Marktversagen [Politik im Überblick] Fit durch Wissen https://www.youtube.com/watch?v=qpPVYaELxQE Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Wir kennen ja den freien Markt als eine wahnsinnig mächtige Kraft, oder? Aber was passiert eigentlich, wenn er, naja, wenn er mal nicht so funktioniert, wie 0:08 er soll? In dieser Analyse schauen wir uns genau an, warum die berühmte unsichtbare Hand manchmal den Ball fallen lässt und was das für uns alle 0:16 bedeutet. Ja, warum eigentlich? Diese Frage, die bringt uns direkt zum Kern des Problems. Märkte sind unglaublich gut darin, uns Dinge wie Autos oder 0:26 Smartphones zu liefern, aber sie können uns eben nicht alles geben, was wir wertschätzen. Eine saubere Umwelt z.B. gibt's nicht einfach so im 0:34 Supermarktregal. Und genau diese Lücke, also der Bereich, wo der Markt aus eigener Kraft einfach nicht das liefert, was für die Gesellschaft am besten wäre, 0:42 genau das nennen Ökonomen Marktversagen. Was heißt das jetzt genau? Es bedeutet, dass der simple Mechanismus aus Angebot und Nachfrage nicht automatisch zum 0:52 bestmöglichen Ergebnis für die gesamte Volkswirtschaft führt. Ganz wichtig hierbei: Wir reden hier nicht von einem Börsencrash oder sowas. Nein, es geht um 1:01 eine viel grundlegendere Ineffizienz bei der Verteilung unserer Güter und Ressourcen. Okay, aber warum passiert das überhaupt? Wieso kommt ein so 1:10 mächtiges System wie der Markt ins Stolpern? Die Wirtschaftswissenschaft hat da, sagen wir mal, vier Hauptschuldige ausgemacht. So, und das 1:18 sind sie, unsere vier Hauptverdächtigen: Öffentliche Güter, externe Effekte, asymmetrische, also ungleiche Informationen und geballte Marktmacht. 1:28 Gehen wir sie einfach mal Stück für Stück durch. Fangen wir mit den öffentlichen Gütern an. Die haben zwei ganz entscheidende Merkmale. Erstens: 1:37 Nichtausschließbarkeit. Das heißt, niemand kann von der Nutzung ausgeschlossen werden. Und zweitens: Nichtrivalität. 1:45 Heißt, wenn ich es nutze, steht es für dich trotzdem noch im exakt gleichen Umfang zur Verfügung. Das klassische Beispiel ist die Landesverteidigung oder 1:53 eine Straßenlaterne. Und das führt uns logischerweise direkt zum sogenannten Trittbrettfahrerproblem. Man kann sich das ja bildlich 2:01 vorstellen, wenn jeder umsonst mitfahren kann, wer ja, wer bezahlt denn dann für den Bus? Und weil die Antwort oft niemand lautet, werden solche wichtigen 2:10 Güter vom freien Markt entweder gar nicht oder nur unzureichend angeboten. Kommen wir zum zweiten Punkt, den externen Effekten. Das klingt jetzt 2:20 vielleicht erstmal kompliziert, aber man kann sie sich super als Spillover-Effekte vorstellen. Das sind Kosten oder auch Nutzen, die bei einem 2:27 Geschäft zwischen zwei Parteien entstehen, aber plötzlich unbeteiligte Dritte treffen. Schauen wir uns das mal an zwei Beispielen an. Auf der einen 2:35 Seite haben wir negative Effekte. Eine Fabrik pustet Schadstoffe in die Luft. Die Firma und ihre Kunden machen ihr Geschäft, aber die Anwohner tragen die 2:43 Gesundheitskosten. Diese Kosten tauchen im Produktpreis nicht auf. Der Markt produziert also zu viel von diesem Produkt. Und auf der anderen Seite gibt 2:51 es auch positive Effekte. Wenn eine Firma Grundlagenforschung betreibt, dann profitieren von den Innovationen am Ende alle. Hier produziert der Markt zu 2:59 wenig, weil die Firma eben nicht den gesamten Nutzen für die Gesellschaft als Gewinn verbuchen kann. Dritter Übeltäter: Asymmetrische Information. 3:06 Klingt wieder sperrig, ist aber im Grunde ganz einfach. Einer weiß mehr als der andere und dieses Wissensungleichgewicht, 3:14 das kann einen Markt massiv verzerren. Das Paradebeispiel dafür ist der Market for Lemons, für den es sogar einen Nobelpreis gab. Stellen Sie sich den 3:22 Gebrauchtwagenmarkt vor. Der Verkäufer, der weiß natürlich ganz genau, ob die Karre top ist oder eben eine Lemon, eine Zitrone, also Schrott. Und der Käufer, 3:30 tja, der hat keine Ahnung, der tappt im Dunkeln. Dieses Misstrauen führt dazu, dass Käufer nur bereit sind, einen Durchschnittspreis zu zahlen. Und was 3:37 passiert? Die Verkäufer der guten Autos sagen, nee, für den Preis verkaufe ich nicht und ziehen sich zurück. Übrig bleiben, genau, die Zitronen. Und aus 3:46 diesem Informationschaos entstehen zwei typische Folgeprobleme. Erstens, die Adverse Selection, also eine Negativauslese. Das passiert, ganz 3:56 wichtig, vor dem Vertragsabschluss. Denken Sie an Versicherungen. Wer wird sich am ehesten versichern wollen? Genau, die Leute mit dem höchsten 4:04 Risiko. Und zweitens, Moral Hazard, das moralische Wagnis. Das passiert nach dem Vertragsabschluss. Wer eine Vollkaskoversicherung hat, fährt 4:13 vielleicht ein klitzekleines bisschen unvorsichtiger, weil er die vollen finanziellen Konsequenzen ja nicht mehr selbst tragen muss. 4:21 Und damit zum letzten Hauptgrund für Marktversagen: geballte Marktmacht. Das ist eigentlich selbsterklärend. Wenn ein einzelnes Unternehmen, also ein Monopol 4:31 oder eine kleine Gruppe, ein Kartell, den Markt komplett im Griff hat, dann ist der Wettbewerb futsch. Sie können die Preise diktieren und die Mengen 4:39 künstlich knapp halten. Und das alles zum Schaden von uns Verbrauchern. Okay, wir haben jetzt also lauter Probleme. Das ruft natürlich nach einer Lösung, 4:49 oder? Und genau hier kommt eine neue Figur ins Spiel: der Staat, sozusagen als Schiedsrichter. Man kann sich das so vorstellen: Wenn die unsichtbare Hand 4:59 des Marktes zittert, ungenau arbeitet oder einfach komplett daneben greift, dann braucht es oft jemanden von außen, der einschreitet, die Spielregeln wieder 5:08 gerade rückt und für Fairness sorgt. In Deutschland haben wir dafür einen ganz wichtigen Schiedsrichter, das Bundeskartellamt. Und sein Präsident 5:16 Andreas Mund hat die Mission mal perfekt auf den Punkt gebracht: Es geht darum, den freien und fairen Wettbewerb zu schützen. Und wie macht das Amt das 5:25 genau? Was sind seine Werkzeuge? Na ja, zum einen verfolgt es illegale Kartelle, die heimlich Preise absprechen. Zum anderen prüft es Unternehmensfusionen, 5:35 um zu verhindern, dass ein Superkonzern entsteht, der zu mächtig wird. Außerdem schaut es Unternehmen mit einer marktbeherrschenden Stellung ganz genau 5:41 auf die Finger und schützt uns Verbraucher, gerade auch in der digitalen Welt. Aber, und jetzt kommt der entscheidende Twist in der ganzen 5:49 Geschichte, dieser Retter ist eben nicht perfekt. Der Schiedsrichter ist nicht unfehlbar. Was passiert denn, wenn der Eingriff vom Staat selbst neue Probleme 5:59 schafft? Tja, genau dann sprechen Ökonomen von Staatsversagen. Das ist, wenn man so will, das genaue Gegenstück zum Marktversagen. Es beschreibt 6:08 Situationen, in denen eine gut gemeinte staatliche Regelung die Lage am Ende nicht verbessert, sondern vielleicht sogar verschlechtert. 6:16 Der entscheidende Punkt ist also, egal ob Markt oder Staatsversagen, am Ende steht immer ein suboptimales, ineffizientes Ergebnis für die 6:24 Gesellschaft. Nur der Verursacher ist ein anderer. Mal der Markt selbst, mal der Staat, der eigentlich helfen wollte. Aber warum scheitert der Staat denn 6:32 manchmal? Eine spannende Perspektive liefert da die sogenannte Public-Choice-Theorie. Die schaut sich Politik quasi mit einer 6:39 ökonomischen Brille an. Die sagt z.B. gut organisierte Lobbygruppen können die Politik zu ihren Gunsten beeinflussen. Politiker denken vielleicht eher an die 6:48 nächste Wahl als an langfristig sinnvolle, aber unpopuläre Entscheidungen. Bürokratien können einfach ineffizient sein. Und ganz 6:55 entscheidend, auch der Staat hat keine Glaskugel. Ihm fehlen oft die perfekten Informationen, um wirklich ideal eingreifen zu können. Puh, also, was 7:03 lernen wir jetzt aus diesem ewigen Tauziehen zwischen Markt und Staatsversagen? Es scheint, die Antwort liegt irgendwo in der Mitte, im 7:11 Gleichgewicht. Die eigentliche Kunst in der Wirtschaftspolitik ist es also nicht, sich stur für eine Seite zu entscheiden. Also, nur Markt oder nur 7:20 Staat. Nein, es geht darum, für jedes Problem die richtige Mischung zu finden. Die perfekte Balance zwischen dem freien Spiel der Kräfte auf der einen und 7:29 notwendiger Regulierung auf der anderen Seite. Und das bringt uns zu der einen riesigen Frage, über die Ökonomen und Politiker wohl ewig streiten werden. Wo 7:39 genau ziehen wir diese Grenze? Wie viel Staat ist nötig und wie viel Markt ist möglich? Das ist die zentrale Herausforderung, die uns alle auch in 7:47 Zukunft beschäftigen wird. So, das war's für heute. Wenn euch diese Aufschlüsselung gefallen hat, dann würde ich mich riesig über ein Like und ein 7:56 kostenloses Abo freuen. Vielen Dank fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.