Außenpolitik im Deutschen Kaiserreich I musstewissen Geschichte MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=u9KLTs6E1Yo Transkript (automatisch erstellt) 0:00 In diesem Video erkläre ich die Außenpolitik des Deutschen Kaiserreichs. Wie Bismarck sein Bündnissystem aufbaut, 0:06 wie sich das Reich isoliert und warum Deutschland damals ein sehr globalisiertes Land ist. 0:11 Eben alles, was du wissen musst. Als Otto von Bismarck preußischer Ministerpräsident, 0:19 also Regierungschef von Preußen wird, hat er einen Plan, wie er Deutschland unter der Führung Preußens zusammenführen kann. 0:28 Dafür führt er drei Kriege. Ihr könnt euch dazu dieses Video hier oben anschauen, 0:32 ihr müsst nur auf das "I" klicken. Nach dem Jahr 1871 ändert Bismarck dann schlagartig seine Politik. 0:39 Finger weg von Kriegen, er will lieber Frieden. Warum will Bismarck auf einmal einen europäischen Frieden? 0:46 Um das besser zu verstehen, schauen wir mal in der Geschichte zurück. In der Mitte Europas bestand nie eine starke Macht. 0:54 Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs gibt es aber plötzlich eine sehr starke wirtschaftliche und militärische Macht. 1:00 Das Gleichgewicht der Staaten wird empfindlich gestört. Das ist so wie wenn man an ein ganz feines ausbalanciertes Mobile 1:09 plötzlich eine Stein dranhängt. Bismarck will nicht, dass Deutschland Europa unterwirft. 1:14 Er will, dass das Reich weiterbestehen kann. Deshalb taktiert und paktiert er. 1:19 Bismarck will ein System von Bündnissen mit den europäischen Staaten, was vor allem Frankreich isoliert. 1:25 Denn nach dem Krieg 1870/71 hatte Frankreich noch eine Rechnung mit Deutschland offen. 1:30 Das klingt fürchterlich, aber früher dachte man so in Europa, und in Teilen der Welt denkt man heute noch so. 1:36 Als Erstes schließt Bismarck das Dreikaiserabkommen zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und Russland. 1:42 Dazu kommt noch mal ein spezielles Abkommen zwischen Österreich und Deutschland. 1:46 Dann gibt es das Abkommen zwischen Deutschland, Österreich und Italien, den Dreibund. 1:52 Mit Russland schließt Deutschland einen geheimen Rückversicherungsvertrag. Und schließlich vermittelt Bismarck das Mittelmeerabkommen 2:00 zwischen England, Italien, Österreich-Ungarn und Spanien. Dieses Bündnissystem hat man später oft als genial beschrieben. 2:08 Bismarck nannte man einen Zauberer oder Jongleur. Er war keins von beidem. 2:14 Wenn man sich das Bündnissystem von Bismarck einmal genauer anschaut, kann man erkennen, dass nicht alle Absprachen, 2:20 die da getroffen waren, auch zusammenpassten. Bismarck geht es nicht darum, den Frieden zu sichern, weil er für Frieden ist. 2:26 Er will in erster Linie einen Krieg verhindern, weil er befürchtet, dass Deutschland verliert. 2:30 Deshalb schließt er Bündnisse und versucht ansonsten, die anderen zu beeinflussen. 2:35 Er benutzt Konflikte zwischen anderen Staaten, um die Position des Reiches zu stärken. 2:40 Das machen irgendwie alle, besonders die Engländer, Bismarck ist darin aber eben sehr geschickt. 2:47 Leider setzt sich damals keine europäische Macht für den Frieden ein, weil Frieden gut ist. 2:51 Bismarck selbst fasst seine außenpolitischen Ziele so zusammen: Alle Länder, außer Frankreich, sollen Deutschland irgendwie brauchen 2:59 und durch gegenseitige Konflikte davon abgehalten werden, sich gegen Deutschland zu verbünden. 3:05 Man kann Bismarck jedenfalls zugutehalten, dass er dazu beigetragen hat, dass die anderen in keinen totalen Konflikt kamen. 3:12 Oder auch in keinen Konflikt oder Krieg mit den Reich. Nach Bismarcks Abgang als Kanzler 3:16 trumpft die deutsche Außenpolitik viel mehr auf. Man achtet nicht mehr so sehr darauf, sich abzusichern. 3:22 Und so ist bis zum Jahr 1907 die Stellung der Mächte in Europa komplett anders. Vorher hatte Deutschland ein Bündnis mit Russland und mit Österreich-Ungarn, 3:30 jetzt gibt es ein Bündnis zwischen England, Frankreich und Russland. Für Deutschland bleiben nur die relativ schwachen Partner 3:38 Österreich-Ungarn und Italien übrig. Und die beiden haben auch noch miteinander Probleme. 3:44 Für Bismarck wäre das eine gefährliche Lage gewesen. Aber der Kaiser Wilhelm II. übersieht diese Probleme, 3:51 weil sein Blick weiter geht. Er kümmert sich viel lieber um Weltpolitik. 3:56 Weltpolitik heißt vor allem Kolonialpolitik. Die Europäer teilen sich damals die Welt untereinander auf. 4:03 Deutschland macht lange nicht mit oder nur ganz wenig mit, weil Bismarck das für überflüssig hält. 4:09 Aber immer mehr Politiker fordern einen "Platz an der Sonne". Man ist sich sicher, dass Deutschland 4:15 seinen Platz nachdrücklich einfordern muss. Radikal nationalistische Verbände fordern ein Deutsches Weltreich. 4:22 Togo, Kamerun, Deutsch-Südwest- und Deutsch-Ostafrika, sowie das Kaiser-Wilhelms-Land und das Bismarck-Archipel im Pazifik 4:31 gehören bald zum deutschen Kolonialgebiet. Jetzt ist der deutschen Führung klar, 4:35 dass Deutschland keine neuen Kolonien erobern kann, denn es gibt kaum Gebiete, 4:40 die sich noch nicht ein europäisches Land unter den Nagel gerissen hat. Alles schon verteilt, aber man will die Welt wirtschaftlich dominieren. 4:47 Das Deutsche Reich treibt damals die Globalisierung voran. Es ist ein wahnsinnig vernetztes Land. 4:54 Also Deutschland treibt immer mehr Handel mit aller Welt. Und Deutschland hat auch ein paar Kolonien. 5:00 Um den Handel zu schützen und die Kolonien anzubinden, braucht man eine Flotte. 5:05 Eine Flotte, die so stark ist, dass jeder, der sie angreift, mit dem eigenen Untergang rechnen muss. 5:11 So sagt man das. Also wird die deutsche Flotte aufgerüstet. 5:15 Um genug Geld zu haben, führt man die Schaumweinsteuer ein. Die zahlen wir übrigens auch heute noch, 5:22 auch wenn wir keine große Flotte mehr haben. Mit dieser Flottenpolitik und der ganzen Weltwirtschaftspolitik 5:28 gerät das Kaiserreich mit Großbritannien aneinander. Das Problem der deutschen Außenpolitik nach Bismarck ist, 5:33 dass das Reich sich so stark sieht, dass es meint, es könne aus einer Position der Stärke heraus agieren. 5:41 Nach und nach verdirbt's es sich so mit allen europäischen Mächten. Die Politik behauptet, die anderen Staaten würden Deutschland einkreisen, 5:49 um ihm zu schaden. In Wirklichkeit ist es aber so, dass sich das Kaiserreich selbst isoliert. 5:55 Dass Frankreich und Russland sich verbünden, das ist schlimm. Weil so ein Zweifrontenkrieg möglich wird. 6:02 Aber dass auch noch England gegen Deutschland steht, das ist katastrophal. Das Grundübel für alle europäischen Staaten, 6:09 das kann man heute ganz klar sagen, ist: Die Staaten haben nicht daran gearbeitet, wie man den Frieden bewahren kann. 6:15 Sie haben vielmehr daran gearbeitet, wie man sicherstellt, dass man einen möglichen Krieg nicht verliert. 6:20 Die Lage in Europa ist also angespannt. Seit 1905 rüsten alle deutlich auf. 6:28 Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, gibt es auf dem Kontinent Millionen Soldaten. 6:33 4,5 Millionen allein in Deutschland. 4 Millionen in Frankreich. 6:38 Insgesamt sind es 21 Millionen. Wie genau es zum Kriegt kommt, erklär ich euch in einem anderen Video. 6:45 Wenn ihr noch mehr zum Deutschen Kaiserreich wissen wollt, schaut euch mal diese Videos hier oben, wenn ihr auf das "I" klickt, an. 6:51 Und natürlich empfehle ich euch, diesen Kanal zu abonnieren. Solltet ihr definitiv machen, 6:55 dann bekommt ihr jedes neue Video hier bei uns zu sehen. Danke euch fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal. 7:00 Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017