Wirtschaftskrise in Baden-Württemberg: Zwischen Insolvenzen, Stellenabbau und Zukunftsangst ZDFheute Nachrichten https://www.youtube.com/watch?v=oqYUtB0WtI8 Transkript (automatisch erstellt) 0:01 Unterwegs in einem Land, das um sein Selbstverständnis ringt mit zwei Menschen, deren Job die Krise ist. 25 und auch 24 waren schon heftige Jahre 0:13 für die Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer hier in Badenwürtemberberg. Das Thema Deindustrialisierung, das ist nicht nur in in Wort, sondern das ist 0:21 das passiert gerade tatsächlich. Sie nehmen uns mit, wollen zeigen, was da gerade passiert in der Badenwürtemberbergischen Industrie und 0:30 was das mit den Menschen macht. Erste Station Mühlhausen im Te. Hier ist der Hauptsitz der Huba Automotive AG bzw. war. Der Betrieb wird stillgelegt. 0:44 In die Insolvenz gehen im Moment hauptsächlich kleinere mittlere Unternehmen, Zuliefer ähm die einfach hier keine Chance haben ähm zu 0:53 überleben. Da fehlt dann einfach das Geld, die Unterstützung. Über 100 Menschen arbeiteten hier, bauten Elektronikteile für die großen 1:02 Autohersteller. Doch die verlagern im großen Stil ins Ausland und zu größeren Zulieferern. Und so arbeiten sie hier nur noch die letzten Aufträge ab. Einer 1:12 von ihnen ist Andreas Scherer. Ich habe halt das Ding halt 23 Jahre lang mit aufbaut und immer wieder ist traurig bis jetzt we alles der Bach 1:21 geht. Ich gehe mal von hier aus in die Rente habe ich gedacht, aber jetzt mittlerweile es kommt halt sechs Monate lang auch von Gesellschaft und 1:28 Arbeitslosigkeit vielleicht gut ich bin brennen ein paar Sachen, aber ich habe hier nicht schlecht verdient und über wo ich jetzt bis jetzt gefragt habe hat 1:36 Zimmergeisen ja so viel muss sch mal gucken wo du bleibst gibt's was was in Hoffnung macht ich habe glaube in Deutschland verloren 1:44 hört nicht aus weil das das Rad das reicht n rum das ist da muss Wunder geschehen. 1:53 Da ist dieses Gefühl der Ohnmacht, der Hilflosigkeit auch bei Brigitte Beute. Glaube, dass sich was ändert. Warum? 2:02 Weil weil die letzte Jahre auch anders war, egal welt h ganz. Was hätte diese Insolvenz verhindern können? Diese Frage quält hier viele und 2:14 viele sehen die Verantwortung dafür auch bei der Politik. Politik kann sicherlich den Beitrag leisten. Ja, wir haben, denke ich mal, 2:22 extrem hohe Energiekosten. Ja, was uns hier und da das Genick einfach bricht. Insolvenzen, Sparprogramme, Stellenabbau. Die Krise ist für 2:31 Arbeitnehmer längst Alltag, sagt Barbara Resch. Seit zwei Jahren ist sie Chefin der Igim Metall in Badenwürtemberg. Es geht ja hinter diesen ganzen Zahlen, 2:42 die man sich da anschaut, ist ja immer ein menschliches Schicksal und nicht nur ein Mensch, sondern da sind Familien ähm dahinter und der Druck macht mit uns 2:50 allen was und der Druck macht natürlich auch mit mir was ganz persönlich. [musik] Betriebsbesuch bei der Tüssengrup 2:57 Automotive Body Solutions. Der Zuliefer ist spezialisiert auf Karosseriebau und in den letzten Jahren mächtig unter Druck. 3:07 Serieproduktion sind wir ja grundsätzlich eigentlich unabhängig von E-Fahrzeuge oder Verbrenner, aber wir haben uns für Projekte entschiedet, die 3:15 in Richtung E-Fahrzeuge gehen und da werde die Stückzahl einfach nicht abgerufen. Das Unternehmen kündigt deshalb an, 300 3:22 Stellen sollen weg. Nach harten Verhandlungen mit dem Betriebsrat verlieren rund 150 Menschen ihren Job. [musik] 3:30 Vergeht da keine Sekunde, in der man sich keine Gedanken macht. Es gab einige Trennungsgespräche, in den Tränkflosse sind, in denen einfach totale 3:38 Verzweiflung ausspürbar war und das lässt ein als Betriebsrad natürlich auch nicht kalt. Die Stimmung sei seither gedrückt und 3:46 dann noch diese Forderungen aus Politik und Wirtschaft, dass die Deutschen endlich mehr arbeiten müssten. Für, also die Stimmung ist auf jeden 3:53 Fall nicht, ich fühle mich persönlich verarscht, wenn ich solche Sprüche höre, wenn man solche Sachen raushaut, dass die Beschäftigten irgendwie Schuld sind. 4:00 Also das ist in meinen Augen ist es schm. Ich glaube nicht, dass man irgendwie ein Motivationsproblem haben, ja, und irgendwie Faus sind, sondern ja, 4:07 es ist einfach äh Auftragslage. Zurück bei Martin Mucha. Wir sind auf dem Weg zum nächsten Termin. Seit 26 Jahren ist der Insolvenzverwalter. 4:19 Noch nie musste er so viele Unternehmen schließen wie derzeit. das was eigentlich sie sich hier zusammenbraut und was was am Ende des Tages auch ähm 4:29 voraussichtlich dann ähm passieren wird, nämlich noch mehr Insolvenzen ähm dass man hier äh noch mehr ähm sich verabschieden muss von von Industrien, 4:40 die man hier über Jahrzehnte, Jahrhunderte hatte. Wir haben ja eine wahnsinnige Geschwindigkeit und die wird gefühlt von ähm Monat zu 4:47 Monat mehr. Ankunft in Alpstadt bei Meer und K. Eigentlich ein Unternehmen wie aus dem schwäbischen Bilderbuch. Über 120 Jahre 4:57 Tradition, ein Familienunternehmen, ein Weltmarktführer und Insolvent. Es war natürlich immer mein Plan schon als als Kind hier einzusteigen. Wusste 5:08 dann, als die Zeit reif war, dass es ein schwieriges Business ist. Das war nie ein Selbstläufer, das war wie klar. Doch lange Zeit läuft es gut. Die 5:17 Strickmaschinen von der schwäbischen Alp verkaufen sich in der ganzen Welt. Bis vor Jahren noch Rekordaufträge, es fehlten Fachkräfte. Jetzt führt er uns 5:26 durch leere Hallen. Hätte ich mir nicht träumen lassen, muss man muss man wirklich sagen. Ja, ich ich hätte mir immer vorstellen können ein 5:34 ein schleichender Prozess, dass das Produkt vielleicht nicht mehr funktioniert, aber dass es wirklich innerhalb 2 d Jahre dann so ein Turning 5:42 Point ins Negative gibt. Ähm und das dann das das Resultat von der ganzen Geschichte ist, das hätte ich mir also nicht träumen lassen. vom 5:51 Weltmarktführer in die Insolvenz innerhalb kürzester Zeit. Was ist da passiert? Weil eben China seine Industriepolitik vor vier Jahren 6:01 komplett geändert hat und das schlägt hier ein wie eine Bombe. Ja, in der Automobilindustrie, in der Automobil Zuliefererindustrie, 6:07 im Maschinenbau, in der Chemie, überall, wo wir eigentlich stark sind als deutsche Unternehmen, merken wir jetzt, wie wir, man könnte fast sagen, von den 6:16 Chinesen bei lebendigem Leibi aufgefressen werden. Trotz der aggressiven Subventionspolitik Chinas, bis zuletzt hat Benjamin Meer noch 6:24 gekämpft um sein Unternehmen und um seine Familiengeschichte. Am Ende ohne Erfolg. Seinen rund 300 Mitarbeitern musste er kündigen. Viele 6:34 kennt er seit Kindheitstagen. Wir sind ja in der Kleinstadt mit ca. 50.000 Einwohnern. Nicht ganz so klein, aber trotzdem klein genug, dass dass 6:43 sich viele Leute eben kennen und natürlich ja, also ist hier verwurzelt. Ich wohne auch hier, kennen viele Leute, viele Leute kennen mich und dann ist es 6:51 natürlich noch mal was anderes. Schicksale, die auch einen erfahrenen Insolvenzverwalter wie Martin Muchad lassen. 6:59 Natürlich denkt man da auch über die äh Schicksale der Mitarbeiter nach. Es ist ja nicht nur dieses Unternehmen, was in schweren Fahrwasser ist, sondern es sind 7:06 ja ganze Industrien ähm große Konzerne, die die Entlassungswählen haben. Doch da sind auch Unternehmen, die trotz aller Krisen erfolgreich sind. Gemeinsam 7:17 mit der IG Metallchefin besuchen wir einen Kolbenhersteller. Was unseren Wachstum jetzt noch fördert oder pusht, sage ich mal, sind die KI 7:26 Rechenzentr Notstromversorgung ähm mit Großmotoren wird es durchgeführt und da sind unsere Kolben drin und das 7:35 fördert unser Markt noch mal zusätzlich. Trotz guter Auftragslage spüren sie auch hier, dass sich in ihrer Region gerade etwas verändert. Dadurch, dass ein ähm 7:47 Traditionsunternehmen aus der Region die Produktion verlagert hat, haben wir tatsächlich profitiert, dass wir sehr viele Fachkräfte bekommen 7:56 haben. Sie sind stolz darauf, dass es bei Ihnen gerade gut läuft, sie neue Stellen schaffen. Damit das so bleibt, dürfte 8:03 die Politik aber Mittelständle wie Sie nicht vergessen. Ich habe so das Gefühl, in der Politik wird zurzeit mehr über die großen 8:09 Konzerne geredet einfach und der Mittelstand etwas außen vorgelassen. Aber ich sag immer, der Mittelstand fängt eigentlich dann oder puffert das 8:16 ganze ab, wo dann die großen Konzerne mal in die Knie gehen. Da steht viel auf dem Spiel im Industrieland Badenwürtemberg. 8:25 Gewissheiten, Wohlstandsversprechen die Bröckeln. Umso mehr seien jetzt auch die Unternehmen in der Pflicht. Mir passiert einfach zu wenig, ne? 8:34 passiert auch zu wenig, dass auch ein Unternehmer ähm hier ins Risiko geht und was unternimmt, damit er Arbeitsplätze erhält und indem er Geschäftsmodelle 8:43 kreiert, s das Wertschöpfung hier in Badenwürttemberg erhalten bleibt, weil das war einfach der Garant ähm für Wohlstand. 8:51 Über Jahrzehnte machte die Industrie Badenwürtemberberg reich. Kaum eine Region auf der Welt profitierte so von der Globalisierung. Kommt das gerade an 9:00 ein Ende? Wir sind immer noch die drittstärkste Wirtschaftsmacht in in der Welt und wir machen ja auch sehr viel richtig. So muss einfach ähm im großen 9:09 und ganzen schauen, dass wir hier ähm auf die richtigen ähm Pferde setzen und Dinge, die ähm wo die Zeit drüber gegangen ist, dass man sich von denen 9:18 verabschiedet. Badenwürtemberberg vor der Wahl. Ein ganzes Bundesland ringt um seine Identität.