Die Geschichte der deutschen Dialekte MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=noNmG8hH-gA Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Moin. Servus. Guada Morga. Grüß Gott. Ei Gude. Und guten Tag alle miteinander. 0:06 Sechsmal das Gleiche gesagt, aber immer anders. Ihr merkt, in diesem Video geht es um Unterschiede, um Unterschiede in unserer Sprache. 0:14 Wir beschäftigen uns mit einigen deutschen Dialekten und fragen uns: Warum gibt's so viele Dialekte? Außerdem werd ich mich eurer Challenge stellen. 0:23 Also eure Dialekt-Sätze, die wir im Community-Tab gesammelt haben, hier bei YouTube und auch bei Instagram, performen. Mal gucken, ob das klappt. 0:31 Ich hoffe, es wird nicht allzu peinlich. Also, es wird ein gutes Video. Anschnallen und los geht's! 0:40 Fangen wir einfach mal an: Was ist ein Dialekt? Tja, schon wird's kompliziert. Das Wort "Dialegesthai" ist Altgriechisch 0:47 und bedeutet "sich unterhalten". Im Deutschen sagt man "Mundart". Die Art und Weise, 0:53 wie eine Gruppe von Menschen eine bestimmte Sprache spricht. Dialekte sind Varianten des Deutschen. Genauso wie Hochdeutsch eine Variante des Deutschen ist. 1:01 Aber wenn wir uns miteinander unterhalten, dann sprechen wir meistens nicht so, wie Thomas Mann das aufgeschrieben hätte. 1:08 Wir reden andererseits auch nicht so stark Dialekt, dass wir von anderem kaum verstanden werden können. Also zumindest nicht alle. 1:16 Was wir normalerweise reden, nennt man "Umgangssprache" oder "Alltagssprache". Aber auch die ist eben nicht überall gleich. 1:24 Warum gibt es denn so viele Mundarten in Deutschland oder in dem Gebiet Europas, in dem Deutsch gesprochen wird? Das hat natürlich historische Gründe. 1:33 Habt ihr euch sicher gedacht, wenn dieses Video auf dem Geschichtskanal erscheint. Gut. Also, am Anfang steht das Indogermanische. 1:40 Eine Sprachfamilie, zu der neben Deutsch auch das Indische, das Iranische oder Polnisch gehören. In den Jahrhunderten vor dem Jahr null, vor der Zeitenwende 1:49 mehr als 2.000 Jahre her, bildet sich das Urgermanische heraus. Sozusagen eine Art Urururururdeutsch. Maßgeblich dafür, dass sich das Germanische dann 1:58 von anderen Sprachen der Familie unterscheidet, ist die sogenannte erste Lautverschiebung. Es geht um Verschlusslaute wie B, D, K oder P. 2:06 Beispielsweise Lateinisch "pes" mit einem P. Germanisch "Fuß" oder "foot" mit einem F. P verschiebt sich zu F. Mit solchen Veränderung 2:17 in der Aussprache oder der Betonung der Silben differenzieren sich Sprachen aus. Aus dem Germanischen entwickeln sich verschiedene Sprachen. 2:24 Auch das Deutsche. Zwischen 600 und 1000 nach Christus gibt es die zweite Lautverschiebung. Da trennt sich das Hochdeutsche vom Niederdeutschen. 2:33 Und das ist geografisch zu verstehen. Die Deutschen im Süden leben höher über dem Meeresspiegel und sprechen Hochdeutsch. 2:40 Im Norden sprechen die Menschen Niederdeutsch. Die Details erspar ich euch. Das hört man auch heute noch. Im Norden Deutschlands 2:47 isst man einen "Appel", im Süden einen "Apfel". Im Norden hört man "dat" und "Water", im Süden "das" und "Wasser". 2:55 Im hochdeutschen Sprachbereich unterscheidet man dann wiederum mittel- und oberdeutsche Dialekte. Ihr merkt schon, die Sprachgebiete zerteilen sich immer weiter. 3:04 Das ist schon ein Hinweis darauf, wie die Dialekte zustande kommen. Das Gebiet, in dem Deutsch gesprochen wird, ist politisch auch sehr stark zergliedert. 3:13 Der berühmte Flickenteppich im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Zeitlich befinden wir uns also zwischen dem Ende des Mittelalters 3:20 und dem Beginn der Neuzeit. Also so zwischen 1350 und 1550. Ja, alle sprechen Deutsch. 3:27 Aber eben in regionalen Ausprägungen, die so unterschiedlich sein können, dass sich die Menschen oft nicht verstehen, wenn sie Mundart sprechen. Dabei reden natürlich die allermeisten Menschen so, 3:37 wie es daheim, meistens auf dem Bauernhof oder dem Dorf, gesprochen wird. Die Gebildeten sprechen Latein. 3:45 Das ist einheitlich. Oder eine der verschiedenen Kanzleisprachen. Das sind Verwaltungssprachen, die in den verschiedenen Herrschaftsgebieten 3:53 entwickelt werden, um eine Verwaltung zu ermöglichen. Mit dem modernen Buchdruck und Luthers Bibelübersetzung, also ab 1520 herum, setzt dann die Herausbildung 4:03 einer germanischen Variante des Deutschen ein. An deren Ende das Hochdeutsche steht. Das Hochdeutsche ist also erst mal eine reine Schriftsprache. 4:12 Reden, das machen die Menschen noch lange in ihren Dialekten. Den alten Goethe etwa hätten wohl viele von uns kaum verstanden. Denn Johann Wolfgang von Goethe stammt aus Frankfurt am Main. 4:23 Und hat offensichtlich das Hessische mit der Muttermilch aufgesogen. Denn es ist sonst kaum zu erklären, wie er "versuchend" auf "Tugend" reimen konnte. 4:32 Spricht man das ein bisschen Hessisch aus, "versuchend", "Tuchend" ... da wird einem alles klar. 4:39 Kein super Reim, aber man versteht's zumindest. Das geht auch anders. Noch im Revolutionsjahr 1849 setzt der bayerischen König 4:46 im aufständischen Schwaben Soldaten aus Niederbayern und der Oberpfalz ein, weil sich Schwaben und Niederbayern wegen ihres Dialekts 4:54 schlecht verständigen können und damit kaum Gefahr besteht, dass sie sich verbünden. Mit der Gründung des deutschen Nationalstaates 1871 5:02 werden die Dialekte dann zugunsten des Hochdeutschen zurückgedrängt. Das hat mit der Vereinheitlichung der Verwaltung zu tun. 5:09 In einem geeinten Reich sollten auch alle überall auf gleiche Weise mit der Verwaltung umgehen können. 5:16 Dialekt gilt aber damals als Sprache der ungebildeten Unterschichten. Wer was zu sagen haben will, wer modern sein will, der spricht Hochdeutsch. 5:24 Ich weiß nicht, ob ihr das auch so seht, aber man hört das auch immer wieder, wenn jemand Dialekt spricht, dass dann andere abfällig darüber urteilen. 5:33 Zur Zeit der Diktatur der Nazis wird eine regelrechte Sprachpolitik betrieben. Dazu haben wir ein eigenes Video gemacht. 5:40 So wird das schöne Automobil, ein ganz wunderbares Wort, es bedeutet "Selbstbeweger", also ohne dass ich mich anstrengen muss, bewegt es sich. 5:48 In den 20er-Jahren auch Begriff für diesen noblen Gegenstand, der sogar Weg in die Schlagertexte fand: "Wir fahren mit dem Automobil von Hamburg nach Kiel." 5:56 Was machen die Nazis daraus? Weil ihnen das zu Französisch klang: Sie machen das "Kraftfahrzeug". Das klingt nach Aggressivität, nicht nach Picknickkorb und Allee 6:05 und ist dazu physikalisch völlig unsinnig. Was macht der Begriff "Kraft" da? Um etwas zu beschleunigen, brauch man immer eine Kraft. 6:12 Das zeichnet das Automobil nicht aus. In der DDR wird diese Sprachlenkung aus politischen Motiven auch betrieben. 6:19 Das Seniorenheim heißt "Feierabendheim". Die Sprachlenkung betrifft in beiden Fällen vor allem das Vokabular. 6:27 Insofern betrifft es auch die Hochsprache, die in den Medien und der Verwaltung benutzt wird. Gegen Dialekte sind selbst Diktaturen allerdings ohnmächtig. 6:35 In den 1970er- und 1980er-Jahren verschwinden die Dialekte endgültig flächendeckend aus dem offiziellen Alltag der Menschen. In den Schulen wird das, was als fehlerhafte Unterrichtssprache 6:46 gesehen wird, angestrichen und sorgt für schlechte Noten. Aber auch im Alltagsleben sprechen die Menschen oft nicht mehr einen klassischen Dialekt. 6:54 Sondern ein im Klang gefärbtes Hochdeutsch. Eine Frau aus Franken erkennt man genauso wie einen Mann aus Köln an der Aussprache. 7:02 Mit Dialekt hat das eigentlich nichts zu tun. Ist ja auch logisch, auch Dialekte entwickeln sich. Je weniger Leute einen Dialekt sprechen, 7:10 umso weniger genau wird er an die nächste Generation weitergegeben. Ganze Wörter verschwinden so für immer, weil sich niemand mehr an sie erinnert und sie benutzt. 7:19 Was wir heutzutage unter Dialekten verstehen, das sind regionale Unterschiede, die sich in die Standardsprache eingeschlichen haben. 7:26 Da geht's manchmal um die Aussprache, dass man statt "t" und "k" sagt "d" und "g, die weichen statt den harten Konsonanten benutzt. Mehr noch betreffen diese regionalen Unterschiede den Wortschatz. 7:38 Wer das mal nachvollziehen will, sollte sich den Atlas zur deutschen Alltagssprache anschauen. Wir verlinken ihn unten in der Beschreibung, 7:46 ihr könnt euch durchklicken. Man kann sagen, Deutschland ist ein sprachlich ziemlich unterschiedliches Land. 7:53 Heute teilt man größere Dialektgebiete ein und unterscheidet verschiedene Regionalsprachen. An der Nordseeküste spricht man Friesisch. 8:00 Überhaupt snaggt man im Norden der Republik Platt. Bis runter nach Kassel reicht der Bereich des Westfälischen mit Unterarten wie in Münster oder Osnabrück. 8:09 Bis zur französischen Grenze erstreckt sich der Bereich des Moselfränkischen. Um Köln herum wird natürlich Kölsch gesprochen. 8:16 Im westlichen Mitteldeutschland dominieren rheinische Dialekte. Vor allem das Hessische und das Pfälzische. Im Südwesten dann Schwäbisch und Alemannisch, 8:24 das ist mein Heimatdialekt, das Badische. Das Bairische dominiert den Südosten. Einen großen Dialektraum bildet das Fränkische. 8:31 Der erstreckt sich vom Norden Baden-Württembergs über Bayern bis nach Thüringen und Sachsen. Das Sächsische geht ab Wittenberg ins Märkische über. 8:39 An der Ostsee ist das Mecklenburgische zu Hause. Zu einem Dialekt an dieser Stelle noch mehr. Das Dialektsprechen etwas für einfältigere Gemüter 8:47 und für die Unterschichten ist, diese Haltung hat sich vor allem beim Sächsischen für einige bis heute gehalten. 8:53 Das liegt vielleicht daran, dass im Kino oder im Fernsehen die Figuren eines sogenannten Dorf- deppen sächsischen Dialekt sprechen. Vor der Wiedervereinigung 9:02 machte man das übrigens meistens mit bayerischen Dorfdeppen. Streng genommen ist Sächsisch kein Dialekt, sondern ein Regiolekt, eine abweichende Spielart unserer Standardsprache. 9:12 Sachsen war einmal eine wichtige Region im deutschen Reich des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die Bibelübersetzung Martin Luthers 9:19 orientierte sich stark an der Sprache dieser Region. Wenn man es plakativ sagen will, ist das Sächsische eigentlich das wahre Hochdeutsch. 9:27 Nachdem Sachsens Herrscher ab Mitte des 18. Jahrhunderts an Bedeutung verlieren, bekommt auch der Dialekt zunehmend eine Loserrolle zugesprochen. 9:35 Und das Walter Ulbricht gesächselt hat, hat auch nicht zur Beliebtheit beigetragen. Vor allem der Satz: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten", 9:44 ist bei vielen noch im Gedächtnis. Dann kam sie, die Mauer und da wurde von vielen Menschen im Westen eine Verbindung gezogen. 9:51 Irgendwie unzuverlässig und lächerlich. Warum gilt Sächsisch häufig als Synonym für Ostdeutsch? Weil Sachsen die bevölkerungsreichste Gegend der ehemaligen DDR ist, 10:00 kommen natürlich auch viele Polizisten und Militärs von dort und schon weiß alle Welt, wie ein Betonkommunist spricht. Mal ganz abfällig formuliert. 10:10 Sächsisch, beziehungsweise die sächsische Klangfärbung wird in Westdeutschland Synonym für Ostdeutsch. Da seht ihr schon, 10:17 ein Blick in die Sprachgeschichte lohnt sich bei unseren Dialekten. Jetzt kommt das, was ich am Anfang versprochen hatte. Bei Instagram, den Account haben wir euch verlinkt, 10:26 und auch bei YouTube haben wir euch gebeten, uns mal Dialektsätze zu schicken als kleine Challenge für mich, die ich jetzt aussprechen soll. 10:34 Das Team von Instagram und das Team des MrWissen2go-Geschichte hat die für mich gesammelt, der liegt da in einem Umschlag. Ich muss ihn mal kurz holen, so. 10:43 Also, hier ist er, der Umschlag. Und da stehen jetzt Dialektsätze von euch. Meine große Herausforderung ist, diese Sätze richtig auszusprechen. 10:54 Ich kann mich nur blamieren eigentlich. Los geht's mit dem ersten Satz auf Hessisch. Hessisch ist einer meiner absoluten Lieblingsdialekte. 11:06 Ich hoff, es war richtig. Dorscht, ich bin übrigens großer "Badesalz"-Fan. Deshalb mag ich Hessisch auch so gerne. 11:13 Guck ich mal auf den nächsten Zettel hier, ge? Oje, Oberbairisch. Tut mir leid, liebe Oberbayern. 11:27 Oje, jetzt wird's ganz schwierig. Jetzt kommt was auf Platt. Warum mach ich meine Stimme da auch automatisch so hoch? 11:39 Tut mir auch leid für alle, die von dort kommen. Moselfränkisch, okay. Ich glaub, das war komplett falsch. 11:56 Da bleib ich einfach auf Badisch: Freut mich, dass ihr euch das Video angeguckt habt, neben mir findet ihr noch ein paar gscheite Videos. 12:03 Na ja, also neben mir findet ihr noch ein paar gute Videos verlinkt. Hier auf diesem Kanal geht es einmal um die Geschichte des Deutschen Kaiserreichs, 12:12 das hat ja in dem Video noch eine Rolle gespielt. Direkt darunter noch was von den Kollegen von "Funk", wenn ihr da auch mal reinguckt. 12:20 Bitte seid gnädig mit mir in der Bewertung dieser Dialektimitationen, mehr war es auch nicht. Ihr könnt in die Kommentare schreiben, wenn es euch gefallen hat 12:30 und eure Lieblingsdialekte und Lieblingssätze in Dialekten. Vielen Dank euch! Dank schen, dass ihr da zugeschaut habt 12:38 und an schönen Tag noch, macht's gut, gell.