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Kleine Gehirne, große Leistung – Geniale Insekten | Ganze Doku

3sat NANO44:00 255.944 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. [Musik] Insekten klein und unscheinbar. Ihr vermeintlich einziger Lebenssinn
  2. fressen und Nachwuchszeugen für die Erhaltung der Art. Tatsächlich sind sie überaus intelligent, haben Charakter und
  3. Persönlichkeit. Also Individuen wirklich sehr unterschiedlich sind. Das hätte ich nicht erwartet wirklich von den
  4. Blattkäfern. Ihr Stecknadelkopf großes Gehirn ist zu höchstleistungenfähig. Die Bienen haben ein super
  5. Zeitgedächtnis. [Musik]
  6. Manche spinnen Intrigen und können logisch denken. Sie müssen gut Gesichter erkennen können. Sie müssen Beziehungen
  7. verstehen. Und gerade in diesen Bereichen sind Wespen Genies. [Musik]
  8. [Musik] Sie leben unter uns. Sie sehen uns, auch wenn wir sie oft nicht sehen.
  9. Wenn wir weg sind, kommen sie. Insekten. Sie lieben Süßes. Es kann gar nicht genug davon sein.
  10. Ihr ganzes Wesen scheint von Geburt an programmiert. Intelligentes Verhalten traut ihnen kaum jemand zu
  11. oder vielleicht doch. Seit ein paar Jahren stellen Insektenforscher unser Bild dieser Tiere
  12. fundamental auf den Kopf. In London erforscht Lars Chitgar das Verhalten von Hummeln und Bienen. Er gilt als einer der Pioniere der
  13. Verhaltensforschung bei Insekten. Wir können bei Insekten keinen Intelligenzquotienten messen mit den gleichen Tests, wie man
  14. das bei Menschen macht. Aber wir können sie natürlich schon vor Herausforderungen stellen, die ihre Flexibilität erproben. Z.B. wo man
  15. fragt, ob sie zählen können oder ob sie verschiedene Aufgaben lösen können, die man auch bei Primaten und Rabenvögeln als Intelligenztest benutzt.
  16. Für einen der wichtigsten Intelligenztests setzt Lars Chitgar auf Hummeln. Sie leben in seinem Institut in der Queen Mary Universität.
  17. [Musik] [Applaus] [Musik] Viele Fähigkeiten wie die Brutpflege
  18. sind angeboren. Aber wären Hummeln auch in der Lage, eine völlig neue Aufgabe zu lösen, die etwa intelligente Kränen bewältigen können?
  19. Für ein Experiment wird Zuckerwasser in künstliche Blüten gegeben. Dann werden sechs Hummeln in die Box gelassen.
  20. [Musik] Nach und nach wissen alle, dass es hier eine Belohnung gibt.
  21. [Musik] Im zweiten Schritt ein Hindernis. Eine Plexiglasplatte versperrt den Zugang zur Belohnung. Jetzt können die Hummeln sie
  22. zwar noch sehen, aber sie nicht mehr erreichen. Den Faden ignorieren sie zunächst. Es ist halt bei diesem Versuch so, dass
  23. das Tier nicht einfach nur sich auf eine Futterquelle zubewegt, sondern eine neue Bewegung lernen muss, um an dieses Futter ranzukommen. Und das ist äh und
  24. halt an so einem Faden ziehen zu müssen. Und das ist halt eine Art, eine Belohnung zu kommen, die eine Biene oder Hummel noch nie in der
  25. Evolution näheren Geschichte in ihrer Stammesgeschichte lösen musste. Werden sie es schaffen, an dem Faden zu ziehen?
  26. Hummel Nummer 81. Probiert es. Schon nach 3 Minuten hat sie den Trick raus
  27. [Musik] und die anderen machen es ihr nach. Erste Erkenntnis: Winzige Insekten
  28. verstehen es genauso gut wie kluge Kränen mit Hilfsmitteln an Belohnungen zu kommen. Sehr eindrucksvoll. Also, das war uns
  29. schon klar, dass das die Leute sehr überraschen wird. Obwohl viele Kollegen seine Herangehensweise noch heute kritisieren,
  30. revolutioniert die Forschung des Biologen Schitkar den Blick auf Hummeln und Insekten. [Musik]
  31. Rund eine Million Insektenarten gibt es auf der Erde. Sie gehören zu den wirbellosen Tieren. Die meisten haben sechs Beine und drei Körpersegmente.
  32. Eine Insektenart, die der Mensch seit etwa 7000 Jahren domestiziert, ist die Honige. [Musik]
  33. Ein Bienenvolk wird auch als Superorganismus bezeichnet. Diese Synergie macht sehr komplexes Verhalten möglich. Als Gemeinschaft erreichen sie
  34. mehr. Alle Bienen können z.B. mit Flügel flattern den Stock temperieren. Aber ihn immer konstant auf 35° zu halten, das geht nur mit einem ausgefallten Plan. Um
  35. das zu erreichen, positionieren sich ausgewählte Tiere an strategischen Stellen. Jede Biene hat von Geburt an eine eindeutige Aufgabe.
  36. [Musik] Die Königin trägt ihren eindrucksvollen Namen zu Unrecht. Sie legt lediglich die stiftförmigen Eier und inspiziert die
  37. Brotfarben. Bis zu 5 Jahre alt kann sie werden. Sie wird meistens nur einmal in ihrem Leben
  38. begattet. Aus den unbefruchteten Eiern werden Drohnen aus den befruchteten Arbeiterinnen. Täglich liegt sie bis zu 2000.
  39. [Musik] 21 Tage nach der Eiablage schlüpft eine Arbeiterin. Mühsam befreit sie sich aus der Brutfarbe.
  40. [Musik] Wenige Zeit später wird sie schon wichtige Dienste verrichten müssen. [Musik]
  41. Die Arbeiterinnen geben im Bienenstad den Ton an. Im Sommer leben 30.000 bis 50.000 im Stock. Nach dem Schlüpfen kümmern sie sich als Stockbienen um die
  42. Hygiene, um die Klimatisierung und füttern die Larfen. Später bewachen sie das Flugloch vor Eindringlingen. Nach zwei bis dre Wochen werden sie zu
  43. Flugbienen und versorgen die Gemeinschaft mit Nektar und Pollen. Die Männchen, die Drohnen, haben riesige Augen. Im Sommer leben 2000 bis 6000
  44. Drohnen im Stock. Ihr Dasein hat nur einen Sinn. Beim sogenannten Hochzeitsflug fliegen sie mit frisch geschlüpften
  45. Jungköniginnen aus und begatten sie. Ein Bienenvolk ist streng organisiert. Seit rund 100 Millionen Jahren folgen
  46. sie diesem Erbe der Natur. Auch den Wabenbau beherrschen sie von Geburt an. Die sechseckigen Zellen haben alle exakt die gleichen Maße. Es braucht
  47. dafür keine Ingenieure, keine Baupläne. Sie wissen es einfach. Und doch, wer sich intensiv mit Honigbienen beschäftigt, stellt sich
  48. bald die Frage, ob sie wirklich alles instinktiv machen. Thomas Radetzki hält schon seit 40 Jahren Bienen und tritt mit Hilfe seiner Aureliastiftung für
  49. eine wesensgerechte Haltung ein. Das bedeutet etwa, dass die Tiere ihre Waben selbst bauen dürfen, statt den Nektar in menschengemachte Kunstwaben zu füllen.
  50. Seine Frau Daniela unterstützt ihn dabei. Alles frischer Nektar, ne? [Musik]
  51. Linde. [Musik] Bienen fliegen bis zu 5 km weit, um Nektar zu sammeln. Dabei bleibt auch
  52. Pollen an ihnen hängen. Eine einzige Biene kann so bis zu 1000 Blüten am Tag bestäuben. Den Nektar bringen Sie in den Stock. Dort wird er eingelagert und
  53. innerhalb weniger Wochen zu Honig. Die Flugbienen sind die Lebensversicherung des Bienenvolks. Würden sie nicht zurückfinden, würden alle Bienen
  54. verhungern. Deshalb müssen sie Meisterinnen im Navigieren sein. Wenn die Bienen den ersten
  55. Lebensabschnitt mit Stockaufgaben hinter sich haben, dann müssen sie sicher die Landschaft erobern. Die sind ja im Stockdunkeln gewesen, ihr Leben lang.
  56. Und dann kann man sehen, wenn die Jungbienen das erste Mal fliegen, dann fliegen sie raus, drehen sich gleich um und fliegen praktisch rückwärts. Immer
  57. den Blick auf den Kasten und die Umgebung gerichtet und entfernen sich dabei, fliegen rauf und runter. So lernen Sie die Koordinaten des Stocks
  58. und seine Umgebung kennen. Mit ihrem angeborenen Navigationssystem finden sie den Weg. Die Bienen haben ein super Zeitgedächtnis ähm und verfolgen den
  59. Sonnenlauf, auch wenn die Wolken da sind. Vor allem ihr Sonnenkompass hilft Ihnen sich zu orientieren und jederzeit zurück
  60. nach Hause zu finden. Aber klappt das auch, wenn man sie im Dunkeln an einen komplett fremden Ort entführt? Ein Experiment. Der Imker wält
  61. willkürlich fünf Flugbienen aus und markiert sie mit gelben Punkten. Seine Frau Daniela steckt sie in eine dunkle Box. Die Sonne als Orientierung fällt
  62. somit aus. Die Tiere können ab jetzt nicht mehr die Position ihres Stockes im Verhältnis zur Sonne bestimmen.
  63. Die nächste Hürde, Daniela Radetki radelt mit ihnen kreuz und quer durch die Landschaft. Insgesamt über 3 km.
  64. bis zum Marktplatz von Jessen. Die Bienen kennen diesen Ort nicht. Es gibt auch hier nichts zu holen. Kaum Blüten, kaum Nektar, kaum Pollen.
  65. Babies, die Tiere haben keinen Anhaltspunkt, wo ihr Zuhause ist. Finden sie trotzdem zurück.
  66. Hallo Thomas. Ja, ich habe sie vor 5 Sekunden losgelassen. Dann muss ich habe jetzt gestartet. Na, es kann halt sein, dass wir
  67. Bienen gezeichnet haben, die noch nicht genug über die Landschaft gelernt haben. Das sieht man ihn ja nicht an. Da. Es macht sie wieder wie die andere wie so
  68. ein zweimal so ein Kreis ob sie sich orientiert. Theoretisch können natürlich auch ein Vogel sie gefressen haben.
  69. Bienen fliegen schnell. Über 20 km in der Stunde. Es ist gerade einmal 1 km Luftlinie vom Marktplatz bis zum Stock.
  70. [Musik] Da, da, da. Cool.
  71. Alle fünf Bienen finden nach Hause. Also unter 2 Minuten war keine. Die längste, die war 48.
  72. [Musik] Dieses Bienenexperiment stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der Verhaltensbiologe Jean-Henri Fabr hat es erfunden, aber
  73. erst seit ein paar Jahren weiß man die Lösung. Wie wir Menschen bedienen sich die Bienen offenbar einer virtuellen
  74. Landkarte, die ihr Gehirn erstellt. Darin können Sie Orientierungspunkte wie Bäche, Häuser, Blühwiesen, Wege und ihre
  75. Position im Verhältnis zum Bienenstock abspeichern. Im Flug können Sie deshalb auch von einem neuen Ort innerhalb ihres
  76. Lebensraums perfekt nach Hause navigieren. Eine erstaunliche Leistung. Dabei ist doch ihr Gehirn gerade einmal so groß
  77. wie ein winziges Reißkorn. Darin sind etwa eine Million Neuronen verknüpft. Im Vergleich dazu befinden
  78. sich im menschlichen Gehirn 86 Milliarden Nervenzellen. Sie verarbeiten und speichern z.B. Bilder, Formen, Sprache und Erfahrungen.
  79. Auch ihre Verwandten, die Hummeln, haben so ein winziges Gehirn. Die Lösung, warum sie so intelligent sind, hat nicht nur mit der Anzahl ihrer Nervenzellen zu
  80. tun. Alle Insekten besitzen ein Strickleiternvensystem, das über den gesamten Körper verteilt
  81. ist. Dieses besteht aus Segmenten, den Ganglien. Sie dienen zur Verarbeitung sensorischer Informationen und zur Steuerung motorischer Aktivitäten. Im
  82. Kopf sind mehrere Ganglehen zum Gehirn verschmolzen. Eine enorme neuronale Stimulation beginnt in den Antennen, die zugleich
  83. Geruchs, Geschmacks, Höhe und Tastorgan sind. 60.000 winzige Poren nehmen an den Gliedern der Antennen Duftstoffe auf.
  84. Von diesen Duftrezeptoren geht es in das erste Riechzentrum, den sogenannten Antennenloben. Dort findet eine erste Verarbeitung statt.
  85. Entlang zweier Nervenstränge, die aus vielen einzelnen Nervenzellen bestehen, erreichen die Reize den sogenannten Pilzkörper.
  86. Vermutlich liegt hier das zentrale Lern und Gedächtniszentrum. [Musik]
  87. Formen, Farben, Gerüche, Landschaften. All das muss eine Biene oder eine Hummel blitzschnell verarbeiten. Nur wenige hundert Neuronen hat sie dafür. Deswegen
  88. arbeitet das winzige Insektengehirn trotz seiner Größe so effizient. [Musik] Die meisten Menschen sehen in Insekten
  89. keine Unterschiede, weder im Aussehen noch im Verhalten. [Musik] Doch könnte z.B. diese Wespe nicht
  90. gelernt haben, mutiger zu sein als ihre Schwestern? [Musik]
  91. Sie weiß ganz genau, wie sie sich geschickt aus der gefährlichen Honigfalle befreien kann.
  92. Bielefeld. Mit Persönlichkeitsmerkmalen von Insekten beschäftigt sich an der hiesigen Universität die Biologin Caroline Müller.
  93. Dafür hat sie sich eine besondere Käferart ausgesucht, den Mehrrettig Blattkäfer. Er ist winzig klein.
  94. [Musik] Auf den ersten Blick ein Käfer wie jeder andere. keine Unterschiede in Form,
  95. Muster oder Farbe und auch das Verhalten scheint zunächst gleich zu sein. Bei Wirbeltieren sieht man ganz klare Unterschiede innerhalb einer Art. das
  96. kennt jeder von seinem Hund oder Katze. Und ähm bei dieser Forschung an Wirbeltieren haben wir dann gedacht, wir müssten das ja eigentlich auch mal in
  97. Insekten testen und schauen, wie weit nicht dort auch innerhalb einer Art individuelle Unterschiede bestehen. Und dann haben wir diese Tests, die für
  98. Wirbeltiere entwickelt wurden, genommen, verkleinert, für die Größe auf unsere kleinen Käfer angepasst und dort dann getestet.
  99. Die Versuchstiere haben die gleiche Mutter, den gleichen oder andere Väter und eigentlich nur eines im Sinn, fressen und Nachwuchs zeugen.
  100. Das erste Experiment: Wie risikofreudig sind die Käfer. Getestet wird dafür ihr Fluchtverhalten. Um die Tiere zu unterscheiden, hat sie Caroline Müller
  101. markiert. Wir nehmen unsere Käfer und lassen die hier fallen. Und das wäre so wie ein, wenn ein Vogel z.B. einen Käfer doch
  102. noch mal fallen lässt und dann rennt der Käfer weg. Also ist eher eine Fluchtreaktion, die die Tiere in diesen Openfield zeigen.
  103. Bei vielen ist die Reaktion zunächst die gleiche. Sie flüchten schnell aus der Mitte der Petrischale an den Rand, um Schutz zu finden.
  104. Doch dann gibt es einen Käfer, der sich anders verhält. Er lässt sich Zeit, trottet ganz gemütlich weg, sieht sich um und geht
  105. erst dann zum Rand. Was mich bei dem Open Field Test besonders begeistert ist, dass man dort sei ein klar sieht, dass einzelne Tiere,
  106. die ich dort reinsetze in der ersten Woche, besonders schnell am Rand der Petrischale sind, das genau dasselbe Tier in drei Wochen, wenn ich es wieder
  107. teste, auch wieder ganz schnell am Rand ist, wenn es andere Tiere gibt, die sind langsamer und die werden auch in drei Wochen, wenn ich sie wieder teste,
  108. langsamer sein und dass es so eine Konsistenz gibt, dass also Individuen wirklich sehr unterschiedlich sind. Das hätte ich nicht erwartet wirklich von
  109. den Blattkäfern. Im nächsten Versuch wird ein zweites Merkmal untersucht, die Aktivität. Jeder Käfer bewegt sich 30 Minuten lang in
  110. einer Petrischale. Die Bewegungsmuster werden durch eine Auswertungssoftware sichtbar gemacht. Rot und gelb bedeuten eine lange Verweildauer an derselben
  111. Stelle. Blau eine kürzere und weiß gar keine. Die Unterschiede sind wirklich enorm. Dieser zeigt ein ganz anderes Verhalten.
  112. Er blieb meistens am Rand, oder? Ja, aber er hat auch das Zentrum intensiv verkundet im Gegensatz zu diesem, der die ganze Zeit am Rand war,
  113. aber sonst nicht viel erkundete. Nur wenige Forschende widmen sich weltweit den Persönlichkeitsmerkmalen
  114. von Insekten. Dafür gibt es womöglich einen ganz banalen Grund.
  115. Nehmen wir an, es gäbe einen gigantischen Riesen, dann würden wir Menschen diesem Riesen auch winzig erscheinen. Und der Riese könnte auch
  116. sagen, die sehen sich doch alle sehr ähnlich. Aber wenn dieser Riese unser Verhalten analysieren würde, könnte er auch Unterschiede bemerken.
  117. Gene und Umweltfaktoren prägen die Persönlichkeiten der Käfer wie beim Menschen. Warum sind Unterschiede so wichtig? Für die Anpassung an
  118. Bedrohungen und Umweltveränderungen aller Art ist Vielfalt in einer Population von großem Vorteil.
  119. Auch an der Universität Tour wächst zwar das Wissen über smarte lernfähige Insekten, aber gleichzeitig tauchen neue Rätsel auf.
  120. Eines, das den Biologen Joel Mier und seinem Team Kopfzerbrechen macht, hat mit der Brutpflege zu tun.
  121. [Musik] Urwürmer kümmern sich um ihr Gelege ähnlich wie Vögel. Das Weibchen behütet die Eier und bleibt immer in der Nähe.
  122. Nach zwei Monaten schlüpfen die Larfen. Jetzt beschützt das Ohrwurmweibchen sie gegen Fressfeinde. Im Insektenreich ein recht ungewöhnliches Verhalten.
  123. Normalerweise wachsen Insektenlarfen selbstständig auf. Sie brauchen keine Nestwärme. Direkt nach dem Schlüpfen können sie für sich selbst sorgen und
  124. gehen auf Jagd. Die Urwurmlarfen dagegen sind friedlich. Die Mutter begleitet ihren Nachwuchs intensiv beim Start ins Leben.
  125. Hier sieht man, wie die Mutter die Jungen mit ihren Mundwerkzeugen transportiert, um sie an einen neuen Ort zu bringen.
  126. So wie es Katzenmütter tun, wenn sie gestresst sind, dann nehmen sie die Jungen und bringen sie an einen anderen Ort.
  127. Könnten die laufen nicht auch ohne Mutter aufwachsen? Wozu der Aufwand? Joel Müner fand heraus, dass auch die Mutter von der intensiven Brutpflege
  128. profitiert, denn die Kleinen säubern das Weibchen von Parasiten. Ist die Brutpflege der Urwürmer angeboren? Um dies herauszufinden, trennt er die
  129. Mutter von ihren frisch geschlüpften Urwurmbabys und lässt sie ohne ihre Fürsorge aufwachsen.
  130. Später bekommen diese schlecht versorgten Tiere selbst Nachwuchs. Wie würden Sie sich jetzt um ihren Nachwuchs kümmern?
  131. Einige Wochen später ist das Ergebnis verblüffend. Wir könnten zeigen, dass ein Urwurmbaby ohne diese Brutpflege sich auch weniger
  132. um seinen Nachwuchs kümmert, wenn es Selbstmutter ist. Wir vermuten eine Form des Lernens. Es gibt keinen Grund, warum sie nicht
  133. lernfähig sein sollten oder dass ihre Gehirnstruktur dafür nicht geschaffen sein könnte. Wir wissen es ganz einfach nicht und daran müssen wir arbeiten.
  134. Jetzt untersuchen die Fauschenden den kompletten Lebenszyklus der solitär lebenden Insekten. Wenn selbst Ohrwürmer lernen, gibt es dann noch andere
  135. Insekten, die komplexere Denkfähigkeiten entwickelt haben? [Musik]
  136. Für Insektenforscher ist die US Kleinstadt Ann Arber ein besonderer Ort. An der Universität von Michigan widmet sich ein eigener Forschungsbereich einer
  137. besonderen Wespenart und ihrem intelligenten Verhalten. Der Papierwesper. Sie baut ihre Nester aus Holzfasern. die
  138. sie mit ihrem Speichel als Kleber zu einem festen Brei vermischt. Diese Baumasse wird nach dem Trocknen sehr hart.
  139. So entstehen weiße Papierbauten. [Musik] Besondere an Papierwespen. Jede einzelne
  140. hat ein anderes Gesicht. Farbe und Maserung sind bei keinem Tier gleich. [Musik] Zu Papierwespen forscht Elizabeth
  141. Tibbetsz schon seit über 20 Jahren. [Musik] Im Vergleich zu Bienen sind Papierwespen weniger straff organisiert.
  142. Sie leben in einer Kolonie wie in einer lockeren Wohngemeinschaft zusammen. Womöglich hat dieser Umstand damit zu tun, dass ihre Gesichter so verschieden
  143. sind und damit, dass sie sich auch gegenseitig erkennen. Das würde bedeuten, dass es im Gehirn
  144. einen eigenen Bereich für visuelles Erkennen und Abspeichern gibt. Bisher war das nur von Bienen bekannt. Einige Wespen haben gelbe Augenbrauen,
  145. manche haben kleine schwarze Flecken in der Mitte ihres Gesichts, andere wieder nicht. Und die hier gehören alle derselben Art an. Sie leben alle in
  146. einer Gruppe, sehen aber unterschiedlich aus und man fragt sich, warum. Verhaltensstudien belegen, dass Papierwespen die Gesichter ihrer
  147. Artgenossen tatsächlich unterscheiden können. Wespen können Gesichter erkennen, weil Individualität so wichtig ist. Jedes
  148. Tier hat innerhalb der Kolonie eine andere Rolle. Sie können freundlich sein oder gemein oder auch kooperieren. Manchmal greifen sie sich gegenseitig an
  149. und deshalb ist es für Wespen so wichtig zu wissen, wer wer ist. Papierwespen sind tagaktiv. Nähert sich eine fremde Wespe dem Nest,
  150. erkennen Artgenossen dies am unbekannten Gesicht. [Musik] Der Fremdling wird bedroht oder
  151. angegriffen. Die Fronten sind schnell geklärt. Im botanischen Garten des Forschungsinstituts studiert die
  152. Biologin Emily Laub die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung. Mehrere Nester dienen als Studienobjekte.
  153. Emily Laub und Elizabeth Tibetsz haben herausgefunden, dass einzelne Papierwespen ausgeprägte Persönlichkeiten besitzen. Im gleichen
  154. Nest legen mehrere Weibchen ihre Eier ab. Bei den Bienen legt ausschließlich die Königin Eier. Kein Wunder, dass das Sozialleben der Wespen vielschichtiger
  155. ist als das im streng durchstrukturierten Bienenstock. Manche Wespen sind besser vernetzt als andere. Sie knüpfen lieber soziale
  156. Kontakte. Andere wiederum sind aggressiver. Sie neigen dazu, mit Westen zu kämpfen, die sie nicht kennen.
  157. Auch in Sachen Aktivität unterscheiden sie sich, wie viel Zeit sie damit verbringen, sich zu bewegen, wie groß ihr Hang ist, neue Gebiete zu erkunden.
  158. Es ist Ende Juli. Die Papierwespen versorgen ihren Nachwuchs, auch mit Hilfe der Wissenschaftlerinnen. ist jetzt friedlich im Nest. Anders als
  159. im Frühjahr, wenn mehrere Weibchen darum kämpfen, Königin zu werden. Hier sind ein paar potenzielle Königinnen, die alle anderen Königinnen
  160. genau inspizieren, die beiden hier kämpfen. Man kann sehen, dass sie sich gegenseitig mit ihren Antennen auf die Vorderbeine schlagen.
  161. Die anderen Wespen schauen dabei zu. Sehen Sie, sie kommen näher und sie hier fragt sich, wer diesen Kampf wohl gewinnen wird.
  162. So lernen sie sich gegenseitig kennen und ihre vorhergehenden Erfahrungen mit einem Individuum beeinflussen ihr zukünftiges Kampfverhalten.
  163. Die Forscherinnen wollen es genauer wissen, denn das würde bedeuten, dass Papierwespen abstrahieren, sich also nicht nur Dinge merken können, sondern
  164. sie auch analysieren und Schlussfolgern. Könnte eine Papierwespe eine Denksportaufgabe lösen, die nicht einmal Kleinkinder schaffen? Das Prinzip für
  165. den Test mit den Wespen wäre stark vereinfacht. Folgendes: Moment, lassen Sie uns erstmal das hier ansehen. Wir haben einen Drachen, eine
  166. Kuh und einen Dinosaurier. Der Drache ist ein besserer Kämpfer als die Kuh und die Kuh ein besserer Kämpfer als der Dinosaurier.
  167. Selbst wenn sie den Drachen und den Dinosaurier nie zusammengesehen hätten, könnten Sie raten, wer gewinnt. Sie wären in der Lage zu sagen,
  168. wahrscheinlich ist der Drache stärker. Das ist eine sehr grundlegende Art einer transitiven Inferenz. Mit dem Wissen, dass der Drache stärker
  169. ist als die Kuh und die Kuh stärker als der Dinosaurier, können Sie korrekt auf einen völlig neuen Zusammenhang schließen, den Sie noch nicht kennen.
  170. Bis vor kurzem wurde diese logische Argumentationsfähigkeit ausschließlich dem Menschen zugeschrieben. Inzwischen weiß man, dass
  171. auch Affen, Vögel oder Fische dazu in der Lage sind. In der Psychologie wird die Fähigkeit von bekannten Beziehungen auf Unbekannte zu schließen transitive
  172. Inferenz genannt. Das gleiche Experiment, nur nicht mit Stofftieren, führen die Forscherinnen jetzt mit den Papierwespen durch. Nun kommen Farben
  173. zum Einsatz. Im ersten Durchgang müssen Sie sich fünf verschiedene Farben merken. Die Tiere sollen sie im nächsten Schritt in eine
  174. logische Reihenfolge zueinandersetzen. Dazu wählen die Wespen in vier Durchgängen aus jeweils zwei Farben eine aus. Eine verursacht kleine
  175. Stromschläge, die andere nicht. Aber bis auf gelb und hellblau können alle anderen Farben je nach Paarung beides einen Stromschlag verursachen oder auch
  176. nicht. Beim ersten Farbenpaar bevorzugt die Wespe gelb. Sie hat im ersten Durchgang gelernt, blau ist mit einem Stromschlag
  177. verbunden. Diese Aufgabe hat sie richtig gelöst. Durch viele Wiederholungen lernen Sie, blau ist schmerzhafter als gelb, lila
  178. schmerzhafter als blau, grün schmerzhafter als lila und hellblau schmerzhafter als grün. Also bevorzugen Sie die Farben ohne Stromschlag.
  179. Wie Farben jeweils mit Schmerz gekoppelt sind, folgt einem logischen Prinzip, wie bei den Stofftieren. So kann die Wespe am Ende des Experiments eine Rangfolge
  180. bilden. Kann die Wespe nun auch ein Farbenpaar richtig bewerten, auf das sie niemals trainiert wurde?
  181. Welche Farbe würde sie nun vorziehen? Blau oder grün? Sie entscheidet sich logisch korrekt für blau. Wie wertvoll ist diese Fähigkeit auf
  182. unbekanntes logisch zu schließen für den Alltag einer Papierwespe. Das Leben der Wespen ist so organisiert, dass jeder, mit dem sie interagieren, in
  183. einer linearen Hierarchie steht, von der dominantesten bis zu am wenigsten Dominanten. Durch die transitive Inferenz können Sie erraten, wie stark
  184. andere Wespen sind, ohne tatsächlich kämpfen zu müssen. Sie können sich sagen, letzte Woche habe ich Susi besiegt und heute hat Susi Jane besiegt.
  185. Also könnte ich wahrscheinlich Jane im Kampf schlagen. Das hilft Ihnen Leben und Konflikte zu bewältigen, ohne mit jedem zu kämpfen, auf den sie treffen.
  186. Die Forscherinnen beobachten die Kämpfe der Westen genau. Oft stellen sie wie hier fest, dass eine Kontrahentin aufgibt, bevor es zum Kampf kommt.
  187. Wahrscheinlich hat sie geschlussfolgert, dass sie keine Chance hätte. Ob noch andere Insektenarten so genial logisch denken können, weiß man nicht.
  188. Ihre Verwandten, die Honigbienen, konnten diese Aufgabe nicht lösen. Ich glaube nicht, dass Wespen so etwas wie Universalgenies sind. Sie werden nie
  189. ein Bild malen oder ein Buch schreiben, aber es gibt ein paar Dinge, in denen eine Wespe wirklich gut sein muss, um erfolgreich zu sein. Sie müssen gut in
  190. der Gesichtserkennung sein. Sie müssen gut darin sein, Beziehungen zu verstehen. Und besonders in diesen Bereichen sind Wespen Genies.
  191. [Musik] Wenn Insekten intelligent sind, können sie dann auch Empfindungen und Gefühle haben, wie etwa Primaten? Wie empfindet
  192. z.B. eine Hummel Schmerzen? mit einem Reflex oder nimmt sie den Schmerz wahr und entscheidet dann, wie sie reagiert.
  193. Karl von Frisch, der Anfang des 20. Jahrhunderts den Schwänzeltanz der Bienen entdeckt hatte, bezweifelte, dass Insekten überhaupt Schmerzen spüren. Er
  194. machte folgenden Versuch. Eine Biene erhält Zuckerwasser. Während sie trinkt, durchtrennt Karl von Frisch ihren Körper. Dann macht der
  195. Bienenforscher eine Beobachtung. Die Biene zeigt keinen Schmerzreflex, sondern trinkt noch ein paar Sekunden weiter, bevor sie stirbt. Für ihn der
  196. Beweis, dass Insekten keine Schmerzrezeptoren haben. Das ist natürlich Unsinn, denn also jeder, der ähm mal beobachtet hat, wie
  197. jemand ein ähm Gras ähm Hüpfer auf einen Angelhaken feststeckt oder dergleichen, der wird natürlich sehen, dass das Tier ähm von dieser äh Erfahrung nicht
  198. begeistert ist und sich mit nach Kräften wehrt. Und genauso ist es natürlich so, wenn man ein eine Biene belästigt, indem man sie zwischen zwei
  199. Fingern rollt, dann stellt man sehr schnell fest, dass die natürlich eine angemessene Reaktion darauf hat. Durch neuere Studien weiß man, dass
  200. viele Insektenarten Schmerzrezeptoren besitzen, also auf einen Reiz reflexartig reagieren können. Interessant ist dann die Frage, ob sie
  201. auch, wie wir Menschen, einen Schmerz ertragen könnten. Der Philosophon Berg beschäftigt sich mit den Empfindungsvermögen von Tieren. Seine
  202. Forschungsgruppe fand heraus, dass Octopusse, Hummer und Krabben mit großer Wahrscheinlichkeit Schmerzen kognitiv wahrnehmen. Sie gehören genauso wie die
  203. Insekten zu den wirbellosen Tieren. Hummer werden in vielen Küchen lebendig in kochendes Wasser geworfen. Die Tiere überleben dort noch bis zu 3 Minuten
  204. weiter. Währenddessen kommt es zu einem wahren Sturm im Nervensystem. Genau wie bei
  205. einem Menschen oder einem anderen Tier, das in kochendes Wasser geworfen würde. Das ist kein schneller, kein humaner Tod.
  206. Jonathan BGS Erkenntnisse haben dazu geführt, dass zukünftig bei allen Tierschutzgesetzen in Großbritannien auch das Wohl von Octopussen, Krabben
  207. und Hummern berücksichtigt wird. Jetzt untersucht das Londoner Forschungsteam, ob auch Insekten schmerzen empfinden und somit gesetzlich geschützt werden
  208. müssten. In Großbritannien und bald auch in der Europäischen Union. Die Fragestellung ist hochaktuell, auch weil Insekten als Lebensmittel für
  209. Menschen immer wichtiger werden. In St. Leonhard in Kernten züchtet Andreas Kreuz Mehlwürmer. Auf 65 Quadm 500 kg Insekten pro Monat.
  210. [Musik] Wie artgerecht sollen Insekten aufwachsen und wie sollen sie möglichst human getötet werden? Vor kurzem ist
  211. eine EU-Regelung in Kraft getreten, nach der Mehlwürmer und andere Insekten in Lebensmitteln verarbeitet werden dürfen. Andreas Kreuz füttert seine Mehlwürmer
  212. aus diesem Grund mit hochwertiger Nahrung. Also in so einer Kiste, was wir da drinnen haben, da leben etwa 10.000
  213. Tiere pro Kiste und gefüttert werden sie eigentlich nur mit Lebensmittel Nebenströmen wie Weizenkleie, Bierhäfe, Obst und Gemüse, in dem Fall man jetzt
  214. Kartoffeln, die für den Handel ungeeignet sind und dementsprechend für uns perfekt als Futtermittel fungieren. Nach drei bis vier Monaten sind die
  215. Larfen alt genug für die weitere Verarbeitung. Dann werden sie nach Größe sortiert. Es ist nicht schwer, Mehlwürmer artgerecht zu halten. Sie
  216. lieben es in Massen zusammenzuleben. [Musik] Aber können vielleicht selbst Mehlwürmer, die zu den Insektenlarfen
  217. gehören, Schmerzen kognitiv wahrnehmen, also Gefühle empfinden? [Musik] in der Produktion muss sagen, weder
  218. Schmerz noch sonst irgendwas wä mir jemals bewusst aufgefallen und selbst auch der Sortiervorgang der ja mit sehr viel Sieben und so weiter passiert merkt
  219. man danach keinen Einfluss, dass ihr weniger fressen würden oder sonst irgendwas die verholten sich ganz normal weiterhin.
  220. Trotzdem hat sich der Landwirt Gedanken über die Tötung der Tiere gemacht. Er hat sich für eine sanfte Methode entschieden, die dem natürlichen
  221. Lebenszyklus der Tiere im Winter entspricht. Bei -20° werden die Tiere eingefroren. Irgendwann hört der Stoffwechsel auf zu arbeiten. Die Tiere
  222. sterben. Im Gegensatz zu dem Kerntnerzüchter nimmt die industrielle Landwirtschaft
  223. kaum Rücksicht auf Insekten. Insektizide töten Milliarden Tiere. Betroffen sind nicht nur die Insekten, die Pflanzen schädigen, sondern auch Nützlinge. Diese
  224. Bienen wurden mit Pflanzenschutzmitteln vergiftet. Minutenlang dauert ihr Todeskampf. Ob die Tiere mehr als nur einen Schmerzreflex empfinden, konnte
  225. die Wissenschaft bislang nicht eindeutig klären. [Musik] Damit beschäftigt sich aktuell eine
  226. Forschungsgruppe an der Queen Mary Universität in London. Der Verhaltensbiologe Lars Chitka hat einen aufwendigen Versuch entwickelt.
  227. Der Biologe stellt das Experiment nach. In einer Box stehen mehrere Futterstellen. Die gelben enthalten eine zehnprozentige Zuckerlösung.
  228. In den Rosabehälter gibt der Biologe eine 40prozentige Zuckerlösung. Für die Hummeln der größere Reiz. Allerdings gibt es dort ein Handicap. Die Fläche
  229. darunter wird auf bis zu 55° erhitzt. Die Frage ist, ob die Bienen, wenn man ihnen einen unangenehmen Hitzereiz bietet, einfach nur reflexartig davor
  230. fliehen oder ob die das lernen können, ihren Reflex zu unterdrücken, wenn sie eine besonders gute Belohnung bekommen. Bei Säugetieren liegt es nahe, dass sie
  231. Schmerzen empfinden. Ihr Nervensystem ähnelt dem des Menschen. Über das Strickleiternvensystem der Insekten ist aber noch zu wenig bekannt. Solche
  232. Versuche können Hinweise geben. Ein Tier bemerkt, dass es an der gelben Futterstelle etwas Süßes gibt. Ein anderes hat noch keine Ahnung, dass
  233. das Zuckerwasser im Rosabehälter noch süßer ist. Obwohl die Hitze die Hummeln stresst, fliegen immer mehr dorthin.
  234. Die viel beachtete Studie aus dem Jahr 2022 belegt, dass die Hummeln den Hitzeschmerz im Tausch gegen die süße Belohnung in Kauf nehmen. Also diese
  235. schlaue Hummel hat das begriffen, dass es an den rosafarbenen Futterstellen besseres Futter gibt und dass man dazu die Zähne zusammenbeißen muss und seinen
  236. Reflex unterdrücken muss, normalerweise sich davon zurückzuziehen und hat trotzdem sich das gute Futter auf dieser eigentlich schmerzvollen Plattform
  237. abgeholt. heißt, dass die das natürliche Verhalten sich von diesem schmerzvollen Stimulus zurückzuziehen unterdrückt werden kann.
  238. Dieses Experiment ist ein weiterer Hinweis für die Vermutung, dass Insekten ein Empfindungsvermögen haben und dass sie ihre Reaktionen auf Reize an die
  239. Situation anpassen. Last Chitgar arbeitet eng mit dem Philosophen Jonathan Burg zusammen. Für ihn stellen sich noch ganz andere Fragen.
  240. Der Begriff Empfindungsvermögen ist für den Tierschutz und das Tierrecht sehr wichtig geworden, weil er alle Emotionen erfassen soll, die ein Tier haben kann.
  241. Die Fähigkeit, Gefühle zu empfinden, wie etwa Schmerz oder Lust, aber auch Wohlgefühl, Unbehagen, Freude oder Erregung. Und diese Vorstellung ist sehr
  242. nützlich, denn wir wollen ja nicht immer nur über Schmerzen sprechen. Mit seinen Aussagen provoziert der Philosophele Menschen, die mit Insekten
  243. forschen. Denn nahe an dieser Argumentation liegt die Frage, ob Insekten etwa ein eigenes Selbst, also ein Bewusstsein haben.
  244. Was macht dich als Person aus? Worin genau besteht diese subjektive innere Welt? Ich weiß nicht, ob eine Wespe sie hat. Ich weiß nicht, wie man das
  245. überhaupt messen sollte. Das hat interessante philosophische Konsequenzen, wenn man bedenkt, wozu Tiere fähig sind und wie sie denken und
  246. wie wir sie behandeln. Wespen mögen vielen Menschen nicht besonders niedlich erscheinen, aber sie sind zu solch komplizierten kognitiven
  247. Leistungen fähig. Das wirft viele Fragen auf. Ja, in ihren Köpfen geht eine Menge vor. Wir wissen jetzt, wie klug und sensibel
  248. Insekten sind. Doch durch unser Tun droht vielen Arten das aus. Und damit schaden wir nicht nur den smarten Insekten. M.
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