Mit der KI durch den größten Slum Europas! | NDR Info NDR Info https://www.youtube.com/watch?v=kimwLwLQ5KQ Transkript (automatisch erstellt) 0:01 Als sich rund um den Michel noch windschiefe Fachwerkhäuser drängten, bildeten die sogenannten Gängeviertel das Herz der Stadt. 0:10 Zwischen schmalen Gassen und maroden Gemäuern lebte ein Drittel der Hamburger. 0:18 Im 19. Jahrhundert hatten wir verschiedene Gängeviertel. Es waren heruntergekommene, dicht aneinandergebaute Gebäude. 0:26 Sie hatten da weder Licht noch Luft. Um von diesem verschwundenen Teil Hamburgs zu erzählen, 0:34 nutzen wir künstliche Intelligenz. Historische Fotos werden zum Leben erweckt. 0:39 Schwarzweißaufnahmen bekommen Farbe und Bewegung. Unglaublich. 0:45 Die kommen raus, die Figuren, und man geht selber hinein. Die Gängeviertel erstreckten sich einst 0:52 über weite Teile der Alt- und Neustadt. Je reicher Hamburg wurde, desto mehr Arbeitskräfte wurden gebraucht, 1:00 desto voller wurden die Gänge. Etwa 60.000 Menschen wohnten dort. 1:09 Hinter den Vorderhäusern verbarg sich ein Labyrinth aus Gassen und Hinterhöfen. 1:14 In manchen Häusern kamen mehr als 100 Menschen unter. Diese Gebäude waren aufgeteilt in Kleinstwohnungen 1:21 mit einer Küche als zentralem Raum, ein, zwei Kammern noch daneben. Dann konnten sie dort mit bis zu zehn Leuten wohnen. 1:31 Es kamen die Schlafgänger dazu, die am Tage ihre Betten nutzten. Dafür bekamen sie 'n paar Groschen. 1:43 In den Gängevierteln gab es keine Kanalisation. Das Trinkwasser kam aus der Elbe oder den Fleeten. 1:51 Darin landeten auch die Inhalte der Gemeinschaftstoiletten. Ein fataler Kreislauf. 1:59 Sie hatten dort hygienische Zustände wie im Mittelalter. Und sie hatten alle Krankheiten. 2:06 Wir hatten 'ne hohe Sterblichkeitsrate. Viele Kinder haben das Erwachsenenalter nicht erlebt. 2:16 Als 1892 in Hamburg die Cholera ausbrach, traf es die Bewohner der Gängeviertel besonders hart. 2:25 Tausende starben an der Infektionskrankheit, die sich hier rasant ausbreitete. 2:35 Es kamen Wagen mit Frischwasser zum ersten Mal durch die Gängeviertel. Man hat Reinigungstrupps durchgeschickt. 2:43 Man hat zugesehen, dass man die Toten möglichst schnell entfernt und verbrennt und beisetzt. 2:50 Das war aber das Einzige, was man getan hat für die Menschen. Die Gängeviertel wurden Senat und Bürgerschaft 3:01 zunehmend ein Dorn im Auge. Es ging weniger um bessere Lebensbedingungen 3:06 als um Immobilienspekulation und das Image der Stadt. Denn die Gänge standen für Armut und Kriminalität. 3:18 Jeder, der vom Hauptbahnhof zum Rathaus und zur Börse wollte, musste durch die Gängeviertel gehen. 3:25 Das, so sprach man im Hamburger Rathaus, war Gästen und Kaufleuten nicht zuzumuten, dass sie sehen müssten, wie die Unterschicht wohnt. 3:39 Nach und nach ließ die Stadt alle Gängeviertel abreißen. Die Bewohner wurden verdrängt. 3:46 In der Altstadt entstanden Prachtbauten wie das Chilehaus. Zu den wenigen Gebäuden, die heute noch an die Gängeviertel erinnern, 3:55 gehören die Krameramtsstuben beim Michel.