RELIGION WISSENSCHAFTLICH ERKLÄRT: MYTHOS, LOGOS & METAPHERN | Die größere Wahrheit der Wirklichkeit THEO, GOTT & DIE WELT - Religion & Wissenschaft https://www.youtube.com/watch?v=kFR45ijgYcU Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Herzlich willkommen bei "Himmel Herrgott und die Welt". Heute spreche ich über die Sprache, wie sie Wirklichkeit erfasst. 0:09 Ich spreche über Logos, Mythos und Metaphern. Es ist auffällig, dass bei den Lappländern, bei den Samen, über 20 Begriffe für Schnee und Eis vorhanden sind, 0:25 über 26 für auf auftauen und frieren. Bei den Beduinen über zehn Begriffe für Sand. Wir können nicht so differenziert sprechen. 0:36 Dort ist es überlebenswichtig, für die verschiedenen Formen verschiedene Begriffe, Zustandsformen sozusagen zu benennen. 0:48 Wir kennen das, wenn wir Englisch lernen: Wir sprechen vom Himmel, der Engländer unterscheidet zwischen heaven und sky. Das Firmament ist sky, aber 1:02 wir beten: our father in heaven. Es wäre schön, wenn die Deutsche Sprache auch etwas differenzierter in diesem Bereich sein könnte. Aber das zeigt, wie 1:15 Sprachen unterschiedlich sind. Nach Benjamin Lee Whorf, der Indianer- Sprachen untersucht hat und festgestellt hat, dass die völlig anders sein können 1:29 als unsere Sprache, nach Benjamin Lee Whorf also gibt es eine Strukturierung unserer Grammatik und unseres Denkens und unseres 1:45 Weltbildes. Das liegt an den unterschiedlichen Sprachen. Diese sogenannte Relativitätstheorie der 1:54 Sprache soll uns aber heute nicht beschäftigen, sondern ich möchte noch einmal auf Logos und Mythos kommen. Bei den alten Griechen war diese 2:06 Unterscheidung schon vorhanden, also vor über zweieinhalbtausend Jahren. Logos und Mythos heißt beides "Wort", aber hat eine ganz unterschiedliche Bedeutung. 2:17 Logos meint die begriffliche, die lehrhafte, die - wir würden heute sagen - wissenschaftliche Sprache. Mythos meint die erzählende Rede, in Symbolen, in 2:34 Bildern, in Gleichnissen, in Geschichten. Beides heißt Wort, aber ist etwas völlig anderes. Im Mythos gibt es keine 2:48 Definitionen, keine Formeln. Mit den Geschichten möchten diese Mythen, diese Geschichten, die Seele ansprechen, die tiefer liegenden Schichten unseres 3:02 Bewusstseins. Allerdings können, das ist das Besondere, in diesen Symbolen und Geschichten 3:11 tiefere Wahrheiten liegen als in wissenschaftlichen Formeln. Mythos will Sinn stiften, diese Geschichten die Symbole wollen 3:23 Sinn stiften. Wenn ich sage: Ich liebe dich, und jemand antwortet: dann beweise es mir, dann begibt sich mein Gegenüber auf die logische Ebene. 3:40 Er möchte Beweise. Diese logische, diese Beweis-Ebene, diese naturwissenschaftliche Ebene möchte Wissen schaffen. 3:53 Mythos möchte Weisheit schaffen. Ich möchte ein Beispiel nennen: die Rose. Was ist eine Rose? Was 4:05 macht der Naturwissenschaftler: er nimmt die Rose und zerpflückt sie, legt sie unter das Mikroskop, alle Einzelteile werden beschriftet, 4:15 ja es werden vielleicht auch chemische Bestandteile analysiert. Ist das die Rose, wenn ich diese Bestandteile als Ganzes wieder zusammenfüge? 4:28 Die Rose ist mehr! Die Rose, die aufknospet. Die Rose im Morgentau. Die Rose, die ich verschenke, meiner Liebsten. Die Rose, die ich geschenkt bekomme, als Zeichen 4:47 der Liebe. Wenn ich zurückgehe und die Rose wirken lasse, dann habe ich eine größere Fülle, ein größeres Verständnis von dem, was eine Rose ist. Vielleicht 5:03 kann man sagen, der Logos sieht die Außenwelt der Dinge, der Mythos versucht die Innenwelt der Dinge zu sehen. 5:16 Aber vielleicht wird deutlich an dieser Stelle, dass beide Sichtweisen ihre Berechtigung haben und dass wir letzten Endes daran arbeiten müssen, 5:27 beide Sichtweisen zusammenzuführen, denn das bringt ein Mehr an Wirklichkeits- erfassung. Mythos und Logos müssen zusammenarbeiten, 5:37 dann ist die Wahrheit der Wirklichkeit größer. Mythos und Logos erinnern auch an die rechte und linke Gehirnhälfte, über die ich in einem anderen Video 5:48 schon gesprochen habe. Die linke Gehirnhälfte ist ja für die Logik, für die Mathematik, für die Sprache, für die Strukturierung zuständig. Die 5:57 rechte für Farben, für Musik, für Rhythmus, für Ästhetik, ja für Religion für dieses Sinn-Erfassen. Und beide Gehirnhälften haben 6:09 ja auch eine Verbindung und müssen und sollen zusammenarbeiten. Das Problem, glaube ich, in der heutigen Zeit ist, dass die Naturwissenschaft und 6:19 diese Logik mit ihren mit ihrem Beweis-Denken sich zu sehr in den Vordergrund spielt, ja sozusagen paradigmatisch unser ganzes Denken bestimmt: wir wollen immer 6:32 für alles Beweise. Die rechte Gehirnhälfte, der Mythos, lebt von den Hinweisen der Wirklichkeit. Also diese Zusammenarbeit zu fördern, 6:44 das ist eigentlich nicht nur mein Ansatz, sondern eine grund-menschliche Angelegenheit, beide Gehirnhälften zur vollen Entfaltung zu bringen und die 6:57 Wirklichkeit, die Wahrheit unserer Wirklichkeit damit noch größer erfassbar machen. Seshalb möchte ich in diesem 7:07 Zusammenhang auch noch mal auf den Wert der Metapher hinweisen. Metapher heißt ja: eine Übertragung, eine sprachliche Übertragung. 7:17 Das klassische Beispiel für Metapher ist: Achill ist ein Löwe. Achill, der antike Krieger ist stark wie ein Löwe. Wenn ich jetzt logisch daran gehe, Achill 7:33 ist ein Löwe, deann lüge ich ja, das stimmt ja gar nicht. Achill ist ein Mensch. Ich möchte mit dieser Metapher etwas ausdrücken, 7:43 also eigentlich ist diese Metapher "Achill ist ein Löwe" nicht wahr, aber sie sagt mehr über die Wirklichkeit aus, als wenn ich sie nicht sagen würde. Das ist 7:59 der Ansatz. Diese Umschreibungen versuchen die Wirklichkeit in einem größeren Zusammenhang zu fassen, in einer 8:10 größeren Art zu fassen. Nach Aristoteles haben wir eine rhetorische Verantwortung für die Wirklichkeit, für die Wahrheit, für das Wahre. Und Wissen 8:25 heißt: sagen können, was ist. Sprecher und Hörer entdecken sozusagen in den Metaphern die Wirklichkeit und die tiefergehende Wirklichkeit neu. Metaphern 8:40 sind sozusagen "ausgesprochene Entdeckungen der Wirklichkeit", die wir wahrnehmen. Und Metaphern sind keine Definitionen. Metapher ist keine logische 8:56 Sprache, Metaphern sind auf der anderen Seite, der rechten Gehirnhälfte anzusiedeln. Also dadurch, dass sie etwas eigentlich Falsches sagen, so wie "Achill 9:11 ist ein Löwe", gehen sie über die Wirklichkeit hinaus und sind gerade darin wahr und sind gerade darin wichtig für uns und unsere Wirklichkeits-Erfassung. 9:20 Jetzt wird auch deutlich, warum Religion ohne Metaphern, ohne Gleichnisse, ohne Symbole nicht auskommt. Und es wird 9:34 deutlich, dass es genuine Sprache ist. Wir sprechen ja über Gott. Gott ist letzten Endes etwas, was ich nicht fassen kann. 9:48 Gott ist letzten Endes eine Metapher für Sinn. Gott ist eine metapher für das Unfassbare, eine Metapher für den 9:57 Schöpfer, der unser Denken, unserer Raum-Zeit-Kontinuum übersteigt, und wir versuchen in Metaphern, also in Begriffen, die wir menschlich verstehen, dieses 10:12 Unfassbare zu fassen. Also Gott ist Vater, Gott ist wie ein Licht in der Nacht, der Stern über Bethlehem - ist natürlich nicht der Stern, aber das 10:26 Licht in der dunklen Welt. Auch im Koran steht in Sure 18: Wenn die Welt voll Tinte wär, könnte ich gar nicht Gott allumfassend aufschreiben, 10:40 so groß ist er. Und trotzdem erfassen wir immer etwas von dieser Wirklichkeit, die unsere Materie, die unsere Raum-Zeit übersteigt - mit Metaphern, und drücken es 10:55 aus. Aristoteles meinte, symbolische Sprache sei "uneigentliche" Sprache, metaphorische Sprache sei "uneigentliche" Sprache. 11:08 Aber nach dem, was wir hier besprochen haben, wird deutlich, dass es gar nicht anders geht. Religion, diese Dimension des Göttlichen, 11:19 des was hinter unserer Wirklichkeit steht, des eigentlich Unfassbaren, kann gar nicht anders als nur mit Metaphern und in metaphorischer Sprache mitgeteilt 11:31 werden. Und deshalb kann ich den Theologen Eberhard Jüngel verstehen, wenn er sagt, nein, metaphorische Sprache ist "eigentliche" 11:41 sprache für Religion, genuine Sprache für Religion, es geht gar nicht anders! Wie soll ich sonst das Unfassbare fassbar machen. 11:49 Deswegen wird deutlich, dass es nicht sinnvoll ist zu sagen, das ist ja "nur" ein symbol oder "nur" eine Geschichte. Gerade diese Geschichten, Symbole drücken 12:02 doch diesen Mehrwert an Wirklichkeit aus, der nicht logisch erfassbar wird; der Mehrwert, der nicht logisch auflösbar ist. 12:14 Deswegen haben diese metaphorischen Gedanken eine eigene Berechtigung und sie dienen dazu, unsere Wirklichkeit reicher zu machen. 12:27 Und deswegen lade ich einmal als Religionswissenschaftler, dann aber auch als jemand, der sagt: erfasse die Wirklichkeit möglichst optimal und 12:40 möglichst umfassend, lade ich dazu ein, diese Geschichten der Religion zu lesen und den tieferen Wahrheitsgehalt zu erspüren; also für Christen wären viele 12:53 Geschichten in der Bibel, die Schöpfungsgeschichte, die Geschichten von Jesus, die Gleichnisse, interessant, und sie wirken auf eigene Weise. Und ich lade 13:04 dazu ein, Logos und Mythos, Wissenschaft und Religion noch mehr zusammen zu sehen, um eine noch größere Erfassung der 13:19 wirklichkeit zu erfahren. Mit einer bekannten Metapher möchte ich heute schließen von Antoine de Saint-Exupéry: "Man sieht nur mit 13:32 dem Herzen gut", sagt der kleine Prinz. Ich danke für eure Aufmerksamkeit, nutzt bitte wieder die Kommentarfunktion für Rückmeldungen und Fragen. Mit Interesse 13:49 werde ich sie lesen und für weitere Videos verwenden. Passt gut auf euch auf, bis zum nächsten mal.