Das Ende der Sowjetunion: Ein Videoglossar | Glasnost & Perestroika Bundeszentrale für politische Bildung / bpb https://www.youtube.com/watch?v=l7SYM0maVGY Transkript (automatisch erstellt) 0:05 Perestroika bedeutet Umstrukturierung und bezeichnet die wirtschaftliche Öffnung und wirtschaftliche Reformen in der Sowjetunion der 1980er Jahre. 0:13 Glasnost bedeutet Offenheit oder Transparenz und bezieht sich insbesondere auf eine erhöhte Transparenz im politischen Leben, aber auch in den Medien. 0:22 Anfang der 80er Jahre stauten sich in der Sowjetunion eine Reihe von Problemen an. Diese waren für Teile der politischen Führungsriege deutlich 0:28 und wurden auch der Gesellschaft immer klarer. Eines der größten Probleme war die Korruption, die weit verbreitet war 0:34 im wirtschaftlichen und politischen Leben. Des weiteren stagnierte die Wirtschaft nach mehr als 20 Jahren ausbleibender Reformen 0:40 unter Breschnew und den nachfolgenden Führungen an der Spitze der Sowjetunion. Und als letzter Punkt zeichnete sich das System in den 80er Jahren 0:47 durch politische Instabilität aus, denn nach dem Tode Breschnews kam es gleich zu drei Führungswechseln an der Spitze. 0:53 1985 trat der 54jährige Gorbatschow an die Führungsspitze der Sowjetunion. Sein Ziel war es, 0:59 das Land zu reformieren und dadurch die Phase der Stagnation, die die Zeit von Breschnew charakterisierte, endlich zu beenden. 1:06 Um dies zu erreichen, führte Gorbatschow zwei Reformprogramme ein. Das eine ist Perestroika, die wirtschaftliche Umstrukturierung, 1:14 der andere Reformschwerpunkt ist Glasnost: die Öffnung. Perstroika zeichnet sich vor allen Dingen durch eine Dezentralisierung 1:21 von Wirtschaftsprozessen aus. Wir sehen hier, dass Marktlogiken im Bereich der Wirtschaft eingeführt werden. 1:27 Preise werden liberalisiert, und es wird eine gewisse Verantwortung auf private Unternehmen verteilt. 1:33 So sehen wir, dass kleinere Cafés und Restaurants in den 80er Jahren öffnen. Und es gibt ausländische Investoren. 1:38 1990 eröffnete das erste McDonald's in Moskau. Aber die Einführung von Marktlogik hat auch Grenzen. 1:45 In großen Teilen, insbesondere der Industrie, bleiben die Preise kontrolliert und somit kann das erhoffte Resultat 1:51 der wirtschaftlichen Dynamisierung nicht erreicht werden. Der zweite große Bestandteil seiner Reform ist Glasnost, also die Öffnung. 1:59 Glasnost, das bezeichnet die Transparenz, die eingeführt werden sollte im Sowjetsystem und die eine Antwort darstellen sollte auf Probleme, insbesondere 2:07 in der Parteien- und in der Medienlandschaft. Das Ziel von Glasnost war es, Transparenz in den politischen Prozess einzuführen, 2:13 der sich durch Korruption und korrupte Eliten ausgezeichnet hatte. Das zweite wichtige Standbein war die Liberalisierung der Medien, 2:21 die im Laufe der Sowjetzeit immer mehr zu einer Propagandamaschine reduziert wurden sind 2:24 und losgelöst waren von den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung. Was können wir nun als Folgen von Perestroika und Glasnost festhalten? 2:33 Zum einen ändern sich die Beziehungen zum Westen und werden entspannter. Gorbatschow bekommt 1990 beispielsweise den Friedensnobelpreis. 2:40 Unter Gorbatschow sehen wir auch das Ende der Breschnewdoktrin, also die begrenzte Souveränität der sozialistischen Länder. 2:46 Das ist der erste Schritt für die zukünftige Unabhängigkeit nichtrussischer Teilrepubliken der Sowjetunion. 2:52 Perestroika und Glasnost sind bis heute wichtig, da sie den Grundstein legen für 2:56 einen Reformprozess der Sowjetunion, der eine große Rolle dafür spielt, 3:00 wo wir uns heute befinden in Russland und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. 3:04 Im Westen wird Gorbatschow nach wie vor als derjenige gesehen, der den Kalten Krieg 3:09 zu einem friedlichen Ende gebracht hat. Er ist also positiv in der heutigen Erinnerung konnotiert. 3:13 In Russland hingegen ist die Auseinandersetzung mit Perestroika und Glasnost sehr begrenzt. 3:18 Man hat sich im Erinnerungsdiskurs eher darauf eingelassen, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion 3:22 die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts ist. Und dieser Blick steht einer selbstkritischen 3:28 Auseinandersetzung mit den Prozessen im Wege.