Sollten religiöse Symbole in staatlichen Institutionen verboten sein? | 13 Fragen ZDFheute Nachrichten https://www.youtube.com/watch?v=ugA_2XR9iHQ Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Es geht um das Recht von Staatsbürger*innen, ihre Religionsfreiheit ausleben zu dürfen. In dem Moment- -Können sie doch -Kann ich nicht! 0:07 Nur nicht als Lehrerin. -Nur nicht als Lehrerin und nicht als Richterin, als Kassiererin, als Erzieherin im Beruf. Wo soll ich noch arbeiten? 13 Fragen. Hier kommt Frage Nummer 1: Sollen 0:28 religiöse Symbole in öffentlichen Einrichtungen verboten werden? Ja oder nein? Wenn ihr sagt Ja, Religion muss Privatsache bleiben, dann bitte 0:37 auf dem grünen Feld positionieren. Und wenn ihr sagt Nee, nee, Moment, wir haben in Deutschland Religionsfreiheit, dann bitte auf dem gelben Feld. Und Bitteschön! 0:49 Ja, vielen Dank! Jetzt wissen wir, wo ihr steht. Aber wo steht ihr? Kopftuch, Kreuz oder Kippa? Haben in öffentlichen Einrichtungen nichts verloren, sagen 0:59 die einen, denn Religion muss Privatsache bleiben. Das gilt für Schule, Gerichtssäle oder auch für die Polizei. Ja, Moment, sagen die anderen. 1:07 In Deutschland herrscht ja aus gutem Grund Religionsfreiheit. Verbote würden diese einschränken und zudem die Gläubigen diskriminieren, zum Beispiel 1:15 am Arbeitsplatz. Solche Fälle landen in letzter Zeit immer häufiger vor höchsten Gerichten, zuletzt beim Europäischen Gerichtshof. Das zeigt zwei Dinge. 1:23 Erstens Die Sache ist juristisch gesehen verdammt knifflig. Und zweitens Diese Gesellschaft ist sich ganz offenbar uneins, wie sie mit Religion 1:31 in der Öffentlichkeit umgehen will. Uneins sind sich heute auch meine Gäste. Aber bei 13 Fragen geht es ja um den Kompromiss. Der ist bei dieser Frage 1:39 ein bisschen schwierig. Und trotzdem habe ich die Hoffnung, dass wir trotzdem zeigen können, wie wir vielleicht ein bisschen näher aufeinander zugehen können. 1:47 Ob das heute klappt? Schauen wir mal. Aber erst mal die Frage an euch: Wo würdet ihr euch positionieren? Auf der grünen Seite? Religion muss Privatsache bleiben! 1:55 Oder auf der gelben: Nein, Religionsfreiheit muss durchgesetzt werden. Die Regeln sind ganz einfach. Wenn ihr der Gegenseite in irgendeinem Punkt 2:02 zustimmt, dann dürft ihr gerne einen Schritt nach vorne kommen, das heißt auf die Gegenseite zugehen. Und wenn ihr sagt: Eigentlich finde ich deine Meinung 2:09 gar nicht so schlecht, aber da erzählst du gerade großen Mist. Dann könnt ihr auch einen Schritt zurückgehen, also euch entfernen von der Gegenseite. 2:15 Mein Ziel ist es natürlich, euch möglichst nah in die Mitte zu bringen, hier in dieses sogenannte Kompromissfeld. Mal sehen, ob das dann am Ende dieser Folge 2:24 auch klappt. 13 Fragen. Hier kommt Frage 2 und die geht an Rabia. Du studierst Jura, du bist gläubige Muslima und du hast Sorge, dass auch was deinen Beruf 2:34 anbelangt, dein Kopftuch ein "Problem", in Anführungszeichen, werden könnte, nämlich inwiefern? -Anfang Mai wurde ein Gesetz beschlossen, das neue 2:43 Beamt*innen Gesetz, das dazu verleiten könnte, dass jetzt mir der Beamtenstatus verwehrt wird. Wir haben jetzt aber auch 2020 eine Entscheidung gehabt von einer 2:52 Rechts-Referendarin aus Hessen, der bestimmte Bereiche im Referendariat, wenn sie halt auf der Richterbank sitzen würde oder bei der Staatsanwaltschaft Aufgaben übernehmen würde 3:02 dass die Gefahr bestünde, dass da eine Gefahr für die Neutralität der Justiz wäre. Und auch da sehen wir das Argument: 3:10 Ja, vor Gericht wüsste man ja nicht der, ob der Verfahrensbeteiligte, ob die Richterin jetzt nach der Rechtsordnung urteilen würde 3:18 oder dass sie nicht neutral ist. Religiöse Symbole sind für mich Teil von Identität. Ich finde, es ist sehr wichtig, dass wir die Identitäten unserer Mitbürger*innen 3:26 sehen können, gerade dann, wenn diese Identitäten durch unser Grundgesetz geschützt sind. Ich würde gerne wissen, warum wir in diesem Land seit 20 Jahren 3:34 durch Gerichtsentscheidungen versuchen, Wege zu finden, wie wir das Kopftuch einschränken oder gar verbieten können und dadurch Frauen vom Arbeitsmarkt abhalten. 3:43 Könnt ihr nachvollziehen, Rabia, aus Angst, dass sie sagt: Moment mal, ich bin ja nun mal gläubig. Das ist nun mal so. Dass sie dann Angst hat, quasi eine Art 3:52 Berufsverbot auferlegt zu bekommen. Ich kann das verstehen und das wird auch ein Punkt sein, bei dem ich früher oder später mich zumindest vorsichtig 4:01 in das nächste Feld wage, weil ich mir gut vorstellen kann, wie es sich anfühlt, als Anhängerin einer Religion von bestimmten Berufen ausgeschlossen 4:11 zu werden. In einem Land, in dem Kirchen hofiert werden. Das ist nämlich das eigentliche Problem. Und deswegen mache ich jetzt einfach schon mal 4:19 diesen Schritt und sage: Ich bin total bei dir. Wenn du nicht verstehst, warum in Bezug auf den Islam, auf deine Religion, staatliche Neutralität gefordert 4:31 wird, wohingegen die Kirchen aus Steuergeldern subventioniert werden, so nicht nur aus der Kirchensteuer, bei weitem nicht, die Kirchen eigene Gesetze 4:40 haben und, beispielsweise was das Arbeitsrecht angeht, also ein perfekt treffender Bereich, und diese Kirchen von vorne bis hinten mit der Politik in bester 4:52 Lobbyarbeit zusammenarbeiten. Ich finde, dass religiöse Symbole an staatlichen Institutionen deswegen nichts verloren haben, weil der Staat seiner Pflicht 5:00 zur Neutralität, zur weltanschaulichen Neutralität nachkommen muss. Und er ist eigentlich so etwas wie ein unparteiischer Schiedsrichter auf dem Markt 5:10 der Weltanschauungen. Und es ist ja richtig, deine Religionsfreiheit wird tatsächlich ein kleines Stückchen eingeschränkt. Aber ich denke, das ist 5:18 zumutbar, denn jedes Freiheitsrecht endet dort, wo die Freiheiten anderer beginnen und Rechte müssen immer miteinander abgewogen werden. Und ich bin ganz fest 5:29 der Überzeugung, dass das staatliche staatliche Neutralitätsgebot schwerer wiegt als dein religiös motivierter Wunsch, auch während der Arbeit 5:40 als Richterin, Lehrerin oder Polizistin dein Kopftuch zu tragen. Also erstens glaube ich.. Also erstmal danke für deine Offenheit und zweitens also A) wird ihre religiöse 5:51 Freiheit nicht ein kleines bisschen beschränkt, sondern ist ziemlich ein massiver Eingriff. Und die zweite Frage ist ja auch noch: Warum eigentlich? 5:58 Was gibt es für eine massive Begründung, etwas so stark einzuschränken, wo weder eine Gefahr droht, noch eine Manipulation im Raume steht? Ein Verbot von religiösen 6:08 Symbolen an staatlichen Organisationen und staatlichen Institutionen muss deswegen diskutiert werden, weil es ist eine Frage der Grundrechte. Es ist 6:18 gleichzeitig auch eine Frage dessen, in welchem Klima wir leben wollen. Ich fasse das mal kurz zusammen: Wenn Rabia jetzt, mal angenommen, sie wollte Richterin werden, 6:27 sie könnte die neutralste, objektivste oder beste Richterin aller Zeiten sein, darf aber ihren Beruf vielleicht nicht ausüben, weil sie eben gläubig ist. 6:34 Doch, darf sie schon. Also ist denn hier wirklich die Religionsfreiheit eingeschränkt? Es ist doch das Symbol, dass, sagen wir es ganz ehrlich, 6:44 das Kopftuch, ist es doch, was das eigentliche Symbol ist, was als Religionssymbol nicht gezeigt werden soll. Es sollen keine religiösen Symbole gezeigt 6:54 werden, dass Kreuz auch nicht, bei mir in der Schule beispielsweise und auch nicht die Kippa. Nun ist für mich die Frage ist denn das das einzige Zeichen 7:03 deine Religion nach außen zu zeigen? Ich kenne sicherlich auch gläubige Frauen, die kein Kopftuch tragen und trotzdem den Glauben haben, also den Menschen, 7:14 die darauf bestehen, religiöse Symbole in der öffentlichen, im öffentlichen Raum der Schule zu zeigen. Muss ich entgegnen, dass die Schule dafür nicht den Raum 7:22 bieten kann, sondern wir sind wirklich ein neutraler Ort und religiöse Symbole, und auch das Werben um Religion gehört nicht in den Raum, den öffentlichen Raum einer Schule. 7:32 Die Frage ist doch die: Das Tragen des Kopftuchs ist durch Artikel 4 geschützt. Und jetzt zu sagen Wir haben Musliminnen, die tragen das nicht 7:40 oder wir haben doch andere Muslime, die tragen es halt und die, die es tragen: Pustekuchen! Die dürfen halt in dem Bereich nicht arbeiten. Und es geht gar nicht darum, 7:47 dass ich nicht neutral handele. Es geht um die Zuschreibung meiner Handlung. Und das finde ich halt schwierig. Wenn wir das nämlich durchgehen lassen, 7:55 dass aufgrund der Zuschreibung, Menschen Berufe nicht mehr ausüben dürfen und Gesetze erlassen werden. Da würden wir in anderen Bereichen, gerade 8:03 auch in der Justiz und Verwaltung gehörig Probleme bekommen. Aber Daniels Argument war ja, es gibt keinen Anfangsverdacht. Warum sollte ich denn überhaupt, 8:10 wenn jemand ein religiöses Bekenntnis in die Öffentlichkeit trägt, davon ausgehen, dass er eventuell nicht neutral sein könnte? Aber ich gehe gar nicht davon aus, 8:16 dass wir nicht neutral ist. Ich gehe davon aus, dass die Person, die also wenn wir jetzt vor Gericht sind oder wenn wir in der Schule sind, dass es eher 8:26 den Schutzbedürftigen, dass es denen eher erschwert wird. Gerade Mädchen und Frauen, die vielleicht aus fundamentalistischen Familien kommen, Gemeinschaften kommen. 8:37 Wie sollen die es raus schaffen, wenn sie überall religiöse Symbole sehen? Die Trennung zwischen Religion und Staat ist insbesondere wichtig für LGBTs, 8:47 Mädchen und Frauen, die entweder auf dem Weg sind, sich aus einer fundamentalistischen Familienstruktur zu befreien 8:58 oder die es schon geschafft haben und sich in einem neutralen Staat viel vertretener fühlen können. Also wenn wir überlegen: Die Evangelikalen werden in Deutschland immer 9:09 größer. In Bayern hängen an Schulen Kruzifixe. Wie ist das für eine Person? Obwohl Bayern ist katholisch, aber wie ist das für eine Person, die es eigentlich da raus 9:20 schaffen will, immer wieder diese Symbole zu sehen? Und... -Fragen wir doch mal den Mann, der für das Kreuz steht und auch gerne das Kreuz in öffentlichen Räumen 9:29 hat. Richtig? -Ja doch, genau. Ich freue mich darüber. Und erstens: Bayern ist nicht katholisch. Südlich vielleicht. Er kommt aus Franken. Das zählt nicht 9:38 zu Bayern. So richtig. Das ist evangelisch natürlich. Aber da ich ich kann es nicht ganz nachvollziehen, weil es da so viele... Du sagst, sie kann ja ein Teilbereich 9:47 von dem, was sie ohne Kopftuch möglich wäre, trotzdem machen. Aber halt nicht alles. Und ich fühle mich da an die DDR erinnert, wo mir viele Christinnen 9:54 erzählen: Ich durfte nicht studieren, ich durfte kein Lehrer werden, nicht weil ich was nach außen getragen habe, sondern weil sie wussten, dass ich sonntags in die Kirche gehe 10:01 und im Kirchenvorstand bin. Und davor warne ich. Also warum soll man das eingrenzen? Warum kommt diese Vor-Vermutung, dass jemand, der ja nicht 10:12 weil er jemanden übernehmen will, ein religiöses Symbol trägt, sondern weil es halt zu ihm gehört. Religiöse Symbole sollten in staatlichen 10:20 Institutionen nicht verboten werden, gerade nicht im persönlichen Bereich, denn es macht den Menschen als Ganzes aus. Nicht nur das wir scheinen und das, 10:28 was er tut, sondern auch die spirituelle, geistliche Seite, das was er glaubt. Aber das Argument war ja: Sie redet ja nicht über dich als Person, sondern über 10:36 diejenigen, die sich damit auseinandersetzen müssen, dass du zum Beispiel ein riesen Kreuz um den Hals trägst, beispielsweise. Und sie sagt: 10:42 Eventuell gibt es dann Gruppen, die da vielleicht immer wieder neu traumatisiert werden, weil sie zum Beispiel aus fundamentalen Gruppen kommen. 10:48 Denen würde man das Leben ja leichter machen. Das ist ja eine Güterabwägung zwischen deinen, deinen Rechten und den Rechten der Leute, die sich vielleicht 10:55 diskriminiert fühlen vom Kreuz. -Also ich bin einen Schritt vorgegangen, weil ich das schon nicht uninteressant fand und weil ich das auch nachvollziehen 11:03 kann. Weil es tatsächlich auch so ist, dass ich die implizierte Problematik mit starken religiösen Symbolen natürlich auch von der orthodoxen Seite, 11:10 von der fundamentalistischen Seite her kenne. Auch im Judentum. Es gibt natürlich eine extreme Beengung und eine Eingrenzung von Freiheiten in Familien, 11:19 von Frauenrechten, von jede Menge Sachen, die einhergehen mit einer religiösen Symbolik. Das ist richtig. Und trotzdem ist es natürlich unverschämt. Ihr sagt 11:27 ja: Du kannst doch einen anderen Beruf wählen, werd doch irgendwie eine nichtstaatliche Anwältin. Muss ja nicht Richterin werden. Was ist, 11:34 wenn sie Richterin werden will, weil es ihr Traum ist? Das ist doch niemandes Recht, aufgrund dessen so zu sagen, wie sie sich verhalten muss. 11:42 Und wie gesagt, was steht denn dem entgegen? Was ist denn überhaupt das Problem dessen, dass man ein Kopftuch trägt? -Das würde ich gerne direkt beantworten. 11:49 Du hast vorhin von dem Anfangsverdacht gesprochen. Ja, dieser Anfangsverdacht gilt nicht den Trägern und Trägerinnen der religiösen 11:58 Symbole, sondern sie gilt der Religion. Und die ist extrem gut begründbar. Du sprichst von der DDR, da reden wir von den letzten 15-60 Jahren. Wir können 12:07 uns die vorherigen Jahrhunderte anschauen, was mit Menschen gemacht wurden, die sich nicht zum Christentum bekannt haben. Wir können heute in islamisch-regierte Länder 12:16 schauen und uns anschauen, was mit Menschen gemacht wird, die sich nicht zum Islam und seinen Werten bekennen. Die werden gesteinigt, werden öffentlich 12:23 geköpft. Das war im Christentum lange Zeit nichts anderes. Das orthodoxe Judentum erfüllt das genauso. Und hier ist der Anfangsverdacht, der ist nicht 12:32 nur ein Anfangsverdacht, sondern es lässt sich ganz klar zeigen, dass das heutige Bildungssystem und Rechtssystem, davon sprechen wir heute, nur deswegen so gut 12:43 funktioniert und uns eine freie und offene Gesellschaft beschert, weil wir uns in Jahrhunderten von der Religion emanzipiert haben. Und heute exakt 12:53 diese Symbole wieder genau da rein zu holen, wäre kontraproduktiv. Und deswegen gehe ich auch wieder einen kleinen Schritt zurück. -Das bedeutet ja, 13:00 wenn man deine deine Argumentation jetzt konsequent weiterverfolgt, dann bist du ja nicht dagegen, dass religiöse Symbole in der Öffentlichkeit gezeigt werden, 13:06 sondern du bist gegen Religion an sich. -Nein, ich halte Religion für eine in dem Fall vollkommen unproblematische Privatsache, wo religiöse 13:15 Menschen eben keine übergriffigen Tätigkeiten ausüben, die andere in ihren Rechten einschränken. Aber ich halte es für schwer problematisch, 13:26 religiöse Überzeugungen in liberal- rechtsstaatliche Systeme einzuführen. Damit kommt der Clash. -Damit hast du es zumindest geschafft, dass hier Bewegung 13:36 auf das Spielfeld war. Die gab es vorher auch schon, bei Carina nämlich. Das habe ich vorhin aus dem Augenwinkel schon gesehen. Du bist auch nach vorne gegangen, 13:42 als Daniel gerade gesprochen hat, nämlich. Warum? Ich bin sehr für gegenseitige Toleranz, für, ich bin ehrlich gesagt auch für Neutralität. Und ich bin, ich komme 13:50 aus dem Bereich Schule und ich finde je jünger, die Kinder sind, umso deutlicher muss der Erwachsene, der vor ihnen steht, neutral und offen sein. Und wenn man 14:00 da ganz deutlich mit einem Kopftuch ist, dann ist man nicht neutral. Nach außen hin ist man zuerst einmal nicht neutral. Ich will das nicht werten und nicht 14:07 verurteilen, aber es ist einfach nicht neutral. -Entschuldigung, wenn er Mitglied der CDU ist, ist er auch nicht neutral oder von der AfD. -Ja, aber das trägt er nicht auf dem T-Shirt. 14:15 Neutralität ist doch ein absolutes Illusionsphantom. -Nein, das stimmt nicht. -Nein, das gibt es nicht. Das kann man versuchen rechtlich 14:25 zu fassen, aber da nicht. Da ist der Unterschied natürlich: Es darf sich niemand hinstellen und sagen" Guten Tag, ich bin hier von der CDU, ich bin jetzt 14:30 neuer Lehrer und Lehrer." Oder ich trage ein CDU T-Shirt, ist auch verboten. Aber was ist, wenn ich als Lehrer ein T-Shirt tragen möchte gegen Nazis? Es geht ja nicht nur um Säkularität, 14:38 sondern auch um weltanschauliche Neutralität. Also es gibt ja auch Lehrer, die "Atomkraft, nein danke!"-T-Shirts tragen oder "Scheiß Nazis!"-T-Shirts tragen. 14:48 Und ich finde das gehört genauso wenig in die Schule. Natürlich ist Neutralität irgendwie ein Hirngespinst. Also wir können nicht gänzlich neutral sein, 14:58 wir sind immer noch nicht da, wir sind immer noch Individuen. -Es geht auch nicht. -Es geht um's Zeigen! -Was? -Es geht um's Zeigen! -Mir geht es nur darum, sich wenigstens 15:08 zu bemühen, Neutralität darzustellen, also keine Symbole zu tragen. -Aber Rabia, kannst du das nachvollziehen? Jetzt hat Fatma gerade gesagt, wenigstens 15:17 das Bemühen um Neutralität sollte durchaus auch sichtbar sein. -Ich kann den Wunsch verstehen, aber letztendlich die Konsequenz von diesem reinen Bemühen wäre 15:26 der Verzicht auf mein Recht. Das Tragen des Kopftuchs ist durch Artikel 4 geschützt. Punkt. Und sobald wir in unseren staatlichen Institutionen 15:36 Neutralität propagieren, aber dadurch Leute ausschließen. Dann sind wir nicht mehr neutral. Ich finde, staatliche Institutionen müssen gerade die Vielfalt 15:45 der Bevölkerung widerspiegeln. Dass wir von diesem gesellschaftlichen Diskurs haben, dadurch ermöglichen wir ja Dass, dass wir ein Miteinander entwickeln 15:53 können. Anders geht es doch nicht. Und wie sollen wir dann funktionieren, wenn wir einander ausschließen? Selbst wenn man im Gericht dann das Problem 16:00 hätte. Okay, die Richterin, der Richter wirkt befangen, kann ich ja einen Befangenheitsantrag stellen. Und ich vermisse in der Debatte, 16:06 dass wir auf diese Rechtsinstrumente, die wir schon haben. Das wir nicht darauf verweisen und die bestärken, weil dadurch, indem wir sie nicht betonen, 16:13 dass wir einen Befangenheitsantrag haben, den Straftatbestand der Rechtsbeugung, höhlen wir unser System aus. Dadurch will man diese Instrumente einfach schwächer. 16:21 Ich bin vor allen Dingen deswegen einen ganz großen Schritt nach vorne gegangen und habe mich jetzt auch noch weiter in diese Richtung Kompromissfeld bewegt, 16:28 Weil mir sehr deutlich auffällt, dass du die ganze Zeit, ganz weit hinten an der Ursprungslinie stehst. Vielleicht ist das nicht deine Absicht, aber ich habe 16:34 ein bisschen den Eindruck und das ist leider der Eindruck, den ich öfter habe, wenn ich mit Vertreterinnen und Vertretern von Religionen diskutiere, 16:41 dass die Kompromissbereitschaft relativ gering ist. So, und das stört mich. Ich verstehe, dass du dich als Muslima, die sich dazu verpflichtet fühlt, 16:51 ein Kopftuch zu tragen, auch während der Arbeit ausgegrenzt und diskriminiert fühlst. Aber ich würde fast sagen, es tut mir leid, wenn ich diesen militärischen 16:58 Begriff hier anbringe. Das ist eine Art Kollateralschaden, um den Staat vor dem Zugriff durch die Religion zu schützen. Und das, denke ich, müssen 17:08 wir in Kauf nehmen, wenn wir diese offene, freie Gesellschaft schützen wollen. Darf ich einen Kompromissvorschlag machen? -Jetzt schon? Ja, gerne. -So, wenn wir sagen 17:18 würden, dass wir einen säkularen Staat haben, der sich verpflichtet, zu jeder Religion gleich fremd zu sein.. -Bin ich noch weiter vorne. -Dann sind wir in unserem 17:29 aktuellen System. Das ist unser Staat. Aber was ist die Konsequenz aus deinem Kompromissvorschlag? Du bist jetzt nach vorne gegangen, aber ich habe das jetzt, 17:36 also was, was folgt daraus? -Was folgt daraus ist, dass wir eine Prämisse gefunden haben, auf die wir uns beide einigen können. Okay, das heißt aber, 17:42 das hat jetzt nichts mit dir und deinem Kopftuch im Gerichtssaal zu tun? Nein. -Okay, jetzt Carina, vielleicht kannst du noch mal kurz 17:51 auf den Punkt bringen: Warum dürfen an deiner Schule Lehrer und Lehrerinnen keine religiösen Symbole öffentlich tragen? -Also ich habe sehr junge Kinder und die werden 18:01 eingeschult bei mir. Da sind sie fünf, sechs Jahre. Und wir alle wissen, je kleiner die Kinder sind, umso stärker sind sie zu beeinflussen. Und natürlich 18:11 ist jeder Lehrer, jede Lehrkraft, jeder Erzieher, jede Erzieherin bei mir, ist für die Kinder auch ein Vorbild. Und ich möchte eben auch verhindern, 18:20 dass Kinder klare religiöse Symbole vor Augen haben und denken: So muss das sein! Oder so muss das sein. Sie sollen bei mir an der Schule 18:28 die Möglichkeit haben, sich wirklich frei zu entfalten. Sie müssen die Möglichkeit haben, bei mir so gebildet, so erzogen zu werden, dass sie eine ganz klare, 18:38 ganz klare Meinungen entwickeln, ganz klare Standings, selbstbewusste junge Menschen werden, die sich dann selbst einer Religion zuordnen oder eben 18:46 auch nicht. -Was befürchtest du, wenn jetzt, wenn du jetzt quasi das Verbot gibst und sagst: Kommt, macht was ihr wollt, zieht an, was ihr wollt, 18:52 tragt Kreuze oder Kopftücher oder Kippa, was würde dann passieren? - Nun, da gibt es mehrere Dinge, die ich befürchte. Zum einen befürchte ich, 18:59 wenn die die Lehrerinnen, die werden geliebt, dann sagt so ein kleines Mädchen zu seiner Mutti zu Hause: Warum trägst du denn kein Kopftuch, so da muss 19:08 die Mutter sich zu Hause erklären? Und das sind Praxisbeispiele. Ich möchte den Eltern diese Diskussion nicht zumuten und ich möchte die Diskussion 19:16 in der Schule auch nicht haben. Ich möchte aber auch nicht die Diskussion haben, wenn ich zum Beispiel eine Kollegin mit einem Kopftuch oder einen Kollegen 19:23 mit einer Kippa oder einem Kreuz habe, dass Eltern zu mir sagen: Ich möchte aber, dass mein Kind jetzt nur noch von der Lehrerin mit dem Kopftuch oder gar nicht 19:31 von der Lehrerin mit dem Kopftuch unterrichtet wird. - Dominik, sas klingt doch alles ganz plausibel und nachvollziehbar. Warum kommst du nicht vor? -Nee, das finde ich... 19:37 Also, ich bin jetzt wieder zurückgegangen, weil ich das einen schwierigen Freiheitsbegriff finde. Natürlich müssen wir diese Diskussion führen und ich freue mich, 19:43 wenn so eine Schule geführt werden. -Aber ist Schule der Ort dafür? -Aber warum sollten wir da alles ausklammern, was den Menschen zutiefst ausmacht? Und natürlich dürfte 19:52 das dann sein, weil man lernt doch von Haltungen. Und wenn diese Person ein religiöses Symbol trägt und sich verfassungskonform verhält, dann ist 20:00 das doch perfekt. Und ich, ich, ich. Du hast vorhin gesagt, du findest religiöse Menschen immer so wenig kompromissbereit. Aber die Vorannahmen, die ich da jetzt 20:08 gehört habe, da kriege ich einen dicken Hals. Übergriffig. Als ob ein Kopftuch oder ein Kreuz sofort übergriffig ist. Ein Mensch kann übergriffig sein, Worte können 20:18 übergriffig sein, aber ein Mensch, der das trägt, was ihn zutiefst ausmacht und das auch plausibel erklärt. Zum Beispiel auch erklärt, warum man Kopftuch 20:26 trägt, warum man Kreuze hängen hat, das hilft doch, Kindern daran zu lernen. Na ja, aber man muss sicherlich auch das von Schule zu Schule betrachten. 20:34 Meine Schule ist eine Schule, wo wir 49 verschiedene Nationen haben. Da kommen Menschen aus Kriegsgeieten, die in diesem Kriegsgebiet Feind waren 20:44 und ich finde, dann haben wir als Schule die Aufgabe, denen auch einen neutralen, einen sicheren Raum zu schaffen, wo sie ohne die Ängste, die sie in dem Gebiet, 20:54 aus dem sie geflüchtet sind, zu uns geflüchtet sind, um hier sicher und ruhig wohnen zu können. Da brauchen Sie diesen geschützten Raum, um zu lernen. Und es ist 21:03 meine Aufgabe, meine Aufgabe als Schulleiter so einen ganz sicheren, ganz geschützten Raum zu schaffen, in dem die Kinder sich frei entfalten können. 21:11 In dem Fall kann ich das nachvollziehen und doch wieder denke ich doch dann hier die Kinder und den Lehrer begegnen, der die selbe Religion hat wie die Person, 21:19 die sie verfolgt hat, die dafür Kriege gesorgt hat. Und die merkt: Wow! Und die haben mich aber lieb, die behandeln mich mit Respekt, die ermöglichen mir diese Lernräume 21:26 und tuen mich nicht anhand meiner Nation aburteilen. Das ist doch ein Heilungsprozess. So stelle ich mir das vor. -Ich glaube diese Vielfalt 21:33 in den Schulen. Deswegen gehe ich noch mal einen Schritt zurück auf euch zu. Die ist mir wichtig, die ist mir überall wichtig. Ich finde, wir leben in einer vielfältigen 21:40 Gesellschaft, die durch den Staat auch repräsentiert werden muss. Nur kann das nur geschehen, wenn jede Religion gleichwertig ist. Und wenn wir nicht 21:50 nur bei den drei Weltreligionen bleiben, sondern bei jeder Religion. Und das kann nur der Staat vertreten, wenn er neutral bleibt. Das ist so mein Punkt. Du kannst 22:03 Vielfalt nicht darstellen, wenn du so Symbolfiguren aufstellst, wenn du Symbole an den Schulen aufstellst, sondern du kannst es nur über Neutralität, 22:12 die diese Vielfalt erst ermöglicht. -Dani, kannst du das nachvollziehen? Du stehst ja relativ mittig. -Ich habe mich nach vorne gestellt, weil Carina das Thema 22:21 Sicherheit, das emotionale Sicherheit von Schülern ins Spiel gebracht hat. Das war ein Punkt, der mir einfach eingeleuchtet hat. Das ist tatsächlich etwas, 22:30 was ich mir nicht überlegt habe und wo ich auch denke, das muss auch in Anbetracht gezogen werden. Man müsste auch natürlich auch das sehr wach beobachten, 22:38 wenn man ein Lehrer mit Kippa auf, auf auf Kinder lässt, die irgendwie palästinensisch sind, die vielleicht ganz schlechte Erfahrungen mit Israelis 22:49 oder wer auch immer gemacht haben, dann müsste man das... Aber es ist eben Thema. Ich möchte nicht, dass der Lehrer seine Kippa ausziehen möchte, sondern ich möchte, 22:56 dass man das an der Schule dann thematisiert und dass man dann auch wirklich darüber streitet und dass man auch spürt, dass diese Wand abgebaut 23:06 werden soll. Auf dieser Bühne der Schule ist die beste Möglichkeit, die Kontraste und Konflikte und die Unterschiedlichkeiten, auch die religiösen 23:15 Unterschiedlichkeiten voll auszuleben, voll zu diskutieren. Deswegen bin ich auch echt gegen eine Neutralitätspflicht. Ich bin der Meinung, 23:22 ich finde, ich wünsche mir Lehrer, die Haltung haben, die auch eine Haltung vertreten. Ich wünsche mir Lehrer, die irgendwie die Schüler fordern, 23:29 auch mit einer Meinung, die vielleicht auch nicht alle haben. Ich habe überhaupt nichts dagegen. Ich möchte, dass wir die Kinder frühzeitig erziehen. 23:38 Das Leben ist Debatte. Das Leben ist auch ein Stück weit, eben auch nicht einig sein, Kompromisse finden müssen, gemeinsam leben müssen, auch wenn wir ganz, 23:46 ganz unterschiedliche Meinungen haben. Aber das wird eben nicht gelernt durch Verbote. -Da muss eine Zwischenfrage stellen an euch: Was glaubt ihr? Gibt es so 23:54 etwas wie Neutralität? Was versteht ihr darunter? Und glaubt ihr, Menschen ohne öffentlich getragene religiöse Symbole sind neutraler als die anderen? 24:03 Was ist eure Meinung? Schreibt es gerne in die Kommentare rein und jetzt ist Fatma dran. -Ich komme aus einer kurdischen Familie, die eigentlich atheistisch ist. 24:11 Das war mir lange nicht bewusst. Mir wurde von mir wurde das geheim gehalten, weil es innerhalb der Community ein riesiges Problem gewesen wäre, 24:22 wenn ich es ausgeplaudert hätte. Ich glaube, die Schwierigkeit, die da ist, ist: Man muss halt auch an die Minderheiten innerhalb der Minderheiten denken. 24:31 Man darf nicht immer alles als ein großes Kollektiv betrachten. Ich bin als Kurdin von nicht nur deutschen Rassisten, sondern oft auch von türkischen Rassisten 24:43 betroffen. Also ich glaube, dass eigentlich in der Schule ein Schutzraum für alle Mädchen, Frauen, LGBTs haben will, die fern von, also wirklich kein Kreuz 24:57 angucken müssen und an ihre Sünden denken müssen, wenn sie irgendwie gerade mit den Gedanken an einen süßen Jungen, an den sie gerade irgendwie, sechste Klasse 25:08 denkt man doch oft an süße Jungen. Ich möchte nicht, dass das dieser Schutzraum für die Schutzbedürftigen nicht vorhanden ist. Und die sind mir in dieser Diskussion 25:19 die wichtigsten. -Du redest eigentlich über negative Religionsfreiheit, aber auch von Leuten, die vielleicht tatsächlich religiös sind, 25:27 katholisch erzogen wurden, in nicht Franken, sondern Bayern, aber trotzdem irgendwie ein schwules Begehren haben und jedes Mal, wenn sie in der Schule sind, 25:38 dieses Kreuz betrachten müssen und davon sich irgendwie immer wieder bedroht fühlen. Ich sehe deinen Punkt auch total, vor allem wenn das geschichtlich betrachtet. 25:47 Aber ich finde es gerade gut, dass ein Kreuz präsent ist, um eben so eine Fehlwahrnehmung, die voll auf Tatsachen fußt, die passiert sind. 25:54 Das Kreuz ist nicht "Du bist Süde, du bist schlecht!", sondern das Kreuz ist, Jesus sagt: Egal wer 26:03 du bist, ob du ein Mörder bist, ob du Unternehmer bist, wer du auch bist, du bist gleich geliebt in meinen Augen. Und genau das möchte ich, dass wir 26:12 das thematisieren, weil es in Deutschland halt sonst auch Thema ist. Und dann traue ich Schülern zu, dass sie auch sich dazu verhalten können, weil ich als Lehrer es denen 26:21 ermögliche. -Das ist deine Version des Christentums, wie du sie heute im wahrscheinlich weitgehend aufgeklärten Oberfranken, vom Protestantismus her 26:32 wahrnimmst. Schauen wir aber an die Quelltexte der Religionen. Schauen wir in die gelebte Religion und da will ich keine Unterschiede machen, dann sieht 26:40 das ganz anders aus. Schule ist ein Ort der Erkenntnis und nicht des Bekenntnis. Schule ist ein Ort der Aufklärung und nicht der Verklärung. Und natürlich muss 26:50 in der Schule über Religion gesprochen werden, und zwar massiv. Wer Religion nicht versteht, versteht die Tagesschau nicht. Ich finde es super, dass wir hier 26:57 darüber streiten und dass wir uns aufeinander zubewegen. Denn die Streitkultur ist gerade in den Religionen offensichtlich sehr schlecht 27:07 ausgeprägt. -Ich finde gerade diese Verdachtshaltung so übergriffig, wenn ich sage: Ja, du trägst das oder du bist das! Ziemlich hoher Prozentsatz 27:16 bist du deswegen übergriffig oder versuchst dem Kind etwas aufzudrücken, was es gar nicht selber will. -Es geht um Symbole. Es geht nicht um Individuen. 27:23 Wenn du der Ansicht bist, dass Jesus Schwule akzeptiert, Transpersonen akzeptiert, dann glaube ich dir das. Aber das Symbol tut es für viele 27:36 nicht. Und ich glaube, das ist ja der Punkt. Wir sprechen hier über Symbole. Ich bin jemand, der nicht religiös ist und der auch tatsächlich auch sehr, 27:46 sehr wachsam und auch sehr alarmiert beobachtet. Wie stark die Macht der Religion ist, wie verantwortlich auch fundamentalistischer Religion ist, seit 27:57 es die Welt gibt. Für sehr, sehr viele Kriege und sehr, sehr viele Konflikte, die aus religiösen Gründen geführt werden. In vielerlei Hinsicht habe ich oft 28:04 das Gefühl, dass wir durch das, dass wir in einer Zeit leben, in dem man sich viel eher anfängt zu verstecken und man weiß nicht mal richtig, wo eigentlich 28:12 die Positionen sind, sondern die Positionen werden immer, immer verwoben und immer eigenartiger. Und du kannst die Leute gar nicht mehr richtig verorten, 28:20 weil die Offenheit und das starke Bild auch teilweise eben nicht mehr gestattet ist, weil es eben schon als als als inkorrekt gilt, in vielerlei Hinsicht. 28:31 Und deswegen glaube ich schon, dass das die eine Diskussion mit der anderen Diskussion, finde ich, nicht wirklich nicht viel zu tun. Sondern es geht darum, 28:39 dass wir uns alle einig sind. Wir wollen nicht, dass Religion und Religiosität, egal welcher Religion, in den zivilrechtlichen und auch in den sozialen 28:48 Rahmen hineinwächst. Manipulativ. Sondern wir wollen dass, die Religion ein in sich, ein Kosmos in sich ist, wo Menschen etwas normal leben 29:01 können, was andere gar nicht so empfinden. Aber ohne sozusagen in den staatlichen Bereich hinein zu greifen. -Ich habe noch eine Frage mit dem Blick mal ins Ausland. 29:10 Es gibt ja verschiedene Staaten, die verschiedene andere Regelungen haben. Es gibt ja zum Beispiel die angloamerikanischen Staaten, also Amerika, 29:17 Kanada, England. Da wird, gibt es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass jeder auch religiöse Symbole auch zum Beispiel im Polizeidienst tragen kann. 29:25 Das Argument dahinter ist zum Beispiel Wir stellen unsere pluralistische Gesellschaft dar. Und natürlich gibt es muslimische, christliche, jüdische oder sonstige 29:33 religiöse Menschen, die auch im Polizeidienst arbeiten. Machen die das eurer Meinung nach alles falsch? Reden wir mal über Polizei. Sollten 29:40 wir also, sollten Polizistinnen und Polizisten in Deutschland religiöse Symbole tragen dürfen? Ja oder nein? - Nein, auch keine politischen. Ich finde das echt 29:48 wichtig, weil gerade die Arbeit von Polizei und und und Justiz ja auf Überzeugungen fußen, die sich quasi im Gegenteil von der Religion abgewendet 29:59 haben. Das heißt, England ist auf dem Holzweg. Ich finde das falsch. Wie geht es euch? Du sagst, das ist genau richtig. -Das ist doch der Ausschluss 30:07 letztendlich, sobald ich sage die Menschen... Meilenweiter Ausschluss. Die Diskriminierung findet nicht durch das Gesetz statt, sondern bereits durch 30:15 den Islam. Das heißt dadurch, dass ich meine Religion auslebe. -Nein, es geht nicht darum, es geht. Es geht darum, dass die Diskriminierung bereits 30:23 da stattfindet, dass Frauen vom Islam anders behandelt werden als Männer. Und vor dieser Diskriminierung schützt sich der deutsche Staat recht gut. 30:30 Ich weiß, die Themen sind miteinander verbunden. Wir können auch ganz klare Diskussionen dazu führen. -Da würde ich auch total da stehen. -Auch das Christentum, Sexismus pur. 30:38 Wir haben ja so unsere diversen Jahrhunderte Erfahrungen mit der Religion. Und wir können heute nur so frei leben, weil wir uns von der Religion emanzipiert haben. Ich will weder dir, 30:49 noch dir unterstellen, selbst unfrei zu denken. Aber ich will Verständnis dafür werben und ich stehe hier ganz vorne, dass die Betrachtung der Religion 31:00 bei Außenstehenden dazu führt, dass wir nicht den Eindruck bekommen, dass es sich hierbei um eine liberale Gesinnung handelt, die Menschen zur Selbstbestimmung 31:08 bewegt, das ist das Problem. -Da stimme ich dir voll ein. Wenn wir nur Außenwahrnehmung von Dingen, von Religion in unseren Kindern bieten, 31:15 dann ist ihnen nicht geholfen. Sondern es hilft ihnen exemplarisch zu zeigen: Wie lebt ein Christ? Es braucht einen Wahrnehmung, es braucht Menschen 31:23 und es kann nicht nur Lernstoff sein. -Also ich habe mehr und mehr das Gefühl, dass wir verkennen, dass es hier um gesellschaftlichen Status geht. Es geht 31:30 um das Recht von Staatsbürger*innen, ihre Religionsfreiheit ausleben zu dürfen. In dem Moment... -Lönnen Sie doch! -Kann ich nicht! Nur nicht als Lehrerin. 31:39 Nur nicht als Lehrerin und nicht als Richterin im Staatsdienst, als Kassiererin, als Erzieherin im Beruf. 31:48 Wo soll ich noch arbeiten? In welchem Bereich? Wir können uns nicht für Vielfalt und Pluralität einsetzen, sie dann ausschließen. Gerade in staatlichen 31:57 Institutionen machen wir uns damit angreifbar. Wir haben staatliche Institutionen die Diskriminierungen schützen 32:03 unsere Bevölkerung nicht davor. Aber da müssen wir hinschauen. Ich finde es in der Interaktion mit Dritten als Person, die vom Staat angestellt ist, 32:15 repräsentierst du den Staat. Und ich finde es sehr komisch, wenn wir jetzt über Leute nachdenken, die den Staat repräsentieren und deren Einschränkungen in Gesetzeslagen, 32:26 und nicht die Schutzbedürftigen, die dieser Staat vertritt. Und das ist glaube ich mein Problem mit dieser ganzen Diskussion. Es geht doch, es geht 32:34 auch um die Schülerinnen. Es geht doch und es geht auch um die Angeklagten. Ich gehe gleich wieder ein Schritt zurück, Da hast Recht. 32:44 -Da hast du Recht Fatma, das stimmt schon. Und trotzdem möchte ich einfach noch mal sagen: Ich bin überzeugt, es ist kein Weg, dass man Religion nicht einfach ausleben 32:53 und aus ausdrücken darf, frei ausdrücken darf. Ich glaube, es gibt, es gibt, es führt nur zu Spaltung. Ich sehe die Probleme, die wir alle haben, 33:02 aber trotzdem ist es nicht. Aber ich bin nicht der Überzeugung, es ist nicht der Weg. Ich glaube, der Weg geht zu einer Bekennung. Zu einem echten Bekennen 33:11 dessen, wer man ist. -Wir werden hier sicherlich keine Lösung finden, aber ich habe das Gefühl, wir haben ein paar Gemeinsamkeiten schon herausarbeiten 33:18 können. Jetzt versuchen wir noch mehr Gemeinsamkeiten aufs Feld zu bringen. Wir nennen es die sogenannte Kompromissrunde. Ich fange mal mit was ganz 33:25 einfachem an. Können wir uns darauf einigen, dass eine Richterin, die mit einem auffälligen Kreuz durch die Gegend läuft, also Christin ist 33:32 und das auch zeigt, trotzdem eine neutrale und gute Richterin sein kann. Persönlich, nicht dem Gegenüber gegenüber. Glaubst du nicht? Glaubt ihr? 33:42 Ja, du bist nach vorne gegangen, du bist auch nach vorne. -Persönlich ja, aber das Gegenüber... -Ihr könnt auch stehen bleiben. -Das ist der Punkt. Wir reden aber erst mal über die Menschen, 33:50 die sich vielleicht angegriffen fühlen, weil sie sagen, weil sie gesagt bekommen nur weil du ein religiöses Symbol trägst, glaube ich, halte ich dich nicht mehr 33:57 für irgendwie objektiv. Darum geht es. So, jetzt geht doch bitte mal in euch in kleinen Gruppen, versucht eine Formulierung zu finden, wo ihr sagt: Damit 34:05 kriegen wir sie rüber. Ziel ist es ja, möglichst nahe zusammenzukommen. Kompromissrunde, bitteschön. Ich weiß, es ist schwer. Aber die Juristin hat eine Idee. 34:15 Also ich zum Beispiel darf auch öffentlich gar keine politische Forderung stellen. Ich glaube, das ist auch zu kompliziert. -Was würdet ihr sagen, 34:22 was wäre euer Kompromissvorschlag? Wie kommen diese beiden Seiten noch näher zusammen, obwohl sie wahrscheinlich am Ende des Tages nicht den Konsens finden? 34:29 Vielleicht finden Sie eine Art Kompromiss. -Zeigt sie mir nicht, dann dürft ihr mitmachen, aber solange ihr sie zeigen wollt, dann tut es mir leid. Ihr könnt angsam zum Schluss kommen, 34:37 bitte. Insgesamt steht Grün ein bisschen weiter vorne als Gelb, also würde ich mal vorschlagen Grün fängt an, damit Gelb näher zu euch kommen kann. 34:48 Uns ist aufgefallen, dass der Neutralitätsbegriff offensichtlich ein bisschen Irritationen hervorruft. Und deswegen war unsere Idee zu sagen: Wir verstehen die Neutralität, 34:59 die wir hier einfordern, die weltanschauliche eben nicht als ein sich Raushalten. -Oder Gleichgültigkeit. -Oder gar als Gleichgültigkeit oder gar 35:08 als Tabuisierung. Sondern wir verlangen, dass die Institutionen des Staates sich bekennen zu den Werten von Demokratie und Aufklärung. Und dann ist es für uns 35:19 angezeigt, Symbole, die das konterkarieren, nicht vor allen Dingen bei Vertreterinnen dieses Staates zeigen zu lassen. -Okay, also konnten euch 35:29 die Grünen jetzt bewegen, dass ihr euch bewegt? -Nicht wirklich. -Das stört mich massiv und ich glaube, da kann man nicht weiter: Symbole konterkarieren, 35:38 die demokratisch freiheitliche Grundordnung, das ist so ein Vorurteilsgeladener Begriff, der unsere, ich kann Jetzt nur von mir reden, unsere Entwicklung 35:46 der Evangelischen Kirche in Deutschland der letzten 100 Jahre völlig ausblendet. Und da fühle ich mich absolut nicht gesehen. -Unser Vorschlag wäre: Ja, 35:55 wir gehen davon aus, dass staatliche Institutionen leider auch diskriminieren. Da sind wir bei den Schutzbefohlenen und wir müssen diese Menschen davor schützen. 36:04 Da könnte eine Lösung ein Antidiskriminierungsgesetz sein, was wir aus Berlin jetzt kennen. Andere Bundesländer sind da in der Diskussion. 36:11 Aktuell haben wir in Deutschland ein Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz. Das führt dazu, dass man im Berufsleben oder auch von Privaten nicht diskriminiert 36:20 werden darf. -Mit Ausnahme der Religion, das steht drin. Die Sache ist die aber, vor staatlichen Institutionen von der Polizei, in der Schule, 36:29 bei der Verwaltung, wenn ich da diskriminiert werde, bin ich da nicht geschützt. Und warum sollte ein Staat, der sich zur Religionsfreiheit 36:36 und zur Antidiskriminierungsprinzipien bekennt, diese nicht auf allen staatlichen Institutionen sicherstellen? Eine Lösung wären natürlich die 36:45 Antidiskriminierungsgesetze und ein Bundes-Antidiskriminierungsgesetz, um unsere staatlichen Institutionen zu binden. Und gerade 36:52 diesen Schutzbefohlenen, die ihr da angebracht habt, auch zu schützen. -Das ist zumindest der Versuch, einen Schritt auf euch zuzugehen. Zu sagen: Okay, wir sehen, 37:00 Schutzräume braucht es auf eure Weise, wollen sie es nicht, aber auf eine andere Weise, quasi durch die Hintertür, ein bisschen mehr tun für schutzbedürftige 37:08 Menschen. Da ist der Vorschlag. -Ich stehe vor allen Dingen deswegen hier so weit vorne, weil ich, das habe ich eingangs gesagt, total verstehen kann, dass gerade 37:17 Muslime sich ungleich behandelt fühlen gegenüber der hofierten christlichen Religion. Bleibe aber dabei, ich finde, dass der Staat Äquidistanz den selben 37:26 Abstand zu allen Religionen haben sollte. Und das kriegt er am besten hin, indem er den Kirchen die jetzigen Privilegien wegnimmt. Denn ansonsten 37:35 müssten wir dem Islam und dem Judentum die gleichen Privilegien geben wie den Kirchen. Und das halte ich für keine gute Idee. 37:42 Ich war tatsächlich eigentlich sehr glücklich mit der Diskussion. Ich habe echt gedacht, bei dem Thema werden wir an zwei Fronten bleiben und es wird sich nicht viel 37:51 bewegt. Aber ich find es war so viel Bewegung im Raum und mich haben Argumente überzeugt. Mich haben Argumente zurück bewegt und ich fand es eigentlich 38:01 eine richtig gute Diskussion. Ich fand es gut, dass wir diese Möglichkeit hatten, aber an manchen Stellen hatte ich schon das Gefühl, dass man hier verkennt, 38:09 dass es eigentlich hier um einen gesellschaftlichen Status geht. Es geht hier auch um mein Recht, als ebenbürtiges, gleichwertiges Mitglied 38:17 in dieser Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Und das wurde mir auch, gerade in der Debatte über den Safe Space, hat mir das gefehlt und ich wusste auch gar nicht, 38:24 wie ich mich dazu äußern soll. Und ich finde es gut, dass wir heute darüber diskutiert haben, dass wir auch auf Augenhöhe uns begegnen konnten. 38:31 Und ich glaube, wir müssen da echt, dass in den Debatten reinbringen. In der Tat muss man, glaube ich, noch stärker darüber reden, was die Symbolik 38:41 und die eigentliche Überzeugung der Menschen miteinander zu tun hat. Ich bin immer noch der Meinung, dass Institutionen Schutzräume sein sollten, aber ich habe 38:51 es einmal versucht anzubringen. Nicht die Verpackung des Kopfes zählt in erster Linie, sondern der Inhalt. -Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin überrascht, 39:01 dass ihr alle relativ weit vorne steht. Das habe ich vor dieser Folge nicht erwartet. Ich dachte im Gegenteil, dass viel mehr Leute ganz hinten stehen 39:08 und deswegen Glückwunsch, dass ihr so kompromissbereit sein. Ich finde es ganz toll. Natürlich war klar, wir finden natürlich nicht den einen Konsens heute. 39:15 Das ist vollkommen logisch. Aber wir sind schon relativ nah aufeinander zugegangen. Wahrscheinlich mehr als es sonst der Gesellschaft passiert. Vielen Dank dafür. 39:22 Danke schön! Hinter dieser Diskussion und ich denke, das ist heute klar geworden, steckt ja vor allem die Frage: In welcher Gesellschaft wollen 39:34 wir leben? Wollen wir die Religion immer weiter zurückdrängen oder wollen wir sie als selbstverständlichen Teil von vielen von uns in dieser Gesellschaft 39:42 akzeptieren? Wir werden diese Frage weiterverhandeln. Ich gehe davon aus, auch im Gerichtssaal. Wenn euch 13 Fragen gefällt, dann könnt ihr hier unseren Kanal 39:51 abonnieren. Dort oben findet ihr ein weiteres 13 Fragen Video und hier ein weiteres Video zum Thema.