Evolutionstheorie vs. Kreationismus | Richard Dawkins | Religionskritik Ethik-Abi by BOE https://www.youtube.com/watch?v=uACQlrev2jc Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Der britische Zoologe und Biologe Richard Dawkins ist einer der schärfsten Religionskritiker der Gegenwart und Mitbegründer der Bewegung des „Neuen Atheismus“. 0:11 In seinen Büchern wendet sich Dawkins gegen den Kreationismus, plädiert für mehr naturwissenschaftliche Bildung an Schulen und kritisiert insbesondere theistische Religionen und deren Gottesbegriff. 0:23 Was Dawkins dem Kreationismus entgegen zu setzen hat und wie er sich die Entstehung und Verbreitung von Religion erklärt, erfährst du in diesem Clip. 0:33 Richard Dawkins (*1941) ist ein britischer Zoologe, Evolutionsbiologe und Autor mehrerer wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Bücher. 0:41 Er wird 1941 in Nairobi (Kenia) geboren und verbringt die ersten 8 Jahre seines Lebens in Kenia. 0:50 1949 kehrt die Familie nach England zurück. Schon als Kind zweifelt Dawkins nach eigenen Angaben an einer von Gott erschaffenen Welt. 0:58 Als Teenager ist er überzeugt davon, dass der Glaube an die Existenz Gottes und an ein „Intelligent Design" aller Lebewesen durch die Evolutionstheorie überflüssig geworden 1:10 ist. Später (1959-1962) studiert Dawkins an der University of Oxford Biologie und promoviert 1:16 im Jahr 1966 bei dem berühmten niederländischen Professor und späteren Medizin-Nobelpreisträger Nikolaas Tinbergen. 1:24 Von 1967 bis 1969 ist er Assistenzprofessor für Zoologie an der University of California (Berkeley). 1:34 Er beteiligt sich an zahlreichen Studenten-Demonstrationen gegen Kriegseinsätze und setzt sich für mehr Rechte für Menschenaffen ein. 1:41 Danach (1970 - 1995) kehrt er zurück nach England und arbeitet als Professor für Zoologie an der University of Oxford. 1:51 1976 erscheint sein erstes Buch: „The Selfish Gene", zu deutsch "Das egoistische Gen". Darin definiert er das Gen als einzige maßgebliche Einheit im Überlebenskampf von Lebewesen 2:03 jeder Art. Gene nutzen nach Dawkins den Körper eines Menschen oder Tieres als „Überlebensmaschine“ 2:10 im Zuge einer natürlichen Auslese. Das Buch wird 2017 in einer Umfrage der Royal Society zum inspirierendsten wissenschaftlichen 2:19 Buch aller Zeiten gewählt. Es wird in über zwölf Sprachen übersetzt und ist der Beginn einer beispiellosen Karriere. 2:26 Alle später veröffentlichten Arbeiten von Dawkins werden zu internationalen Bestsellern. 1995 (-2008) übernimmt Dawkins den Lehrstuhl des "Charles Simonyi Professor of the Public 2:39 Understanding of Science" und beendet dafür seine Karriere als Wissenschaftler. Diesen Lehrstuhl hatte der US-amerikanische Milliardär Charles Simonyi in Oxford für 2:48 über eineinhalb Millionen Pfund extra für ihn eingerichtet. 2006 veröffentlicht Dawkins sein religionskritisches Werk „The God Delusion“, zu deutsch „Der 2:58 Gotteswahn“. Hierin beschreibt er theistische Religionen und insbesondere die drei monotheistischen 3:05 Weltreligionen als irrational und schädlich. Das Buch hat international durchschlagenden Erfolg und sorgt für heftige Diskussionen. 3:14 Es verkauft sich alleine im englischsprachigen Raum über 1,5 Millionen Mal und wird in 31 Sprachen übersetzt. 3:22 Im selben Jahr (2006) gründet Dawkins auch die „Richard Dawkins Foundation for Reason and Science“, um die humanistische Forschung zu unterstützen. 3:30 2008 zieht sich Dawkins aus Altersgründen endgültig aus dem akademischen Umfeld zurück. 2009 erscheint sein Buch „The greatest show on earth“, zu deutsch „Die Schöpfungslüge“, 3:42 in welchem er den Kreationismus ad absurdum führt und im Detail darstellt, wie sich die breite Vielfalt vom Leben auf der Erde durch die Evolution infolge natürlicher Selektion 3:53 entwickelt hat Richard Dawkins ist Träger zahlreicher Ehrendoktorwürden, Literatur- und Wissenschaftspreise. 4:00 Er setzt sich für eine strikte Trennung von Religion und Wissenschaft ein und ist Gründer und Unterstützer verschiedener Organisationen und Stiftungen, die sich explizit für eine 4:11 Verbreitung des Atheismus engagieren. Als Evolutionsbiologe stört sich Dawkins vor allem an dem unwissenschaftlichen Weltbild 4:19 von Religionen. Noch heute wird die Evolutionstheorie von religiösen Menschen - vor allem von Kreationisten 4:26 - offen angezweifelt. Laut Kreationismus (von lateinisch creatio = Schöpfung) sind das Universum und alle 4:31 Lebewesen buchstäblich so entstanden, wie es in den Heiligen Schriften der abrahamitischen Religionen (also Judentum, Christentum, Islam), insbesondere dem Schöpfungsbericht der Genesis, 4:42 steht. Der Kreationismus ist vor allem bei evangelikalen Christen in den USA weit verbreitet. 4:48 Hier seine 3 wichtigsten Thesen: 1.) Die Komplexität unserer Welt und der in ihr lebenden Lebewesen lässt sich nur durch einen 4:56 intelligenten Urheber erklären (Intelligent Design) Alle Kreationisten vertreten die Auffassung, dass die heute bekannten Organismen sich nicht, 5:05 wie die Evolutionstheorie behauptet, aus gemeinsamen Vorfahren durch natürliche Selektion entwickelt haben, sondern von einem Schöpfer geschaffen wurden. 5:14 Dieser Schöpfer oder intelligente Designer ist Gott. Die Theorie des „Intelligent Design“ geht zurück auf ein Argument des Theologen William 5:23 Paley (1743-1805) aus dem Jahr 1802 - gute 50 Jahre vor Darwins Evolutionstheorie: Würde man in der Natur eine Uhr finden, würde man auf Grund der Zweckmäßigkeit, mit der die 5:34 Einzelteile der Uhr zusammengefügt sind, darauf schließen, dass sie von einem intelligenten Schöpfer, dem Uhrmacher, angefertigt wurde. 5:43 Analog müssen auch die hoch komplexen lebenden Organismen, deren Bestandteile ebenso zweckmäßig zusammenwirken wie die Teile der Uhr, einen intelligenten Schöpfer oder Designer haben: 5:54 „Design must have a designer.“ Gegen diese Theorie des Intelligent Design wendet Dawkins sich bereits in seinem 1986 erschienenen Werk „Der blinde Uhrmacher: 6:04 Ein neues Plädoyer für den Darwinismus“. Hierin erklärt er die hohe Komplexität von Organismen mit der Evolutionstheorie, nämlich 6:13 dem Wirken von Mutation und Selektion, und macht deutlich, dass hierfür kein Schöpfergott notwendig ist. 6:20 In seinem Werk „Die Schöpfungslüge“ (2009) bringt Dawkins viele weitere Belege für die Evolutionstheorie und nennt anschauliche Beispiele für hochkomplexe Organismen, die 6:30 sich durch zufällige Mutation und anschließende natürliche Selektion entwickelt haben. (2.) 6:36 Die Erde ist erst 6000/ 10.000 Jahre alt.) Die zweite These des Kreationismus lautet, dass die Erde erst sechs- bzw. zehntausend 6:41 Jahre alt ist. Laut Kreationismus sind die Aussagen der Heiligen Schriften und somit auch des Schöpfungsberichtes 6:48 wörtlich zu nehmen. So errechnete der irische Erzbischof James Ussher (1581-1656) mit Hilfe verschiedener 6:54 biblischer Chronologien ein Erdalter von rund 6000 Jahren. Zeitpunkt der Schöpfung sei Sonntag, der 23. Oktober 4004 v. Chr., um 9 Uhr. 7:07 „Gemäßigte" Kreationisten nehmen ein Erdalter von rund 10.000 Jahren an. Dawkins macht deutlich, dass eine solche wörtliche Auslegung der Heiligen Schriften, insbesondere 7:17 der Bibel, naturwissenschaftlichen Erkenntnissen - vor allem der Evolutionstheorie - widerspricht. Und damit kommen wir auch schon zur dritten Kernthese des Kreationismus. 7:28 Der Kreationismus hält die Evolutionstheorie für eine bloße Theorie und zwar für eine unwissenschaftliche und falsche Theorie. 7:35 Die Evolutionstheorie kann nämlich nicht durch reproduzierbare Experimente bestätigt oder widerlegt werden, da Evolutionsprozesse so langsam ablaufen, dass sie nicht experimentell 7:47 überprüft werden können. Somit ist die Evolutionstheorie auch nicht wissenschaftlicher als irgendeine Schöpfungstheorie. 7:55 Mit diesen Argumenten möchten Kreationisten beispielsweise die Vermittlung der Evolutionstheorie im Schulunterricht verhindern bzw. eine gleichwertige Vermittlung der Theorie des Intelligent Design 8:07 oder des Schöpfungsberichts durchsetzen. Dawkins bezeichnet sein Werk „Die Schöpfungslüge“ (2009) als „persönliche Zusammenfassung 8:15 aller Belege dafür, dass es sich bei der „Theorie“ der Evolution in Wirklichkeit um eine Tatsache handelt, die „so unbestreitbar ist, wie es eine wissenschaftliche Tatsache 8:25 überhaupt sein kann.“ Die Kritik der Kreationisten beruht seiner Ansicht nach auf einer Verwechslung der Begriffe „Theorie“ und „Hypothese“. 8:34 Seine Argumente richten sich explizit gegen Kreationisten, welche die Evolution leugnen bzw. die Evolutionstheorie mit dem Argument relativieren, sie sei „nicht bewiesen“, 8:45 „nur eine Theorie“ oder „eine Frage des persönlichen Glaubens“. Dawkins zeigt an verschiedenen Meinungsumfragen auf, dass in den USA, Großbritannien und 8:55 der Türkei durchschnittlich ca. 40% Prozent der Befragten sich zu Positionen des Kreationismus oder des Intelligent Design bekennen bzw. zentrale Erkenntnisse der Evolutionstheorie 9:07 bestreiten. Für ihn ist die Ablehnung der Evolutionstheorie größtenteils Ergebnis „einer ganz allgemeinen 9:15 naturwissenschaftlichen Unbildung“. Er kritisiert daher explizit den bildungspolitischen Einfluss von Vertretern des Kreationismus 9:23 und des Intelligent Design v.a. in den Vereinigten Staaten. In allen seinen Büchern erklärt Dawkins die Vielfalt des Lebens mit der Evolutionstheorie. 9:33 Auch menschliche Verhaltensweisen wie Egoismus und Altruismus sowie der Hang des Menschen zur Religion können evolutionär erklärt werden. 9:43 Gene kämpfen normalerweise rücksichtslos und egoistisch ums Überleben. Altruismus gibt es nur dann, wenn er der größtmöglichen Verbreitung der Gene dient. 9:52 Doch der Mensch kann sich mit Hilfe seines Verstandes gegen die natürliche Evolution auflehnen. 9:58 Er kann beispielsweise beschließen, keine Kinder zu bekommen. Dawkins nennt neben dem biologischen Replikator - dem Gen - einen zweiten, einen neuen Replikator, 10:09 welcher an der Evolution beteiligt ist: das Mem. Ein Mem ist ein einzelner Bewusstseinsinhalt, die kleinste Einheit eines weitergegebenen 10:19 Kulturguts - beispielsweise eine Idee, eine Geschichte, eine Mode oder ein Text. Es vermehrt - repliziert - sich durch Nachahmung. 10:28 Voraussetzung für diesen neuen Replikator - das Mem - ist das menschliche Gehirn. Meme können durch Kommunikation und Imitation verbreitet und vervielfältigt werden. 10:39 Manche Meme haben großen Erfolg darin, sich zu verbreiten und in den Gehirnen der Menschen „festzusetzen“. 10:45 Sicherlich kennst du den englischen Begriff „Meme“. Damit ist ein Internetphänomen gemeint, das sich in sozialen Medien viral verbreitet. 10:54 Das Prinzip ist dabei das gleiche, das Dawkins beschreibt. Soziokulturell verstetigen sich Meme auf ähnliche Weise, wie Gene biologisch vererbt werden. 11:03 Dementsprechend unterliegen auch Meme einer soziokulturellen Evolution. Sie sind also selbst dem Evolutionsprozess unterworfen. 11:12 Dawkins nennt diese Theorie der kulturellen Evolution Memetik. Auch Meme mutieren, werden selektiert und stehen in Konkurrenz zueinander. 11:21 Nur besonders überzeugende Meme überleben diesen evolutionären Kampf ums Dasein. Meme können auch in Konkurrenz mit den Zielen der Gene geraten – ein Beispiel hierfür 11:31 wäre das Zölibat, das religiöse Versprechen ehelos, also ohne Sex und damit ohne Nachkommen zu leben. 11:39 Diese kulturelle Vererbung verläuft laut Dawkins wesentlich schneller als die natürliche. Und was hat all das nun mit Religion zu tun? 11:48 Dawkins erklärt kulturelle Phänomene wie die Religion mit seiner Theorie der Memetik. In Religionen reproduzieren sich seiner Ansicht nach Mem-Komplexe selbst und bringen dabei 11:59 kulturelle Effekte hervor, die keinen evolutionären Zweck im biologischen Sinne haben. Religionen haben sich laut Dawkins wie chronische Viren-Erkrankungen als Mem-Komplexe in den 12:11 Köpfen der Menschen festgesetzt. Meme sind also kein Teil der biologischen Evolution und können dementsprechend nicht 12:19 soziobiologisch erklärt werden. Sie befinden sich in einer völlig eigenständigen Sphäre. 12:25 Die memetische Evolution führt somit nicht notwendigerweise zu einer erfolgreicheren Reproduktion biologischer Organismen oder einer höheren Langlebigkeit ihrer Gene. 12:36 Bestes Beispiel hierfür ist das Zölibat. Religion verbreitet sich laut Dawkins besonders schnell, ähnlich einem Virus oder einem Kettenbrief. 12:46 Ebenso wie bei Kettenbriefen gibt es in erfolgreichen Religionen Anweisungen zum Weiterverbreiten, verbunden mit Drohungen bzw. Versprechungen. 12:56 Diese Religionen haben sich laut Dawkins im Laufe der Zeit gegenüber anderen Kulten durchgesetzt. Beispiele für besonders erfolgreiche Meme sind die Geschichten aus der Bibel, allen 13:07 voran der Schöpfungsbericht, und die Idee Gottes. Im zweiten Teil dieses Clips schauen wir uns Dawkins religionskritisches Hauptwerk „The 13:16 God Delusion“ - zu deutsch „Der Gotteswahn“ - genauer an. Überzeugt dich Dawkins Theorie bislang? 13:22 Und: Was hältst du persönlich vom Kreationismus? Schreibe deine Meinung sehr gerne unten in die Kommentare. 13:29 Mit dem Quizlet-Lernset „Richard Dawkins (Aktuelle Religionskritik)“ kannst du dein Wissen jetzt überprüfen und erweitern. 13:37 Viel Spaß beim Lernen und bis bald!