Arbeitswelt - Wie KI den Jobmarkt wirklich verändert Hessischer Rundfunk https://www.youtube.com/watch?v=usAVYq-Sf8s Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Ob im Büro, auf dem Bau oder in der Medizin, Künstliche Intelligenz verändert längst unsere Arbeit. 0:06 Aber führt sie auch zu Jobverlust? Ich denke, dass nicht unbedingt die Jobs komplett ersetzt werden. 0:14 Die Jobs werden sich verändern. Meine Bedenken sind eher, dass wir unsere Gehirnkapazität 0:20 irgendwann ein bisschen aufgeben und verlieren. Weil uns so viel abgenommen wird, 0:25 dass man am Ende weniger nachdenken muss. Dass Maschinen Jobs von Menschen übernehmen, ist nicht neu. 0:32 Doch wie weit wird das mit KI gehen? Generative KI betrifft aber alles, was digital ist, 0:40 was digitalisierbar ist. Insofern hat es einen viel stärkeren Wumms, meiner Meinung nach, 0:46 als alles, was wir bisher hatten. MEX will wissen, macht die neue Kollegin uns bald alle arbeitslos? 0:53 Wir sind am Pathologischen Institut der Frankfurter Uniklinik. Fördergelder vom Bund finanzieren hier die Pathologie der Zukunft, 1:01 in der Künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle spielt. Das Team rund um Prof. Wild untersucht hier Gewebeproben, 1:08 stellt Diagnosen, z.B. Brustkrebs oder Prostatakrebs. Rund 500.000 Objektträger werden hier jährlich analysiert 1:15 für 6 Krankenhäuser in der Region. KI ist nicht nur die Bewältigung von komplexen Aufgaben. 1:22 Sondern wir nutzen hier die Spracherkennung, um einen vorher sehr aufwendigen Prozess 1:29 mit Aufschreiben der Proben, die bei uns ankommen, abdiktieren, schreiben im Schreibbüro, direkt vor Ort automatisieren. 1:39 Hier im Labor werden die Gewebeproben für die Analyse vorbereitet. Vieles wird weiterhin von Hand übernommen, aber: 1:47 Bisher war es so, dass wir histologische Schnitte unter dem Mikroskop angesehen haben. 1:54 Diese histologischen Schnitte werden jetzt digitalisiert. Ich gucke mir in Zukunft nur noch die Schnitte auf dem Bildschirm an. 2:03 Bis vor Kurzem wurden Gewebeproben noch durchs Haus getragen, mit dem Mikroskop analysiert und gingen zurück ins Archiv. 2:10 Dort lagerten sie ungenutzt. Heute sind alle alten und neuen Proben digital verfügbar. 2:16 Ein Datenschatz, der jahrzehntelange Erfahrung vieler Pathologen bündelt, mit der KI nun arbeitet, 2:22 schneller und präziser als zuvor. KI und Digitalisierung ist immer dann schön, 2:28 wenn sie einen selbst nicht betrifft. Das ist ein Satz, den mir viele Mitarbeiter sagen. 2:33 Die Arbeit verändert sich sehr. So empfinden aktuell viele Menschen. 2:38 Eine repräsentative Studie der Technischen Uni Darmstadt zeigt: 81 % der befragten Deutschen sorgen sich davor, 2:44 dass Künstliche Intelligenz ihren Job übernehmen könnte, v.a. junge Menschen. 2:50 Ich glaube, dass wir als jetzige Studienabgänger oder in den nächsten 3 bis 5 Jahren eher Probleme haben werden, 2:57 Einstiegsjobs zu finden, bis sich das wieder eingependelt hat, dass wir ein schlechtes Timing jetzt erwischt haben. 3:04 Ich bin werdende Hebamme. Ich habe keine Angst davor, 3:08 weil mein Job ist unersetzbar durch Künstliche Intelligenz. Ich bin im Leitungsbau, v.a. Glasfaser. 3:16 Da ist auch sehr viel Kundenkontakt. Die KI wäre nicht in der Lage, das zu ersetzen. 3:21 Ob KI doch bald ganze Berufsfelder ersetzen oder unsere Arbeit nur verändern wird? 3:26 Dieser Frage widmet sich seit mehr als 10 Jahren der Wirtschaftsinformatiker Peter Buxmann. 3:32 Wenn Sie eine Tätigkeit haben, die digital ist oder digitalisierbar ist, 3:37 auf dem Bildschirm abbildbar ist, dann kommt generative KI ins Spiel. Dann wird sich meiner Meinung nach tatsächlich alles verändern. 3:46 Wenn wir aber irgendeinen Job haben, wo es eher in die Richtung geht, z.B. ein Koch, ein Handwerker, 3:53 da wird sich nicht so viel verändern. Generative KI werde aber in allen Branchen Routineaufgaben übernehmen. 4:00 Das zeigen auch schon Studien. Rund 700 Unternehmen gaben an, 4:04 KI helfe v.a. komplexe Aufgaben zu erledigen und die Qualität der Arbeit zu verbessern. 4:10 Aber sie helfe auch, den Mangel an Fachkräften abzufedern. Einsparung von Personal nannten die wenigsten. 4:17 Langfristig allerdings, betont der Wirtschaftsinformatiker, käme es auf jedes einzelne Unternehmen an. 4:24 Nehmen wir einen Verlag im Bereich Journalismus, wo geschrieben wird. Dann haben die Führungskräfte die Entscheidung, 4:31 ob sie den gleichen Output nehmen und den jetzt mit vielleicht weniger Mitarbeitenden erzielen. 4:37 Oder ob sie sagen, wir wollen bessere Texte, bessere Software haben 4:42 und nehmen die Mitarbeitenden, um das Bessere zu erzielen. Die Frankfurter Uniklinik hat sich für das Bessere entschieden. 4:50 In der Pathologie ist Künstliche Intelligenz nicht mehr wegzudenken. Letztes Jahr wurden hier rund 14.000 Krebspatienten besprochen. 4:58 Ohne KI hat das pro Patient 4 Stunden gedauert, heute nur noch eine Minute. 5:03 Durch KI geht die Diagnostik nicht nur schneller, sondern sie wird auch besser. 5:07 Hier ist ein aktuelles Beispiel einer Patientin mit Brustkrebs. Man sieht hier in Dunkelblau die Tumorzellkerne 5:14 und in Braun die positiven Zellkerne, die die KI jeweils mit einem winzigen Pünktchen markiert hat. 5:21 Bislang musste Peter Wild schätzen, wie viele dieser Millionen Zellkerne braun, also Krebs, sind. 5:27 Als Arzt kann ich ja nicht wirklich zählen. Ich zähle nicht 80.000 Zellkerne aus. 5:35 Sondern ich schätze und die KI zählt. In den nächsten 10 Jahren gehen 50 % der Pathologen in Rente. 5:43 KI helfe, deren Wissen zu automatisieren. Doch hat auch der Professor Angst um seinen Job? 5:50 Ich selber habe davor keine Angst. Ich glaube, dass es uns helfen wird, 5:55 die Diagnostik zu verbessern und zu standardisieren. Das muss das Ziel sein. 6:02 Und wenn es dafür KI braucht, dann wird es passieren, egal, was wir denken und fürchten. 6:09 KI verändert unsere Arbeit, v.a. Routinejobs. Entscheidend wird sein, 6:15 wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden qualifizieren und einsetzen. Dann kann KI mehr Chance sein als Risiko.