PhilippsClips | Populismus: Ein Sprachwissenschaftler Universität Marburg https://www.youtube.com/watch?v=qCMBMn1m-fc Transkript (automatisch erstellt) 0:00 PhilippsClips, Wissenschaft und Gesellschaft, Thema Populismus: heute aus Sicht eines Sprachwissenschaftlers. Mein Name ist Rolf Kreyer vom Institut für 0:12 Anglistik und Amerikanistik der Universität Marburg. Ich bin Sprachwissenschafter des modernen Englisch und als Sprachwissenschaftler 0:19 interessiert mich zum einen das Sprachsystem, zum anderen die Verwendung der Sprache. Für mich ist Populismus relevant, weil man hier sehr gut sehen kann, wie 0:28 Sprache verwendet wird, um Menschen zu beeinflussen. Eine Methode, die hierbei häufig Verwendung findet, ist die sogenannte 0:37 Präsupposition, also das Voraussetzen eines gewissen Inhaltes, ohne dass dieser wirklich explizit formuliert werden wird. Trump´s Slogan während der 0:47 Präsidentschaftswahlen lautete zum Beispiel "make America great again". Er sagt nicht einfach nur "make America great", sondern er benutzt "again" und mit diesen 0:56 kleinen Wörtchen "again" setzt er etwas voraus, nämlich Amerika war schon einmal groß und aus irgendwelchen Gründen wurde diese Größe aufgegeben. 1:06 Was ist daran problematisch? Warum eignen sich Präsuppositionen so gut zur Manipulation? Nun, in der normalen Alltagssprache nutzen wir Präsuppositionen 1:17 wirklich sehr häufig, weil es einfach sehr ermüdend wäre, wenn wir alles, was wir ausdrücken möchten, auch explizit machen würden. 1:25 Zum beispiel wenn ich zu Ihnen sage, ich habe mein Auto aus der Werkstatt geholt, dann präsupponiere ich, dann setze ich voraus, dass ich im Besitz eines Autos bin und 1:35 Sie haben auch überhaupt keinen Grund, daran zu zweifeln. Das heißt, wenn wir etwas als vorausgesetzt markieren, dann neigt unser 1:42 Gegenüber auch sehr stark dazu, das anzunehmen und das zu glauben. Für die alltägliche Kommunikation ist das sehr hilfreich, 1:50 es ist aber eben im politischen Diskurs ein großes Problem denn Präsuppositionen schleichen sich, das ist der Titel eines Buches von George Lakoff und 1:59 Elisabeth Wehling, "auf leisen Sohlen ins Gehirn". Wir übernehmen das Gesagte in aller Regel unhinterfragt, es sei denn, wir zwingen 2:08 uns wirklich dazu, das zu hinterfragen. Leider macht das nicht nur Trump. Wir finden genau die selbe Art von Präsuppositionen auch im europäischen politischen Diskurs. 2:19 Der Slogan der Brexit-Kampagne zum Beispiel lautete: "Let's take back control", nicht "Let's take control". Marine Le Pen fordert "Remettre la france en ordre", nicht "Mettre la france en ordre". 2:32 und Alexander Gauland sagte nach der Bundestagswahl: "Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen". 2:39 Immer wird also ein vorheriger, ein besserer Zustand, vorausgesetzt, den man nun wieder herstellen möchte. Ob es früher aber tatsächlich besser war, wird 2:49 nicht wirklich thematisiert. Das ungute Gefühl allerdings, dass es früher besser war, das bleibt bei den Zuhörern im Kopf 2:58 hängen. Möchten Sie mehr wissen? Im Text unter diesem Video finden Sie Hinweise auf weitere, verlässliche Informationen zum 3:08 Thema.