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„Novelle“ – Johann Wolfgang von Goethe | Geheimnisvolles Hörbuch zum Mitlesen

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Transkriptautomatisch erstellt · 330 Zeilen
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  1. Novelle von Johann Wolfgang von Gothe. Novelle Kapitel 1. Ein dichter Herbstnebel verhüllte noch in der Frühe die weiten Räume des für Schlosshofes,
  2. als man schon mehr oder weniger durch den sich lichtenden Schleier die ganze Jägerei zu Pferde und zu Fuß durcheinander bewegt sah. Die eiligen
  3. Beschäftigungen der Nächsten ließen sich erkennen. Man verlängerte, man verkürzte die Steigbügel, man reichte sich Büchse und
  4. Patrontäschen. Man schob die Dachsranzen zurecht, indess die Hunde ungeduldig am Riemen den Zurückhaltenden mit fortzuschleppen
  5. drohten. Auch hier und da geberdete ein Pferd sich mutiger, von feuriger Natur getrieben oder von dem Sporn des Reiters angeregt, der selbst hier in der
  6. Halbhelle eine gewisse Eitelkeit, sich zu zeigen nicht verleugnen konnte. Alle jedoch warteten auf den Fürsten, der von seiner jungen Gemahl in Abschied nehmend
  7. allzu lange zauderte. Erst vor kurzer Zeit zusammengetraut, empfanden sie schon das Glück übereinstimmender Gemüter. Beide waren
  8. von tätig lebhaftem Charakter. Eines nahm gern an des anderen Neigungen und Bestrebungenanteil. Des Fürstenvater hatte noch den
  9. Zeitpunkt erlebt und genutzt, wo es deutlich wurde, dass alle Staatsglieder in gleicher Betriebsamkeit ihre Tage zu bringen. In gleichem Wirken und Schaffen
  10. jeder nach seiner Art erst gewinnen und dann genießen sollte. Wie sehr dieses gelungen war, ließ sich in diesen Tagen gewahr werden, als eben der Hauptmarkt
  11. sich versammelte, den man gar wohl eine Masse nennen konnte. Der Fürst hatte seine Gemahlin gestern durch das Gewimmel der aufgehäuften
  12. Waren zu Pferde geführt und sie bemerken lassen, wie gerade hier das Gebirgsland mit dem flachen Lande einen glücklichen Umtausch treffe. Er wusste sie an Ort
  13. und Stelle auf die Betriebsamkeit seines Länderkreises aufmerksam zu machen. Wenn sich nun der Fürst fast ausschließlich in diesen Tagen mit den Seinigen über
  14. diese zudringenden Gegenstände unterhielt, auch besonders mit dem Finanzminister anhaltend arbeitete, so behielt doch auch der Landjägermeister
  15. sein Recht, auf dessen Vorstellung es unmöglich war, der Versuchung zu widerstehen, an diesen günstigen Herbsttagen eine schon verschobene Jagd
  16. zu unternehmen, sich selbst und den vielen angekommenen Fremden ein eigenes und seltenes Fest zu eröffnen. Die Fürstin blieb ungern
  17. zurück. Man hatte sich vorgenommen, weit in das Gebirg hineinzudringen, um die friedlichen Bewohner der dortigen Wälder
  18. durch einen unerwarteten Kriegszug zu beunruhigen. Scheiden versäumte der Gemahl nicht, einen Spazierritt vorzuschlagen, den sie
  19. im Geleit Friedrichs des für Oheims unternehmen sollte. Auch lasse ich", sagte er, dir unsern Honorio als Stall und Hofjunker, der für
  20. alles sorgen wird. Und im Gefolg dieser Worte gab er im Hinabsteigen einem wohlgebildeten jungen Mann die nötigen Aufträge, verschwand so
  21. dann bald mit Gästen und Gefolge. Die Fürstin, die ihrem Gemahl noch in den Schlosshof hinab mit dem Schnupftuch nachgewinkt hatte, begab sich in die
  22. hintern Zimmer, welche nach dem Gebirgie Aussicht ließen, die um desto schöner war, als das Schloss selbst von dem Flusse herauf in einiger Höhe stand und
  23. so vor als hinterwärts mannigfaltige bedeutende Ansichten gewährte. Sie fand das treffliche Teleskop noch in der Stellung, wo man es gestern Abend
  24. gelassen hatte, als man über Busch, Berg und Waldgipfel die hohen Ruinen der uralten Stammburg betrachtend, sich unterhielt, die in der
  25. Abendbeleuchtung merkwürdig hervortraten, indem als dann die größten Licht und Schattenmassen den deutlichsten Begriff
  26. von einem so ansehnlichen Denkmal alter Zeit verleihen konnten. Auch zeigte sich heute früh durch die annähernden Gläser recht auffallend die
  27. herbstliche Färbung jener mannigfaltigen Baumarten, die zwischen dem Gemäuer ungehindert und ungestört durch lange Jahre
  28. emporstrebten. Die schöne Dame richtete jedoch das Fernrohr etwas tiefer nach einer öden steinigen Fläche, über welche der Jagdug
  29. weggehen musste. Sie erharte den Augenblick mit Geduld und betrog sich nicht, denn bei der Klarheit und Vergrößerungsfähigkeit
  30. des Instruments erkannten ihre glänzenden Augen deutlich den Fürsten und den Oberstallmeister. Ja, sie enthielt sich nicht, aber mals
  31. mit dem Schnupftuche zu winken, als sie ein augenblickliches Stillhalten und Rückblicken mehr vermutete als gewahrwart.
  32. Fürst Oheim, Friedrich mit Namen, trat so dann angemeldet mit seinem Zeichner herein, der ein großes Porteföl unter dem Arm trug.
  33. Liebe Cousine, sagte der alte rüstige Herr, hier legen wir die Ansichten der Stammburg vor, gezeichnet, um von verschiedenen Seiten anschaulich zu
  34. machen. Wie der mächtige Trutz und Schutzbau von alten Zeiten her, dem Jahr und seiner Witterung sich entgegenstemmte und wie doch hie und da
  35. sein Gemäuer weichen, da und dort in Wüsteruinen zusammenstürzen muße. Nun haben wir getan. um diese Wildnis zugänglicher zu machen. Denn mehr bedarf
  36. es nicht, um jeden Wanderer, jeden Besuchenden in Erstaunen zu setzen, zu entzücken. Indem nun der Fürst die einzelnen
  37. Blätter deutete, sprach er weiter. Hier, wo man den Hohlweg durch die äußeren Ringmauern heraufkommend vor die eigentliche Burg gelangt, steigt uns ein
  38. Felsen entgegen von den festen des ganzen Gebirgs. Hierauf nun steht gemauert ein Turm, doch niemand wüsste zu sagen, wo die
  39. Natur aufhört, Kunst und Handwerk aber anfangen. Perner sieht man seitwärts Mauern angeschlossen und zwinger terrassenmäßig
  40. herab sich erstreckend, doch ich sage nicht recht, denn es ist eigentlich ein Wald, der diesen uralten Gipfel umgibt. Seit 150 Jahren hat keine
  41. Axt hier geklungen und überall sind die mächtigsten Stämme im Por gewachsen. Wo ihr euch an den Mauern andrängt, stellt sich der glatte Ahhorn, die rauhe
  42. Eiche, die schlanke Fichte mit Schaft und Wurzeln entgegen. Um diese müssen wir uns herumschlängeln und unsere Fußpfade verständig führen. Seht nur,
  43. wie trefflich unser Meister dies charakteristische auf dem Papier ausgedrückt hat, wie kenntlich die verschiedenen Stamm und Wurzelarten
  44. zwischen das Mauerwerk verflochten und die mächtigen Äste durch die Lücken durchgeschlungen sind. Es ist eine Wildnis wie keine, ein
  45. zufällig einziges Lokal, wo die alten Spuren längst verschwundener Menschenkraft mit der ewig lebenden und fortwirkenden Natur sich in dem
  46. ernstesten Streit erblicken lassen. Ein anderes Blatt, aber vorlegend, fuhr er fort. Was sagt ihr nun zum Schlosshofe, der durch das
  47. Zusammenstürzen des alten Torturmes unzugänglich, seit und Jahren von niemand betreten ward? Wir suchten ihm von der Seite
  48. beizukommen, haben Mauern durchbrochen, Gewölbe gesprengt und so einen bequemen, aber geheimen Weg bereitet. Inwendig bedürft es keines Aufräumens.
  49. Hier findet sich ein flacher Felsgipfel von der Natur. geplättet. Aber doch haben mächtige Bäume hier und da zu Wurzeln Glück und Gelegenheit gefunden.
  50. Sie sind sachte, aber entschieden aufgewachsen. Nun erstrecken sie ihre Äste bis in die Galerien hinein, auf denen der Ritter
  51. sonst auf und abschritt. Ja, durch Türen durch und Fenster in die gewölbten Seele, aus denen wir sie nicht vertreiben wollen. Sie sind ebenher
  52. geworden und mögen es bleiben. Novelle Kapitel 2. Tiefe Blätterschichten wegräumend haben wir den merkwürdigsten Platz geebnet gefunden, dessen gleichen
  53. in der Welt vielleicht nicht wieder zu sehen ist. Nach allem diesem aber ist es immer noch bemerkenswert und an Ort und Stelle zu
  54. beschauen, dass auf den Stufen, die in den Hauptturm hinaufführen, ein Ahhorn Wurzel geschlagen und sich zu einem so tüchtigen Baume gebildet hat,
  55. dass man nur mit Not daran vorbeidringen kann, um die Zinne der unbegrenzten Aussichtwegen zu besteigen. Aber auch hier verwalt man bequem im
  56. Schatten, denn dieser Baum ist es, der sich über das Ganze wunderbar hoch in die Luft hebt. Danken wir also dem wackern Künstler, der uns so löblich in
  57. verschiedenen Bildern von allem überzeugt, als wenn wir gegenwärtig wären. Er hat die schönsten Stunden des Tages und der Jahrszeit dazu angewendet
  58. und sich wochenlang um diese Gegenstände herumbewegt. In dieser Ecke ist für ihn und den Wächter, den wir ihm zugegeben, eine
  59. kleine angenehme Wohnung eingerichtet. Sie sollten nicht glauben, meine Beste, welch eine schöne aus und Ansichte ins Land in Hof und Gemäuer sich dort
  60. bereitet hat. Nun aber, da alles so rein und charakteristisch umrissen ist, wird es hier unten mit Bequemlichkeit ausführen.
  61. Wir wollen mit diesen Bildern unseren Garten salzieren und niemand soll über unsere regelmäßigen Pär, Lauben und schattigen Gänge seine Augen spielen
  62. lassen. der nicht wünschte, dort oben in dem wirklichen Anschauen des alten und neuen, des starren, unnachgiebigen, unzerstörlichen und des frischen
  63. schmiegsamen, unwiderstehlichen seine Betrachtungen anzustellen. Honorio trat ein und meldete: "Die
  64. Pferde seien vorgeführt." Da sagte die Fürstin: "Zum Oh gewendet. Reiten wir hinauf und lassen Sie mich in der Wirklichkeit sehen, was Sie mir hier
  65. im Bilde zeigten. Seit ich hier bin, höre ich von diesem Unternehmen und werde jetzt erst recht verlangend, mit Augen zu sehen, was mir
  66. in der Erzählung unmöglich schien und in der Nachbildung unwahrscheinlich bleibt. Noch nicht, meine Liebe, versetzte der Fürst. Was sie hier sahen, ist was es
  67. werden kann und wird. Jetzt stockt noch manches. Die Kunst muß erst vollenden, wenn sie sich vor der Natur nicht schämen soll. Und so reiten wir
  68. wenigstens hinaufwärts und wä es nur bis an den Fuß. Ich habe große Lust, mich heute weit in der Welt umzusehen. Ganz nach ihrem Willen.
  69. Versetzte der Fürst. Laßen Sie uns aber durch die Stadt reiten", fuhr die Dame fort, über den großen Marktplatz, wo eine zahllose
  70. Menge von Buden die Gestalt einer kleinen Stadt eines Feldlagers angenommen hat. Es ist, als wären die Bedürfnisse und Beschäftigungen
  71. sämtlicher Familien des Landes umher nach außen gekehrt, in diesem Mittelpunkt versammelt, an das Tageslicht gebracht worden, denn hier
  72. sieht der aufmerksame Beobachter alles, was der Mensch leistet und bedarf. Man bildet sich einen Augenblick ein. Es sei kein Geld nötig. Jedes Geschäft könne
  73. hier durch Tausch abgetan werden und so ist auch im Grunde. Seitdem der Fürst gestern mir Anlaß zu diesem Übersichten gegeben, ist es mir gar angenehm zu
  74. denken, wie hier, wo Gebirg und flaches Land aneinander grenzen. Beide so deutlich aussprechen, was sie brauchen und was sie wünschen. Wie nun der
  75. Hochländer das Holz seiner Wälder in hundert Formen umzubilden weiß, das Eisen zu einem jeden Gebrauch zu vermannigfaltigen.
  76. So kommen jene drüben mit den vielfältigsten Waren ihm entgegen, an denen man den Stoff kaum unterscheiden und den Zweck oft nicht erkennen mag.
  77. Ich weiß, versetzte der Fürst, daß mein Neffe hierauf die größte Aufmerksamkeit wendet, denn gerade zu dieser Jahrszeit kommt es hauptsächlich darauf an, dass
  78. man mehr empfange als gebe. Dies zu bewirken ist am Ende die Summe des ganzen Staatshaushaltes sowie der kleinsten häuslichen Wirtschaft.
  79. Verzeihen Sie aber meine Beste. Ich reite niemals gern durch den Markt und messe. Bei jedem Schritt ist man gehert und aufgehalten.
  80. Und dann flammt mir das ungeheure Unglück wieder in die Einbildungskraft, dass ich mir gleichsam in die Augen eingebrannt,
  81. als ich eine solche Güter und Warenbreite in Feuer aufgehen sah. Ich hatte mich kaum. Lassen Sie uns die schönen Stunden nicht
  82. versäumen." fiel ihm die Fürstin ein, da der würdige man sie schon einige Mal mit ausführlicher Beschreibung jenes Unheils
  83. geängstigt hatte, wie er sich nämlich auf einer großen Reise begriffen, abends im besten Wirtshause auf dem Markte, der eben von einer Hauptmesse wimmelte,
  84. höchst er müde zu Bette gelegt und nachts durch Geschrei und Flammen, die sich gegen seine Wohnung wälzten, grässlich aufgeweckt worden. Die Fürstin
  85. eilte das Lieblingspferd zu besteigen und führte statt zum Hintertore Berg auf zum Vordertore Berg unter ihren widerwillig bereiten Begleiter. Denn wer
  86. wäre nicht gern an ihrer Seite geritten? Wer wäre ihr nicht gern gefolgt? Und so war auch Honorio von der sonst so ersehnten Jagdwillig zurückgeblieben, um
  87. ihr ausschließlich dienstbar zu sein. Wie vorauszusehen dürften sie auf dem Markte nur Schritt vor Schritt reiten. Aber die schöne liebenswürdige
  88. erheiterte jeden Aufenthalt durch eine geistreiche Bemerkung. "Ich wiederhole", sagte sie, "meine gestrige Lektion, da denn doch die
  89. Notwendigkeit unsere Geduld prüfen will. Und wirklich drängte sich die ganze Menschenmaße der Gestalt an die Reitenden heran, dass sie ihren Weg nur
  90. langsam fortsetzen konnten. Das Volk schaute mit Freuden die junge Dame und auf so viel lächelnden Gesichtern zeigte sich das entschiedene Behagen, zu sehen,
  91. dass die erste Frau im Lande auch die schönste und anmutigste sei. Untertereinander gemischt standen Bergbewohner, die zwischen Felsen,
  92. Fichten und Führen ihre stillen Wohnsitze hegten. Flachländer von Hügeln, Auen und Wiesen her, Gewerbsleute der kleinen Städte und was
  93. sich alles versammelt hatte. Nach einem ruhigen Überblick bemerkte die Fürstin ihrem Begleiter, wie alle diese, woher sie auch seien, mehr Stoff
  94. als nötig zu ihren Kleidern genommen, mehr Tuch und Leinwand, mehr Band zum Besatz. Ist es doch als ob die Weiber nicht brauschig und die
  95. Männer nicht pausig genug sich gefallen könnten. Wir wollen ihnen das ja lassen! Versetzte der Oheim. Wo auch der Mensch
  96. seinen Überfluss hinwendet, ihm ist wohl dabei, am wohlsten, wenn er sich damit schmückt und aufputzt." Die schöne Dame winkte Beifall. So waren
  97. sie nach und nach auf einen freiern Platz gelangt, der zur Vorstadt hinführte, wo am Ende vieler kleiner Buden und
  98. Kramstände ein größeres Brettergebäude in die Augen fiel, dass sie kaum erblickten, als ein Ohrzerreißendes Gebrülle ihnen entgegentönte.
  99. Die Fütterungsstunde der dort zur Schau stehenden wilden Tiere schien herangekommen. Der Löwe ließ seine Wald und
  100. Wüstenstimme aufs Kräftigste hören. Die Pferde schauderten und man konnte der Bemerkung nicht entgehen, wie in dem friedlichen Wesen und Wirken der
  101. gebildeten Welt der König der Einöde sich so furchtbar verkündige. Zur Bude näher gelangt, dürften sie die bunten kolossalen Gemälde nicht
  102. übersehen, die mit heftigen Farben und kräftigen Bildern jene fremden Tiere darstellten, welche der friedliche Staatsbürger zu
  103. schauen unüberwindliche Lust empfinden sollte. Novelle Kapitel Der grimmig ungeheure Tiger sprang auf
  104. einen Mohen los, im Begriff ihn zu zerreißen. Ein Löwe stand ernsthaft majestätisch, als wenn er keine Beute seiner würdig
  105. vor sich sehe. Andere wunderliche, bunte Geschöpfe verdienten neben diesen mächtigen weniger Aufmerksamkeit. Wir wollen, sagte die Fürstin, bei
  106. unserer Rückkehr absteigen und die seltenen Gäste näher betrachten. Es ist wunderbar, versetzte der Fürst, dass der Mensch durch schreckliches
  107. immer aufgeregt sein will. Drinnen liegt der Tiger ganz ruhig in seinem Kerker und hier muß er grimmig auf einen Mohen losfahren, damit man glaube dergleichen
  108. innwendig ebenfalls zu sehen. Es ist an Mord und Totschlag noch nicht genug, an Brand und Untergang. Die Bänkelsänger müssen es an jeder Ecke
  109. wiederholen. Die guten Menschen wollen eingeschüchtert sein, um hinter dreihen erst recht zu fühlen, wie schön und
  110. löblich es sei, Freiatem zu holen. Was denn aber auch bliches von solchen Schreckensbildern mochte übrig geblieben sein. Alles und jedes war sogleich
  111. ausgelöscht, als man zum Tore hinausgelangt in die heiterste Gegend eintrat. Der Weg führte zuerst am Flusse hinan,
  112. an einem zwar noch schmalen, nur leichte Kähne tragenden Wasser, das aber nach und nach als größter Strom seinen Namen behalten und ferne Länder beleben
  113. sollte. Dann ging es weiter durch wohlversorgte Frucht und Lustgärtten hinaufwärts und man sah sich nach und nach in der aufgetanen, wohlbewohnten
  114. Gegend um, bis erst ein Busch. Sodan ein Wächen die Gesellschaft aufnahm und die anmutigsten Örtlichkeiten ihren Blick begrenzten und
  115. erquickten. Ein aufwärtsleitendes Wiesental. Erst vor kurzem zum zweiten Male gemäht, sammehnlich anzusehen, von einer
  116. oberwärts lebhaft auf einmal reich entspringenden Quelle gewässert, empfing sie freundlich, und so zogen sie einem höheren, freieren Standpunkt entgegen,
  117. den sie aus dem Walde sich bewegend nach einem lebhaften Stieg erreichten, als dann aber vor sich noch in bedeutender Entfernung über neuen
  118. Baumgruppen das alte Schloss, den Zielpunkt ihrer Wallfahrt als Fels und Waldgipfel hervorragend sahen. Rückwärts aber, denn niemals gelangte man hierher,
  119. ohne sich umzukehren, erblickten sie durch zufällige Lücken der hohen Bäume das fürstliche Schloss links von der Morgensonne beleuchtet,
  120. den wohlgebauten höheren Teil der Stadt, von leichten Rauchwolken gedämpft und sofort nach der rechten zu die untere Stadt, den Fluss in einigen Krümmungen
  121. mit seinen Wiesen und Mühlen gegenüber eine weite nahhafte Geg nachdem sie sich an dem Anblick ersättigt oder viel mehr. Wie es uns bei
  122. dem Umblick auf so hoher Stelle zu geschehen pflegt, erst recht verlangend geworden nach einer weitern weniger begrenzten Aussicht, ritten sie eine
  123. steinige breite Fläche hinan, wo ihnen die mächtige Ruine als ein grüngrönter Gipfel entgegenstand, wenig alte Bäume tief unten um seinen Fuß.
  124. Sie ritten hindurch und so fanden sie sich gerade vor der steilsten, unzugänglichsten Seite. Mächtige Felsen standen von Urzeiten her, jedem Wechsel
  125. unangetastet, fest, wohlgegründet voran, und so türmte sich's aufwärts. Sat zwischen herabgestürzte lag in mächtigen Platten und Trümmern
  126. unregelmäßig übereinander und schien dem Kühnsten jeden Angriff zu verbieten. Aber das steile, Jehe scheint der Jugend zuzusagen.
  127. Dies zu unternehmen, zu erstürmen, zu erobern ist Jungliedern ein Genuss. Die Fürstin bezeigte Neigung zu einem Versuch. Honorio war bei der Hand. Der
  128. für Oheim, wenn schon bequemer, ließ sich's gefallen und wollte sich doch auch nicht unkräftig zeigen. Die Pferde sollten am Fuß unter den Bäumen halten
  129. und man wollte bis zu einem gewissen Punkte gelangen, wo ein vorstehender mächtiger Felsen Flächenraum darbot, von wo man eine Aussicht hatte, die zwar
  130. schon in den Blick des Vogels überging, aber sich doch noch mal genug hintereinander schob. Die Sonne, beinahe auf ihrer höchsten Stelle verlieste
  131. Beleuchtung. Das für Schloss mit seinen Teilen, Hauptgebäuden, Flügeln, Kuppeln und Türmen erschien gar stattlich, die obere
  132. Stadt in ihrer völligen Ausdehnung. Auch in die untere konnte man bequem hineinsehen, ja, durch das Fernrohr auf dem Markte
  133. sogar die Buden unterscheiden. Honorio war immer gewohnt, ein so förderliches Werkzeug überzuschnallen. Man schaute den Fluss hinauf und hinab,
  134. diesseits das bergartig terrassenweiß unterbrochene, jenseits das Aufgleitende flache und in mäßigen Hügeln abwechselnde fruchtbare
  135. Land, Ortschaften und Zählige, denn es war längst herkömmlich, über die Zahl zu streiten, wie viel man deren von hier oben gewahr werde. Über die große Weite
  136. lag eine heitere Stille, wie es am Mittag zu sein pflegt, wo die Alten sagten: "Pan, schlafe und alle Natur halte den Atem an, um ihn nicht
  137. aufzuwecken." Es ist nicht das erste Mal", sagte die Fürstin, "ßer weitschauender Stelle die Betrachtung
  138. machte, wie doch die klare Natur so reinlich und friedlich aussieht und den Eindruck verleiht, als wenn gar nichts widerwertiges in der Welt sein könne.
  139. Und wenn man denn wieder in die Menschenwohnung zurückkehrt, sie sei hoch oder niedrig, weit oder eng, so gibt's immer etwas zu kämpfen, zu
  140. streiten, zu schlichten und zurecht zu legen. Honorio, der indessen durch das Seerohr nach der Stadt geschaut hatte, rief:
  141. Seht hin, seht hin auf dem Markte fängt es an zu brennen. Sie sahen hin und bemerkten wenigen Rauch.
  142. Die Flamme dämpfte der Tag. Das Feuer greift weiter um sich, rief man immer durch die Gläser schauend. Auch wurde das Unheil den
  143. guten, unbewaffneten Augen der Fürstin bemerklich. Von Zeit zu Zeit erkannte man eine rote Flammenglut. Der Dampf stieg empor und
  144. Fürst Ohim sprach: "Lasst uns zurückkehren, das ist nicht gut. Ich fürchtete immer das Unglück zum zweiten Male zu erleben.
  145. Als sie herabgekommen, den Pferden wieder zugingen, sagte die Fürstin zu dem alten Herrn: "Bereiten Sie hinein, eilig, aber nicht ohne den Reitknecht.
  146. Lassen Sie mir Honorio, wir folgen sogleich." Der Oheim fühlte das Vernünftige, ja, das Notwendige dieser Worte und Ritt, so
  147. eilig als der Boden erlaubte, den wüsten steinigen Hang hinunter. Als die Fürstin aufsaß, sagte Honorio: "Reiten euer durchlaucht, ich bitte
  148. langsam. In der Stadt wie auf dem Schloss sind die Feueranstalten in bester Ordnung. Man wird sich durch einen so unerwartet außerordentlichen
  149. Fall nicht irre machen lassen. Hier aber ist ein böser Boden, kleine Steine und kurzes Gras. Schnelles Reiten ist unsicher.
  150. Ohnehin, bis wir hineinkommen, wird das Feuer schon nieder sein. Die Fürstin glauben nicht daran. Sie sah den Rauch sich verbreiten. Sie
  151. glaubte, einen auflammenden Blitz gesehen, einen Schlag gehört zu haben. Und nun bewegten sich in ihrer Einbildungskraft alle die Schreckbilder,
  152. welche des trefflichen Oheims wiederholte Erzählung von dem erlebten Jahrmarktsbrande leider nur zu tief eingesenkt hatte.
  153. Fürchterlich wohl war jener Fall überraschend und eindringlich genug, um Zeitlebens eine Ahnung und Vorstellung wiederkehrenden Unglücks ängstlich
  154. zurückzulassen, als zur Nachtzeit auf dem großen budenreichen Marktraum ein plötzlicher Brandladen auf Laden ergriffen hatte,
  155. ehe die innen und an diesen leichten Hütten schlafenden aus tiefen Träumen geschüttelt wurden. Erfürst selbst als ein ermüdet angelangter, erst
  156. eingeschlafener Fremder ans Fenster sprang, alles fürchterlich erleuchtet sah, Flamme nach Flamme, rechts und links sich überspringend.
  157. Ihm entgegensüngelte. Novelle Kapitel Die Häuser des Marktes vom Widerschein gerötet schienen schon zu glühen,
  158. drohend sich jeden Augenblick zu entzünden und in Flammen aufzuschlagen. Unten wütete das Element unaufhaltsam. Die Bretter prasselten, die Latten
  159. knackten, Leinwand flog auf und ihre Düstern an den Enten flammend ausgezackten Fetzen trieben in der Höhe sich umher. als wenn die bösen Geister
  160. in ihrem Elemente um und umgestaltet sich mutwillig tanzen verzehren und da und dort aus den Gluten wieder auftauchen wollten. Dann aber mit
  161. kreischendem Geheul rettete jeder, was zur Hand lag. Diener und Knechte mit den Herren bemühten sich, von Flammen ergriffene
  162. Ballen fortzuschleppen, von dem brennenden Gestell noch einiges wegzureißen, um es in die Kiste zu packen, die sie denn doch zuletzt den
  163. eilenden Flammen zum Raube lassen mussten. Wie mancher wünschte nur einen Augenblick Stillstand dem heranprasselnden Feuer nach der
  164. Möglichkeit einer Besinnung sich umsehend, und er war mit aller seiner Habe schon ergriffen. An der einen Seite brannte, glühte schon, was an der
  165. anderen noch in finster Nacht stand. Hartnäckige Charaktere, willensstarke Menschen widersetzten sich grimmig dem grimmigen Feinde und retteten manches
  166. mit Verlust ihrer Augenbraunen und Haare. Leider nun erneuerte sich vor dem schönen Geiste der Fürstin der Wüste Wir. Nun schien der heitere morgendliche
  167. Gesichtskreis umnebelt, ihre Augen verdüstert. Wald und Wiese hatten einen wunderbaren bänglichen Anschein in das friedliche
  168. Tal einreitend, seiner labenden Kühle nicht achtend, waren sie kaum einige Schritte von der lebhaften Quelle des nahen fließenden Baches herab, als die
  169. Fürstin ganz unten im Gebüsche des Wiesentals etwas Seltsames erblickte, dass sie also bald für den Tiger erkannte.
  170. Heranspringentend, wie Sie ihn vor kurzem gemalt gesehen, kam er entgegen und dieses Bild zu den furchtbaren Bildern, die sie soeben beschäftigten,
  171. machte den wundersamsten Eindruck. Flied, gnädige Frau rief Honorio: "Fliet! Sie wandte das fährt um dem steilen Berg
  172. zu, wo sie herabgekommen waren. Der Jüngling aber, dem Untier entgegen, zog die Pistole und sch, als er sich nahe genug glaubte. Leider jedoch war
  173. gefehlt. Der Tiger sprang seitwärts, das Pferd stutzte, das ergrimte Tier aber verfolgte seinen Weg aufwärts,
  174. unmittelbar der Fürstein nach. Sie sprengte, was das Pferd vermochte, die steile steinige Strecke hinan, kaum fürchtend, daß ein zartes Geschöpf
  175. solcher Anstrengung ungewohnt sie nicht aushalten werde. Es übernahm sich von der bedrängten Reiterin angeregt, stieß am kleinen Gerölle des Hanges an und
  176. wieder an und stürzte zuletzt nach heftigem Bestreben kraftlos zu Boden. Die schöne Dame, entschlossen und gewandt, verfehlte nicht, sich stref
  177. richtete sich auf, aber der Tiger na schon, obgleich nicht mit heftiger Schnelle. Der ungleiche Boden, die scharfen Steine schienen seinen Antrieb
  178. zu hindern und nur das Honorio unmittelbar hinter ihm herflog. Neben ihm gemäßigt heraufritt, schien seine Kraft aufs Neue anzuspornen und zu
  179. reizen. Beide Renner erreichten zugleich den Ort, wo die Fürstin am Pferde stand. Der Ritter beugte sich herab, schoss und traf mit der zweiten Pistole das
  180. Ungeheuer durch den Kopf, dass es sogleich niederstürzte und ausgestreckt in seiner Länge erst recht die Macht und Furchtbarkeit sehen ließ, von der nur
  181. noch das Körperliche übrig geblieben da lag. Honorio war vom Pferde gesprungen und kniete schon auf dem Tiere, dämpfte seine letzten Bewegungen und hielt den
  182. gezogenen Hirschfänger in der rechten Hand. Der Jüngling war schön. Er war herangesprengt, wie ihn die Fürstin oft
  183. im Lanzen und Ringelspiel gesehen hatte. Ebenso traf in der Reitbahn seine Kugel im Vorbeisprengen den Türkenkopf auf dem Pfal gerade unter dem Tourbahn in die
  184. Stirne. Ebenso spieße er flüchtig heranspringend mit dem blanken Säbel das Mohenhaupt vom Boden auf.
  185. In allen solchen Künsten war er gewandt und glücklich. Hier kam beides Zustatten. Gebt ihm den Rest, sagte die Fürstin.
  186. Ich fürchte, er beschädigt euch noch mit den Krallen. Verzeiht, erwiderte der Jüngling. Er ist schon tot
  187. genug, und ich mag das Fell nicht verderben, dass nächsten Winter auf eurem Schlitten glänzen soll. Frefelt nicht", sagte die Fürstin.
  188. "Alles, was von Frömigkeit im tiefen Herzen wohnt, entfaltet sich in solchem Augenblick." "Auch ich", riefonorio, "wie nie frömmer
  189. als jetzt eben. Deshalb aber denke ich ans Freudigste. Ich blicke dieses Fell nur an, wie es euch zur Lust begleiten kann."
  190. "Es würde mich immer an diesen schrecklichen Augenblick erinnern", versetzte sie. Ist es doch?", erwiderte der Jüngling mit glühender Wange. Ein
  191. unschuldigeres Triumphzeichen, als wenn die Waffen erschlagener Feinde vor dem Sieger her zur Schau getragen wurden.
  192. Ich werde mich an eure Kühnheit und Gewandtheit dabei erinnern und darf nicht hinzusetzen, dass ihr auf meinen Dank und auf die
  193. Gnade des Fürsten lebenslänglich rechnen könnt. Aber steht auf, schon ist kein Leben mehr im Tiere. Bedenken wir das weitere. Vor allen Dingen steht auf.
  194. Da ich nun einmal knie, versetzte der Jüngling, da ich mich in einer Stellung befinde, die mir auf jede andere Weise untersagt wäre, so lasst mich bitten.
  195. Von der Gunst und von der Gnade, die ihr mir zuwendet, in diesem Augenblick versichert zu werden. Ich habe schon so oft euren hohen Gemahl gebeten um Urlaub
  196. und Vergünstigung einer weiteren Reise. Wer das Glück hat, an eurer Tafel zu sitzen, wen ihr beehrt, eure Gesellschaft unterhalten zu dürfen, der
  197. muss die Welt gesehen haben. Reisende strömen von allen Orten her und wenn von einer Stadt, von einem wichtigen Punkte irgendeines Weltteils gesprochen wird,
  198. ergeht an den Eurigen jedes Mal die Frage, ob er da selbst gewesen sei. Niemanden traut man Verstand zu, als wer das alles gesehen hat. Es ist als wenn
  199. man sich nur für andere zu unterrichten hätte. steht auf, wiederholte die Fürstin. Ich möchte
  200. nicht gern gegen die Überzeugung meines Gemahls irgendetwas wünschen und bitten. Allein, wenn ich nicht irre, so ist die Ursache, warum er euch bisher
  201. zurückhielt, bald gehoben. Seine Absicht war, euch zum selbständigen Edelmann herangereift zu sehen, der sich und ihm auch auswärts Ehre machte, wie bisher am
  202. Hofe. Und ich denchte, eure Tat wäre ein so empfehlender Reisepass, als ein junger Mann nur in die Welt mitnehmen kann.
  203. Da anstatt einer jugendlichen Freude eine gewisse Trauer über sein Gesicht zog, hatte die Fürstin nicht Zeit zu bemerken, noch er seiner Empfindung Raum
  204. zu geben. Denn hastig den Berg herauf, einen Knaben an der Hand, kam eine Frau geradezu auf die Gruppe los, die wir kennen, und kaum war Honorio sich
  205. besinnend aufgestanden, als sie sich heulend und schreiend über den Leichnam herwarf und an dieser Handlung sowie an einer obgleich
  206. reinlich anständigen, doch bunten und seltsamen Kleidung sogleich erraten ließ, sie sei die Meisterin und Werterin dieses
  207. dahingestreckten Geschöpfes, wie denn der schwarzaugige schwarzlockige Knabe, der eine Flöte in der Hand hielt, gleich der Mutter
  208. weinend, weniger heftig, aber tief gerührt neben ihr kniete. Novelle Kapitel 5. den gewaltsamen Ausbrüchen der Leidenschaft dieses unglücklichen
  209. Weibes folgte, zwar unterbrochen, stoßweise ein Strom von Worten. Wie ein Bach sich in Absätzen von Felsen zu Felsen stürzt. Eine natürliche Sprache,
  210. kurz und abgebrochen, machte sich eindringlich und rührend. Vergebens würde man sie in unseren Mundarten übersetzen wollen. Den
  211. ungefähren Inhalt dürfen wir nicht verfehlen. Sie haben dich ermordet, armes Tier. Ermordet oh. Du warst zahm und hättest
  212. dich gern ruhig niedergelassen und auf uns gewartet. Denn deine Fußballen schmerzten dich und deine Krallen hatten keine Kraft mehr. Die heiße Sonne fehlte
  213. dir, sie zu reifen. Du warst der Schönste deines gleichen. Wer hat je einen königlichen Tiger so herrlich ausgestreckt im Schlaf gesehen, wie du
  214. nun hier liegst, tot, um nicht wieder aufzustehen? Wenn du morgens aufwachtest beim frühen Tagschein und den Rachen aufsperrtest,
  215. ausstreckend die rote Zunge, so schienst du uns zu lächeln. Und wenn schon brüllend, nahmst du doch spielend dein Futter aus den Händen einer Frau, von
  216. den Fingern eines Kindes. Wie lange begleiteten wir dich auf deinen Vatten? Wie lange war deine Gesellschaft uns wichtig und fruchtbar?
  217. Uns, uns ganz eigentlich kam die Speise von den Fressern und süße Labung von den Starken. So wird es nicht mehr sein. Wehe, wehe.
  218. Sie hatte nicht ausgeklagt, als über die mittlere Höhe des Bergs am Schlosse herab Reiter heransprengten, die also bald für das Jagdgefolge des
  219. Fürsten erkannt wurden, er selbst voran. Sie hatten in den hintern Gebirgen jagend die Brandwolken aufsteigen sehen und durch Täller und Schluchten wie auf
  220. gewaltsam hetzender Jagd den geraden Weg nach diesem traurigen Zeichen genommen. Über die steinige Blöße ein Herpringent stutzten und starrten sie nun die
  221. unerwartete Gruppe gewahrwerdend, die sich auf der leeren Fläche merkwürdig auszeichnete. Nach dem ersten Erkennen verstummte man
  222. und nach einigem erholen ward, was der Anblick nicht selbst ergab, mit wenigen Worten erläutert. So stand der Fürst vor dem seltsamen
  223. unerhörten Ereignis einen Kreis umher von Reitern und nacheilenden zu Fuße. Unschlüssig war man nicht, was zu tun sei. Anzuordnen, auszuführen, war der
  224. Fürst beschäftigt, als ein Mann sich in den Kreis drängte, groß von Gestalt, bunt und wunderlich gekleidet wie Frau und Kind. Und nun gab die Familie
  225. zusammen Schmerz und Überraschung zu erkennen. Der Mann aber, gefasst, stand in ehrfurchtsvoller Entfernung vor dem Fürsten und sagte:
  226. "Es ist nicht Klagenszeit. Ach, mein Herr und mächtiger Jäger, auch der Löwe ist los. Auch hier nach dem Gebirg ist er hin. Aber schont ihn, habt
  227. Barmherzigkeit, dass er nicht umkomme wie dies gute Tier. Der Löwe,
  228. sagte der Fürst, hast du seine Spur? Ja, Herr. Ein Bauer dort unten, der sich ohne Not auf einen Baum gerettet hatte, wies mich weiter hier links hinauf, aber
  229. ich sah den großen Trupp Menschen und Pferde vor mir. Neugierig und hilfsbedürftig eilte ich hierher. Also, beorderte der Fürst, muß die Jagd
  230. sich auf diese Seite ziehen. Ihr ladet eure Gewehre, geht sachte zu Werk. Es ist kein Unglück, wenn ihr ihn in die tiefen Wälder treibt.
  231. Aber am Ende, guter Mann, werden wir euer Geschöpf nicht schonen können. Warum wart ihr unvorsichtig genug, sie entkommen zu lassen?
  232. Das Feuer brach aus, versetzte jener. Wir hielten uns still und gespannt. Es verbreitete sich schnell, aber fern von uns. Wir hatten Wasser genug zu unserer
  233. Verteidigung, aber ein Pulverschlag flog auf und warf die Brände bis an uns heran, über uns weg. Wir übereilten uns und sind nun unglückliche Leute.
  234. Noch war der Fürst mit Anordnungen beschäftigt, aber einen Augenblick schien alles zu stocken, als oben vom alten Schloss herabe eilig ein Mann
  235. heranspringend gesehen ward, den man bald für den Angestellten Wächter erkannte, der die Werkstätte des Malers bewachte, indem er darin seine Wohnung
  236. nahm und die Arbeiter beaufsichtigte. Er kam außer Atemspringend, doch hatte er bald mit wenigen Worten angezeigt.
  237. Oben hinter der höhen Ringmauer habe sich der Löwe im Sonnenschein gelagert, am Fuße einer hundertjährigen Buche und verhalte sich ganz ruhig. Ärgerlich aber
  238. schloss der Mann: "Warum habe ich gestern meine Büchse in die Stadt getragen, um sie ausputzen zu lassen? Hätte ich sie bei der Hand gehabt, er
  239. wäre nicht wieder aufgestanden. Das Fell wäre doch mein gewesen und ich hätte mich dessen wie billig Zeitlebens gebrüstet.
  240. Der Fürst, dem seine militärischen Erfahrungen auch hier zustatten kamen, da er sich wohl schon in Fällen gefunden hatte, wo von mehreren Seiten
  241. unvermeidliches Übel herantrhe, sagte hierauf: "Welche Bürgschaft gebt ihr mir? daß, wenn wir eures Löwen schonen, er nicht im Lande unter den
  242. meinigen Verderben anrichtet. Hier diese Frau und dieses Kind, erwiderte der Vater hastig. Er bieten sich ihn zu zähmen, ihn ruhig zu
  243. erhalten, bis ich dem beschlagenen Kasten heraufschaffe, da wir ihn denn unschädlich und unbeschädigt wieder zurückbringen
  244. werden. Der Knabe schien seine Flöte versuchen zu wollen, ein Instrument von der Art, dass man sonst die sanfte, süße Flöte zu
  245. nennen pflegte. Sie war kurz geschnebelt wie die Pfeifen. Wer es verstand, wußte die anmutigsten Töne daraus hervorzulocken.
  246. Indess hatte der Fürst den Wertel gefragt, wie der Löwe hinaufgekommen. Dieser aber versetzte durch den Hohlweg, der auf beiden Seiten
  247. vermauert, von jeher der einzige Zugang war und der einzige bleiben soll. Zwei Fußpfade, die noch hinaufführten, haben wir der Gestalt entstellt, daß
  248. niemand als durch jenen ersten engen Anweg zu dem Zauberschlosse gelangen könne, wozu es Fürst Friedrichs Geist und Geschmack ausbilden will.
  249. Nach einigem Nachdenken, wobei sich der Fürst nach dem Kinde umsah, das immer sanft gleichsam zu prudieren fortgefahren hatte, wendete er sich zu
  250. Honorio und sagte: "Du hast heute viel geleistet. Vollende das Tagwerk. Besetze schmalen Weg. Haltet eure Büchsen bereit, aber schießt nicht eher
  251. als bisß ihr das Geschöpf nicht sonst zurückscheuchen könnt. Allenfalls macht ein Feuer an, vor dem er sich fürchtet, wenn er herunter will. Mann und Frau
  252. möge für das Übrige stehen. Eilig schickte Honorio sich an, die Befehle zu vollführen. Novelle Kapitel 6. Das Kind verfolgte
  253. seine Melodie, die keine war, eine Tonfolge ohne Gesetz und vielleicht eben deswegen so herzergreifend. Die Umstehenden schienen wie bezaubert
  254. von der Bewegung einer liederartigen Weise, als der Vater mit anständigem Enthusiasmus zu reden anfing und fortfuhr.
  255. Gott hat dem Fürsten Weisheit gegeben und zugleich die Erkenntnis, dass alle Gotteswerke weise sind, jedes nach seiner Artikel.
  256. Seht den Felsen, wie er fest steht und sich nicht rührt. Der Witterung trotzt und dem Sonnenschein. Uralte Bäume zieren sein Haupt und so
  257. gekrönt schaut er weit umher, stürzt aber ein Teil herunter, so will es nicht bleiben, was es war. Es fällt zertrümmert in viele Stücke und bedeckt
  258. die Seite des Hanges, aber auch da wollen sie nicht verharren. Mutwillig springen sie tief hinab. Der Bach nimmt sie auf. Zum Fluß trägt er sie. Nicht
  259. wiederstehend, nicht wieder spenstig, eckig. Nein, glatt und abgerundet gewinnen sie schneller ihren Weg und gelangen von
  260. Fluss zu Fluss endlich zum Ozean, wo die Riesen in Scharen daherziehen und in der Tiefe die Zwerge wimmeln. Doch wer preist den Ruhm des Herrn, den die
  261. Sterne loben von Ewigkeit zu Ewigkeit. Warum seht ihr aber im Fernen umher? Betrachtet hier die Biene. Noch spät im Herbst sammelt sie sich und baut sich
  262. ein Haus, Winkel und wagerecht als Meister und Geselle. Schaut die Ameise da. Sie kennt ihren Weg und verliert ihn nicht. Sie baut sich eine Wohnung aus
  263. Grashalmen, Erdbröslein und Kiefernadeln. Sie baut es in die Höhe und wölbet es zu. Aber sie hat umsonst gearbeitet, denn
  264. das Pferd stampft und schart alles auseinander. Sehr hin. Es zertritt ihre Balken und zerstreut ihre Planken. Ungeduldig
  265. schnaubt es und kann nicht rasten. Denn der Herr hat das Rost zum Gesellen des Windes gemacht und zum Gefährten des Sturmes, dass es den Mann dahin trage,
  266. wohin er will und die Frau, wohin sie begehrt. Aber im Palmenwald trat er auf, der Löwe. Ernsten Schrittes durchzog er die Wüste. Dort herrscht er über alles
  267. Gitier und nichts widersteht ihm. Doch der Mensch weiß ihn zu zähmen, und das grausamste der Geschöpfe hat ehrfurcht vor dem Ebenbilde Gottes, wornach auch
  268. die Engel gemacht sind, die dem Herrn dienen und seinen Dienern. Denn in der Löwengrube scheute sich Daniel nicht. Er blieb fest und getrost. und das wilde
  269. Brüllen unterbrach nicht seinen frommen Gesang. Diese mit dem Ausdruck eines natürlichen Enthusiasmus gehaltene Rede begleitete
  270. das Kind hie und da mit anmutigen Tönen. Als aber der Vater geändigt hatte, fing es mit reiner Kehle, heller Stimme und geschickten Läufen zu intonniieren an,
  271. worauf der Vater die Flöte ergriff, im Einklang sich hören ließ, das Kind aber sang. Aus den Gruben hier im Graben höre ich
  272. des Propheten Sang. Engel schweben ihn zu laben wäre da dem guten Beng. Löf und Löwin hin und wieder schmiegen sich um ihn heran. Ja, die sanften frommen
  273. Lieder haben es ihnen angetan. Der Vater fuhr fort, die Strophe mit der Flöte zu begleiten. Die Mutter trat hie und da als zweite
  274. Stimme mit ein. Eindringlich, aber ganz besonders war, daß das Kind die Zeilen der Strophe nun mehr zu anderer Ordnung durcheinander
  275. schob und dadurch, wo nicht einen neuen Sinn hervorbrachte, doch das Gefühl in und durch sich selbst aufregend erhöht. Engel schweben auf und
  276. nieder, uns in Tönen zu erlaben, welch ein himmlischer Gesang. In den Gruben, in dem Graben wäre da dem Kindebang. Diese sanften frommen Lieder lassen
  277. Unglück nicht heran. Engel schweben hin und wieder und so ist es schon getan. Hierauf mit Kraft und Erhebung begannen alle drei. Denn der Juge herrscht auf
  278. Erden. Über Meere herrscht sein Blick. Löwen sollen Lämmer werden und die Welle schwankt zurück. Blankes Schwert erstarrt im Hebe. Glaub und Hoffnung
  279. sind erfüllt. Wundertätig ist die Liebe, die sich im Gebet enthüllt. Alles war still, hörte, horchte und nur
  280. erst, als die Töne verhalten, konnte man den Eindruck bemerken und allenfalls beobachten. Alles war wie beschwigt, jeder in seiner
  281. Art gerührt. Fürst als wenn er erst jetzt das Unheil übersehe, das ihn vor kurzem bedroht hatte, blickte nieder auf seine
  282. Gemahlin, die an ihn gelehnt, sich nicht versagte, das gestickte Tüchlein hervorzuziehen und die Augen damit zu bedecken. Es tat ihr wohl, die
  283. jugendliche Brust von dem Druck erleichtert zu fühlen, mit dem die vorhergehenden Minuten sie belastet hatten. Eine vollkommene Stille
  284. beherrschte die Menge. Man schien die Gefahren vergessen zu haben, unten den Brand und von oben das Erstehen eines bedenklich ruhenden Löwen. Durch einen
  285. Wink, die Pferde näher herbeizuführen, brachte der Fürst zuerst wieder in die Gruppebewegung. Dann wendete er sich zu dem Weibe und
  286. sagte: "Ihr glaubt also, daß ihr den entsprungenen Löwen, wo ihr ihn antrefft, durch euren Gesang, durch den Gesang dieses Kindes, mit Hilfe dieser
  287. Flötentöne beschwichtigen und ihn soan unschädlich sowie unbeschädigt in seinem Verschluss wieder zurückbringen könntet."
  288. Sie bejahrten es, versichernd und beteuernd. Der Kastellan wurde ihnen als Wegweiser zugegeben. Nun entfernte der Fürst mit wenigen sich
  289. eiligst. Die Fürstin folgte langsamer mit dem übrigen Gefolge. Mutter aber und Sohn stiegen von dem Wertel, der sich eines Gewehrs bemächtigt hatte,
  290. begleitet, steiler gegen den Berg hinan. Vor dem Eintritt in den Hohlweg, der den Zugang zu dem Schloss eröffnete, fanden sie die Jäger beschäftigt, dürres reisig
  291. zu häufen, damit sie auf jeden Fall ein großes Feuer anzünden könnten. "Es ist nicht Not", sagte die Frau. "Es wird ohne das alles in Güte geschehen."
  292. Weiterhin auf einem Mauerstücke sitzend erblickten sie Honorio, seine Doppelbüchse in den Schoß gelegt, auf einem Posten als wie zu jedem Ereignis
  293. gefasst. Aber die Herkommenden schien er kaum zu bemerken. Er saß wie in tiefen Gedanken versunken. Er sah umher wie zerstreut.
  294. Die Frau sprach ihn an mit Bitte, das Feuer nicht anzünden zu lassen. Er schien jedoch ihrer Rede wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Sie redete
  295. lebhaft fort und rief: "Schöner junger Mann, du hast meinen Tiger erschlagen. Ich fluche dir nicht. Schone meinen Löwen, guter junger Mann. Ich segne
  296. dich." Honorio schaute gerad vor sich hin, dorthin, wo die Sonne auf ihrer Bahn sich zu senken begann. Novelle Kapitel
  297. 7. Du schaust nach Abend, rief die Frau. Du tust wohl daran, dort gibt's viel zu tun. Eile nur, säume nicht, du wirst überwinden.
  298. Aber zuerst überwinde dich selbst. Hierauf schien er zu lächeln. Die Frau stieg weiter, konnte sich aber nicht enthalten, nach dem
  299. Zurückbleibenden nochmals umzublicken. Eine rötliche Sonne überschien sein Gesicht. Sie glaubte nie, einen schören Jüngling gesehen zu haben. "Wenn euer
  300. Kind", sagte nun mehr der Wertel, flötend und singend, wie ihr überzeugt seid, den Löwen anlocken und beruhigen kann, so
  301. werden wir uns desselben sehr leicht bemeistern. Da sich das gewaltige Tier ganz nah an die durchbrochenen Gewölbe hingelagert
  302. hat, durch die wir, da das Haupttor verschüttet ist, einen Eingang in den Schlosshof gewonnen haben. Lockt ihn das Kind hinein, so kann ich die Öffnung mit
  303. leichter Mühe schließen und der Knabe, wenn es ihm gut deuch, durch eine der kleinen Wendeltreppen, die er in der Ecke sieht, dem Tiere entschlüpfen.
  304. Wir wollen uns verbergen, aber ich werde mich so stellen, dass meine Kugel jeden Augenblick dem Kinde zur Hilfe kommen kann.
  305. Die Umstände sind alle nicht nötig. Gott und Kunst, Frömkeit und Glück müssen das Beste tun. Es sei, versetzte der Wertel, aber ich
  306. kenne meine Pflichten. Erst führe ich euch durch einen beschwerlichen Stieg auf das Gemäuer hinauf, gerade dem Eingang gegenüber,
  307. den ich erwähnt habe. Das Kind mag hinabsteigen, gleichsam in die Arena des Schauspiels und das besänftigte Tier dort hereinlocken.
  308. Das geschah. Wertel und Mutter sahen versteckt von oben herab. wie das Kind die Wendeltreppen hinunter in dem klaren
  309. Hofraum sich zeigte und in der düstern Öffnung gegenüber verschwand, aber sogleich seinen Flötenton hören ließ, der sich nach und nach verlor und
  310. verstummte. Die Pause war ahnungsvoll genug. Den alten mit Gefahr bekannten Jäger beengte der seltene menschliche Fall. Er sagte
  311. sich, daß er lieber persönlich dem gefährlichen Tiere entgegenginge. Die Mutter jedoch mit heiterem Gesicht, übergebogen horchend ließ nicht die
  312. mindeste Unruhe bemerken. Endlich hörte man die Flöte wieder. Das Kind trat aus der Höhle hervor mit glänzend befriedigten Augen. Der Löwe
  313. hinter ihm drein, aber langsam und wie es schien mit einiger Beschwerde. Er zeigte hier und da Lust, sich niederzulegen.
  314. Doch der Knabe führte ihn im Halbkreise durch die wenig entblätterten, buntbelaubten Bäume, bis er sich endlich in den letzten Strahlen der Sonne, die
  315. sie durch eine Ruinenlücke hereinsandte, wie verklärt niedersetzte und sein beschwichtigendes Lied abermals begann, dessen Wiederholung wir uns auch nicht
  316. entziehen können. Aus den Gruben hier im Graben höre ich des Prophetenang. Engel schweben ihn zu laben wäre da dem guten Beng. Löf und Löwin hin und wieder
  317. schmiegen sich um ihn heran. Ja, die sanften, frommen Lieder haben es ihnen angetan. Indessen hatte sich der Löwe ganz knapp
  318. an das Kind hingelegt und ihm die schwere rechte Vordertatze auf dem Schoß gehoben, die der Knabe fortsingend anmutig streichelte,
  319. aber gar bald bemerkte, dass ein scharfer Dornzweig zwischen die Ballen eingestochen war. Sorgfältig zog er die verletzende Spitze
  320. hervor, nahm lächelnd sein buntseidenes Halztuch vom Nacken und verband die gräuliche Tatze des Untiers, sodass die Mutter sich vor Freuden mit
  321. ausgestreckten Armen zurückbog und vielleicht angewohnterweise Beifall gerufen und geklatscht hätte, wäre sie nicht durch einen derben Faustgriff des
  322. Wertels erinnert worden, dass die Gefahr nicht vorüber sei. Glorreich sang das Kind weiter, nachdem es mit wenigen Tönen vorgespielt hatte.
  323. Denn der Juge herrscht auf Erden, über Meere herrscht sein Blick. Löwen sollen Lämmer werden und die Welle schwankt zurück. Blankes Schwert erstarrt im
  324. Hiebe. Glaub und Hoffnung sind erfüllt. Wundertätig ist die Liebe, die sich im Gebet enthüllt. Ist es möglich zu denken, dass man in
  325. den Zügen eines so grimmigen Geschöpfes, des Tyrannen der Wälder, des Despoten des Tierreiches, einen Ausdruck von Freundlichkeit, von dankbarer
  326. Zufriedenheit habe spüren können. So geschah es hier. Und wirklich sah das Kind in seiner Verklärung aus wie ein mächtiger,
  327. siegreicher Überwinder. Jener zwar nicht wie der Überwundene, denn seine Kraft blieb in ihm verborgen, aber doch wie der Gezähmte, wie der dem
  328. eigenen friedlichen Willen an Heimgegebene. Das Kind flötete und sang so weiter, nach seiner Art die Zeilen verschränkend
  329. und neue hinzufügend. Und so geht mit guten Kindern Selger Engel gern zur Rat, böses Wollen zu verhindern, zu befördern schöne Tat. So
  330. beschwören festzubannen, lieben Sohn ans zarte Knie ihn des Waldes Hochtürannen, frommer Sinn und Melodie.

Zum Nachlesen