Konsumwahn/Konsumgesellschaft und Umweltschutz?Warum unser Konsum der Umwelt schadet-Doku- Schlaumal Schlaumal - Umwelt, Mensch und Tier https://www.youtube.com/watch?v=pLXJTUAygQ0 Transkript (automatisch erstellt) 0:05 Herzlich Willkommen bei Schlaumal, heute mit dem Thema “Warum unser Konsum der Umwelt schadet" 0:14 Das neuste Handy, der hochauflösendste Flachbildschirm, das zwanzigste paar Schuhe? Für viele Menschen in den modernen Industrieländern gehört Shopping zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. 0:26 10.000 Dinge besitzt ein Europäer im Durchschnitt und ständig kommen mehr dazu. Der Bereich des Konsums macht in Deutschland ca. 75 % der Wirtschaftsleistung aus, 50-60% 0:36 davon sind privater Konsum. Nun könnte man sich fragen: Ja und, wo liegt das Problem? 0:42 Konsum stärkt doch die Wirtschaft und die Wirtschaft muss wachsen! Das ist auch erklärtes Ziel der meisten Regierungen. 0:48 Und dafür gibt es gute Gründe: Ohne Wirtschaftswachstum kein Sozialstaat. Die Arbeitslosigkeit würde steigen und die Schulden könnten nicht mehr abbezahlt werden. 0:56 Eines der Probleme am Wirtschaftswachstum ist, dass unser Planet nicht mitwächst. In jedem Produkt das wir besitzen steckt ein Stück unserer Erde, 1:04 denn bei der Herstellung, dem Gebrauch und der Entsorgung eines Produktes werden Energie und natürliche Ressourcen wie Wasser, Boden, Luft, Wälder und Rohstoffe verbraucht. 1:13 Mit dem Konzept des sogenannten Ökologischen Rucksacks, lässt sich sinnbildlich darstellen, wie viele Ressourcen in einem Produkt stecken. 1:20 Je schwerer der ökologische Rucksack eines Produktes ist, desto umweltschädlicher ist es. 1:25 Für die Berechnung der Gewichtsangaben wird der gesamte Lebenszyklus eines Konsumgutes betrachtet. 1:30 Ein T-Shirt wiegt zwar in etwa nur 100 Gramm, hat aber einen ökologischen Rucksack von ca. 1:36 226 Kilogramm. Der Ökologische Rucksack eines Laptops wiegt ca. 743, der eines Handys 75 Kilogramm. 1:43 Um besser verstehen zu können wie solche Zahlen zustande kommen, ist es hilfreich sich den Lebenszyklus eines Produktes, z.B. den eines Handys, genauer anzuschauen: 1:53 Der Abbau: In einem Mobiltelefon befinden sich ca. 1:57 60 Rohstoffe: Kunststoffe, Glas, Keramik und rund 30 verschiedene Metalle. Von Kupfer, Gold, Aluminium und Zinn über Silber, Eisen und Platin bis hin zu seltenen 2:11 Metallen wie Indium, Kobalt, Wolfram und Gallium, ist alles im Handy enthalten. Der Abbau der Metalle ist sehr umweltbelastend. 2:19 Wälder werden gerodet und damit Lebensräume zerstört, viele Tonnen Gestein gesprengt, Luft, Wasser und Böden verschmutzt. 2:26 Um die Rohstoffe vom Gestein zu trennen werden giftige Chemikalien wie Quecksilber oder Zyanide eingesetzt, die in Flüsse und Meere gelangen können. 2:35 Die Produktion: Die einzelnen Produktionsschritte erfolgen in verschiedenen Ländern. 2:41 Nach dem Transport und der Aufbereitung der Rohstoffe folgen die Fertigung der zahlreichen Handybauteile von rund 270 Zulieferern, 2:48 die Endmontage des fertigen Geräts, dessen Transport zum Zwischenhändler 2:53 und schließlich der weltweite Verkauf an den Endkunden. All diese Arbeitsschritte sind sehr energie- sowie ressourcenintensiv. 3:00 Es entstehen Abwässer und Abfälle. Giftige Chemikalien werden eingesetzt und große Mengen an Treibhausgasemissionen verursacht. 3:09 Die Nutzung: In der darauffolgenden Phase der Handynutzung, wird beim Aufladen des Akkus Strom verbraucht 3:15 und mit jedem Anruf und jeder SMS wird das Funknetz – das seinerseits Energie und Rohstoffe benötigt, genutzt. 3:21 In Deutschland wird das Gerät durchschnittlich 1,5 Jahre lang benutzt und dann durch ein Neues, vermeintlich besseres Modell ersetzt. 3:32 Die Entsorgung: Mit großer Wahrscheinlichkeit wird das Althandy nicht richtig entsorgt, denn über 100 Millionen 3:38 Handys verstauben derzeit in deutschen Schubladen. In ihnen stecken umgerechnet rund 745 Tonnen Kupfer, 325 Tonnen Kobalt, 22 Tonnen Silber 3:48 und 2 Tonnen Gold, die für das Recycling verloren sind. Die wertvollen Rohstoffe für neue Geräte müssen also erneut aufwendig abgebaut und 3:56 aufbereitet werden. Am Beispiel eines Handys kann man also gut erkennen, dass im Laufe des Lebenszyklus eines 4:03 Produktes natürliche Ressourcen verbraucht werden. Diese Naturgüter bilden allerdings unsere Lebensgrundlage. 4:09 Indem wir weiter bewusstlos konsumieren und produzieren sägen wir an dem Ast auf dem wir alle sitzen. 4:14 Von dem Wirtschaftswissenschaftler Kenneth Boulding stammt das berühmte Zitat: “Jeder, der glaubt, dass exponentielles Wachstum in einer endlichen Welt für immer 4:22 weitergehen kann, ist entweder verrückt oder ein Ökonom." Bereits jetzt leben wir über unsere Verhältnisse: 4:29 Seit mehr als 40 Jahren nutzen wir Menschen mehr natürliche Ressourcen, als die Erde erneuern kann. 4:35 Der Ökologische Fußabdruck, also die Fläche auf der Erde, die notwendig ist, um unseren Lebensstil zu ermöglichen, wächst zusammen mit der Weltbevölkerung. 4:43 Die biologische Kapazität hingegen konnte durch technologischen Fortschritt bisher nur geringfügig gesteigert werden. 4:49 Die Folgen der Übernutzung des Planeten kann man bereits heute erkennen. Fast 50% aller Wälder sind abgeholzt, Böden und Wasser verschmutzt, Fischbestände und 4:59 Artenvielfalt reduziert und in vielen Ländern ist das Wasser knapp. Bereits rund 60% der weltweiten Ökosysteme sind geschädigt oder übernutzt. 5:08 Das führt zu immer mehr Klimakatastrophen und Hungersnöten, vor allem in Afrika und Asien. 5:13 Es sind jedoch vor allem die reichen Länder, die verantwortlich für den Raubbau sind. Jeder Deutsche verbraucht im Jahr doppelt so viele Ressourcen, wie ihm zustehen würden. 5:21 Unseren Lebensstil können wir nur deshalb beibehalten, weil wir auf Kosten anderer Länder leben. 5:26 Allein in Südamerika wird auf 2,2 Millionen Hektar Land Soja für Deutschland angebaut. Das sind umgerechnet über 3 Mio. 5:33 Fußballfelder. Das Soja wird nicht etwa von unseren Veganern verspeist, sondern von den rund 3,7 Millionen 5:39 Rindern, 58 Millionen Schweinen und 680 Millionen Geflügeltieren die jedes Jahr in Deutschland geschlachtet werden um auf unseren Tellern zu landen. 5:47 Um Kosten zu sparen wird ein Großteil unserer Konsumgüter in Entwicklungs- und Schwellenländern produziert. 5:54 Es kommt zur Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, was zu sozialer Ungleichheit, Konflikten und Kriegen führt. 6:00 Würden alle Menschen so leben wie wir Deutschen, dann würde unsere Erde kollabieren. Trotzdem ist unser Wachstumsmodell zum Vorbild für die Welt geworden. 6:07 Laut einer Studie des WWF sind derzeit 1,6 Erden nötig, um den aktuellen Ressourcenverbrauch der Menschheit nachhaltig zu decken. 6:14 Und wächst die Weltbevölkerung wie prognostiziert bis 2050 auf 9,6 Mrd. Menschen an bräuchten wir knapp drei Erden. 6:23 Nun stellt sich die Frage: Warum konsumieren wir überhaupt so ausschweifend? Die meisten Dinge, die wir kaufen, brauchen wir nicht - ca. 6:30 40 Prozent unserer Kleidung wird selten oder nie getragen. Auf der anderen Seite macht Einkaufen glücklich, zumindest kurzfristig. 6:38 Nach dem Kauf wird das Belohnungssystem im Gehirn angeregt und Dopamin wird ausgeschüttet. Das Glücksgefühl des Konsumenten verschwindet jedoch so schnell wie es gekommen ist - immer 6:47 mehr kann nie genug sein. Nachhaltig glücklich macht materieller Konsum nicht. 6:52 Studien zur Lebenszufriedenheit haben ergeben, dass eine Erhöhung des Einkommens ab einem bestimmten Niveau keinen weiteren Zuwachs an Wohlbefinden mit sich bringt. 7:00 Es kommt vermehrt zu Konkurrenzdenken und Druck. Hirnforscher haben herausgefunden, dass glückliche Menschen, seltener unnötige Dinge kaufen 7:07 als unzufriedene Menschen. Durch den Kauf eines Produkts verspricht man sich bewusst oder unbewusst Anerkennung, Zugehörigkeit, 7:15 Identität oder man will sich von anderen abgrenzen. Eine ganze Industrie lebt von den ungestillten Bedürfnissen der Menschen. 7:23 Tausende von Werbebotschaften prasseln täglich auf uns ein und zeigen uns, welche Produkte wir angeblich noch brauchen um glücklicher, schöner, besser zu sein. 7:31 Wir befinden uns in einem Kreislauf von kaufen, wegwerfen, kaufen.. Die überflüssigen Güter, die wir anhäufen, kosten nicht nur Geld, sondern unsere Lebenszeit, 7:41 die wir aufwenden müssen, um dieses Geld zu verdienen. Deshalb wäre es sinnvoll wenn jeder einmal sein eigenes Konsumverhalten hinterfragen 7:47 und darüber nachdenken würde, ob und warum er bestimmte Produkte wirklich braucht. Wenn wir und unsere Kinder glücklich und gesund leben wollen, brauchen wir eine intakte 7:57 Erde mit funktionsfähigen Ökosystemen und dürfen nicht so weitermachen wie bisher. Möglicherweise sind wir die letzte Generation, die noch einen Wandel bewirken kann. 8:06 Es heißt das Problem sei mit “Grünem Wachstum” zu lösen. Technische Innovationen wie Windräder, Hybridautos und Solarpanels sollen das Ruder in Richtung 8:14 nachhaltige Entwicklung herumreißen. Wachstum war bisher jedoch immer mit einem Mehrverbrauch verbunden und wird es wohl auch 8:20 bleiben. Selbst für die effizienteste Technik werden Ressourcen benötigt. 8:25 Bewusster Konsum und weniger Verbrauch wären der wahre Fortschritt. Wir sollten aber nicht darauf warten, bis Politiker den ersten Schritt gehen. 8:33 Sie wollen die Menschen nicht gegen sich aufbringen, indem sie ihnen etwas vorschreiben, was als Freiheitsverlust empfunden werden könnte. 8:39 Erst wenn die Verbraucher freiwillig umdenken, wird auch die Politik den Mut aufbringen Gesetze und Maßnahmen einzuführen, die uns helfen den Weg in eine nachhaltige Zukunft zu gehen. 8:50 Infos und weiterführende Links findet ihr wie immer unten in der Infobox. Schreibt gerne in die Kommentare, über welches Thema ihr euch ein Schlaumal Video wünscht. 8:58 Vielen Dank fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal bei Schlaumal.