionsmuster. In neueren Arbeiten betrachtet er interreligiöse Governance, also den Umgang mit religiöser und kultureller Vielfalt durch organisierte Initiativen und Regelungen. Dabei setzt er sich kritisch damit auseinander, dass interreligiöse Initiativen für integrationspolitische Zwecke in Dienst genommen werden.
Bei öffentlichen Einrichtungen untersucht Nagel deren Reaktion auf die Zunahme nicht-christlicher Religionen. In einem Pilotprojekt zu „Religiöser Diversität in Flüchtlingsunterkünften“ kam er zu dem Schluss, dass Einrichtungen mit einer engen Auslegung religiöser Neutralität reagieren. Ein weiterer Gegenstand sind Räume der Stille, etwa in Krankenhäusern und Hochschulen, als Elemente für den Umgang mit religiöser und kultureller Diversität.
Wohlfahrt, Religionskompetenz und Apokalyptik
Nagel befasst sich mit religiöser Wohlfahrtsproduktion, also sozialen Unterstützungsleistungen religiöser Institutionen und Verbände. Bereits seine Diplomarbeit behandelte die sozialpolitischen Bedingungen solcher Wohlfahrtsproduktion in den USA. Später untersuchte er die interreligiöse und interkulturelle Öffnung konfessioneller Wohlfahrtsverbände. Seit 2019 beteiligt er sich an Debatten über religionssensible Soziale Arbeit. Religionskompetenz versteht er dabei so, dass religiöse Prägungen stets zusammen mit anderen Differenzdimensionen wahrgenommen werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist moderne Apokalyptik. Nagel fragt nach apokalyptischer Naherwartung in modernen Gesellschaften, also der Erwartung eines nahen, umfassenden Untergangs oder Umbruchs. Er analysierte apokalyptische Grundlagen von Krisendiskursen über die ökologische Krise, die Krise des Nationalstaats und die Corona-Krise. Seit 2019 untersucht er apokalyptische Motive, Stil und Rhetorik in der deutschen Prepper-Community.
Seine Veröffentlichungen greifen diese Arbeitsfelder auf, darunter „Religiöse Netzwerke: Die zivilgesellschaftlichen Potentiale religiöser Migrantengemeinden“ (2015), „Religiöse Pluralisierung: Herausforderung für konfessionelle Wohlfahrtsverbände“ (2015, gemeinsam mit T. Jähnichen und K. Schneiders) sowie „Corona und andere Weltuntergänge. Apokalyptische Krisenhermeneutik in der modernen Gesellschaft“ (2021).