Die Geschichte der Europäischen Union I Geschichte MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=x-HUsTQMQeo Transkript (automatisch erstellt) 0:00 . Europa bestimmt heute unseren Lebensalltag. 0:02 Wir fahren ohne Grenzkontrollen von einem Land ins andere. Wir arbeiten und leben auf dem ganzen Kontinent, wo wir wollen. 0:09 Man muss aber sagen, das war aber nicht immer so. Das hat sich langsam entwickelt. 0:13 Wie es dazu kam, das will ich euch heute erklären. Die 10 entscheidenden Schritte 0:17 in der Geschichte der Europäischen Union. Die Erfolge, die Niederlagen, die besonderen Momente. 0:23 Alles, was du wissen musst, jetzt! Der erste Schritt zu einem einigen Europa 0:29 ist die Gründung der Montanunion. Die Idee ist so einfach wie genial. 0:34 Es geht darum, zu verhindern, dass die Staaten Europas wieder Krieg gegeneinander führen können. 0:39 V.a. die beiden größten Staaten, Frankreich und Deutschland. Wie macht man das? 0:43 Am einfachsten ist es, wenn man ihnen die Möglichkeit nimmt, Krieg zu führen. 0:47 Um einen Krieg zu führen braucht man zuallererst Waffen. Vielleicht meinen einige von euch, 0:53 dann wäre es am einfachsten, wenn man Waffen verbietet. Das ist an sich auch eine gute Idee. 0:57 Aber die Geschichte lehrt uns leider, dass das nicht funktioniert. Z.B. ist Deutschland nach dem 1. Weltkrieg verboten worden, 1:04 bestimmte Waffen zu besitzen. Panzer, Flugzeuge, U-Boote. Die Deutschen hatten aber nichts besseres zu tun, 1:10 als zu versuchen, dieses Verbot zu umgehen. Am Ende hatten sie trotzdem wieder Panzer, Bomber und U-Boote. 1:16 Wenn man das Problem mit den Waffen lösen will, dann muss man vorher ansetzen. 1:20 Um Waffen zu produzieren, braucht man in erster Linie Kohle und Stahl. Regelt man die Produktion dieser beiden kriegswichtigen Rohstoffe 1:27 gemeinsam, muss kein Partner Angst haben, dass der andere unbemerkt aufrüsten kann. 1:32 Vereinfacht gesagt, man stellt gemeinsam Waffen her und man teilt sie dann untereinander auf. 1:37 Genau das ist der Startschuss für die europäische Einigung. Der französische Außenminister Robert Schuman 1:43 schlägt im Mai 1950 vor: Am 23.06.1952 nimmt die europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl 2:00 ihre Arbeit auf, abgekürzt: EGKS. Oder auch Montanunion genannt. Bergbau-Union. 2:09 Die Länder Bundesrepublik Deutschland, also Westdeutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Niederlande und Luxemburg 2:15 schaffen eine gemeinsame Behörde, die "Hohe Behörde". Die bekommt bestimmte Regelungskompetenzen. 2:23 Die Staaten verzichten auf einen Teil ihrer Souveränität. Souveränität, das ist die Fähigkeit, 2:28 die für sich selbst geltenden Gesetze zu erlassen. Die Souveränität ist eine ganz wichtige Voraussetzung dafür, 2:34 dass ein Staat bestehen kann. Er regelt seine eigenen Angelegenheiten. 2:37 Hinter der gesamten europäischen Einigung steht die Idee, dass die Staaten Teile dieser Fähigkeit 2:42 an gemeinsame Institutionen abgeben. Deutschland bestimmt nicht für sich allein. 2:47 Frankreich bestimmt nicht für sich allein. Man bestimmt gemeinsam, für beide zusammen. 2:52 Die 6 Staaten der Montanunion bilden eine gemeinsame Behörde. Und für den Montan-Sektor ein gemeinsames Parlament. 2:59 Einen gemeinsamen Gerichtshof. Der zweite Schritt zum gemeinsamen Europa 3:04 folgt in den Römischen Verträgen. Die Verträge über die Gründung einer europäischen Wirtschaftsgemeinschaft 3:09 und der europäischen Atomgemeinschaft werden am 25.03.1957 unterzeichnet. 3:15 Abgekürzt übrigens EWG und EURATOM. Die 6 Staaten der Montanunion vereinbaren, 3:22 die Zölle zwischen ihren Staaten aufzuheben. Waren, Personen, Kapital und Dienstleistungen 3:27 sollen so frei wie möglich unter den Ländern wechseln können. Im Handel mit Drittländern tritt man gemeinsam auf. 3:34 Auch die zivile Nutzung der Atom- kraft wird gemeinsam organisiert. V.a. arbeiten die Regierungen zusammen. 3:40 Auf der anderen Seite steht das Parlament. Die EGKS hatte ein Parlament. 3:46 Dieses Parlament ist nicht so mächtig wie ein normales Parlament. Es hat bloß Aufsichtsrechte. Kontrollrechte. 3:52 Die Abgeordneten in dem Parlament werden nicht gewählt, wie normale Abgeordnete, 3:56 sie werden von ihrem nationalen Parlament entsandt. Im Falle der Bundesrepublik Deutschland also vom Bundestag. 4:02 Um zu zeigen, dass dieses Parlament kein richtiges Parlament ist, nennt man es Parlamentarische Versammlung. 4:09 Die Abgeordneten, die da zusammenkommen, nennen sich aber selbstbewusst Europäisches Parlament. 4:15 Es dauert fast 30 Jahre, bis dieser Titel dann auch offiziell wird. Dieser zweite Schritt ist praktisch ein gigantisches Experiment. 4:23 Kann es klappen, dass 6 Länder auf Teile ihrer Gesetzgebungskompetenz verzichten? 4:27 Und gemeinsame Politik betreiben? Zumindest in wirtschaftlichen Angelegenheiten? 4:33 Ja, das klappt. Es klappt so gut, dass 1973 Großbritannien, 4:37 Dänemark und Irland beitreten. Schritt 3 ist geschafft. 4:42 Die erste Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft. Das ist damals schon nicht einfach. 4:47 In Norwegen gibt es eine Volksabstimmung. Die geht gegen einen EU-Beitritt aus. 4:52 Sonst wäre die Erweiterung noch größer ausgefallen. In England wird schon 1975, in einer Volksabstimmung, 4:58 darüber befunden, ob man weiter in der EG bleiben will. Kommt euch vielleicht bekannt vor. 5:04 Damals sind 67% der Menschen in Großbritannien für Europa. Schritt 4 und 5 kommen dann schnell nacheinander. 5:11 Zunächst vereinbaren die Mitglieder der 3 großen Europäischen Gemeinschaften 5:21 ein Europäisches Währungssystem. Die Idee ist, einen großen Wirtschaftsraum zu schaffen. 5:27 Währungsschwankungen sind für Firmen, die über Grenzen hinweg Handel treiben, ein Risiko. 5:31 Wenn die Umtauschkurse stabil sind, gar nicht oder nur ganz wenig schwanken, 5:35 dann kann man sich darauf verlassen, dass man bei einem Geschäft nicht plötzlich mehr zahlen muss oder weniger herausbekommt. 5:42 Dieses Währungssystem hat auch schon eine eigene Währung. Den ECU. Die Abkürzung für Europäische Währungseinheit. 5:48 Den ECU kann man in keinen Geldbeutel stecken, auch in keinem Laden damit bezahlen. 5:54 Er existiert nur auf dem Papier. Aber er ist zum Rechnen sehr brauchbar. 5:59 Großbritannien hat erst einmal nicht mitgemacht, bei diesem Schritt. 1979 wird zum ersten Mal das Europäische Parlament 6:05 direkt von den Menschen in den 9 Mitgliedsländern der Europäischen Gemeinschaften gewählt. 6:10 Die Zuständigkeiten und Befugnisse ändern sich dabei aber nicht. Doch die Abgeordneten sind jetzt direkt legitimiert. 6:17 Sie haben also einen Auftrag von den Wählerinnen und Wählern. Damit treten sie viel selbstbewusster 6:22 gegenüber der Europäischen Kommission, so nennt man die gemeinsame Behörde, 6:26 und den Regierungen der Mitgliedstaaten, das ist der Europäische Rat, auf. 6:31 Das Parlament sorgt z.B. dafür, dass der berühmte Sternenkranz die Flagge der Europäischen Union wird. 6:37 In den 80er Jahren treten Griechenland Spanien und Portugal der Europäischen Gemeinschaft bei. 6:42 Diese Süd-Erweiterung ist der Schritt 6. Ziel dieser Erweiterungsrunde ist v.a., 6:48 den europäischen Mittelmeerraum zu stabilisieren. Die 3 Länder sind erst seit Kurzem parlamentarische Demokratien. 6:54 In Spanien herrschte der Diktator Franco. Unter dem "I" findet ihr ein Video über ihn. 7:00 In Portugal kam es zu einem Putsch gegen die Militärregierung. Das Land schaffte dann den Sprung zur Demokratie. 7:06 Und in Griechenland stürzte ebenfalls eine Militärdiktatur mitte der 70er Jahre. 7:12 Mit dieser Süderweiterung ist es Zeit für den nächsten Schritt. Nummer 7, den Vertrag von Maastricht. 7:19 Die eigentliche Gründung der EU. Am 7. Februar 1992 einigen sich die 11 Staaten 7:24 auf die Gründung der Europäischen Union. Denn eine Europäische Gemeinschaft gibt es nicht, es gibt 3. 7:30 Die Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die Wirtschaftsgemeinschaft und die EURATOM. 7:35 Diese drei werden nicht einfach zusammengezählt. Wenn ihr heute ein Schaubild der EU seht, 7:40 dann ist das oft der klassische Tempel aus der Antike. 3 Säulen stützen die EU. 7:45 Die erste Säule entsteht, indem die bisherigen 3 Gemeinschaften, also die Zusammenarbeit bei der Kernenergie, 7:51 in der Agrarpolitik, beim Binnenmarkt und beim Außenhandel, in der Verbraucherpolitik usw., zusammengelegt werden. 7:57 Jetzt beschließt man unter den Staats- und Regierungschefs noch eine echte gemeinsame Währung einzuführen. 8:03 Man legt fest, unter welchen Voraussetzungen und bis wann der Euro eingeführt wird. 8:07 All das bildet nun die erste Säule. Die zweite Säule besteht 8:11 aus der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. Es gab schon Anfang der 50er Jahre einen Versuch, 8:16 eine europäische Verteidigungs- gemeinschaft zu gründen. Dieser Versuch scheitert, 8:21 aber die Europäer wissen, dass sie nicht nur wirtschaftlich, sondern auch außenpolitisch zusammenarbeiten müssen. 8:27 Nur das ist sehr viel schwieriger. In wirtschaftlichen Dingen, da merkt man gleich, was funktioniert. 8:32 Bei der Außenpolitik ist es anders. Hier zählen Überzeugungen, Taktiken, Strategien viel mehr. 8:39 Das ein Land frei bestimmt, wie es mit anderen Ländern umgeht, das ist ein ganz wichtiger Bestandteil von Souveränität. 8:46 Die Außenpolitik, das ist ein Bereich der Politik, in dem die Regierungen viel gestalten können. 8:51 Deshalb fällt es auch schwer, hier Zuständigkeiten abzugeben. Wie schwer das ist, das seht ihr schon daran, 8:57 dass heute immer noch über den Sinn und Zweck einer europäischen Armee, einer gemeinsamen Verteidigungspolitik, 9:03 diskutiert wird. Im Vertrag von Maastricht wird die Zusammenarbeit der Staaten 9:07 in der Außenpolitik zumindest so gestaltet, dass man sich untereinander mehr abstimmt. 9:13 In der dritten Säule ist die Zusammenarbeit von Polizei und Justiz geregelt. 9:17 Z.B. wird die europäische Polizeibehörde Europol gegründet. Die Bürgerinnen und Bürger in den einzelnen Mitgliedstaaten der EU 9:24 erhalten außerdem eine Unionsbürgerschaft. Neben der deutschen Staatsangehörigkeit 9:29 hat jeder und jede von euch auch die europäische Staatsbürgerschaft. Die EU ist alles in allem eine echte Erfolgsgeschichte. 9:37 Die Weltlage, in der die EU entstanden ist, hat sich aber ganz entscheidend geändert. 9:42 Was jetzt auf dem Programm steht, ist die Vereinigung von ganz Europa. Dazu braucht es Schritt 8. 9:48 Den Vertrag von Nizza. Die Erweiterung der EU, die ansteht, ist keine Erweiterung wie bisher. 9:54 Im Jahr 1999 hat die EU 15 Mitgliedstaaten. 5 Jahre später sollen es 27 sein. 10:01 Das bedeutet, dass die Institutionen, die man bisher hat, nicht mehr richtig funktionieren werden. 10:06 Deshalb einigt man sich nun, welches Stimmengewicht jedes Land künftig haben soll. 10:11 Die EU-Kommission wird verkleinert. Die Abgeordnetensitze für das Parlament angeglichen usw. 10:17 Der Nizza-Vertrag aus dem Jahr 2001 soll die EU für die Erweiterung fit machen, wie man so schön sagt. 10:23 Die entscheidende Änderung betrifft die Abstimmungsregeln im Rat. Wo die Staats- und Regierungschefs zusammensitzen. 10:29 Bisher gilt dort Einstimmigkeit. Man muss so lange verhandeln, bis man einen Kompromiss findet. 10:36 Dem alle zustimmen können. Oder man entscheidet nichts. 10:39 Jetzt gilt das Prinzip der doppelten Mehrheit. Wenn 55% der Mitgliedstaaten zustimmen 10:45 und diese Staaten gemeinsam mindestens 65% der EU-Bevölkerung repräsentieren, dann gilt eine Entscheidung. 10:52 Das ist ein riesiger Fortschritt. Weil man sonst nie mehr einen Entschluss hätte treffen können. 10:57 Und tatsächlich folgt im Jahr 2004 Schritt 9. Die Osterweiterung der EU. 11:04 Das gemeinsame europäische Haus hat jetzt 25, schnell 27 Mitglieder. Diese Erweiterung bringt Mitglieder, 11:11 die aus dem gemeinsamen Geld-Topf der EU mehr herausnehmen, als sie einlegen. 11:16 Man nennt solche Länder Netto-Empfänger. Tatsächlich will die EU aber die Chance nutzen, 11:21 die aus sowjetischer Oberhoheit befreiten Staaten aufzunehmen. Natürlich bringt das Probleme mit sich, 11:27 weil diese Länder andere politische Erfahrungen gemacht haben, als die Länder im Westen und im Süden. 11:32 Das führt bis heute zu Auseinandersetzungen. Als Schritt 10 planen die Staats- und Regierungschefs 11:37 deswegen eine Europäische Verfassung. Diese Verfassung soll die politischen Regeln 11:43 für das Miteinander aufschreiben. Grundrechte für die Bürgerinnen und Bürger festschreiben usw. 11:47 Heraus kommt ein unleserlicher, wahnsinnig langer Text. Die Inhalte, die drinstecken, sind bestimmt nicht falsch. 11:55 Aber schon der Weg, wie man zu dem Text kommt,ist sehr undurchschaubar. Dann die Werbung dafür. 12:00 Die Gegner der Verfassung warnen vor einem Super-Staat, der undemokratisch und militaristisch ist. 12:06 Nur auf die Interessen der Wirtschaft, nicht auf das Wohlergehen der Bürger schaut. 12:10 Das ist alles fürchterlich übertrieben. Aber zur Angstmache taugt es. 12:14 In vielen europäischen Ländern gibt es außerdem innenpolitische Probleme. 12:18 Regierungen stehen unter Druck. Die gesamte Situation ist wahnsinnig ungünstig. 12:23 Es geht alles schief, was schief gehen kann. In den Niederlanden und in Frankreich lehnt die Bevölkerung 12:29 im Jahr 2005 in einer Volksabstimmung die Verfassung ab. In 7 Ländern werden daraufhin weitere Abstimmungen 12:36 und Parlamentsentscheidungen abgesagt. Auch in Deutschland, wo der Bundestag zugestimmt hat, 12:40 wird das Ratifizierungsverfahren beendet. Die Europäische Verfassung ist gescheitert. 12:46 Aber natürlich geht das Leben weiter. Nach einer Phase des Überlegens 12:50 schreibt man den Vertrag von Lissabon. Die wesentlichen Änderungen der gescheiterten Verfassung 12:56 tauchen hier wieder auf. Das Europäische Parlament bekommt mehr Rechte. 12:59 Die Abstimmungsregeln unter den Nationalstaaten im Europäischen Rat werden neu ausbalanciert. 13:04 Eine Grundrechte-Charta wird eingeführt. Die Europäische Union erhält eigene Rechtspersönlichkeit. 13:10 D.h., dass die EU mit anderen Ländern auf der Welt, z.B. mit den USA, Verträge schließen kann. 13:16 Es muss nicht jeder Mitgliedstaat einzeln einen Vertrag machen. Die EU kann das für alle tun. 13:21 Mit Schritt 9 wird die EU demokratischer, transparenter und auch handlungsfähiger. 13:26 Der Schritt 10 erschafft die EU, wie wir sie heute kennen. Seitdem ist einiges passiert, 13:31 was das gemeinsame Europa erschüttert hat. Die Euro-Krise, die Schuldenkrise, die Flüchtlingskrise. 13:37 Aber spätestens seit dem Brexit ist auch klar, dass es so einfach nicht weitergehen kann. 13:41 Die EU muss den nächsten großen Schritt tun. Aber wohin soll der führen? 13:47 Was meint ihr denn dazu? Was soll sich in Europa, also in der EU, ändern? 13:51 Und was soll sich auf gar keinen Fall ändern? Schreibt eure Meinung gerne unten in die Kommentare. 13:56 Europa ist ein Thema, über das man jede Menge diskutieren kann. V.a. im Jahr der Europawahl. 14:01 Dazu wird es auf diesem Kanal und meinem noch einiges geben. Danke euch fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal. 14:09 Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2019)