Wie der Humanismus uns menschlicher macht | Sternstunde Philosophie | SRF Kultur SRF Kultur Sternstunden https://www.youtube.com/watch?v=peFJsfmGXe0 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Herzlich willkommen. Was macht ein gutes Leben aus? Einfach: Man muss nur frei denken, furchtlos forschen 0:07 und dann handelnd hoffen. Mit anderen Worten: als überzeugte Humanistin durchs Leben gehen. 0:12 Das sagt die englische Philosophin und Autorin Sarah Bakewell. Aber ist das wirklich so einfach, und wirklich alles? 0:24 Mit Untertiteln von SWISS TXT Jetzt habe ich Sie als Autorin und Philosophin vorgestellt. 0:31 Ging aus Ihrer Sicht irgendetwas Wesentliches vergessen? Wahrscheinlich bin ich vieles, 0:40 und kürzlich habe ich der Liste noch etwas hinzugefügt: Ich bin eine begeisterte Vogelbeobachterin geworden. 0:49 Es macht wirklich Spass, und gleichzeitig liegt es völlig ausserhalb der Ideen- und Geisteswelt. 0:55 Über das genaue Hinschauen schärft man die Aufmerksamkeit für kleine Details. 1:01 Für mich die reine Freude. Viele Leute denken, Vögel seien eine schöne Zerstreuung 1:10 fern der Probleme der Welt, weil sie so süss sind, im Busch sitzen und singen. 1:15 Je mehr ich sie aber beobachte, desto klarer sehe ich, wie sehr ihre Welt von Aggression, Gewalt und Wettbewerb geprägt ist. 1:24 Sie gehen ständig aufeinander los und versuchen, sich im Revier durchzusetzen. 1:29 Das ist der Welt der Menschen eigentlich sehr ähnlich. Man sieht die Welt durch die Vögel ganz neu, 1:35 und offenbar auch nicht ganz friedlich. Ich hätte Sie ja auch als Dozentin, 1:39 Bibliothekarin oder Hundebesitzerin vorstellen können. Ich hätte auch einfach sagen können, Sie sind ein Mensch. 1:48 Nun, ich bin all diese Dinge. Ich war viele Jahre als Bibliothekarin zuständig 1:54 für frühe gedruckte Bücher in der Wellcome Library in London, einer Bibliothek zur Geschichte der Medizin. 2:01 Dort wird Medizin sehr breit verstanden als alles, was mit Menschen zu tun hat – und auch mit anderen Tieren. 2:09 Ich habe Katzen und Hunde gehabt. Seit wir Hunde haben, bin ich eher zur Hundeliebhaberin geworden. 2:17 Ich hänge sehr an ihnen. Wenn man erst mal anfängt, über seine eigene Existenz nachzudenken 2:23 und eine Liste macht, was man alles ist, dann wird diese Liste fast unendlich lang. Ist das nicht seltsam? 2:29 Hierin liegt ein humanistischer Aspekt, insofern es darum geht, 2:35 Menschen mit einem Etikett zu versehen und auszugrenzen. Man betont, was man nicht ist. 2:41 Ich bin ein Hundefreund, also hasse ich Katzen, oder umgekehrt. Besonders stark zeigt sich dies 2:48 in der humanistischen Haltung zur Religion. Religion kann etwas sehr Positives sein. 2:56 Die Identifikation damit kann aber so weit gehen, dass alle, die nicht derselben Religion angehören, zum Feind werden. 3:04 Dagegen verwehren sich Humanisten. Wenn man sich also selbst identifiziert, 3:09 dann besteht immer die Möglichkeit sowie die Gefahr, sich abzugrenzen. Während die Humanisten, in deren Tradition Sie sich verstehen, 3:18 das eher inklusiv meinen. Das ist so. In seiner reinsten Form tut das der Humanismus. 3:25 Darin liegt ein gewisses Paradox, denn sobald man sagt: "Ich bin ein Humanist", hat man ein Etikett für sich selbst akzeptiert. 3:31 Und man grenzt sich schon ab von gewissen anderen. Möglicherweise. 3:37 Jede Qualifizierung birgt dieses Risiko in sich. Humanisten versuchen, solche Zuschreibungen positiv zu gestalten 3:46 und ein Bewusstsein für eine solche Haltung zu schaffen. Sie kann eine Alternative zu einigen religiösen Ansichten sein. 3:55 Ich spreche hier vom modernen Humanismus, wie er von humanistischen Organisationen vertreten wird. 4:01 Er steht in einer starken Tradition, die vielfältige Ausprägungen hat. Ihnen gemein ist der Versuch, nicht ausgrenzend zu sein. 4:09 Es ist auch heute noch wichtig, darüber zu sprechen. Das geht aber nur über Worte, und Worte sind eine Art Etikett. 4:17 Es ist also etwas schwierig, jede Etikettierung zu vermeiden. Wir werden hoffentlich noch genauer verstehen, 4:24 wie diese Tradition aussieht und was es bedeutet, ein Humanist zu sein. Der Titel Ihres neuesten Buches, das vom Humanismus handelt, 4:33 könnte seltsam wirken, denn da steht nicht, wie man Mensch ist, sondern "Wie man Mensch wird". 4:40 D.h., das ist eine Aufgabe. Kennen Sie Menschen, die daran gescheitert sind, 4:45 sozusagen auf halber Strecke zur Menschwerdung liegengeblieben sind? Das ist eine sehr gute Frage, 4:52 die ich mir so noch nie gestellt habe. Der deutsche Titel unterscheidet sich ja vom Originaltitel. 5:02 Ich denke, nein – sonst läuft man Gefahr, über Kategorien des Weniger-Menschlichen 5:10 oder über Untermenschen zu sprechen, und diese Richtung sollte man meiner Meinung nach 5:16 definitiv nicht einschlagen. Die Humanisten haben aber immer wieder betont, 5:22 dass wir zu reicheren Menschen werden können über Bildung, kulturelle Erfahrungen, den Kontakt mit anderen Menschen, 5:30 das Lernen von Lehrern und denen, die mit uns aufwachsen, über lebenslanges Lernen, über die Erfahrungen anderer Menschen 5:38 und über die Art und Weise, wie Menschen im Laufe der Jahre Kultur und Zivilisation entwickelt haben. 5:45 Dadurch werden wir zu immer kompletteren Menschen – nicht, dass wir je nicht Mensch sein könnten. 5:52 Und doch gibt es da ein philosophisches Problem. Von einer Blume kann man z.B. sagen: 5:57 Sie ist aufgeblüht und ganz zur Blüte gelangt. In diesem Sinne können wir sagen: Es gibt viele Menschen, 6:04 die wir in der Strassenbahn oder bei der Arbeit antreffen, bei denen es scheint, als seien sie nicht ganz aufgegangen. 6:12 Nun, es wäre anmassend von mir, zu sagen, jemand hätte sich nicht entfaltet. 6:20 Vielleicht sind sie auf ihre eigene Weise aufgeblüht. Ich erinnere mich, wie ich als junge Frau die Menschen in Zügen 6:28 und U-Bahnen ansah und dachte: "Oh, die sehen so traurig aus." "In ihrem Leben ist sicher viel schiefgelaufen." 6:36 Das ist der Blick des Schriftstellers. Nein, das ist die Sicht eines jungen Menschen. 6:41 Denn als ich älter wurde, begriff ich, dass sich Falten bilden und dass es so etwas wie die Schwerkraft gibt, 6:48 die das Gesicht nach unten zieht. Man kann also sehr glücklich sein, während der Blick in den Spiegel 6:55 einen wirklich ernsten Ausdruck zeigt. Man wird auch reifer, 7:00 das Leben hinterlässt seine körperlichen Spuren bei uns allen. Ich erinnere mich an den Moment, wo ich erheitert realisierte: 7:10 "Sie waren gar nicht alle traurig. Sie waren bloss älter als ich." Aber philosophisch könnte man sagen: 7:17 Der Humanismus ist ein gewisser Blick auf die menschliche Existenz, der sich wünscht, dass der Mensch selbstbestimmt 7:26 eine Ausschöpfung aller möglichen menschlichen Potenziale unternimmt. Man kann das so sehen. 7:36 Humanisten betonen immer sehr, dass dies nicht in Isolation geschieht, als einzelne Person, abgekoppelt von den Menschen um einen herum. 7:46 Ganz im Gegenteil. Humanisten interessieren sich sehr für den Gesellschaftsaspekt - 7:53 dafür, wie wir miteinander in Beziehung stehen, wie wir als Bürgerinnen und Bürger 7:59 in Städten und anderen Gemeinwesen zusammenleben, und auch für die moralischen Beziehungen zu anderen Menschen 8:06 und Lebensformen auf diesem Planeten. Man ist also kein getrenntes Etwas, 8:14 das als Individuum im Raum umherschwebt. Ungeachtet unserer Herkunft 8:22 wachsen wir alle in einem Netzwerk anderer Menschen um uns herum auf, das uns befähigt, eine menschlichere Person zu werden, 8:32 gerade weil wir mit anderen Menschen bis in die Wurzeln unseres Seins verbunden sind. 8:39 Und dieses Motto zieht sich auch wie ein roter Faden durch Ihr Buch: "only connect", also "verbinde dich". 8:45 Dieses Motto des Schriftstellers E. M. Forster nehmen Sie, um diese eigenwillige und eigenständige Definition 8:52 des Humanismus zu wagen. Sie sagen, wir seien vernetzte Wesen. Und um bei dieser organischen Metapher zu bleiben: 8:59 Wir blühen überhaupt nur auf, wenn wir uns in diesem Netz des Lebens finden und begreifen. 9:04 Ja, ein paar berühmte Zitate begleiteten mich während des gesamten Schreibprozesses des Buches. 9:12 Eines davon ist "only connect" aus einem Roman von E. M. Forster. Gemeint ist damit nicht nur, sich mit anderen Menschen zu verbinden, 9:20 sondern auch die Folgen und Auswirkungen des eigenen Handelns für andere zu verstehen und auch mit sich verbunden zu sein – 9:29 kein Heuchler zu sein, der sich aus Bequemlichkeit weigert, die Verantwortung für sein Tun zu übernehmen. 9:36 Es geht also um die Verbindung mit sich selbst und anderen Menschen. Ein weiteres Lieblingszitat von mir und von vielen Humanisten 9:47 meint dasselbe in anderen Worten: "Ich bin ein Mensch. Nichts Menschliches ist mir fremd." 9:54 Eine Zeile des römischen Komödiendichters Terenz aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. 10:03 Der Ausspruch war als Witz in einem seiner Stücke gedacht, geäussert von jemandem, der beschuldigt wird, 10:14 seine Nase ständig in die Angelegenheiten anderer zu stecken und seine Nachbarn auszuspähen. 10:22 Er verteidigt sich mit der Aussage: "Ich bin ein Mensch. Nichts Menschliches ist mir fremd." 10:30 "Was erwarten Sie?" - Es war als Scherz gedacht und wird vom Publikum auch so verstanden worden sein. 10:36 Gleichzeitig ist es ein toller Leitgedanke für Humanisten, die davon überzeugt sind, dass wir alle auf irgendeine Weise 10:42 durch unsere grundlegende Menschlichkeit miteinander verbunden sind. 10:46 So haben sie das Zitat verwendet und als Motto hochgehalten. Ist es nicht auch deswegen so schön, weil der Humanismus 10:53 einen möglichst klaren Blick auf unsere Existenzweise wagt? D.h., nicht nur das Edle, Schöne und Erhabene zu betonen, 11:00 sondern auch die kleine Neugier, vielleicht auch die kleine moralische Abwegigkeit. 11:06 Und der muss man mit Humor, Nachsicht und etwas Vergebung begegnen. Idealerweise kann man von einer Art humanistischem Wesenszug sprechen, 11:20 den natürlich nicht alle Humanisten haben – sie sind schliesslich Menschen. 11:25 Es gibt alle möglichen Schattierungen unter Humanisten. Trotzdem tendieren sie dazu, die Unterschiede zwischen den Menschen 11:33 zu respektieren und sich für sie zu interessieren. Sie glauben, dass uns alle im Kern etwas verbindet. 11:42 Ein Beispiel stammt aus einer religiösen Tradition: Erzbischof Desmond Tutu in Südafrika 11:50 hat das in mehreren südafrikanischen Gesellschaften verankerte Konzept "Ubuntu" bekannt gemacht. 11:57 Es bedeutet "Gemeinsinn" und betont, dass man als Mensch Teil eines Ganzen ist. 12:03 Er sprach davon, dass wir zum selben Bündel Leben gehören. Dieses Konzept nutzte er 12:11 als Vorsitzender der Wahrheits- und Versöhnungskommission nach dem Ende der Apartheit in Südafrika. 12:17 Er stellte es in den Mittelpunkt seiner Zukunftsvision: "Wir sind alle bereits miteinander verbunden, 12:23 wir haben es nur vergessen und müssen diese Verbindung wieder beleben." 12:28 Fast jede grosse Weisheitslehre - ob im Osten, in Afrika oder in Europa - 12:32 kennt diese Idee der Verknüpfung und der Verwobenheit des Daseins. Man kann ja sagen, der Humanismus - 12:38 und das ist auch eine Weise, wie "only connect" zu verstehen ist: Wir müssen mit der Tradition eine neue Verbindung eingehen. 12:45 Denn Humanisten sind nicht unbedingt Aufklärer oder Philosophen, sondern es gibt eine europäische Tradition des Humanismus, 12:52 die auch im Zentrum Ihres Buches steht. Die fängt im 14. Jh. an einem der schönsten Orte der Welt an, 12:59 in Norditalien. Warum ausgerechnet dort? Nun ja, irgendwo musste ich anfangen. 13:06 Am Anfang des Buches zeige ich den grösseren Kontext auf und erzähle dann eine Geschichte, die hauptsächlich, 13:14 wenn auch nicht ausschliesslich, in Europa spielt und die um 1300 beginnt, mit bestimmten Personen, 13:20 die ich auf Grund ihrer Anliegen als wichtig erachte für die Geschichte des Humanismus. 13:27 Was ihre Anliegen waren und was sie erreichen wollten. Da ist etwa Francesco Petrarca, der ein bisschen etwas von allem war. 13:39 Er war ein Dichter ... Hier sehen wir ihn eingeblendet. 13:45 Wir haben natürlich nur eine vage Vorstellung davon, wie er aussah. Es gibt verschiedene Porträts. 13:56 Er kannte jeden. Er war im Zentrum eines riesigen Netzwerks von anderen Literaten 14:06 und Leuten innerhalb der Kirche, der Fürstenhöfe oder der Stadtverwaltung. 14:12 Er war so etwas wie ein Auftragshumanist und schrieb für verschiedene Gönner in diesen Kreisen 14:22 Gedichte und Texte aller möglichen Genres. Was mich an ihm wirklich fasziniert, ist, 14:33 dass er sich selbst sah ... ... als eine Art Schöpfer des Stoffs für einen Neuanfang, 14:43 für eine zivilisiertere Lebensweise. Der Weg dorthin führte ihn 14:50 über die klassischen Schriftsteller des antiken Roms. Cicero war einer seiner grossen Helden, 14:57 die über das Leben im Allgemeinen, aber insbesondere auch über gute Politik schrieben. 15:03 Petrarca schrieb über dieses Licht, das von diesen Menschen übernommen und neu entzündet werden konnte im Kontrast zum dem, 15:12 was er als langes, dunkles Zeitalter dazwischen sah. Daher rührt also das falsche Bild vom finsteren Mittelalter, 15:20 das von Historikern ... Das ist ein bisschen ein Klischee geworden. 15:25 Es ist ein Klischee, das auf Petrarca zurückgeht. Mich interessierte die Idee, die Literatur 15:32 und die Weisheit der Vergangenheit für einen Neuanfang zu nutzen und ein Gefühl der Hoffnung zu schaffen. 15:40 Damit haben Sie schon mal drei wichtige Charakteristika der humanistischen Ursprünge genannt. 15:46 Erstens: Die Erneuerung der Kultur durch einen Rückgriff auf ältere Quellen. 15:50 Zweitens: ein Mensch, der sich durch Literatur und Schreiben selbst zu einem besseren, vollkommeneren Menschen machen will. 15:57 Drittens: Petrarca war ein Zentrum von ganz verschiedenen Interessen. Dafür gibt es auch einen humanistischen Begriff: 16:06 Uomo universale. Also ein Mensch, der in der Politik, in der Kunst, im Sport, 16:12 in allen Bereichen des alltäglichen Lebens nach Perfektion strebt. Genau, man sprach von ... 16:21 Ja, man sprach vom Universalgenie, vom Renaissancemenschen – ein Begriff, der ein wenig aus der Mode gekommen ist. 16:33 Zu dieser Idee gehört die Vorstellung, dass Wissen, Lernen und Neugierde auf die Welt unabdingbar sind 16:42 für ein menschlicheres, besseres Leben und dass ein eng gefasstes Spezialistentum nicht ausreicht. 16:49 Im 19. Jahrhundert wurde viel darüber gesprochen, als humanistisch gesinnte Schriftsteller 16:57 den Blick weiteten und sagten: "Bei der Bildung geht es um mehr – auch darum, ein guter und kultivierter Mensch zu werden." 17:07 Aber waren dafür die Klöster nicht schon da? Die wollten doch gute und gelehrte Menschen erziehen. 17:14 Was war der Widerstand, den Petrarca angestossen hat? Nun, er war nicht direkt gegen die Klöster. 17:23 Aber er dachte, dass sie von der Welt abgeschnitten waren. Das ist ein grundsätzliches Problem von abgeschotteten Gemeinschaften – 17:33 und dazu kann man auch die Universitäten zählen, die eine Art privilegierte Gemein- schaft von Gelehrten darstellen. 17:42 Das ist an sich nicht schlecht, aber er lebte in der Welt und wollte sich in der Politik engagieren. 17:51 Ist das der Vorwurf des Elfenbeinturms? Um die Welt zu verstehen, 17:56 müssen wir in der Welt handeln und uns auf sie einlassen. Das wurde ... 18:03 Mehr noch als Petrarca brachten sich die Humanisten im darauffolgenden 15. Jahrhundert 18:11 stark in weltliche Dinge ein. Sie waren darauf bedacht, politische Verantwortung 18:17 zu übernehmen, sich aktiv dafür einzusetzen, die Stadt, das Land oder die Gemeinschaft besser zu machen 18:24 und ihr Wissen und ihre Studien in irgendeiner Weise zu nutzen. Viele von ihnen haben sich auf lokaler Ebene 18:32 aktiv in der Regierung eingesetzt. Als Schriftstellerin und Philosophin 18:39 beobachten Sie auch die eigene Zeit und denken vielleicht: "Was kann ich der eigenen Zeit 18:44 aus der Geschichte der Philosophie beibringen?" Und man könnte sagen: Noch nie waren die Menschen so verbunden wie jetzt. 18:53 Noch nie waren sie so aufgefordert, ein Individuum zu werden, wie jetzt. Oder: Noch nie waren sie so weltlich wie jetzt. 19:01 Und das ist für viele auch ein Problem. Viele sind zu vernetzt, sind in zu vielen Projekten verfangen. 19:08 Welche Therapie kann der Humanismus unserer heutigen Kultur vorschlagen? Das ist ein sehr guter Punkt. Als ich beim Schreiben des Buches 19:19 auf die Idee von "only connect" zurückkam, dachte ich gelegentlich: "Nun, vielleicht brauchen wir weniger Verbindung." 19:26 Das könnte ein Smartphone-Slogan sein, "Only connect!" Genau. Ich musste mein Smartphone weglegen, 19:33 sonst hätte ich das Buch nie schreiben können. Der freie Austausch von Informationen und von Wissen 19:39 war lange Zeit eine gute Sache. Aber mittlerweile müssen wir beginnen, 19:43 Fragen zur Informationsqualität zu stellen. Handelt es sich um Fake News, die sich sehr schnell verbreiten, 19:51 aber nicht unbedingt nützlich sind? Ein Humanist würde sagen, dass es um die Qualität der Verbindung 20:00 und die Qualität des Wissens und der geteilten Informationen geht. Zu Petrarcas Zeit bestand die grosse Herausforderung darin, 20:09 wie man dieses Wissen verbreitet und die Verbindung zu Menschen schafft. Er reiste oft von Kloster zu Kloster, 20:21 um sich ihre Manuskriptsammlungen anzusehen. Schatzjäger. - Ja, absolut, 20:26 was ich völlig nachvollziehen kann, denn ich stöbere auch sehr gerne in Antiquariaten. 20:31 Allerdings finde ich nie die unglaublich wertvollen Schätze, auf die er gestossen ist – 20:37 Kopien und manchmal sogar Unikate von klassischen Texten. Aber um sie sich anzueignen, musste er sich entweder hinsetzen 20:46 und den Text von Hand abschreiben, oder sich das Buch ausleihen. Es wird erzählt, dass er Freunden, mit denen er auf Reisen war, sagte: 20:53 "Tut mir leid, ich habe gerade dieses Manuskript gefunden." "Wir müssen drei Tage hierbleiben, 20:59 während ich den Text von Hand kopiere." Da gab es noch keine Copy-Paste-Funktion, 21:04 das musste von Hand gemacht werden. - Genau. Die Vorstellung, Wissen breit streuen zu können, 21:15 wäre für ihn und seine Zeitgenossen sicherlich grossartig und aufregend gewesen. 21:21 Wir haben das umgekehrte Problem. Wir verfügen über sehr viele Informationen. 21:26 Doch wie treffen wir eine Auswahl? Wie nutzen wir dieses Wissen? Wir unterscheiden wir 21:32 zwischen verlässlichen und unzuverlässigen Informationen? Der Beitrag eines Humanisten würde wohl vor allem darin bestehen, 21:44 uns daran zu erinnern, wie wichtig es ist, darauf zu achten, wer der Verfasser ist und ob es sich beim Text um eine Fälschung handelt. 21:52 Und diese Kompetenzen werden auch heute in den sog. Humanities gelehrt. 21:57 Wie erkennt man einen falschen Text? Wie ordnet man die Quellen ein? Es gibt noch ein anderes Moment, das mir in Ihrem Buch auffiel, 22:06 fast auch ein Muster. Alle diese Humanist:innen - meistens sind es aber Männer - 22:12 sind Rebellen. Sie rebellieren gegen ihre Eltern und die etablierte Kultur. 22:17 Und sie rebellieren in Form der Literatur und der Poesie. Wie war das bei Ihnen biografisch? 22:24 Waren Sie auch von einem solchen Rebellendrang getragen? Und war für Sie die Literatur auch eine Form der Rebellion? 22:34 Verglichen mit Petrarca hatte ich es schwer, denn meine Eltern lieben Bücher, lesen sehr gerne 22:42 und sind überhaupt sehr aufgeschlossen. Es war gar nicht so einfach, etwas zu finden, 22:47 wogegen ich rebellieren konnte, aber ich habe mein Bestes getan. Als Teenager schaffte ich es mitunter, etwas zu finden, 22:55 was sie missbilligen würden. Ich versuchte, eigene Wege zu gehen. 23:02 So studierte ich zwar Philosophie an der Universität, entschied mich aber gegen eine akademische Laufbahn. 23:10 Ich wollte Schriftstellerin werden und Romane schreiben und eine andere Richtung einschlagen. 23:16 Rückblickend ging es mir um die Unabhängigkeit des Denkens und eine gewisse Unabhängigkeit bei meinen Entscheidungen. 23:26 Aber ich lese da wohl etwas in mich hinein, was sich gut anhört. Ich bin gerade ein bisschen neben der Spur. 23:37 Wenn man sich mit Ihrer Biografie beschäftigt, dann kriegt man schon einen gewissen Verdacht, 23:43 dass es einen Autor gab, der eine Art Initialzündung für Sie war: nämlich Jean-Paul Sartre, der ein Modell geliefert hat, 23:50 wie man in heutiger Zeit ein unabhängiges Leben führt. Wir schauen uns einen Film an, 23:56 der erklärt, was Sartre mit den Humanisten verbindet. Der französische Philosoph Jean-Paul Sartre 24:03 ist einer der wichtigsten Vertreter des Existenzialismus. Sartres Denken kreist um die Frage, was ein authentisches Leben ist. 24:12 Also frei von äusseren oder inneren Zwängen. Ganz und gar selbstbestimmt. 24:17 Bis heute der Traum fast aller moderner Menschen. Der Kampf um Freiheit hat bei Sartre auch biografische Wurzeln. 24:27 Er war Soldat im Zweiten Weltkrieg und geriet als junger Mann in deutsche Gefangenschaft. 24:33 Nach dem Krieg blieb er politisch äusserst aktiv und engagierte sich für die Arbeiterbewegung, 24:39 die Emanzipation und gegen den Kolonialismus. Sein bekanntester Satz lautet: 24:45 "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt." Nach Sartre kann sich jeder Mensch in jeder Lebenssituation 24:52 für oder gegen eine Handlung entscheiden. Jeder Mensch ist somit für seine Taten, sein eigenes Leben 24:59 und das seiner Mitmenschen voll verantwortlich. Radikaler Individualismus und politische Solidarität 25:06 sind für Sartre also miteinander vereinbar. Heute würde sich Sartre vielleicht 25:11 zu Instagram, TikTok und Co. äussern und bemängeln, dass wir in der scheinbar authentischen Selbstdarstellung 25:18 selbst zu einer Ware verkommen. Sicher würde er sich auch fragen, wie die eigene Freiheit 25:25 in Zeiten der Klimakrise mit der Freiheit aller anderen vereinbar ist. Worauf muss ich verzichten, damit andere selbstbestimmt leben können? 25:36 Übrigens gestaltete Sartre auch sein Liebesleben eher frei. Er führte - damals skandalös - ab 1929 eine offene Beziehung 25:46 mit der Philosophin Simone de Beauvoir. Mehr als ein halbes Jahrhundert 25:53 lebten und dachten die beiden gemeinsam und blieben einander auf ihre Weise treu. 25:58 Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre gelten daher in polyamourösen Kreisen als Vorreiter. 26:06 Wie viele Existentialisten verfasste Sartre seine Gedanken auch in Form von Romanen und Theaterstücken. 26:13 Er schrieb geradezu manisch. Oft mehrere Duzend Seiten täglich. 26:19 Aufputschmittel begleiteten seinen Alltag. In den 1930er-Jahren experimentiere er auch mit Meskalin, 26:27 mit dem Ergebnis, dass er sich monatelang von menschengrossen Krustentieren verfolgt fühlte. 26:34 Sartre war im Nachkriegsfrankreich ein führender Intellektueller, der erste Popstar der Philosophie. 26:42 Als er 1980 starb, erwiesen ihm am Pariser Friedhof Montparnasse 50'000 Menschen die letzte Ehre. 26:51 Er hatte sein Leben so gelebt, wie er es wollte. Über das Leben von Sartre und seine Mitdenker:innen 27:02 haben Sie auch ein Buch geschrieben: "Das Café der Existentialisten". Ein weltweiter Erfolg. 27:09 Man kann in der Energie dieses Buches spüren, dass diese Existentialisten auch als Humanisten 27:14 für Sie eine Art Rollenmodell wurden, eine Befreiung der eigenen Art. Dazu gibt es ein paar Dinge zu sagen. 27:24 Tatsächlich war ich total begeistert von Sartre als ich ungefähr 16 war, aber es war nicht die philosophische, 27:31 humanistische oder politische Seite, die mich packte, sondern sein Roman "Der Ekel", "La Nausée". 27:38 Er beschreibt den Protagonisten, wie er sich in einer Stadt am Meer treiben lässt 27:45 und viel Zeit damit verbringt, über das Sein nachzudenken. Warum ist da etwas? Warum ist da nicht nichts? 27:52 In den Parks sieht er sich die Bäume an und denkt: "Sie sind voller Sein. Sie überwältigen mich." 27:59 So ging auch ich in den Park um die Ecke und sah mir einen Baum an und versuchte, die gleiche Erfahrung zu machen. 28:07 Davon geblieben ist mir bis heute das Gefühl einer Faszination für die physische und die menschliche Welt. 28:14 Dass sie überhaupt da ist. Es ist dieses Staunen - 28:19 Heidegger war auch der Ausgangspunkt für ihn -, eine Art radikales Staunen über unsere Existenz 28:25 und die Existenz der Welt. Ich suchte nach keiner religiösen Erklärung. 28:30 Ich hatte keinen Hang dazu, aber der Wow-Faktor des blossen Hierseins und die Möglichkeit, die Welt zu sehen, sind mir immer geblieben. 28:41 Es hat, welch ein Zufall, auch mein Interesse an der Philosophie geweckt. 28:48 Aber zur rebellischen Qualität der Existenzialisten: Viele Menschen suchen in diesem Alter nach einem Weltbild, 28:55 das sie direkt anspricht. Der Existentialismus tut das, weil er sich damit beschäftigt, 29:02 wie man als Mensch lebt. Ich habe mich auch sehr für Simone de Beauvoir interessiert, 29:08 die natürlich viel mehr war als nur Sartres Gefährtin. Sie war eine wichtige Feministin. 29:14 Sie schrieb "Das andere Geschlecht" und sehr interessante philosophische Werke, nebst ihren Romanen 29:20 und einer fantastischen Autobiografie mit vielen alltäglichen Einblicken, die mich wirklich faszinierten. 29:28 Einen Begriff haben diese beiden Bücher gemeinsam: Freiheit. 29:34 Der Humanismus ist natürlich auch eine Philosophie der Freiheit. und der Selbstbestimmung. 29:39 Es ist eine Philosophie der Emanzipation gegen die Kirche, gegen äussere Zwänge, und eine Philosophie der Selbstwerdung. 29:46 Diese drei Dinge haben die Humanisten und die Existentialisten eigentlich gemeinsam. 29:52 In einem berühmten Aufsatz von Sartre heisst es: "Der Existenzialismus ist ein Humanismus." 29:58 Dieses Freiheitsbedürfnis scheint doch die Quelle zu sein. Ja, unbedingt. 30:04 Sowohl Humanisten als auch Existentialisten betonen, dass Freiheit nicht absolut ist, sodass man tun kann, was man will. 30:14 Freiheit ist vielschichtig. Sie hat eine moralische Dimension, die sehr wichtig ist. 30:19 Auch wenn einfache Antworten oder Verhaltensanweisungen fehlen mögen, ist ethisches Handeln sehr wichtig. 30:30 Dann ist es auch eine kontextabhängige Freiheit. So hat Sartre darüber geschrieben. 30:37 Also keine unbedingte Freiheit. Es ist eine Freiheit, 30:42 die immer von der jeweiligen Lebenssituation ausgeht. Sie schwebt nicht im Nichts. 30:48 Man ist frei, wie man auf diese Situation regiert, egal, wie schwierig oder einschränkend sie ist. 30:55 Das ist eigentlich eine alte, stoische Idee. Man hat die Freiheit, wie man auf etwas reagiert, 31:04 wie man es erlebt und lebt. Ich finde, mit dieser Idee der Freiheit 31:09 kann man sich identifizieren. Eine Freiheit, die meint, ich kann alles tun, 31:15 ist philosophisch und auch im wirklichen Leben problematisch. Je mehr wir über uns erfahren – 31:25 wissenschaftlich, neurologisch und überhaupt -, desto mehr erkennen wir, dass es kein Bewusstsein gibt, 31:31 dass uns wie ein Geist in der Maschine steuert und sagt, was wir tun sollen. 31:37 Wir sind körperliche Wesen, die von unserer Physis beeinflusst werden und mit der physischen Welt um uns herum verbunden sind. 31:44 Der Freiheitsbegriff im existentialistischen und humanistischen Sinn ist interessant, 31:49 weil beide den Freiheitsaspekt betonen. Dieser ist aber durch den Kontext all der Dinge bedingt, 31:54 in die wir verstrickt sind und die uns mit der Welt verbinden. Es gibt vielleicht noch einen weiteren Punkt, 32:00 den diese beiden Traditionen gemeinsam haben: eine gewisse Aversion gegen die Religion 32:05 als den gesellschaftlichen Faktor, der Zwänge gesellschaftlicher, theologischer, auch nicht ganz rationaler Art 32:13 auf eine Gesellschaft hinauf pfropft. Gegen wen agieren die Humanisten eigentlich? 32:19 Vielleicht kann man sagen: Zunächst einmal gegen religiöse Dogmen. Viele Humanisten und auch einige Existentialisten 32:29 waren religiös und fühlten sich dem Glauben zutiefst verbunden. Jemand wie Erasmus war zutiefst religiös. 32:36 Er widmete sich der Arbeit an Bibeltexten, um sie besser und reiner zu machen 32:42 und der ursprünglichen Absicht näher zu bringen. Allerdings auch, um ihn von Dogmen zu befreien. 32:50 Abgelehnt wird die autoritäre Komponente, die einige religiöse Institutionen haben. 33:00 Wenn also die Kirche oder andere Institutionen den Menschen vorschreiben, 33:06 wie sie sich zu verhalten oder zu kleiden haben. Dieser dogmatische Teil ist für viele Humanisten, 33:12 auch gläubige Humanisten von heute, problematisch. Humanismus und Religion sind für mich vereinbar. 33:22 Humanismus muss nicht unbedingt nicht-religiös sein. Er ist dadurch gekennzeichnet, dass sich seine Elemente auf unser Leben, 33:32 unser ethisches Handeln hier im täglichen Leben ausrichten, auf das Leben hier und jetzt, und nicht auf das Jenseits. 33:40 Das ist ein Aspekt. Er gebärt ein Interesse am Leben hier und jetzt. Eine diesseitige Haltung - 33:47 nicht das Jenseits ist wichtig, sondern das Diesseits. Man kann durchaus an eine jenseitige Welt glauben. 33:54 Aber die Ausrichtung auf die Frage, wie man hier leben soll, bildet eine starke humanistische Komponente. 34:01 Und der Humanismus ist anti-autoritär – ein Problem für Humanisten, nicht nur in der Religion, 34:08 aber auch in der Politik, wo wir heute einen sehr alarmierenden Anstieg 34:13 autoritärer staatlicher Systeme erleben. Nochmals zurück zum Verhältnis 34:19 zwischen Religion, Theologie und Humanismus. Es gibt eine Kampagne der englischen Humanisten, 34:25 die auch eine Vereinigung haben. Die sah man auch auf Londoner Bussen. 34:30 Da stand: "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott." 34:35 "Hör auf, dir Sorgen zu machen, geniess dein Leben." Eine sehr interessante Kampagne. 34:40 Sie löste einen grossen Skandal aus in Grossbritannien. Dieses "Geniess dein Leben" am Ende - 34:47 da gibt es noch einen weiteren Aspekt, den Hedonismus: "Mach dir kein Sorgen. Hab im Dies- seits so viel Spass, wie du kannst." 34:55 Das ist kein Humanismus mehr, eher eine Art neoliberaler Imperativ. Die Unterscheidung zum Neo- liberalismus bzw. sogar Liberalismus 35:07 ist ein weiteres Thema, über das man sprechen kann. Ich mag diese Kampagne. 35:13 Die wichtigen Wörter dort sind "Don't worry", mit allem, was das beinhaltet. 35:18 Das geht zurück auf antike Philosophen wie Demokrit und Pythagoras, die in ihren Texten über die Götter sagten: 35:25 "Vielleicht gibt es sie, vielleicht auch nicht, aber es ist eine Schande, sein Leben zu verschwenden 35:33 und sich darüber Sorgen zu machen und sie zu fürchten." Diese Haltung – "Mach dir keine Sorgen, ob es sie gibt oder nicht" - 35:42 hat im Humanismus eine lange Tradition. Hier geht es nicht um moralische Entscheidungen. 35:48 Ich spreche davon, dass einem die Fähigkeit, diese Welt zu schätzen, abhandenkommen kann, weil einige Religionen Menschen dazu anhalten, 35:57 dieser Welt zu entsagen, sich von ihr abzukehren. Und auch deinen Körper. 36:07 Und ja, dass man den Körper negieren sollte und als Mensch ein Leben der Selbstverleugnung leben 36:15 und sich allein auf das Jenseits ausrichten soll. Alle Gedanken sollen auf Gott 36:23 und die Erwartung des Himmelreichs ausgerichtet sein. Das hat im Christentum eine lange theologische Tradition, 36:33 die allerdings nur von einer Minderheit gelebt wurde. Die meisten Menschen folgten ihr nicht, 36:39 aber es gibt doch einige religiöse Texte, die solches einforderten. Der Platonismus ist auch so eine Haltung, 36:46 wo der Körper nicht so wichtig ist und es ein Jenseits gibt, das das eigentlich Wahre ist. 36:52 Während die Humanisten sagen: "Bleiben wir mal auf dieser Welt." Ja, und lass uns hier ein gutes Leben führen. 37:00 Das ist das Wichtigste für die Humanisten. Ein weiteres Lieblingszitat, das ich im Buch mehrmals verwende 37:07 und mit dem ich gewissermassen schliesse, stammt von einem religionskritischen Freidenker des 19. Jahrhunderts 37:14 namens Robert Ingersoll. Er nannte es sein Credo zum Glücklichsein. 37:19 Es lautet wie folgt: "Glücklichsein ist der einzige Wert." "Die Zeit zum Glücklichsein ist jetzt." 37:26 "Der Ort zum Glücklichsein ist hier." Die allerwichtigste letzte Zeile lautet: 37:31 "Der Weg zum Glücklichsein besteht darin, andere glücklich zu machen." Es geht also wieder um Verbindung und nicht darum, 37:39 das eigene Glück auf Kosten anderer zu suchen, wie es im Neoliberalismus angelegt ist. 37:45 Darin liegt etwas zutiefst Anti-Humanistisches, weil es die Verbindung ignoriert – 37:50 die Tatsache, dass wir alle miteinander verwoben sind. Das ist auch so interessant an Ihrem Buch 37:57 und Ihrer Leseart des Humanismus, weil es wird oft als eine individualistische, 38:02 vielleicht sogar als eine private Haltung zum Ausdruck gebracht. Und Sie wollen ihn solidarisieren. Sie sagen: 38:09 Das funktioniert nur, wenn wir uns als relationale Menschen denken. Und das war innerhalb des Humanismus nicht immer so. 38:16 Selbst bei Sartre gibt es die Spannung zwischen der Selbstwerdung und den anderen. 38:21 Und leicht zu lösen, ist sie nicht. Soweit Sartre überhaupt Humanist war. 38:29 In der Tat hat er sehr viel über "den anderen" geschrieben. Seine philosophischen Bücher 38:35 sind voll von Gedanken über unsere Beziehungen zu anderen Menschen. Allerdings hat Sartre seine Ideen 38:42 im Lauf seiner Karriere sehr oft geändert. Wenn wir also von Sartre als Humanisten sprechen, 38:48 meinen wir in der Regel den frühen Sartre. Später geriet er sehr stark unter den Einfluss des Marxismus, 38:54 und er versuchte, ein guter Marxist zu sein. Wieder eine dogmatische Lehre. 38:59 Die Marxisten indes mochten ihn nicht. Sie waren der Meinung, dass seine existenzialistische Philosophie 39:06 nicht zu ihrer Ideologie passt. Aber Sartre bettelte geradezu um die Aufnahme in ihren Kreis. 39:13 Die Philosophien sind im Grunde unvereinbar, weil der Existentialismus 39:18 die individuelle Verantwortung und die Wahlmöglichkeiten betont. Eben, und in genau dieser Spannung steht auch der Humanismus. 39:26 Und ich glaube, sobald man den Humanismus zu sehr solidarisiert und sozialisiert, 39:32 verliert man etwas von dem Feuer, das die Selbstwerdung ermöglicht. Das Problem liegt nicht so sehr in der Verbindung mit anderen. 39:44 Der grosse Knackpunkt beim Marxismus liegt für jeden, der an Freiheit oder individuelle Verantwortung glaubt, 39:53 in dessen Ideologie eines zwangsläufigen Verlaufs der Geschichte - 40:01 egal, was man tut. Ein Pilot in der Geschichte. - Ja. 40:07 Damit kann sich kein Existentialist wirklich abfinden. Und es ist hoch problematisch für Humanisten, 40:14 denn wo passt das Individuum da hinein? Das war auch die Frage von Simone de Beauvoir: 40:20 Wie passe ich da noch rein mit meiner eigenen Handlungsweise? Sie sagt auch, dass es immer auch gegen Ideologien geht. 40:27 Wir sprachen davon, warum man den Humanismus jetzt wieder stark bringen sollte. 40:32 Ich glaube, wir vergessen in West- und Mitteleuropa, wie stark ideologisch und autoritär geprägt der Rest der Welt ist, 40:39 auch von religiösen Dogmen. Im Iran gibt es z.B. den Slogan "Frau, Leben, Freiheit". 40:46 Und das ist doch genau der humanistische Impetus: Wir wollen unseren Leib entfalten, als leibliche Wesen frei sein. 40:54 Wir wollen als Frauen anerkannt werden, auch als Menschen. Und wir wollen es für die Freiheit. 41:00 Eigentlich ist diese Befreiungsbewegung im Iran auch eine humanistische Bewegung. 41:06 Ich würde mir nicht anmassen, für die Menschen im Iran zu sprechen, 41:12 die so mutig auftreten. Ich vermute, dass sich nicht alle 41:17 in Aspekten des Humanismus wiedererkennen würden. Ich möchte ganz sicher nicht einer anderen Bewegung 41:26 einen humanistischen Rahmen aufzwingen. Das steht mir nicht zu. 41:37 Aber ich sehe Parallelen zu anderen humanistischen, politischen Haltungen gegenüber Unterdrückung jeglicher Art. 41:47 Es erinnert mich an die Feministin Mary Wollstonecraft im 18. Jh., die ich faszinierend finde und über die ich in meinem Buch 41:56 sowohl als Humanistin als auch als Feministin geschrieben habe. Sie hätte sich selbst wohl nicht so bezeichnet, 42:04 aber sie sah die Befreiung der Frauen als unabdingbar für das allgemeine menschliche Wohlergehen. 42:13 Frauen wurden zurückgebunden unter dem Joch einer Maschinerie, die sie Zeit ihres Lebens als Kinder behandelte. 42:20 Dies betraf insbesondere Frauen aus privilegierten Familien. Ihr Verhalten wurde noch stärker kontrolliert. 42:27 Sie hatten keine Rechte. Sie durften kein Eigentum besitzen und hatten keine Rechtsfähigkeit. 42:33 Sie konnten sich nicht verbinden. - Das stimmt. Sie verglich sie mit Vögeln, die in goldenen Käfigen gehalten wurden. 42:43 Sie forderte eine gute Bildung für alle Frauen. In der fehlenden Bildung auf allen Stufen sah sie das grösste Hindernis 42:52 für die Entfaltung der Frauen, die sich bilden wollten und dazu fähig waren. 42:58 Frauen sollten als moralisch verantwortliche Wesen handeln, ihre eigenen Entscheidungen treffen und sich verantwortungsvoll 43:07 als mündige, erwachsene Bürgerinnen einbringen können. Das ist eine starke humanistische Botschaft. 43:18 Jeder fähigen Person sollte dieser Weg offenstehen. Es gibt tatsächlich eine starke humanistische Tradition 43:28 in der Geschichte der Befreiungsbewegungen aller Art, nicht nur des Feminismus. 43:36 Und in diesem Sinne haben gewisse Kulturen - auch die westliche Kultur, aus der der Humanismus entsprang -, 43:43 doch gewisse Fortschritte gemacht. Man ist auf diesem Weg doch ein Stück weit nach vorne gegangen. 43:49 Es gibt jetzt aber - und wir können nicht über Humanismus sprechen, 43:54 ohne dieses Thema zu betonen - einen neuen Sprung. Nämlich die Frage nach dem Transhumanismus. 44:00 Humanisten können auf die Frage, was der Mensch ist, keine eindeutige Antwort geben. 44:06 Und mittlerweile sind die Möglichkeiten des Menschen, sich selbst zu überwinden, so gross geworden, 44:12 dass sie vielleicht sogar Humanisten Angst machen, oder? Wie jeder andere müssen auch wir uns 44:22 mit diesen Entwicklungen auseinandersetzen. Die allgemeine Frage nach der Zukunft der Menschheit 44:30 wird durch den Transhumanismus heute besonders Art akut, weil unsere technologische Abhängigkeit so umfassend ist - 44:39 only connect! Wir sind nicht nur durch unsere Technologie verbunden, 44:45 sondern auch mit unserer Technologie. Sie beeinflusst fast jeden Aspekt unseres täglichen Lebens. 44:53 Dazu kommt jetzt auch noch das, was wir im Moment als künstliche Intelligenz bezeichnen. 44:59 Ein nicht wirklich passender Ausdruck, denn was sich unmittelbar auf uns auswirkt, 45:05 ist die Fähigkeit von Systemen, die menschliche Sprache und menschliche Kommunikations- systeme zu imitieren. 45:13 Das klappt mittlerweile so gut, dass man kaum noch erkennen kann, ob etwas von einer Maschine oder einem Menschen geschrieben wurde. 45:21 Für die Geisteswissenschaften ist es ein grosses Problem, wenn nicht mehr klar ist, ob hinter einem Text 45:27 eine Maschine oder ein Bewusstsein steckt. Es ist doch ein Riesenproblem für Petrarca, Boccaccio und Montaigne, 45:33 die glauben, dass man durch Text erst zum Mensch wird, dass man schreibend zu dem wird, der man ist. 45:39 Jetzt haben wir Maschinen, die das können, aber wir glauben nicht, dass die etwas werden wollen oder können. 45:46 Nein, und sie sind durch Text zu dem geworden, was sie sind. Denn das ist genau das, was sie tun. 45:52 Sie sammeln riesige Mengen an von Menschen verfasstem Text, um vorhersagen zu können, 45:58 welches Wort wahrscheinlich auf ein anderes folgt. Das ist eine schreckliche Parodie eines humanistischen Lernens, 46:05 von dem sich Petrarca erträumte, es würde die Probleme der Welt lösen. Wir wissen noch nicht, wohin uns das bringt, es ist alles noch sehr neu. 46:17 Es gilt jetzt in der Lehre, viele Probleme auf ganz pragmatische Weise zu lösen. 46:23 Wir müssen uns beibringen, zu erkennen, was menschlichen Ursprungs ist und was nicht. 46:28 Transhumanisten würden die Frage in den Raum stellen, ob sich das überhaupt abgrenzen lässt. 46:33 Wir nutzen die Technologie zum Schreiben. So zeichnet sich eine Zukunft ab, 46:39 in der diese Dinge wirklich fast verschmelzen. Und religiöse Menschen würden sagen: 46:44 Ohne Religion kann diese Grenze nicht klar gezogen werden, sie wird sich immer weiter bewegen. 46:50 Ich habe mir beim Lesen Ihres Buches überlegt: Was würde Petrarca denken, wenn man ihm heute zeigen würde, 46:58 wie weit sein Traum von der Forschung, von der Literarisierung und den Möglichkeiten der Wissenschaft gediehen ist? 47:05 Etwa: "Das ist fantastisch, davon habe ich immer geträumt." "Die maximale Konnektivität, die Superverbindungsmaschine." 47:16 Ich glaube, er würde es erst lieben, aber dann könnten sich Zweifel einschleichen. 47:25 Er würde sich wohl grosse Sorgen über die moralischen Konsequenzen machen, 47:30 weil ihm dies am Herzen lag. Sicher würde er sich auf Snapchat und TikTok stürzen, 47:37 und sich dann die Frage zu stellen, wo der Mensch bei all dem bleibt und was es mit ihm macht. 47:49 Zuerst aber hätte er richtig viel Spass beim Surfen. Wenn man das Motto "verbinde dich", "only connect", 47:59 auf Technologie bezieht, könnte man sagen: "Lass dir eine Linse einbauen, mit der du zehnmal besser siehst." 48:06 "Lass dir irgendetwas einbauen, um zehn Fremdsprachen leichter zu lernen." 48:12 Was würde denn eine humanistische Gegenposition sagen? "Nein, das machen wir nicht, das ist nicht gut für den Menschen." 48:19 Eigentlich müsste man doch sagen: "Mach weiter, verbinde dich, schöpfe dein Potenzial aus!" 48:27 Das entspräche dem Gerät, das in "The Hitchhiker's Guide to the Galaxy" 48:32 Babel fish genannt wurde. Das Buch heisst "Per Anhalter durch die Galaxis". 48:38 Eine fantastische Sache, ich hätte das gerne. Eine wunderbare, lustige Zukunftsvorstellung 48:45 aus den frühen 1970er-Jahren, wozu eben dieses Gerät gehört, das wie Wikipedia funktioniert. 48:55 So etwas wäre sicherlich attraktiv und nützlich. Für einen Humanisten gibt es kaum einen Grund, 49:06 eine solche Technologie nicht zu mögen, denn sie würde uns einige der Vorteile zurückgeben, 49:13 die früher aus der Tatsache resultierten, dass Latein eine Universalsprache war, 49:19 wobei natürlich nur eine kleine Minderheit von Menschen das Privileg hatte, es zu lernen. 49:24 Latein war exklusiv, was hier nicht der Fall wäre. Das lässt mich an eine andere Figur in meinem Buch denken, 49:31 über die ich erst gar nicht schreiben wollte. Dann aber wurde mir klar, wie wichtig sie ist: 49:37 Ludwik Zamenhof, der sich mit der Erfindung von Esperanto einen Traum erfüllte. 49:42 Er wuchs in Bialystok auf, einer ethnisch durchmischten Gesellschaft mit einer komplexen Geschichte. - Esperanto ist der Traum 49:49 einer Sprache, die alle Sprachen so zusammenbringt, dass sie jeder am leichtesten lernen kann. 49:55 Er war der Meinung, dass eine Universalsprache die Zahl der Konflikte verringern würde. 50:02 Eine solche Sprache musste einfach sein, so dass jeder sie leicht erlernen konnte, 50:07 und sie durfte keiner Gruppe von Menschen oder zu keinem Gebiet gehören, 50:11 woraus man irgendwelche Vorrechte ableiten könnte. Sie war ein absolut neutrales, geteiltes Kommunikationsmittel, 50:18 das den Menschen helfen würde, sich besser zu verstehen. Er beschäftigte sich auch mit der Erfindung einer Religion, 50:26 die er Menschheitslehre, Homoranismo, nannte, und die ähnliche Ziele verfolgte, als eine geteilte, zweite Religion, 50:34 auf die wir uns alle beziehen könnten, so wie wir eine zweite Sprache haben. 50:39 Das sind faszinierende Ideen, die sich nicht ganz durchgesetzt haben. Er hatte sich daraus Weltfrieden erhofft, was sich nicht erfüllt hat, 50:48 aber ich finde den Versuch wirklich sehr interessant. Er zeigt die Bedeutung der Kommunikation, 50:55 und - entscheidender noch - wie wichtig es ist, anzuerkennen, was wir jenseits unserer Spaltungen und Zugehörigkeit zu Nationen, 51:04 Staaten und Religionen gemein haben. Das ist ein heikles Spiel und ein grundphilosophischer Konflikt: 51:13 die Differenz zu feiern, die Pluralität der Menschen, und trotzdem immer wieder auf das Gemeinsame hin zu gravitieren. 51:21 Und in dieser Spannung steht auch der Humanismus. Idealerweise bietet der Humanismus die Möglichkeit, beides zu tun, 51:33 so wie dies auch in den jüngsten humanistischen Manifesten der Organisation Humanists International betont wurde, 51:40 die sich sehr um einen modernen Humanismus bemühen. Sie unterstreichen die geteilte Menschlichkeit - 51:47 Eigenschaften, die uns gemein sind und uns vereinen, aber auch den Respekt für Vielfalt – 51:54 kulturelle Vielfalt und die Vielfalt der Erfahrungen, sowie den Respekt für den Rest der natürlichen Welt. 52:05 Es gibt einen anderen Strang im Humanismus, der zur Kritik geführt hat, er stelle den Menschen 52:12 auf Kosten anderer Spezies zu sehr in den Vordergrund. Auch hier betonen die modernen Humanisten, 52:18 dass die anderen Arten keineswegs beiseitegeschoben werden sollen. Das kann man betonen, aber man muss doch auch die Spannung wahrnehmen. 52:29 Denn es gibt eine Grenze, man kann nicht alle inkludieren, ohne den eigenen Markenkern zu gefährden. 52:37 Haben Menschen eine Marke? Wenn ja, dann läuft es gerade nicht so gut für sie. 52:44 Ich denke, sie entwickeln den Brand des Humanismus. Sie versuchen, das als eine kontinuierliche Geschichte zu sehen. 52:51 Je mehr man sich mit ihm in all seinen Facetten beschäftigt, läuft der Humanismus tatsächlich Gefahr, 53:00 zu einer grossen Krake zu werden, die sich in fast alle Bereiche des Lebens ausbreitet. 53:07 Das Problem lässt sich lösen. Die Bedeutung lässt sich dadurch einengen, dass man sich fragt, 53:15 was Anti-Humanismus sein könnte. Antihumanismus wird stark 53:23 mit autoritären staatlichen Systemen in Verbindung gebracht, die den Staat oder die Autorität einer Institution 53:31 über das Individuum stellen. Das zeigte sich insbesondere beim Aufstieg des Faschismus in Italien. 53:41 Das Manifest von Mussolini und Giovanni Gentile, seinem philosophischen Handlanger, enthielt zwei interessante Aussagen: 53:54 "Das Individuum ist ohne Bedeutung." Und: "Der Staat ist das, was zählt." 54:02 Diese Prinzipien wurden auf die Ebene einer Religion gehoben. Eine solche Überhöhung steht im Kern vieler autoritärer Systeme - 54:16 als Abstraktion einer Religion, eines Staates oder einer Ideologie, wie des Marxismus. 54:26 Eine antihumanistische Strömung hängt wie ein riesiger autoritärer Klumpen 54:32 über uns, der uns sagt: "Ich gebiete dir, dies zu tun!" 54:38 "Ich gebiete dir, dies nicht zu tun!" Und dann würde man sagen: 54:43 Der Humanismus ist v.a. eine Reaktion, auf Macht und Wissensanmassung von anderen. 54:51 Ich stelle es mir manchmal so vor, dass mit dem Wegfallen aller autoritären Ideen, 54:59 seien sie nun religiös oder nicht-religiös, am Schluss der Humanismus übrigbleiben würde – 55:06 also ohne den Missbrauch der Rechte anderer Menschen, ohne die Vorschriften, 55:13 die andere Menschen in ihrer Lebensgestaltung einschränken. Dadurch rückt der Humanismus in den Fokus des Bildes. 55:30 In Abgrenzung zum Umriss des Antihumanismus erhält man die Form dessen, was Humanismus sein könnte. 55:39 Ich betone, dass es nicht wirklich um Religion geht, denn es gibt sowohl innerhalb der Religionen 55:48 als auch innerhalb des Atheismus humanistische und antihumanistische Strömungen. 55:53 Viele autoritäre Staaten waren offiziell nicht religiös, insbesondere die kommunistischen – etwa das stalinistische Russland. 56:03 Die Idee, dass Bildung, die schönen Künste und v.a. auch die Sprachen eine besonders wichtige Rolle in unserer Existenz spielen, 56:12 wenn es darum geht, sich selbst ein gelingendes Leben zu erschreiben, wie Sie selbst es auch tun. 56:20 Nun, ich ... Nun, ich liebe die Literatur. 56:26 Ich liebe das Lesen, die Kunst. Sie sind an sich interessant und schön, 56:31 auch, weil sie von einem menschlichen Bewusstsein stammen. Das führt uns zurück zur künstlichen Intelligenz. 56:39 Was, wen sie von einer Maschine erzeugt würden? Fände ich sie dann immer noch schön? 56:45 Sie sind aber viel mehr als nur schön. Sie bieten uns Wege, uns selbst zu erkennen. 56:50 Wir verstehen unser eigenes Leben viel besser, wenn wir lesen, was andere Menschen über ihr Leben geschrieben haben, 56:57 oder durch Romane, die eine grosse Vielfalt von Lebenswegen anderer Menschen abbilden. 57:03 Und Sie schreiben auch Bücher, die es uns ermöglichen, mit anderen Bewusstseinen in Kontakt zu treten. 57:09 Manche nah an unserer Gegenwart, mache sehr weit. Und diese Form, Verbindung zu schaffen, 57:14 ist eine Form der Menschwerdung. Ich danke Ihnen sehr, dass Sie sie uns heute vorgeführt haben. 57:20 Danke, dass Sie da waren. - Ich danke Ihnen vielmals. Was macht ein Leben zu einem wirklich menschlichen 57:27 und v.a. zu einem gelungenen Leben? Antworten gerne in die Kommentarspalte. 57:32 Hier gibt es ein weiteres Gespräch mit dem Humanisten und Kognitionspsychologen Steven Pinker. 57:38 Seine These: Alles wird durch Wissenschaft ständig besser. Darüber kann man auch mal nachdenken.