Demokratie@Geschichte - Der Kapp-Lüttwitz-Putsch Gesellschaft Erforschung Demokratie-Geschichte https://www.youtube.com/watch?v=qTXU_kZcai4 Transkript (automatisch erstellt) 0:01 [Musik] heute spreche ich mit dr Mark bertuschka Mark batuschka ist Historiker aus Jena 0:18 und er arbeitet bei der Gesellschaft zur Erforschung der demokratiegeschichte er beschäftigt sich intensiv mit der wmarer Republik und hier unter anderem mit dem 0:27 Kap lütwitzputsch Herr Dr batusch beschreiben Sie doch einmal welche Ereignisse dem K lütwidzputsch vorangingen also im früher des Jahres 0:37 1920 war die politische Situation in Deutschland stark angespannt das lag unter anderem eben an dem versayer Friedensvertrag den die Republik im 0:48 Sommer des vorigen Jahres unterzeichnet hatte und dessen Bestimmungen jetzt in Kraft traten unter anderem gehörte dazu eben eine deutliche Reduzierung der 0:57 Streitkräfte von etwas über 400000 Mann auf etwas über 100.000 Mann also dreiviertel der Soldaten und Offiziere hätten ihre Beschäftigung verloren und 1:09 das eben zusammen mit einigen anderen Bestimmungen des Vertrages na trug eben dazu bei dass insbesondere im offizierscor aber auch in Teilen der 1:18 politischen Landschaft insbesondere auf der politischen Rechten eben eine starke Erbitterung herrschte und schon seit längerer Zeit Vorbereitung für einen 1:27 Putschversuch liefen ich entnehme ihren Ausführungen dass vor allen Dingen die Frustration der Soldaten ein großes Problem war doch 1:36 was waren die Ziele der Putschisten also das Ziel war es in erster Linie eben den Versailler Friedensvertrag rückgängig zu machen ähm insbesondere eben die 1:47 Truppenreduzierung und auch die Auslieferung deutscher Kriegsverbrecher das an sich war eben schon ein illusorisches Ziel eine unrealistische 1:56 Zielstellung denn äh selbst wenn es ihnen gelungen wäre Deutschland eben einen Umsturz herbeizuführen hätte die kassierung des Friedensvertrages 2:04 natürlich sofort wieder den Ausbruch von Kampfhandlungen insbesondere mit Frankreich mit sich gebracht es ging aber eben nicht nur darum es ging auch 2:13 darum die Ergebnisse der Novemberrevolution im Land eben rückgängig zu machen das heißt also entweder anstelle der jungen Demokratie 2:22 eine Diktatur einzuführen oder aber der Monarchie wieder zur Macht zu verhelfen Herr Dr batuschka berichten Sie uns doch bitte einmal von den Ereignissen des 2:32 Putsches im März 1920 in der Nacht vom 12 zum 13 März marschierten die Soldaten der Marinebrigade Erhard in Berlin ein die 2:42 Regierung von Reichskanzler Bauer und Reichspräsident Friedrich Ebert sah sich in diesem Augenblick eben vor das Problem gestellt dass sie sich auf ihre 2:53 Verteidiger also auf Reichswehr und paramilitärische Polizeitruppen nicht verlassen konnten weil diese den ein Satz gegen ihre muternden Kameraden 3:01 verweigerten die Regierung musste also aus Berlin fliehen zunächst nach Dresden und als sie auch dem dortigen militärischen Oberkommandierenden nicht 3:13 trauen konnten flohen sie weiter nach Stuttgart die Putschisten übernahmen also in Berlin die Macht führende Vertreter waren eben der leitende 3:22 DNVP Politiker Wolfgang Kapp und General weiter Freiherr von lütwitz bevor die die Regierung Bauer aus Berlin geflohen war war in ihrem Namen jedoch ein Aufruf 3:34 zum Generalstreik erlassen worden und dieser Generalstreik wurde dann in weiten Teilen des Landes auch tatsächlich von den Arbeitern aber auch 3:44 von sehr vielen Beamten und Angestellten aufgenommen und es bildeten sich quasi dezentral in zahlreichen Städten 3:54 aktionsausschüsse häufig zusammengesetzt aus den Vertretern der Parteien der Sozialdemokratie der unabhängigen Sozialdemokratie und der Kommunistischen 4:04 Partei sowie zum Teil der Deutschen Demokratischen Partei diese aktionsausschüsse organisierten dann das Einsetzen des Generalstreiks am Montag 4:13 dem 15 März und stellten zum Teil auch bewaffnete Milizen auf die diesen Streik absichern sollten gegen das Eingreifen von Truppen es war eben vor allem dieser 4:25 Generalstreik aber auch die Verweigerung vieler bürgerlicher Politiker mit den poschisten zusammenzuarbeiten die letztlich zum Zusammenbruch des Putsches 4:35 innerhalb weniger Tage führte weil es den Putschisten eben weder in Berlin noch in den Landeshauptstädten gelang wirklich eine arbeitsfähige Regierung 4:45 aufzustellen was waren denn die Folgen des Putsches und was geschah mit seinen Akteuren also Wolfgang Kapp floh am 17 März zunächst außer Landes er kehrte 4:57 später zurück verstarb aber bevor man ihm den Prozess machen konnte Freiherr von lütwitz ging für ein paar Jahre ins Exil und kehrte dann im Rahmen 5:06 einer Amnestie wieder zurück und ähnliches muss man eben auch für die anderen poschisten konstatieren kaum einer von ihnen wurde angeklagt und 5:16 verurteilt die Regierung setzte eher auf eine Generalamnestie allerdings obwohl eben von dieser Amnestie Verbrechen wie Mord ausgeschlossen waren 5:26 wurde trotzdem kaum ein reichswehrangehöriger oder Polizist der eben im Rahmen der Kämpfe Verbrechen begangen hatte eben abgeurteilt die 5:38 Auswirkungen waren dann gehend eben obwohl der Putsch wirklich nur wenige Tage gedauert hatte verheren zu nennen weil es einerseits eben eine große 5:46 Anzahl von Todesopfern gegeben hat in ganz Deutschland ungefähr 3500 und andererseits eben auch die politische Landschaft sich zunehmend 5:56 polarisierte also insbesondere viele Arbeiter sahen sich eben im Stich gelassen von einem Staat der gegen die Putschisten nicht entschlossen vorging 6:04 und diejenigen die für eben zahlreiche Morde verantwortlich waren nicht aburteilte eine letzte Frage Herr Dr batuschka welche Bedeutung hat das 6:14 Wissen um den K lüwizputsch aus demokratiegeschichtlicher Perspektive für uns heute ich denke es ist einerseits eine Mahnung welche Gefahren 6:23 bestehen wenn Teile der Gesellschaft insbesondere wenn das eben Teile der Streitkräfte umfasst sich vom demokratischen Grundkonsens 6:32 verabschieden andererseits ist es aber eben auch ein eindeutiger Beweis dass eben die Weimar Republik keineswegs von Anfang an zum Scheitern verurteilt war 6:41 sie erwies sich in dieser Krisensituation eben durchaus als whrhaft und auch wenn sie eben Fehler hatte und letztendlich von ihren Feinden 6:52 zerstört wurde war dieses Scheitern eben keineswegs unausweichlich zugleich ist K lütwitzputsch eine Erinnerung daran was 7:02 erreicht werden kann wenn man sich entschlossen eben gegen Gefahren für die Demokratie einsetzt und dass es eben manchmal auch tatsächlich notwendig ist 7:11 im äußersten Fall dafür auch Gewalt einzusetzen Herr Dr batuschka vielen Dank 7:30 [Musik]