Karthago, Hannibal und die Punischen Kriege MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=v6yWUihzl-A Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Karthago. Das ist eine echte Großmacht der Antike. 0:03 Mit Flotten von Galeeren, die das Mittelmeer beherrschen. Das Reich legt sich mit einer anderen antiken Großmacht an, dem Römischen Reich. 0:11 Dreimal wird Krieg geführt, und dabei geht Karthago schließlich unter. Mindestens einen Karthager kennt ihr wahrscheinlich: den Feldherrn Hannibal; 0:20 Berühmt dafür, dass er die Alpen mit Elefanten überquert hat. Wir erzählen euch heute die Geschichte von Karthago 0:26 - vom Aufstieg bis zum Untergang. Unsere Reise beginnt im Mittelmeerraum um das Jahr 800 vor Christus. 0:35 Damals bestimmen drei Kulturen die Region. Die Etrusker, die Griechen und die Phönizier. 0:42 Der Name Phönizier kommt aus dem Griechischen, und er bezieht sich auf ein Handelsprodukt dieser Städte: 0:47 Die Purpurfarbe, die aus Meerschnecken gewonnen wird. Eine der phönizischen Städte ist Tyros, 0:53 eine jahrhundertealte Seefahrerstadt. Die Einwohner, wie eigentlich alle Seefahrer in der frühen Antike, 1:00 sind Entdecker, Kolonisten, Händler und Piraten in einem. Sie gründen Niederlassungen entlang der Küsten des Mittelmeeres. 1:07 Zwischen 850 und 750 ist eine Niederlassung, davon Karthago. Der Name bedeutet „Neue Stadt“. 1:14 Auf der Karte hier könnt ihr sehen, dass die Stadt günstig liegt, egal, in welche Richtung man segeln will. 1:19 Zum Stadtstaat Karthago gehört auch das Hinterland. Die Macht in diesem Staat liegt bei den Adligen. 1:25 Sie besitzen das Land, auf dem Ackerbau und Viehzucht betrieben und Rohstoffe in Bergwerken abgebaut werden. 1:31 Die Adelsversammlung entscheidet über Gesetze und Gerichte, über den Handel. Es gibt auch einen König, der vor allem religiöse und militärische Aufgaben hat. 1:41 Die Macht ist also zwischen König und Adel aufgeteilt. Die nicht-adligen Bürger sind Händler, Handwerker, Dienstleister, Fischer usw. 1:51 Sie können über eine Volksversammlung an der Gestaltung des Staates teilhaben und wählen die Verwaltungsbeamten. 1:57 Die zwei Obersten nennt man „Sufeten“. Die Karthager beten zu verschiedenen Göttern. 2:02 In der römischen Literatur wird immer wieder behauptet, dass sie diesen Göttern auch Kinder opfern würden. 2:07 Zwar finden Archäologen bei Ausgrabungen Ansammlungen von Kinderknochen, 2:11 aber es gibt keinen Beleg, dass diese Kinder tatsächlich geopfert wurden. Die Historiker streiten darüber. 2:18 Karthago ist im westlichen Mittelmeer des fünften Jahrhunderts Die bestimmende Macht, kontrolliert den Handel und sichert ihn 2:24 gegen fremde Piraten. In Kolonien auf Sardinien und Korsika bauen Sie Lebensmittel an, graben Rohstoffe aus und rekrutieren Soldaten. 2:32 Aber auch den Atlantik erkunden sie. In Niederlassungen an der Küste Westafrikas handeln Sie mit Gold, Fellen und Elfenbein. 2:38 Wo sie auf Widerstand treffen, treten die Karthager auch militärisch auf. 2:43 Zum Teil besetzen karthagische Heere ganze Gebiete, zum Beispiel im heutigen Spanien. Die Besiegten müssen Abgaben zahlen 2:50 und ihre Außenpolitik an die Wünsche der Karthager anpassen. Bei ihrer Ausbreitung kommen die Karthager vor allem mit den Griechen in Konflikt. 2:57 Ein ständiger Krisenherd wird Sizilien, wo sowohl Karthago als auch die Griechen Siedlungen gründen. 3:03 Während sich der karthagische Einflussbereich ausdehnt, 3:05 wächst auf dem italienischen Festland eine neue Macht heran: Rom Zwischen 500 und 270 vor Christus unterhalten Karthago 3:13 und Rom gute Beziehungen. Sie schließen mehrere Verträge miteinander und stecken ihre Interessenssphären ab. 3:18 Sie unterstützen sich und kämpfen sogar gegen gemeinsame Feinde. Zwischen beiden steht im Westen von Sizilien die griechische Stadt Syrakus. 3:26 Lange ein gemeinsamer Feind, aber eben auch ein möglicher Verbündeter gegen den Vertragspartner. 3:32 Denn Rom und Karthago nehmen sich im Laufe der Zeit gegenseitig immer mehr als Bedrohung wahr. 3:38 Es ist dann ein eher kleiner Konflikt an der Meerenge zwischen Sizilien und der italienischen Stiefelspitze, der die Stimmung zwischen Rom und Karthago 3:45 kippen lässt. Die Hintergründe des Kriegsausbruchs 3:47 sind ziemlich kompliziert, deshalb hier nur die Kurzfassung: Karthago, Syrakus und die Herrscher der Stadt Messana 3:53 führen einen bewaffneten Konflikt. Im Zuge dieses Konflikts rufen Messanas Herrscher 3:58 264 vor Christus die Römer um Hilfe. Die Römer nutzen die Gelegenheit, um ihren Machtbereich auszudehnen. 4:05 Sie senden Truppen nach Sizilien. Es dauert nicht lange und Karthago und Rom führen einen offenen Krieg. 4:11 Den Ersten Punischen Krieg. Punisch, weil die Römer die Karthager auch Punier nennen. 4:17 Weil Rom an Land zu mächtig ist, besinnen sich die Karthager auf ihre Stärken und nutzen die Schlagkraft ihrer Flotte. 4:23 Sie erobern einige Küstenstädte auf Sizilien und halten die Kontrolle über das Meer. 4:28 Sie starten auch Überfälle auf die italienische Küste. Die Römer wiederum sind im Seekrieg unerfahren. 4:34 Um ihre Infanterie auch auf dem Meer einsetzen zu können, erfinden Sie darum für ihre Schiffe lange Enterbrücken, 4:41 sogenannte Corvi, mit einem Eisendorn an der Unterseite. Diesen Steg lassen Sie auf das feindliche Schiff fallen 4:48 und die Fußsoldaten können es dann entern. So zumindest die klassische Erzählung. 4:53 Denn manche Historiker bezweifeln, ob es die Corvi in dieser Form überhaupt gegeben hat. 4:58 Schlachten auf Schlachten folgen. Der Krieg zieht sich immer mehr in die Länge, und je länger er dauert, 5:04 desto entscheidender wird, wer mehr Ressourcen mobilisieren kann. Und da stellt sich das römische System der Bundesgenossen, 5:11 die regelmäßig Truppen stellen müssen, als effizienter heraus. Die Karthager setzen im Vergleich deutlich mehr Söldner ein, 5:18 das macht ihren Krieg teuer. Im Jahr 241 vor Christus geht den Karthager 5:23 nach mehr als 20 Jahren Krieg das Geld aus. Um nicht die Existenz ihres Staates zu riskieren. 5:29 Bitten sie um Friedensverhandlungen. Als Verlierer müssen sie sehr große Zugeständnisse machen. 5:34 Die Karthager verlieren Sizilien, müssen eine sehr hohe Wiedergutmachung zahlen und dürfen nicht mehr mit ihren Schiffen in italienischen Gewässern fahren. 5:43 Aber damit enden die Probleme nicht. Nach der Niederlage ziehen unbezahlte Söldner plündernd 5:49 durch Karthago und verbündete Städte proben den Aufstand. Vier Jahre lang dauert es, bis alle Aufstände niedergekämpft 5:57 und Karthago wieder für Ruhe im eigenen Lager gesorgt hat. Allerdings verlieren sie in dieser Zeit zusätzlich die Kontrolle 6:04 über Korsika und Sardinien. Auch diese Inseln gehen an Rom. 6:08 Um wieder aufrüsten zu können, gerät ein anderer Landstrich in den Fokus: die Iberische Halbinsel, also das Gebiet des heutigen Spaniens und Portugals. 6:16 Es sind reiche Landstriche, in denen beispielsweise Silber abgebaut wird. Im Jahr 237 vor Christus schicken die Karthager 6:22 deshalb den General Hamilkar Barkas nach Spanien. Der erobert die halbe Halbinsel. 6:28 Einige Jahre nach seinem Tod übernimmt sein ältester Sohn das Kommando. Sein Name ist Hannibal. 6:34 Hannibal ist gerade mal Mitte 20, und er ist ein überaus ehrgeiziger und begabter Feldherr. 6:40 Er sinnt auf Rache für die Niederlage im Ersten Punischen Krieg und provoziert die Römer. 6:45 Die erklären im Jahr 218 vor Christus Karthago tatsächlich erneut den Krieg und schicken eine Armee Richtung Spanien. 6:52 In dieser Situation wagt Hannibal ein Manöver, das Weltgeschichte schreiben wird. 6:56 Ihr wisst wahrscheinlich, worum es geht. Hannibal will den Römern in den Rücken fallen. 7:00 Dafür überquert er mit bis zu 50.000 Soldaten, gut 10.000 Reitern und 37 Elefanten die Alpen. 7:07 Die Zahlenangaben schwanken dabei. Falls ihr mehr über Hannibals Alpenüberquerung erfahren wollt, 7:11 Oben auf dem i gibt es von Terra X ein Video dazu. Dazu schaut er gerne mal rein. 7:15 Auch wenn viele Männer Pferde und Elefanten bei der Überquerung umkommen, schafft es eine sehr gut ausgerüstete und kampferfahrene 7:21 Armee nach Italien. Die Römer sind überrumpelt. 7:25 Statt in der Ferne müssen sie den Krieg jetzt vor der eigenen Haustür führen. Die Alpenüberquerung von Hannibal gilt bis heute als ein Meisterwerk 7:33 der Kriegskunst. Hannibal bringt den Römern trotz deren Übermacht in den kommenden Jahren 7:37 eine Niederlage nach der anderen bei. Allein bei der Schlacht von Cannae fallen etwa 50.000 7:42 römische Soldaten, gut 10.000 werden gefangen genommen. Also sehr viele Soldaten sind mit einer Schlacht weg kann. 7:49 Cannae wird zu einem Trauma für die Römer. Und auch in anderen Schlachten gibt es riesige Verluste. 7:54 Aber Hannibal siegt und siegt - nur den Krieg gewinnt er nicht. 7:58 Warum das denn? Na ja, zunächst mal, weil die Römer nicht aufgeben. 8:01 Selbst nach der Schlacht von Cannae suchen sie keinen Friedensschluss. Dazu hat Rom ein 8:05 sehr gut organisiertes Gemeinwesen mit einem starken Bevölkerungswachstum. Und vor allem hat Rom die anderen italischen Stämme 8:11 mit Verträgen an sich gebunden, die immer wieder neue Soldaten stellen. Auf einen Angriff auf die Stadt Rom verzichtet Hannibal allerdings 8:18 wahrscheinlich, weil sie zu groß und zu gut befestigt ist und ihm die Ressourcen für eine lange Belagerung fehlen. 8:24 Denn Hannibal muss gefallene Soldaten ersetzen und vor allem muss er sein Heer ernähren. 8:29 So zieht Hannibal unablässig durch Italien. Er versucht, die römischen Bundesgenossen dazu zu bringen, sich von Rom abzuwenden. 8:36 Aber die meisten bleiben Rom treu. Wohl auch, weil Rom die Verbündeten gezwungen hat, Geiseln 8:41 aus den bedeutendsten Familien zu stellen und Abtrünnige extrem hart bestraft. Und Rom lernt aus seinen Fehlern und geht zum Gegenangriff über. 8:51 Der junge römische Feldherr Publius Cornelius Scipio greift die Karthager in Spanien an und vertreibt sie von dort. 8:58 Dann wendet er sich nach Nordafrika gegen das karthagische Kernland. Hannibal wird nach Hause beordert, um die Heimat zu schützen. 9:06 16 Jahre hatte er in Italien gekämpft. 202 vor Christus in der Schlacht von Zama in Nordafrika muss er sich Scipio geschlagen geben. 9:15 Diese Niederlage entscheidet den Krieg. Wieder muss Karthago einen Friedensvertrag mit Rom unterschreiben. 9:20 Mit noch härteren Bedingungen als im letzten. Der Stadtstaat bleibt zwar selbstständig und wird nicht besetzt, 9:26 aber Karthago darf außenpolitisch nicht mehr ohne die Zustimmung Roms handeln oder Kriege führen. 9:32 Karthago ist ab sofort zweitrangig. Rom hat seinen Großmachtstatus untermauert. 9:38 Die Römer binden nach ihrem Sieg den numidischen König Massinissa einen ehemaligen Verbündeten Karthagos an sich. 9:44 Das Ziel ist: Ein starker Nachbar soll den Wiederaufstieg Karthagos verhindern. Trotzdem schafft es Hannibal, der inzwischen oberster 9:51 Regierungsbeamter ist, Karthago wirtschaftlich wieder aufzubauen. Hannibal selbst wird zwar von Gegnern innerhalb Karthagos bald 9:57 kaltgestellt, der rasante Aufschwung geht dennoch weiter. 20 Jahre nach der Niederlage ist die Stadt wieder ein blühendes Zentrum. 10:04 Sie liefert sogar Schiffe, um Roms Kriege in Makedonien zu unterstützen. Aber König Massinissa drängt Karthago immer weiter zurück, 10:12 schmälert dessen Einflussgebiet und nimmt mit Waffengewalt eine Stadt nach der anderen. 10:18 Dass die Römer diese Salami-Taktik unterstützen, erbost die Karthager. Sie stellen ein Heer auf, um Massinissa in seine Schranken zu weisen, 10:25 um sich selbst zu verteidigen. Aber der Numider triumphiert auf dem Schlachtfeld. 10:29 Und es kommt noch schlimmer für Karthago: Im Jahr 149 vor Christus, also gut 50 Jahre nach dem Hannibal-Krieg, 10:35 erscheint eine römische Kriegsflotte vor der Stadt und greift Karthago an. Eine Strafaktion, die Rom damit begründet, 10:42 dass Karthago gegen den Vertrag verstoßen und ohne Erlaubnis Krieg geführt habe. Das ist formal natürlich richtig, 10:48 aber es ist nur ein Vorwand, um den Konkurrenten endgültig loszuwerden. Denn das Karthago-Trauma der Römer sitzt nach den blutigen Kriegen immer noch tief. 10:57 Ein römischer Staatsmann, Cato der Ältere, soll seine Reden stets mit dem Satz beendet haben: 11:02 „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.“ - auch, wenn es in der Rede gar nicht um Karthago ging. 11:07 Bei allem wirtschaftlichen Aufschwung den Karthagern ist klar, dass sie keine Chance haben. Und sie wollen sich ergeben. 11:13 Die Römer fordern aber immer mehr, unter anderem die vollständige Entwaffnung. Zuletzt wollen sie, dass die Karthager ihre Stadt verlassen. 11:20 Die mobilisieren nochmals alle Kräfte, um der römischen Belagerung zu trotzen. Drei Jahre lang, bis ins Jahr 146 vor Christus, halten sie durch. 11:30 Dann wird Karthago von der römischen Armee erobert. Sechs Tage dauern die Kämpfe an, nur etwa 50.000 Einwohner überleben sie. 11:38 Das sind geschätzt 10 % der ursprünglichen Bevölkerung. Sie werden in die Sklaverei verkauft. 11:44 Die römische Armee zerstört die Stadt. Damit endet die Geschichte der Weltmacht Karthago. 11:50 Aber halt! Moment mal! Das Video ist nicht vorbei. Karthago ist ein zweites Leben vergönnt. 11:54 Etwa 100 Jahre nach der Zerstörung des phönizischen Karthagos entscheidet der römische Diktator Julius Cäsar, dass Karthago neu gegründet werden soll, 12:01 als römische Stadt. Aber erst Cäsars Nachfolger und Erbe Augustus schickt im Jahr 29 vor Christus 12:08 Siedler, die die Stadt Colonia Iulia Concordia Carthago gründen. Wiederum gut 100 Jahre später leben dort schon 300.000 Menschen. 12:16 Das römische Karthago ist die viertgrößte Stadt des Römischen Reichs - nach Rom, Alexandria und Antiochia. 12:23 Der Kirchenvater Augustinus von Hippo lebt hier zeitweise. Im Jahr 698 wird auch dieses 12:30 Karthago erobert und zerstört, diesmal von den Arabern. Heute zeugen nur noch Ruinen von der einstigen Größe der Stadt Karthago. 12:38 Ihre Geschichte ist ein gutes Beispiel dafür, dass oft Sieger die Geschichte schreiben. 12:42 Karthago hatte eine bedeutende Bibliothek, aber davon ist praktisch nichts mehr erhalten. 12:47 Unsere Informationen erhalten wir hauptsächlich durch den römischen oder griechischen Filter. 12:52 Dabei stand die Zivilisation Karthago aus der römischen in kaum etwas nach. Wer weiß, 12:57 wie die Weltgeschichte verlaufen wäre, wenn Karthago gegen Rom gewonnen hätte? Hätte es dann 13:01 kein großes Römisches Reich gegeben und damit auch keine Varusschlacht, keine Kreuzigung von Jesus und heutzutage keinen Lateinunterricht? 13:11 Was glaubt ihr, wie würde unsere Welt dann aussehen? Schreibt es mir gerne in die Kommentare. 13:15 Ist natürlich schwierig zu sagen, aber wenn ihr eine Idee habt, dann teilt sie uns gerne mit. 13:19 Und hier neben ihr findet ihr die Dokumentation von Terra X zu Hannibal, die ich vorhin schon mal kurz erwähnt hatte, 13:24 und darunter ein Video von unserem Kanal auch da gerne mal reinschauen. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.