Kreuzzüge im Mittelalter MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=rUW-TJorCn4 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 . Kämpfe gegen die "Ungläubigen" im Namen der Religion, 0:04 da denken viele wahrscheinlich sofort an den "Dschihad". In diesem Video soll es um Kämpfe ganz anderer Art gehen: 0:11 die Kreuzzüge. Ich erkläre euch, warum Europas Adelige auf Kreuzzug gehen, 0:17 was im Heiligen Land geschieht und welche Auswirkungen das alles auf die Geschichte hat. 0:25 Zuerst mal zum Begriff "Kreuzzug". "Kreuzzug" bezeichnet eine religiös motivierte militärische Aktion 0:32 gegen "Heiden" oder "Ketzer" oder Andersgläubige. Im engeren Sinn ist mit Kreuzzug aber ein Kriegszug gemeint, 0:40 den europäische Ritter zur Befreiung des Heiligen Landes und der Stadt Jerusalem von muslimischer Herrschaft unternehmen. 0:47 Schauen wir uns das politische Umfeld der Kreuzzüge genauer an. Im Hochmittelalter, also ab dem 11. Jahrhundert ist die Kreuzfahrerei 0:53 nicht das einzige Thema. Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen 0:58 und der Papst streiten um die Oberhoheit über die Christen. In der Kirche selbst gibt es ebenfalls Konflikte. 1:05 Die Bedeutung des Reiches nimmt ab. Frankreich und England steigen auf. 1:10 Es ist eine sehr unruhige Zeit für die Europäer. Viele meinen, dass der Endkampf zwischen Gott und dem Teufel 1:17 und die Wiederkunft von Jesus Christus, also das Ende der Welt, kurz bevorsteht. 1:22 Auch das religiöse Miteinander birgt Konfliktpotenzial. Juden, Christen, Muslime teilen sich eine heilige Pilgerstätte, 1:30 eine heilige Stadt, nämlich Jerusalem. Viele Gläubige pilgern jedes Jahr nach Jerusalem. 1:37 Jerusalem, dieses Wort hat für einen magischen Klang gesorgt. Die Stadt liegt im Machtbereich von Muslimen. 1:44 Das empfinden viele Christen als Demütigung. Übrigens erwarten sie, 1:49 dass der eben erwähnte Endkampf bei Jerusalem stattfinden wird. Jetzt zum konkreten Anlass 1:55 des 1.Kreuzzugs zwischen 1096 und 1099. Aus der Gegend des Aralsee machen sich die türkischen Seldschuken auf, 2:04 erobern Persien und das Zweistromland. Damit werden sie zur neuen bestimmenden Kraft 2:09 im islamischen Gebiet. Sie greifen auch das byzantinische Reich an und erobern Anatolien. 2:14 Der Kaiser in Konstantinopel Alexios I. Komnenos bittet die katholischen Christen um Hilfe. 2:20 Papst Urban II. ruft zu einem Kreuzzug auf. Dabei geht es weniger um die Brüder aus Konstantinopel. 2:27 In 1. Linie steht die Idee dahinter, Jerusalem für die Christenheit zurückzugewinnen. 2:33 Damit könnte man zum 2. auch den Muslimen einen Schlag versetzen. Und zum 3. geht es Urban II. auch darum, 2:40 die Christenheit hinter sich zu vereinen. Denn damals gibt es zwei Päpste. 2:45 Und so ein Kreuzzug gegen den Erzfeind der gesamten Christenheit, das ist doch aus dieser Sichtweise eine gute Idee, 2:52 hinter der man sich versammeln kann. Und zu guter Letzt will Urban auch die weltlichen Herrscher 2:57 hinter oder besser gesagt unter das Papsttum bringen. Eine ganze Menge Motive für diesen Kreuzzug. 3:04 Aber was motiviert die Ritter, sich auf die abenteuerliche Mission zu begeben? 3:09 Einem Kreuzzügler werden seine Sünden vergeben, er wird ins Paradies einziehen. 3:14 Kreuzritter erwerben sich Ruhm und Ansehen. Sie verstehen sich als Werkzeug Gottes. 3:19 Daher auch ihr Spruch, unter dem sie in den Krieg ziehen: Man kann aber auch weltliche Macht im Heiligen Land erobern. 3:29 Womöglich reiche Beute machen. Außerdem werde Europa ja konkret von den Muslimen bedroht. 3:35 Auf der iberischen Halbinsel gibt es das Reich der Mauren. Die Kreuzritter haben übrigens nicht von Kreuzzug gesprochen. 3:42 Für sie ist das Unternehmen eine bewaffnete Pilgerreise oder schlicht ein Feldzug. 3:47 Ende 1096 herum versammeln sich die Heere aus verschiedenen Gegenden Europas bei Konstantinopel. 3:54 7000 Ritter, mehr als 20.000 Fußsoldaten, noch mal so viele Unbewaffnete im Tross. 3:59 Das Gesamtheer besteht hauptsächlich aus Franzosen und Normannen. Kaiser Alexios I. ist nicht sehr begeistert. 4:06 Keiner findet es gut, wenn ein großes Heer, das nicht das eigene ist, vor der Türe übernachtet. 4:11 Der Kaiser lässt sich vorsichtshalber einen Lehnseid schwören. Das heißt, dass die Gebiete, die die Kreuzfahrer erobern, 4:18 letztlich den Byzantinern gehören soll. Diese Eide werden aber nachher nicht eingehalten. 4:24 Das vereinte Heer marschiert weiter, schlägt die Seldschuken in Kleinasien 4:29 und hat dann freie Bahn Richtung Gelobtes Land. Aber im Heer selbst gibt es Streitigkeiten. 4:35 Verschiedene Adelige setzen sich mit ihren Leuten ab und machen auf eigene Faust weiter. 4:40 Balduin von Boulogne z.B. gründet mit der Grafschaft Edessa den 1. Kreuzfahrerstaat. 4:47 Mitte 1098 sind nur noch etwa 20.000 Kreuzfahrer übrig. Sie belagern monatelang Antiochia 4:54 und beinahe wäre der Kreuzzug gescheitert. Aber mit Bestechung und Kampfeskraft schaffen es die bewaffneten Pilger 5:02 trotz tausender Opfer gegen eine Übermacht zu siegen. Dieser unerwartete Sieg in schier aussichtsloser Lage 5:10 spornt die nächsten Jahrzehnte immer wieder Kreuzritter an, im Vertrauen auf Gott 5:15 eigentlich selbstmörderische militärische Operationen zu wagen. Das ist der Spirit der Kreuzzüge. 5:23 Er hat etwas Wahnhaftes. 1500 Ritter mit 700 Pferden und etwas mehr als 10.000 Soldaten 5:30 ziehen ohne nennenswerten Widerstand Richtung Jerusalem weiter. Auch diese Belagerung ist miserabel vorbereitet 5:37 und gelingt nur um Haaresbreite. Bei der Einnahme und Plünderung Jerusalems 5:43 werden auch die Christen in der Stadt nicht verschont, denn sie haben die Tore ja auch nicht geöffnet. 5:48 Der ganze Kreuzzug ist kein prächtiges, glänzendes Unternehmen, sondern schrappt immer wieder knapp an der totalen Katastrophe vorbei. 5:57 Und, Achtung Spoiler, der 1. Kreuzzug ist aus Sicht der Europäer der einzig erfolgreiche. 6:04 Ich kann schon mal verraten: Jetzt wird es erst richtig schlimm. Zunächst existieren jetzt 4 Kreuzfahrerstaaten. 6:10 Das Königreich Jerusalem, das das heutige Israel und den Libanon umfasst. 6:15 Die Grafschaft Tripolis und das Fürstentum Antiochia im heutigen Syrien 6:20 und die Grafschaft Edessa. Diese Kreuzfahrerstaaten werden keine blühenden Kolonien, 6:25 denn die Gegend ist nicht für Landwirtschaft geeignet. Und die muslimischen Nachbarn warten darauf, 6:30 mit einer militärischen Übermacht ihre Gebiete zurückzuholen. Dass das nicht umgehend geschieht, liegt daran, 6:37 dass die Muslime untereinander ebenso zerstritten sind wie die christlichen Europäer. 6:42 Insgesamt werden die Kreuzfahrerstaaten von einigen 1000 Rittern, 6:48 ihren männlichen Familienangehörigen und Fußsoldaten verteidigt. Sie bauen hunderte Burgen, 6:55 die auch mit kleiner Besatzung Widerstand leisten können. Die Hauptlast tragen die Ritterorden. 7:01 Je nachdem, wie man sie betrachtet, kämpfende Mönche oder betende Ritter. 7:07 Die Johanniter z.B. widmen sich der Krankenpflege und dem Waffendienst. Heute verzichten sie auf die Waffen und sind als Hilfsdienste parat. 7:15 Ihre mittelalterlichen Vorgänger werden später nach Malta verlegt. Die Templer wollen Pilger und das Heilige Land schützen. 7:23 Ihr Orden wird später aufgehoben. Und der Deutsche Orden, 7:27 der sich ebenfalls der Krankenpflege und dem Kampf widmet, wird später in Preußen eingesetzt. 7:33 Dazu habe ich auch schon ein Video gemacht, findet ihr hier oben. Diese Ritterorden werden von ihren Gütern in Westeuropa aus unterstützt. 7:41 Auch die Kreuzfahrerstaaten halten nur dank des beständigen Zuflusses von Mitteln aus Europa durch. 7:48 Wir haben die Motive für den 1. Kreuzzug und dessen Verlauf etwas ausführlicher erklärt, 7:54 damit ihr euch ein grobes Bild machen könnt. Ab jetzt geht es etwas im Zeitraffer weiter. 8:00 Es folgen nämlich weitere Kreuzzüge. 1101 scheitert die Rückeroberung Anatoliens. 8:06 1144 wird die Grafschaft Edessa von den Muslimen zurückerobert. 1147-1149 machen sich im 2. Kreuzzug 8:16 sogar die Könige des Heiligen Römischen Reiches und von Frankreich nach Osten auf. 8:21 Beide erreichen gar nichts, außer natürlich viele tote Ritter und Soldaten. 8:26 1187 erobert Saladin, der Sultan von Ägypten und Syrien, Jerusalem. Die Kreuzfahrer können sich nur in Antiochia, Tripolis, 8:35 Tortosa und Tyrus halten. Im 3. Kreuzzug von 1189-1192 kann Jerusalem nicht erobert werden. 8:44 Immerhin kann König Richard Löwenherz von England Saladin einen Friedensvertrag abringen, 8:49 sodass Christen nach Jerusalem pilgern können. Die Kreuzfahrerstaaten existieren erst einmal weiter. 8:55 Kaiser Friedrich Barbarossa, der ein sehr großes Heer mitführt, ertrinkt im Fluss Saleph. 9:01 Sein Heer reist größtenteils zurück. Der 4. Kreuzzug von 1202-1204 soll sich gegen Ägypten wenden. 9:09 Von dort geht die eigentliche Gefahr gegen die Kreuzritterstaaten aus. Aber dann wird Konstantinopel belagert und geplündert. 9:17 Das byzantinische Reich war damit so gut wie erledigt. Der Kinder-Kreuzzug von 1212 9:24 ist nicht nur von Kindern durchgeführt worden, sondern auch von Leuten aus den unterschiedlichsten Schichten. 9:30 Da waren sicher auch Kinder dabei. Nach dem Angriff auf Konstantinopel im 4. Kreuzzug 9:34 lehnen viele die Kreuzzugs-Idee ab. Und die Erzählung, dass sich reine Kinder geopfert hätten, 9:41 sollte dieses Manko irgendwie beheben. So oder so, diese Kreuzzugs- Teilnehmer enden in der Sklaverei. 9:48 Konstantinopel wurde wieder christliches Herrschaftsgebiet, nämlich zum neu gegründeten Lateinischen Kaiserreich. 9:56 1229 verhandelt Kaiser Friedrich II. mit dem Sultan von Ägypten und erreicht, dass ihm Jerusalem überlassen wird. 10:03 Aber das ist nur ein Scheinergebnis, denn militärisch war die Stadt von den Kreuzfahrerstaaten abgeschnitten. 10:10 Und 15 Jahre später holen es sich die Muslime zurück. Bis ins Jahr 1270 finden weitere Kreuzzüge statt, 10:18 die auf Ägypten zielen und scheitern. Spätestens 1291 erobern die Sultane 10:24 alle christlichen Gebiete in der Levante, dem historischen Gebiet östlich des Mittelmeeres zurück. 10:29 Und sie zerstören auch alle Festungen, um weitere Kreuzzüge so zu erschweren, 10:34 dass sie nicht unternommen werden. Warum scheitern die Kreuzzüge? 10:38 Die christliche Allianz ist voller Widersprüche. Byzanz unterstützt die Kreuzzügler nicht. 10:43 Der Kaiser von Byzanz hätte gerne, dass die Kreuzfahrer sich seiner Oberhoheit unterstellen, 10:48 aber denen liegt nichts ferner. Ohne Rückhalt sind sie ihren muslimischen Gegnern 10:53 schon ausrüstungsmäßig unterlegen. Auch die Venezianer und die Normannen aus Süditalien 10:59 sind und bleiben Gegner von Byzanz. Zwischen den katholischen Christen im Westen 11:03 und den orthodoxen Christen in Byzanz herrscht vielleicht keine Feindschaft, 11:07 aber eine Freundschaft gibt es eben auch nicht. Die großen europäischen Staaten 11:12 haben sowieso kein politisches Interesse an den Kreuzzügen. Die nutzen den Rittern höchstens persönlich und dem Papst. 11:19 Der aber will, dass sich die weltlichen Herrscher ihm unterordnen. Und das wollen natürlich diese Herrscher wiederum nicht. 11:25 Also die Gemengelage ist unübersichtlich. Die Beteiligten verfolgen alle unterschiedliche Ziele. 11:31 Es gibt einen starken Feind. Da wäre ein dauerhafter Triumph der Kreuzfahrer 11:35 die eigentliche Sensation gewesen. Fragt sich, was von den Kreuzzügen bleibt. 11:40 Im positiven könnte man nennen, dass Europa mit dem damals fortschrittlicheren Orient 11:45 in Kontakt kommt und einiges von dort übernimmt, z.B. in der Medizin. 11:49 Schwerer wiegt aber, dass die Kreuzzüge für die islamische Welt eine traumatische Erfahrung waren, 11:55 die sich so ins kollektive Gedächtnis eingegraben hat, dass bis heute die Staaten des Westens 12:01 als Kreuzfahrer wahrgenommen werden. Die islamischen Herrscher 12:05 bedienten sich im Kampf gegen die christlichen Feinde u.a. des Begriffs des "Dschihad", 12:09 der so auch als Kampf gegen die Christen eingeführt wird. Und heute hat der Westen Angst 12:15 vor den selbst ernannten Gotteskriegern aus dem Nahen Osten. Unter dem Strich: 12:20 Das Erbe der Kreuzzüge belastet uns noch heute. Woran denkt ihr, wenn ihr in den Nachrichten oder sozialen Netzwerken 12:28 von Kreuzzügen lest? Wenn dort Parallelen gezogen werden zu heute? Sagt ihr: "kann man so sehen"? Oder: "nee, überhaupt nicht"? 12:34 Schreibt gerne in die Kommentare eure Meinung dazu. Neben mir findet ihr ein Video über das Osmanische Reich. 12:41 Hat zwar nicht direkt damit zu tun, aber indirekt. Schaut gerne rein. 12:45 Darunter noch ein Video der Kollegen von Funk. Folgt uns gerne bei Instagram. 12:49 Dort gibt es täglich spannende Posts zu historischen Themen, solltet ihr nicht verpassen und auch diesen Kanal hier abonnieren. 12:56 Genug Werbung, danke fürs Zuschauen. Bis zum nächsten Mal.