Die fünf Weltreligionen – John Bellaimey Bleib neugierig — TED-Ed https://www.youtube.com/watch?v=qNFPsm8ZhIY Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Übersetzung: Andrea Hielscher Lektorat: Swenja Gawantka Immer und überall in unserer Geschichte haben sich Menschen gefragt: 0:10 "Woher kommen wir? Was ist unser Platz auf dieser Welt? 0:14 Was geschieht mit uns nach dem Tod?" Religionen sind Glaubenssysteme, die sich mit der Zeit entwickelt haben, 0:20 als Reaktion auf diese und andere ewige Geheimnisse, getrieben von dem Gefühl, 0:25 dass einige Fragen nur der Glaube beantworten kann, und aufgrund einer Ahnung, dass es etwas Größeres gibt als uns, 0:31 eine höhere Macht, der wir verpflichtet sind, oder einen gemeinsamen Ursprung, 0:36 an den wir zurückkehren müssen. Der Hinduismus ist die Religion Indiens. 0:41 Er ist nicht monolithisch, sondern hat viele Glaubensvarianten und Möglichkeiten der Ausübung. 0:47 Er geht 5 Jahrtausende auf die Zeit Krishnas zurück, eines so tugendhaften Mannes, 0:52 dass er als Verkörperung Vishnus bekannt wurde, einer Inkarnation Gottes als Mensch. 0:57 Nach seiner Lehre folgt alles Leben dem Karma, dem Gesetz von Ursache und Wirkung, und es ist unsere Aufgabe, 1:02 gemäß unserem Platz in der Gesellschaft unsere Pflicht -- Dharma -- zu tun, ohne uns über die Folgen zu sorgen. 1:09 Nach dem Tod werden wir in einem neuen Körper wiedergeboren. Wenn wir unserem Dharma folgen und im Leben unsere Pflicht erfüllen, 1:15 bekommen wir ein gutes Karma und unsere Seele steigt auf der sozialen Leiter nach oben. 1:20 Unser nächstes Leben wird also durch unsere Taten im jetzigen Leben bestimmt. 1:24 Das Rad der Wiedergeburten heißt Samsara. Nur ein sehr heiliger Mensch 1:30 kann ein Leben mit so gutem Karma führen, dass er dem Rad entkommt. 1:34 Dieses Entkommen heißt Mokhsa. Der Hinduismus lehrt, dass alles eins ist. 1:39 Das ganze Universum ist eine übernatürliche Realität namens Brahman. Es gibt nur einen Brahman, aber viele Götter in ihm, 1:47 deren Rollen, Formen und Aussehen je nach Tradition variieren. Brahma ist der Schöpfer, 1:54 Vishnu der Bewahrer, der manchmal menschliche Gestalt annimmt. 1:59 Shiva ist der Verwandler oder König des Tanzes. Durga ist der Inbegriff der schützenden göttlichen Mutter. 2:06 Ganesha mit ihrem Elefantenkopf ist die weise Schutzpatronin des Erfolgs. 2:11 Der Hinduismus ist die drittgrößte Religion der Welt. Zwar leben die meisten Hindus in Indien, 2:17 aber es gibt eine Milliarde von ihnen auf allen Kontinenten der Erde. Nun geht es nach Westen über Wüsten und Berge 2:25 zum fruchtbaren Halbmond vor ca. 4000 Jahren. Zu Beginn des Judentums rief Gott Abraham und Sarah auf, 2:31 Mesopotamien zu verlassen und ins Land Kanaan zu ziehen. 2:35 Zum Lohn für ihren Glauben an den einen wahren Gott -- ein revolutionäres Konzept in der damaligen Zeit der Vielgötterei -- 2:42 verhieß man ihnen Land und viele Nachkommen. Das war der Ursprung des Landes Israel 2:47 und des auserwählten Volkes. Doch dort zu bleiben und die Menschen zu einen, 2:52 sollte sehr schwierig werden. Die Israeliten waren Sklaven in Ägypten, 2:57 aber Gott befreite sie mit Hilfe des Propheten Moses, der die 10 Gebote und später noch Hunderte andere empfing. 3:04 Sie eroberten das Gelobte Land, konnten es aber nur ein paar Jahrhunderte halten. 3:09 Israel liegt an einer Wegkreuzung, die im Lauf der Jahrhunderte viele Armeen passierten. 3:14 Im Jahr 70 zerstörten die Römer den Tempel in der Hauptstadt Jerusalem. 3:19 Also wandelte sich die Religion von einer Tempelreligion mit Opfern und Priestern 3:24 zu einer Religion des Buches. Daher ist das Judentum ein Glaube 3:28 von Symbolismus, Andacht und Tiefgründigkeit, gebunden an die Literatur seiner Geschichte. 3:33 Die heiligen Schriften bilden die hebräische Bibel, den Tanach, und hunderte schriftlicher Auslegungen 3:39 bilden einen umfangreichen, tiefgründigen Kodex, den sogenannten Talmud. 3:45 Juden finden im täglichen Leben reiche, symbolische Bedeutung. Beim Passahmahl symbolisiert jede Speise 3:51 einen Aspekt des Entkommens aus der Sklaverei. Das Erwachsenwerden steht im Mittelpunkt, 3:56 wenn Jugendliche das Alter von Bar oder Bat Mitzwa erreichen. Bei der Zeremonie übernehmen sie Verantwortung für ihr Tun 4:02 und feiern die Einbettung ihres eigenen Lebens in den Glauben, die Überlieferung und die Schriften des jüdischen Volkes. 4:08 Heute gibt es weltweit 14 Millionen Juden, 6 Millionen in Israel, 4:12 das nach dem 2. Weltkrieg und dem Grauen des Holocausts unabhängig wurde, 4:17 und 5 Millionen in den USA. Kehren wir nun ins Indien vor 2500 Jahren zurück, 4:24 zum Beginn des Buddhismus und dem jungen Prinzen Siddhartha. Bei seiner Zeugung soll seiner Mutter, Königin Maya, 4:30 im Schlaf ein weißer Elefant erschienen sein, der in ihre Seite eindrang. 4:35 Nach 10 Monaten wurde Prinz Siddhartha in ein luxuriöses Leben geboren. 4:39 Als junger Mann verließ er sein behütetes Leben und erlebte das menschliche Leid, das man ihm verborgen hatte. 4:46 Sofort begann er, dessen Quellen zu erforschen. Warum müssen Menschen leiden? 4:51 Müssen wir hunderte Male wiedergeboren werden? Zunächst hielt er den Hang zu materiellen Dingen für das Problem, 4:58 daher gab er seinen Besitz auf. Er wurde ein umherziehender Bettler, 5:01 was ihn aber nicht glücklicher machte. Dann hörte er einen Musiklehrer zu seinem Schüler sagen: 5:07 "Spann die Saite nicht zu sehr, sonst reißt sie. Wenn sie aber zu schlaff ist, dann klingt sie nicht." 5:13 Da begriff er: Nach extremen Antworten zu suchen, 5:17 war ein Fehler. Der Mittelweg zwischen Luxus und Armut 5:20 schien am weisesten. Beim Meditieren unter einem Bodhibaum 5:24 fand er die vollständige Antwort. Das ganze Leben ist voller Leiden, 5:29 verursacht von egoistischem Verlangen nach Selbsterfüllung auf Kosten anderer. 5:34 Durch einen Acht-Stufen-Plan können wir dieses Verlangen und so auch das Leid mindern. 5:40 An diesem Tag wurde Siddhartha zum Buddha, dem Erleuchteten; 5:45 nicht dem einzigen, aber dem ersten. Der buddhistische Plan heißt "Achtfacher Pfad". 5:50 Er ist schwer zu beschreiten, weist aber Millionen den Weg zur Erleuchtung. 5:55 Buddhaschaft bedeutet Barmherzigkeit, Erkenntnis, Frieden und Beständigkeit. 6:01 Von der Meditation unter dem Baum an bis zu seinem Tod als alter Mann 6:06 lehrte Buddha den Weg zur Erleuchtung: wahre Worte, wahre Ziele, 6:10 ein auf das Wahrhaftige gerichteter Verstand und ein Herz voller Nächstenliebe. 6:15 Viele Buddhisten glauben an Gott oder Götter, aber Taten sind wichtiger als der Glaube. 6:20 Heute gibt es weltweit ca. 1 Milliarde Buddhisten, die meisten in Ost-, Südost- und Südasien. 6:27 Vor 2000 Jahren wurde im Gelobten Land das Christentum geboren. 6:33 So wie Hindus Krishna als "Gott in Menschengestalt" bezeichnen, tun Christen dasselbe mit Jesus. 6:38 Das Christentum stammt vom Judentum, so wie der Buddhismus vom Hinduismus. 6:43 Der Gott Abrahams sandte den Engel Gabriel zu Maria, um die junge Frau zu bitten, 6:47 die Mutter seines Sohnes zu werden. Der Sohn war Jesus. 6:51 Er wurde Zimmermann und wuchs bei Maria und ihrem Mann Josef auf. Als er 30 wurde, 6:57 begann er sein öffentliches Wirken als lebendiges Wort Gottes. Gerechtigkeit und Gnade waren ihm wichtiger als Frömmigkeit. 7:04 Er heilte Kranke, um viele Menschen anzulocken, vor denen er von seinem himmlischen Vater predigte, 7:09 der voller Liebe, Verzeihung und Fürsorge sei. Dann bat er alle an einen gemeinsamen Tisch, 7:15 um das Königreich Gottes zu verdeutlichen: Außenseiter, Sünder und Heilige teilten ihr Mahl. 7:21 Nach nur drei Jahren geriet er wegen seiner eigenwilligen Lehren in Schwierigkeiten. 7:25 Er wurde gefangengenommen und von den Römern hingerichtet, so wie Aufrührer damals meist zu Tode kamen: 7:32 durch Kreuzigung. Aber kurz nach seinem Begräbnis fanden Frauen sein Grab leer vor 7:38 und erzählten das überall, überzeugt, er sei von den Toten auferstanden. 7:42 Erste Christen schilderten Erscheinungen des Auferstandenen und verbreiteten Zuversicht, dass seine Botschaft wahr sei. 7:49 Sie lautet: Liebet einander, wie ich euch liebe. Christen feiern Jesu Geburt 7:55 im Dezember an Weihnachten, und Leiden, Tod und Auferstehung 7:59 während der Karwoche im Frühling. In der Taufzeremonie, der Reinigung von Sünde 8:04 und der Aufnahme in die Christengemeinde wird an Jesu Taufe erinnert, 8:08 als er sein Leben als Zimmermann beendete. Im Ritual der Kommunion essen Christen Brot und trinken Wein, 8:14 gesegnet als Leib und Blut Jesu, was an sein letztes Abendmahl erinnert. 8:19 Es gibt weltweit 2 Milliarden Christen; das ist fast ein Drittel der Weltbevölkerung. 8:27 Der Islam begann vor 1400 Jahren mit einem Mann von großer Tugend, 8:31 der in einer Berghöhle der arabischen Wüste meditierte. Der Mann war Mohammed. 8:36 Ihm erschien ein göttlicher Gesandter, wieder der Engel Gabriel, auf Arabisch Jibril, 8:43 der ihm die Worte Allahs überbrachte, des einen Gottes Abrahams. 8:48 In den folgenden Jahren kamen immer mehr Botschaften, die er sich einprägte und lehrte. 8:53 Diese Verse waren voller Weisheiten, wunderschöner Reime und geheimnisvoller Metaphern. 8:59 Aber Mohammed war Kaufmann, kein Dichter. Viele waren überzeugt, dass die Verse Gottes Wort waren. 9:05 Diese Gläubigen wurden die ersten Muslime. "Muslim" bedeutet "einer, der sich ergibt", 9:11 also eine Person, die sich dem Willen Gottes unterwirft. Die 5 wichtigsten Pflichten eines Muslims werden die "Fünf Säulen" genannt. 9:18 Schahada: Muslime bekennen öffentlich, es gibt keinen Gott außer Allah 9:24 und Mohammed ist sein letzter Prophet. Salat: das fünfmalige tägliche Gebet gen Mekka. 9:31 Zakat: Jeder Muslim ist verpflichtet, 2 oder 3 % seines Vermögens den Armen zu geben. 9:38 Saum: das Fasten während des Tages im Mondmonat Ramadan 9:43 zur Stärkung der Willenskraft und des Gottvertrauens. Hadsch: Einmal im Leben muss jeder Muslim, 9:49 der dazu in der Lage ist, in die heilige Stadt Mekka pilgern, zur Vorbereitung des Tags, an dem er vor Gott steht, 9:56 um für das ewige Leben mit Ihm wert oder unwert befunden zu werden. Gottes Worte, 10:01 die der Prophet über 23 Jahre empfing, sind im Koran aufgezeichnet, 10:06 der wörtlich "die Rezitation" bedeutet. Muslime glauben, er sei das einzige heilige Buch 10:12 ohne jede menschliche Verfälschung. Viele sehen ihn auch als bestes literarisches Werk 10:17 der arabischen Sprache. Der Islam ist die zweitgrößte Weltreligion, 10:21 die weltweit von mehr als 1,5 Milliarden Muslimen praktiziert wird. Religion ist seit ihrer Entstehung ein Teil der Kultur 10:31 mit zahllosen Varianten der Ausübung. Aber alle Religionen eint der Wunsch 10:36 nach einem Sinn jenseits der Eitelkeiten und der alltäglichen Banalität des Lebens, 10:41 jenseits der Sünde, des Leidens und des Todes; jenseits von Furcht 10:47 und jenseits unserer Existenz.