die Bergpredigt (Religion Lernvideo) Lernvideos und Vorträge https://www.youtube.com/watch?v=pwXjviUPl5Y Transkript (automatisch erstellt) 0:01 Willkommen zu unserem Lernvideo zum Thema Bergbredig. Die Bergpredig übrigens mal kleiner Hinweis schon an diesem Rande steht im Matthäusevangelium 0:10 dort in den Kapiteln 5 bis 7. Die Bergpredig ist einer der zentralen Texte der Christenheit, also einer der wichtigsten 0:21 Texte, die wir haben. Und das Christentum wird auch immer wieder gerne eben auch in der Bergpredigt gemessen. Nehmen wir mal Mahatmaganti, 0:32 der da sagt, wenn da nur die Bergpredigt und meine eigenen Interpretation dazu wären, würde ich nicht zögern zu sagen: "Oh ja, ich bin ein Christ." 0:41 Also hier wird auch von einem Außenstehen in die Bergpredigt als ein sehr wichtiges Werk betrachtet. Maandi war vor allem von der Ethik fasziniert, 0:50 von dem gewaltlosen Ethik, die hier betont wird, die natürlich auch seinem eigenen Handeln entsprochen hat. Auf der anderen Seite wird auch die 1:00 Bergprä sehr negativ gesehen. Otto von Bismarck oder auch Helmut Schmidt beide sagten mit der Bergprätigt kann man keine Politik machen. Und genau in 1:10 diesen zwei Extremen bewegen wir uns ständig, wenn wir uns mit den Inhalten und den Aussagen der Bergpredigt genauer auseinandersetzen. Um das Ganze besser 1:20 auch einordnen zu können, schauen wir uns mal ein bisschen an, wie das Matthäusevangelium selbst konzipiert worden ist. Der Verfasser ist ein 1:29 unbekannter Christ. Er wurde zwar dem Apostel Matthäus zugeordnet, dem der früher ein Zöllner gewesen ist. Das ist allerdings nur eine Vermutung der Kirche 1:39 des zweiten Jahrhunderts nach Christus. Also hier haben wir einen Hinweis von Papiers, aber man kann nicht davon ausgehen, dass diese beiden Personen 1:48 identisch sind. Die Sprache und die Nähe zur Septuaginda lässt einen Judenchristen vermuten. Judenchristen heißt, dass er bevor er 1:59 Christ geworden ist eben Jude war. Zum Unterschied eben zu den Heiden Christen, die in der Regel andere Kulte angebetet haben, bevor sie zum Christentum 2:10 gewechselt sind. Zwischen Heidenchristen und Judenchristen gab es schon sehr früh in der Urkirche Auseinandersetzungen 2:17 bezüglich äh dessen, ob man sich auch beschneiden lassen müsse oder ob man sich an die Essensgebote der Juden halten 2:25 müsse. Die ursprüngliche Sprache, nun gehen wir mal von der zwei Quellentheorie aus, dann ist die Ursprungssprache griechisch und nicht 2:34 aramisch, wie es Papiers vermutet hatte. Wo ist das Ganze entstanden? vermutlich in Syrien. Man kann im Evangelium ein zwei Hinweise dazu entdecken, die 2:45 entsprechend auf Syrien verweisen. Und wann wurde es geschrieben? Traditionell im Zeitraum von 80 bis 90 nach Christus, aber auf 2:55 jeden Fall nach der Zerstörung Jerusalems. Wer sind die Adressaten? Da gibt's natürlich innerhalb der Exegeten immer wieder auch Diskussionen, aber wir 3:05 können davon ausgehen, dass die Adressaten überwiegend Judenchristen gewesen sind, so wie der Autor selbst. Und diese Judenchristen befanden sich zu 3:14 dieser Zeit auch in der Auseinandersetzung zur jüdischen Gemeinde. Da wurde Synagoge und Gemeinde inzwischen komplett getrennt und es gab 3:22 auch teilweise Verfolgungen von Christen durch jüdische Synagogen oder Synagogen Vorsteher, die eben nicht mehr wollten, dass man gemeinsam Gottesdienste 3:32 feiert. Das spiegelt sich dann teilweise auch in einzelnen Aussagen gegenüber den Juden wieder. Das Matthäusevangelium hat ganz viele 3:42 Sprüche Jesu in großen Reden zusammengefasst und zwar in überwiegend fünf Reden. Die erste Sammlung, die wir haben, die richtet sich an die Jünger 3:51 und an das Volk, ist die Bergpredigt im Matthäus 5 bis 7. Dann haben wir die sogenannte Aussendungsrede. Das heißt, da geht's um das Thema Mission, 4:01 Missionspraxis, die sich hier überwiegend an die 12 Jünger richtet. Dann gibt es eine Gleichnissrede, wo Matthäus einige Gleichnisse 4:10 zusammengefasst hat. Da werden Jünger und das Volk getrennt angesprochen. Es gibt eine Gemeinderede in Matthäus 18. Hier beschäftigt sich 4:20 Matthäus vor allem mit innergemeindlichen Problemen und eine Endzeitrede oder Wehrrede in Matthäus 23 oder 24 folgende, da haben wir ja 4:31 bereits das eine oder andere Gleichnis auch schon kennengelernt. Hier sind die Gegner, kann man sagen, die Pharisäer, also die jüdische Synagoge, die sich in 4:40 Konkurrenz zu den Jüngern befunden hat, also zu der christlichen Gemeinde. Die Bergpredigt besteht aus zwei Elementen Zuspruch und 4:51 Anspruch. Ganz klar ist zunächst einmal zu sagen, Jesus hat sicherlich einige von diesen Worten geredet, aber diese Rede wurde in dieser Form nicht von 5:01 Jesus gehalten. Wir haben relativ viele Worte, die aus der Lockienquelle stammen. Also, wir haben einige Parallelen auch im Lukasevangelium. Die 5:10 Bergpredigt gibt's als Feldrede in abgespeckter Form dann im Lukasevangelium. Die theologische Konzeption wurde selbst von dem 5:21 Schreiber von Matthäus selbst verfasst. Interessanterweise beginnt die Einleitung eben nicht mit Forderungen, sondern mit den Seligpreisungen. 5:30 Deswegen Zuspruch. Das heißt, es wird erstmal gesagt, was man erhält im Reich Gottes, bevor man entsprechend Forderungen 5:40 stellt. Und angesprochen sind hier vor allem die Jünger, sprich die Gemeinde. Wie ist die Bergpredigt aufgebaut? Es startet erstmal mit den 5:51 Seligpreisungen und ein zwei Hinweisen, wie die Gemeinde zu verstehen ist, eben als das Salz der Erde oder als das Licht der Welt. Das ist der Zuspruch, das ist 6:02 der Einstieg für die Bergedigt. Dann kommt die Jesu Stellung zum Gesetz und auch die Antitthesen, die sechs berühmten Antitthesen zum Thema 6:15 Töten, Ehebruch, Ehescheidung, Eid, Vergeltung und Feindesliebe. Hier kann man den Begriff der besseren Gerechtigkeit benutzen. 6:26 Also, wie hat man sich zu verhalten? Ganz wichtig ist, die Antittithesen werden formuliert zum Alten Testament hin. Wir schauen uns jetzt nachher auch 6:36 anhand eines Beispiels mal genauer an, aber Jesus wollte auf jeden Fall die das Alte Testament nicht aufheben, sondern wollte es steigern an dieser Stelle. 6:46 Dann gibt es verschiedene Weisungen zur Fräummigkeit und zum Gebet und im Verhalten untereinander. Hier ist unter anderem auch das Vater unser zu finden 6:55 und auch die goldene Regel. Die goldene Regel heißt: Verhalte dich so, wie du möchtest, dass sich andere dir gegenüber verhalten. Also kann man das 7:05 differenzieren mit dem Verhältnis zu Gott, das Zentrum eben des Vater unser und das Verhältnis zur Welt. Und das Ziel ist hier die goldene Regel. Sehr 7:13 viele Exegeten gehen davon aus, dass das Vater unser sogar das zentrale Element der gesamten Bergpredigt gewesen ist. Und am Ende kommt eine ganze Reihe 7:24 an Mahnworte und Warnungen vor ihrern. Hier wird betont, dass eben die Bergpredigt oder auch der christliche Weg der einzig richtige ist. Und hier 7:36 sehen wir auch eine Klammer, die hier Matthäus gezogen hat, eben vom Zuspruch eben auch zum Anspruch an die Gemeinde, den Warren Weg auch 7:45 beizubehalten. Wir schauen uns mal eine der Antithesen mal genauer an, weil natürlich die Antittithesen oft das sind, was vor allem diskutiert 7:55 wird. Hier speziell die Auseinandersetzung mit der sogenannten Talionsformel. Das heißt, wir sprechen hier vom 8:03 Vergelten. Die Talionsform lautet, ihr habt aber gehört, dass gesagt ist Auge um Auge, Zahn um Zahn. Die sogenannte Taliensformel ist 8:13 eine der ersten festgelegten Gesetze, die wir haben, die weit über das Alter des Alten Testaments hinausgeht. Also, das kennen wir schon von einigen anderen 8:21 Religionen. Es diente in erster Linie dazu, die Blutrache eben mit dieser Talonsformel zu ersetzen. Und hier kommt jetzt der 8:31 Gegenspruch Jesu. Er sagt, ihr habt gehört, das gesagt ist Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, dass ihr nicht wieder streben sollt dem Übel, 8:40 sondern wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dann bietet die andere auch da. Die weiteren Sprüche, die wir dazu haben, gehen alle in die 8:48 gleiche Richtung. Und die Aussage ist natürlich schon relativ stark, die wir haben, also relativ hart, weil im Prinzip gesagt wird, dass man sich 8:58 rechtlich auch nicht mehr wehren soll oder sich nicht mehr wehren darf. Es gibt daher auch eine ganze Reihe an kritischen Äußerungen, die wir zunächst 9:07 einmal haben. Es gibt politische Einwende, die wir haben. Es gibt einen jüdischen Einwand, also aus dem Judentum, die diese Antitthesen als 9:16 deutlich zu streng ansieht. Und es gibt auch einen moralischen Einwand, dass das Ganze eben nur eine Heuchelei sei, weil es eben nicht umgesetzt werden kann. 9:25 Der politische Einwand, wir haben das schon mit Otto von Bismarch gehört, es sei eben politisch nicht umsetzbar, aber auch Max Weber kritisiert die 9:34 Bergpredigt. Er sagt, die Bergpredigt ist eine gereine Gesinnungsethik. Sie kann keine Verantwortung übernehmen. Das heißt, in der Verantwortungsethik kann 9:42 es durchaus mal passieren, dass man auch über gewisse Normen hinweg schauen muss, sich hinwegsetzen muss, weil wir ein Dilemma haben und eine Gesinnungsethik 9:52 achtet nur darauf, dass ich mich richtig verhalte, aber nicht was für eine Wirkung das hat. Und Max Weber sagt z.B., Ich muss auch immer über die 9:59 Folgen nachdenken und das Ganze entsprechend verantworten. Jüdcher Einwand, dass das Ganze viel zu streng ist, haben wir 10:07 schon bereits sehr früh der Jude Trüfon. Da gibt's von Justinus ein entsprechendes Werk einem frühen Kirchenvater, der sagt, die Gebote in 10:17 der Form, wie sie da formuliert sind, sind eben nicht erfüllbar. Und mit der Feindesliebe, die wir haben, also mit einer weiteren Antitthese und 10:27 Sigmund Freund z.B. sagt, dass die Feindesliebe, die erwartet wird, letztlich sogar eher zu Hass führt, weil ich meine Aggression unterdrücke und 10:36 diese Aggression dann irgendwie an einer anderen Stelle wieder hinauskommen. Auch er sieht die Bergpredigt sehr, sehr kritisch. Und jetzt kommen wir zum 10:45 moralischen Einwand. Es wird hier als Heuchelei betrachtet. Friedrich Nietzsche Nietzche werden wir uns noch ein bisschen genauer anschauen, wenn wir 10:55 uns mit den Atheisten auseinandersetzen, sagt, dass die Feindesliebe, die hier gepredigt wird, eigentlich nur Schwäche ist. In 11:03 Wirklichkeit ist der Mensch, soll der Mensch Egoist sein. Er soll ein Krieger sein und der Übermensch wird diese Schwäche 11:12 überwinden. Oder Fodor Dostojewski, den wir haben, der sagt, die Feindesliebe steht im klaren Widerspruch zum Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit, die 11:22 man erlangen muss, wenn jemand sich z.B. schlecht verhält, dass er auch entsprechend seine Strafe bekommt. Also hier sagt er, wird der 11:29 Gerechtigkeitssinn der Menschen entsprechend verletzt. Es stellt sich natürlich die Frage, wie kann man die Bergbrädig jetzt umsetzen? Die 11:37 Forderungen, die wir gesehen haben, sind natürlich sehr hart. Wir werden uns auch die gesamte Bergbredicht darauf hingehend etwas genauer anschauen. 11:45 Zunächst einmal die Interimsethik. Das heißt, wir haben z.B. Albert Schweizer diese These, dass die Bergpredig nur für den direkten Übergang 11:56 zum Reich Gottes gedacht gewesen ist, also letztlich nur für Jesus und seine Jünger umzusetzen gewesen ist. Im normalen Leben kann man das eben nicht. 12:05 Im Mittelalter gab es die These, dass die Bergpredig etwas nur für Heilige oder eben für den Klerus ist. Der große Teil der Christenheit soll sich an die 12:13 zehn Gebote halten. Ein typische luther Ansatz der lutherischen Orthodoxie vor allem sagt, die Werkprätig ist einfach nur dafür da, 12:24 dass man die Sünde der Menschen aufzeigt. Der Mensch soll da erkennen, dass er selbst aus eigener Kraft gerecht werden kann. Allein der Glaube wird mich 12:34 letztlich retten und die Bergprä ist für mich nur ein Indikator, um zu erkennen, dass ich ein sündiger Mensch bin. Dann gibt es noch die Trennung von Beruf und 12:44 Privat. Eine Variante von Martin Luther ist hier die zweireiche Lehre. der unterscheidet sich in dem weltlichen Reich, wo auch 12:53 andere Gesetze gelten und dem göttlichen Reich und im weltlichen Reich kann man sich eben nicht an die Bergpredig halten, sondern wirklich nur innerhalb 13:02 der Gemeinde. Die Schwierigkeit ist, das wurde teilweise dann auch dahingehend missbraucht, dass man berufliches und privates komplett voneinander getrennt 13:12 hat und sich auch komplett unterschiedlich verhält. Das ist natürlich so bei Martin Luther nicht gedacht. 13:19 Mir persönlich am sympathischsten ist die letzte Variante, die sagt, die Bergpredigt ist das Leidziel und entscheidend ist der Weg, wie wir uns 13:29 dorthin bewegen, dass wir dieses Leidziel immer vor unserem geistigen Auge haben. Denn im normalen Leben im haben wir immer wieder mal das Problem, 13:38 dass wir Dilemma haben, dass wir uns zwischen zwei Dingen entscheiden müssen, die dann durchaus für den einen oder anderen eine sehr schlechte Wirkung hat 13:45 und ein gewisser gesunder Egoismus ist ja für das eigene Überleben sehr sinnvoll, aber dass man die Bergprätig trotz allem immer wieder als Leidziel 13:55 nimmt und immer wieder die Frage stellt, wenn ich eine Entscheidung treffe und ich auch gewisse Normen verletze, ist es noch vertretbar oder ist es eben nicht 14:02 vertretbar? Vielen Dank für das Zuhören und Zuschauen.