Wie kann sich Europas Binnenmarkt verbessern? So! EU Made Simple // Deutsch https://www.youtube.com/watch?v=mFHbUHdomz0 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Der EU-Binnenmarkt ist der größte seiner Art weltweit. Dazu gehören vier Freiheiten, freier Verkehr von: 0:08 - Waren, - Dienstleistungen, - Kapital - Und Personen. 0:13 Aber der Binnenmarkt ist noch lange nicht komplett…. Unternehmen in ganz Europa fordern, dass wir es ihnen leichter machen, Geschäfte zu machen. 0:25 Harmonisierung kann nicht länger warten. Wir müssen den Binnenmarkt vollenden – und wir müssen es schnell tun. 0:32 Dieser Binnemarkt könnte noch deutlich mehr. Wir haben ein umfassendes Programm an bevorstehenden Initiativen. 0:38 Das 28.Regime Die Spar- und InvestitionsUnion – Etliche neue Omnibus-Pakete. Hä? 0:45 EPISODE 1: Freier Verkehr von Waren Schauen wir uns also an, wie man aus dem Binnenmarkt noch mehr rausholen kann. 0:53 Von allen vier Freiheiten ist der Binnenmarkt für Waren in den vergangenen 30 Jahren am besten vorangekommen. Aber trotzdem, es gibt sie noch: diese kleinen, 1:02 oft unsichtbaren Grenzen zwischen EU-Ländern. Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass diese Barrieren Europas Wirtschaft in etwa so belasten, als gäbe es einen Zoll von 44 Prozent. Ja, 1:15 44 Prozent! Zur Einordnung: Das ist fast dreimal so viel wie die 15 Prozent Zoll von Trump. Um diese unsichtbaren Zölle zu verstehen, hat die Financial Times einen großartigen 1:26 Artikel veröffentlicht, der das ganze mit einem einfachen Beispiel erklärt – mit einem Kuscheltier von IKEA. Darf ich vorstellen, Mr. Erdmännchen… 1:36 Was sofort auffällt, sind die Anhängsel, die Etiketten – drei Stück insgesamt, alle länger und größer das Kuscheltier selbst. 1:45 Und das hat zum einen mit einer ganzen Menge EU-Vorschriften zu tun, aber es liegt schon auch an nationalen Regelungen. 1:53 Das hier zum Beispiel sind die Textilvorschriften in der EU. In mehr als 20 Sprachen steht da, woraus Mr Erdmännchen besteht. 2:01 Dann gibt’s noch ein Etikett mit Umweltvorschriften – ein Label für Großbitannien, eins für Chile (also, nichtmal EU) und noch ein ziemlich großes für Frankreich. 2:14 Da steht, dass man das Spielzeug spenden, recyceln oder in den Laden zurückbringen kann – das Label ist in Frankreich Pflicht. 2:21 IKEA möchte dieses Produkt natürlich in mehreren EU-Ländern verkaufen. Und anstatt das Kuscheltier mit unterschiedlichen Etiketten für jedes Land neu zu produzieren, 2:30 wird alles auf ein bzw. 3 Etikette gepackt. Und ich sag mal so: Etikette kosten IKEA 2:37 Millionen – und europaweit kosten sie Unternehmen sogar Milliarden, Alte Label mussten in der Vergangenheit immer mal wieder überarbeitet werden. 2:47 Tausende Arbeitsstunden gehen da drauf, für so ein Etikett. Und was passiert, sobald wir Mr.Erdmann kaufen: 2:56 logisch , als Erstes schneiden wir mal alle Etikette ab. Damit entsteht ne Menge Müll. Und das alles ist einfach…ineffizient. 3:04 Die Kennzeichnung im EU-Binnenmarkt ist sehr unterschiedlich geregelt. Am Ende ensteht ein Haufen Papierkram. Und dieses Erdmännchen ist dafür nur ein Beispiel von vielen. 3:14 Dass die Systeme nicht miteinander kompatibel sind, zeigt auch das hier: die Flasche. Bei uns in Deutschland gibt’s darauf Pfand, 25 ct auf Einwegflaschen oder 3:25 Dosen. 8 bis 15 Cent auf Mehrwegflaschen. Auch in anderen EU Ländern gibt’s Pfand- oder Rücknahmesysteme: zB in Dänemark, Litauen oder Finnland. 3:37 So sinnvoll dieses System für die Umwelt ist – europaweit ist es extrem unterschiedlich geregelt. Jedes Land hat eigene Bestimmungen, eigene Recycling-Logos, unterschiedliche Barcodes, 3:49 nationale Produktdatenbanken und zugelassene Behälterformate. So kann zB eine Pfandflasche aus Deutschland in Österreich nicht zurückgegeben werden – und 3:58 umgekehrt. Nimmst du eine Flasche über eine Grenze mit, kannst du das Pfand in der Regeln knicken. Dasselbe Getränk, derselbe Kunststoff, womöglich sogar aus derselben Fabrik – nope geht nicht: 4:09 jedes Land hat andere Verpackungen, Registrierungen und Logistikprozesse. Für große internationale Konzerne ist das teuer, aber machbar. Für kleine Hersteller nicht. Viele 4:20 sagen: dann lieber gar nicht exportieren oder eben nur in ein, zwei Nachbarländer verkaufen. Und für die Verbraucher ist das auch alles andere als optimal. 4:28 Es gibt noch viele mehr Beispiele dafür, dass der Binnenmarkt noch nicht ganz ausgeklügelt ist. Schauen wir ins Bauwesen: Eine feuerfeste Tür, die nach deutschen Normen zugelassen ist, 4:39 darf nicht automatisch in Frankreich verkauft werden, wo andere Brandtests und Zertifizierungsregeln gelten. Oder Lebensmittel: Ein kleines 4:47 schwedisches Unternehmen hat mal Falafel für den skandinavischen Markt hergestellt. Das Backpulver darin war in Schweden erlaubt – in Dänemark aber nicht für Falafel zugelassen. Gleiche Zutaten, 4:59 gleiches Produkt, andere Regeln. Also musste das gesamte Rezept abgeändert und neu genehmigt werden – ein mega Zeit- und vor allem auch Kostenaufwand. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. 5:13 Okay, mal nicht zu pessimistisch hier.. Es gibt Initiativen, um ein paar Dinge am Binnenmarkt anzugehen. Nehmen wir nochmal die Zettelwirtschaft am 5:21 IKEA-Erdmännchen. Die EU arbeitet gerade am sogenannten digitalen Produktpass. Was ist das? Künftig sollen Hersteller für jedes Produkt einen Datensatz erstellen – und zwar 5:32 DIGITAL. Darin enthalten: alle wichtigen Angaben– von EU-Sicherheitsstandards über Recyclingfähigkeit bis hin zu Umweltauflagen für das jeweilige Produkt. 5:42 Statt das ganze in allen möglichen Sprachen abzudrucken, können Verbraucher die Infos also bei Bedarf digital abrufen, über einen QR-Code. Dieser Code wird am Produkt, an der Verpackung oder in 5:53 den Begleitunterlagen angebracht. Das bedeutet schonmal weniger Etiketten, weniger Papier. Auch beim Thema Pfand-Flasche kommt Bewegung rein. Vor nicht allzu langer Zeit wurde eine 6:03 neue Verordnung verabschiedet, die Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (kurz: PPWR) - die verpflichtet alle EU-Mitgliedstaaten, bis zum 1. Januar 2029 Pfandsysteme für 6:16 Einweg-Getränkebehälter aus Kunststoff und Metall von bis zu drei Litern einzuführen. Das mögliche wirtschaftliche Potenzial von einem vollständigen Binnenmarkt für Waren ist enorm. 6:29 Das Europäische Parlament hat das mal schätzen lassen: Komplexe Regularien abbauen und den Warenhandel innerhalb der EU erleichtern wäre gleichbedeutend 6:39 mit einem wirtschaftlichen Plus zwischen 228 und 372 Milliarden Euro – pro Jahr. Das würde das gesamte EU-BIP um 1,2 bis 2 Prozent steigern – und da sprechen wir nur von einem 6:53 besser funktionierenden Binnenmarkt für Waren. Die anderen drei Freiheiten im Binnenmarkt schauen wir uns erst in den nächsten Videos an. Nochmal: Im Durchschnitt entsprechen die unsichtbaren 7:04 Barrieren für Waren einem Zoll von 44 Prozent. Als kleiner Teaser für’s nächste Video. Bei Dienstleistungen sind’s sogar knapp 110 Prozent. Mit die größten wirtschaftlichen Chancen der 7:15 EU liegen also nicht zwingend im Ausland. Sie liegen hier – eingeschlossen im eigenen Markt. Meine persönliche Meinung dazu: Den Binnenmarkt vollenden - das ist eine Riesenchance. Dieser 7:26 Markt ist riesig – 450 Millionen Menschen. Drei Dinge sind entscheidend: Erstens: weniger Richtlinien. Dazu muss man wissen: es gibt nen Unterschied zwischen 7:37 Richtlinien und Verordnungen. EU-Richtlinien geben Ziele vor, lassen den Mitgliedstaaten aber Spielraum bei der Umsetzung. 7:44 Verordnungen gelten überall – und sind auch überall gleich. Die EU setzt aber immer noch mehr auf Richtlinien – und genau das führt zu Fragmentierung. 7:55 Zweitens: Umsetzung. Die Europäische Kommission – also die Exekutive der EU – muss die bestehenden Regeln konsequenter durchsetzen. In den vergangenen Jahren hat sie oft weggeschaut, wenn 8:05 Mitgliedstaaten EU-Recht nicht umgesetzt haben. Drittens: das 28. Regime. Zusätzlich zu den nationalen Gesetzbüchern soll ein 28. europäisches Regelwerk geschaffen werden. 8:17 Unternehmen könnten sich freiwillig dafür entscheiden, statt den nationalen Regeln zu folgen. Das ist ein extrem spannendes Thema, und wir haben dazu schon ein eigenes Video gemacht. 8:26 Schaut da gerne mal rein. Und: Abonniert unseren Kanal, das hilft uns enorm weiter. Vielen Dank fürs Zuschauen. Schöne Feiertage. Und bis zum nächsten Mal.