Konrad Zuse und seine ersten Computer der Welt - Fernsehbericht von 1958 Deutsche Fernsehgeschichte https://www.youtube.com/watch?v=n8Yo-wD-QTo Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Es war einmal ein Bauingenieur, der nach dem Krieg in dem kleinen Ort Neustadt bei Hünfeld verschlagen wurde. 0:08 Über diesen Ställen erdachte und konstruierte er eine elektronische Rechenmaschine die dann hier, immerhin schon in einer regelrechten Werkstatt, zusammengesetzt wurde. 0:20 Er vermietete sie an ein Züricher Institut und baute von dem Erlös eine Zweite. Zu Viert fingen sie damals an 0:28 und heute stellen die über 200 Mitarbeiter in den gemieteten Räumen einer ehemaligen Textilfabrik in Bad Hersfeld 0:35 schon die 18. programmgesteuerte, elektronische Rechenmaschine fertig, die sich als erstes rein deutsches Modell überraschend schnell auf dem internationalen Markt durchgesetzt hat. 0:48 Ohne Subventionen und Hilfe irgendwelcher Art, nur auf den Fleiß und das Vertrauen seiner Mitarbeiter gestützt, hat Konrad Zuse seine Elektronenhirne gebaut 0:59 und dafür im vorherigen Jahr den Ehrendoktortitel der Technischen Universität seiner Heimatstadt Berlin erhalten. Von den beiden Gerätetypen, die wir zurzeit fertigen, ist dies der kleinere Typ. 1:13 Aber dieses Gerät ist vielleicht gerade deswegen besonders interessant, weil wir bereits im Kriege einen Vorläufer dieses Types zwei Jahre im Einsatz gehabt haben. 1:23 Ich wurde seinerzeit als Student des Bauingenieurwesens angeregt, derartige Geräte zu konstruieren und bei meiner Tätigkeit im Flugzeugbau erhielt ich zahlreiche Anregungen, 1:32 um umfangreiche Rechnungen auf diese Weise abzukürzen und zu mechanisieren. So konnten wir bereits im Jahre 1942 ein derartiges Gerät in Betrieb nehmen, 1:45 während die entsprechenden amerikanischen Geräte erst im Jahre 1944 in Betrieb genommen wurden. Die Kriegsentwicklung musste leider abgebrochen werden, da die Geräte fast alle zerstört waren 2:00 und es gelang uns dann in der Nordhessen wieder neu anzufangen und die Entwicklung, die im Krieg abgebrochen war, fortzusetzen. 2:10 Diese Maschine ist ur­sprüng­lich für vermessungstechnische Aufgaben kon­zi­pie­rt worden. Es hat sich jedoch dann ergeben, dass sie auch auf den verschiedensten anderen Gebieten 2:17 von Technik und Wissenschaft mit Erfolg eingesetzt werden kann. Ein typisches Beispiel für den Einsatz des Gerätes ist die Flurbereinigung. 2:25 Hier sehen sie die Karte einer Dorfgemarkung vor der Flurbereinigung. Das Eigentum aller Bauern ist durch die verschiedenen Erbvorgänge im Laufe der Jahrhunderte stark zerstreut. 2:34 Die gerechte Verteilung des Bodens erfordert eine Reihe von komplizierten Rechenarbeiten. Und einen solchen Rechenvorgang, Herr Dr. Zuse, möchten wir uns nun sehr gerne mal in seinem Ablauf ansehen. 2:45 Zur Durchführung der Berechnungen wird das Programm durch einen Programmknopf gestartet. Dann brauchen nur noch die gemessenen Werte eingegeben zu werden an der Tastatur 3:02 und die Maschine liefert dann nach Eingabe des letzten Messwertes die Ergebnisse mit Hilfe der Schreibmaschine aus. Die von der Schreibmaschine herausgegebenen Resultate 3:18 werden von Zeichnern wieder auf Karten gegeben und ergeben die Neuverteilung des Besitzes. 3:24 Bis jetzt sind 17 Maschinen auf den verschiedenen Landeskulturämtern der Bundesrepublik und Österreichs für diese Rechnung eingesetzt. 3:31 Weitere Maschinen werden in den Vermessungsämtern und in der Optik mit Erfolg benutzt. Als Rechenelemente haben wir im Wesentlichen die Bauelemente des Fernsprechbaus benutzt. 3:41 Die Rechnungen erfolgen Zahlensystem der Basis 2, so dass über diesen Machinen die traditionellen Elemente der Rechenmaschinentechnik, 3:49 die Ziffernräder und der Gleichen vermissen werden. Die Relais sagen nur ja und nein und bewältigen damit die gesamte Rechnung. 3:58 Angeregt durch immer neue Aufgabenstellungen haben wir dann das ursprünglich als Spezialmaschine gedachte Gerät erweitert. Wir sehen hier die sogenannte Bandsteuerung, 4:07 bei der die Rechenprogramme auf Lochstreifen festgehalten sind. Dadruch ist es nun möglich, die verschiedensten Aufgaben von 4:14 Wissenschaft und Technik auf der Maschine durchzuführen. Hier ist unsere neuste Entwicklung: die elektrische Rechenmaschine Z22. 4:31 Die Maschine hat einen großen Trommelspeicher, der etwa 8000 Zahlen oder Befehle fassen kann. Er arbeitet nach den Magnetturmprinzip. 4:41 Alle Zahlen durchlaufen die Maschinen als Serien von Impulsen wie sie hier auf dem Oszillografen sehen. Die Haupttätigkeit der Maschine ist eigentich nicht das Rechnen, 4:53 sondern ein dauerndes transportieren und kombinieren von Befehlen und Zahlen. Alle Transporte der Zahlen 5:00 werden durch ein Stellwerk, wie auf einem Rangierbahnhof, geleitet. Mit diesem Bedienungspult, das sie hier sehen, 5:08 kann man das Stellwerk von Hand bedienen. Bei modernen Rechenmaschinen 5:13 wird das Stellwerk mit Hilfe besonderer Impulsfolgen eingestellt, die man Befehle nennt. 3000 solcher Befehle kann diese Maschine in der Sekunde durchführen. 5:24 Solche Serien von Befehlen nennt man Programme. Der Mathematiker gibt diese Programme in die Maschine ein 5:31 und die Ergebnisse erscheinen auf dem Fernschreiber in Form langer Tabellen. Hier sehen sie die fertige Anlage. Sie ist für Erlangen bestimmt. 5:42 Wir haben zur Zeit etwa 20 solcher Geräte im Bau, von denen die meisten an Universitäten und technischen Hochschulen geliefert werden. 5:51 Damit sie nun nicht glauben, dass wir mit unseren Geräten nur ernste wissenschaftliche Probleme lösen können, haben sich meine Mitarbeiter hier 5:56 einen kleinen Scherz ausgedacht, bei dem Zahlen in Buchstaben umgesetzt werden. 6:03 Elektrohirne sollen übrigens auch Managerkrank werden. Gegenmaßnahme ein leichter Elektroschock. 6:11 Vielleicht hilft auch kurzfristige Umstellung auf Fernsehen?