Daseinsgrundfunktionen | EINFACH ERKLÄRT StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! https://www.youtube.com/watch?v=t1tOc3Ac6Uo Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Hallo und herzlich willkommen. Heute schauen wir uns mal die fundamentalen Bausteine an, aus denen unsere Städte, unsere Nachbarschaften und ja, am Ende 0:10 auch unser ganz persönliches Leben gebaut sind. Also lasst uns da direkt mal eintauchen. Mal ganz ehrlich, habt ihr schon mal über euren typischen Tag 0:19 nachgedacht? Wo wohnt ihr? Wo arbeitet ihr? Wo kauft ihr ein? Trefft Freunde, wo entspannt ihr euch? All diese Orte, zwischen denen wir uns jeden Tag 0:27 bewegen, die bilden quasi eine ganz persönliche Landkarte. Und das wirklich spannende ist, diese unsichtbare Karte eures Lebens, die für uns alle so 0:37 grundlegend ist, die hat in der Wissenschaft tatsächlich einen Namen. Es ist ein Konzept, das uns hilft, unsere Welt und wie wir in ihr Leben besser zu 0:45 verstehen. Und hier ist es auch schon. Daseins Grundfunktionen. Pu, zugegeben ein echtes Wortungetüm. Aber keine Sorge, das klingt 0:56 komplizierter, als es ist. Wir nehmen das jetzt einfach mal Stück für Stück auseinander. Also, was verbirgt sich dahinter? 1:04 Zerlegen wir das Wort mal. Da haben wir Dasein, also einfach unsere Existenz, dann Grund für das, was fundamental ist, was wirklich brauchen und Funktionen, 1:16 das sind die Tätigkeiten. Zusammengesetzt beschreibt es also nichts anderes als den Katalog der grundlegenden Aktivitäten, die wir alle 1:24 zum Leben brauchen. Ganz einfach eigentlich. Das Ganze kommt ursprünglich aus Bereichen wie der Sozialgeographie und der Architektur. Man kann es sich im 1:33 Grunde wie einen Rahmen vorstellen oder vielleicht besser wie eine Brille, die wir aufsetzen. Durch diese Brille können wir dann ganz klar sehen und einordnen, 1:41 wie wir den Raum um uns herum nutzen und was wir eigentlich von ihm brauchen. Und genau hier wird es richtig interessant. Diese eine Idee hat nämlich zwei total 1:52 mächtige, aber auch sehr unterschiedliche Anwendungsbereiche. Man kann sie benutzen, um etwas ganz Neues zu erschaffen oder aber um etwas, das 2:01 schon da ist, zu analysieren und zu verstehen. Schauen wir uns das mal an. Auf der einen Seite haben wir die Stadtplaner. Für die ist dieses Konzept 2:10 wie ein Bauplan, der sicherstellt, dass in einem neuen Viertel auch wirklich an alles gedacht wird. Im Fahrschag heißt das dann normatives Orientierungsraster. 2:19 Auf der anderen Seite sind die Geografen. Die nutzen es eher wie eine Linse, mit der sie eine bestehende Stadt oder Landschaft analysieren und 2:26 verstehen können. Für sie ist es ein ordnendes Interpretationsschema, also Bauplan versus Analysewerkzeug. Nur damit ihr wisst, die Idee ist nicht 2:36 von gestern. Ansätze davon finden sich schon in der berühmten Charter von Athen, einem Meenstein der Architektur. Und auch Geografen wie Bobeck haben da 2:45 schon dran gearbeitet. Aber die Version, die sich als am praktischsten und universellsten durchgesetzt hat, die stammt von einem gewissen Part aus dem 2:52 Jahr 1964. Und genau auf die konzentrieren wir uns jetzt mal. So, jetzt kommen wir zum Kern der ganzen Sache. Part hat es nämlich 3:01 geschafft, all unsere Bedürfnisse, die irgendwie mit Raum zu tun haben, auf sieben universelle Funktionen herunterzubrechen. Das ist sozusagen die 3:10 ultimative Checkliste für ein funktionierendes Leben an einem Ort. Der entscheidende Gedanke dahinter ist im Grunde dieser. Jeder einzelne Tätigkeit, 3:19 die wir ausüben und die irgendwie Raum beansprucht, egal ob wir zu Hause schlafen, zur Arbeit fahren oder im Supermarkt was einkaufen, befriedigt 3:28 immer eines dieser sieben Grundbedürfnisse. Ziemlich umfassend, oder? Okay, gehen wir sie mal durch. Nummer 1: Wohnen, klar, unser Zuhause. 3:39 Zweitens arbeiten, der Ort, wo wir unser Geld verdienen. Drittens, sich versorgen. Denkt an den Supermarkt, die Apotheke, alles für den täglichen 3:48 Bedarf. Viertens, sich bilden, das sind Schulen, Unis, Bibliotheken. Fünftens, sich erholen, also Parks, Kinos, Sportplätze. 3:59 Sechstens, Verkehrsteilnahme. Damit ist die ganze Infrastruktur gemeint, die uns von A nach B bringt. Und schließlich siebtens in Gemeinschaft 4:08 leben, also Kirchen, Vereine, Marktplätze, all die Orte, an denen wir zusammenkommen. Seht ihr diese sieben Punkte? Das sind die wirklichen 4:17 Bausteine. Ein Ort, der all diese Funktionen gut und vor allem leicht zugänglich anbietet, ist mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit ein Ort, an dem 4:25 Menschen wirklich gut und gerne leben. Und jetzt bringen wir dieses ganze Konzept mal aus der Theorie direkt in euren Alltag, denn das ist nicht nur was 4:35 für Akademiker, es ist ein unglaublich praktisches Werkzeug, das jeder von uns nutzen kann. Stellt euch diese sieben Funktionen mal wie eine Art Checkliste 4:44 vor oder vielleicht sogar wie ein Zeugnis für eure eigene Nachbarschaft, für euer Fitteel. Mit diesem Wissen könnt ihr selbst zu Analysten werden und 4:52 mal bewerten, wie gut euer Wohnort eigentlich aufgestellt ist. Also, Hand aufs Herz, fragt euch doch mal ganz konkret, wie gut schneidet euer Viertel 5:00 ab? Gibt es genug Grünflächen zum Erholen? Ist der nächste Supermarkt fußläufig erreichbar? Wie sieht's mit der Anbindung an Bus und Bahn aus? Sind 5:08 Schulen oder Büchereien in der Nähe? Und das bringt uns zur abschließenden und vielleicht wichtigsten Frage, wenn ihr diese Checkliste für euch im Kopf 5:17 mal durchgeht, welche dieser sieben lebenswichtigen Funktionen ist bei euch vor Ort vielleicht nur so lala abgedeckt oder fehlt möglicherweise sogar 5:25 komplett? Genau das zu erkennen ist der allererste Schritt, um unsere eigene Umgebung besser zu verstehen und vielleicht ja sogar um sie zu 5:33 verbessern.