Innenpolitik im Deutschen Kaiserreich I musstewissen Geschichte MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=iXiaOHo1bno Transkript (automatisch erstellt) 0:00 In diesem Video beschäftigen wir uns mit der Innenpolitik im deutschen Kaiserreich. Das heißt: mit dem Kulturkampf, mit dem Sozialistengesetz 0:07 und mit der Art und Weise, wie der Reichskanzler Otto von Bismarck regiert. Eben alles, was du dazu wissen musst. 0:18 Wie das deutsche Kaiserreich gegründet wird, das habe ich euch in diesem Video hier oben erklärt. 0:23 Schaut einfach mal rein, einfach auf das "i" klicken. Im Jahr 1871 ist auf jeden Fall der geeinte deutsche Nationalstaat endlich da. 0:30 Das ist wichtig zu wissen. Aber die innere Einheit, die ist nicht da. Viele Menschen, viele gesellschaftliche Gruppen 0:37 haben keine Verbindung, keine Beziehung zu diesem neuen Reich. Die einen wollen eine möglichst freie Wirtschaft, 0:44 die anderen fordern Schutzzölle für die heimische Landwirtschaft. Die einen wollen mehr Demokratie, 0:49 die anderen fordern Gehorsam der Untertanen. Die einen treten für mehr Einheit ein, 0:54 die anderen wollen die Rechte der einzelnen Landesfürsten schützen. Und so weiter und so fort. 0:59 Eine schwierige Lage für den Reichskanzler Otto von Bismarck. Deshalb versucht er in der Innenpolitik das zu tun, 1:06 was er auch in der Außenpolitik tat, um das Reich zusammenzubringen. Bismarck einte die deutschen Staaten und Bürger 1:12 immer hinter einem gemeinsamen Feind. Erst die Norddeutschen gegen Österreich, 1:17 dann die Nord- und Süddeutschen gemeinsam gegen Frankreich. Und jetzt sucht er Gegner in der Innenpolitik, 1:23 sogenannte Reichsfeinde, damit er gegen diese Minderheit die Mehrheit vereinen kann. 1:29 Die ersten Reichsfeinde sind die Katholiken. Die bieten sich geradezu an. 1:34 Der Papst in Rom hat nämlich den Liberalismus und den säkularen Staat, der ohne die Religion auskommt, für schlecht befunden. 1:41 Außerdem hat er sich für unfehlbar erklärt. In ganz Europa gibt es deshalb Probleme. 1:46 Die Staaten fühlen sich natürlich von der katholischen Kirche herausgefordert. Im deutschen protestantisch geprägten Kaiserreich 1:53 kommt es zum größten Konflikt. Denn Bismarck spitzt den Streit zu. 1:58 Die Katholiken sollen dem Kaiser gehorchen und nicht dem Papst. 2:03 Deshalb führt er einen Kampf für die Trennung von Kirche und Staat. Damit will er die Macht der Kirche brechen. 2:10 Und er will die Zentrumspartei, das ist die Partei der deutschen Katholiken, kleinhalten. 2:15 Und die Nicht-Katholiken will er hinter sich versammeln. Wie läuft das ab? Na ja, die Schulen, bisher eine Angelegenheit der Kirche, 2:23 werden staatlich beaufsichtigt. Den Pfarrern wird verboten, dass sie sich in Gottesdiensten zur Politik äußern. 2:29 Dieses Gesetzt heißt "Der Kanzelparagraph", weil die Pfarrer von der Kanzel herab predigen. 2:35 Die Zivilehe wird eingeführt. Bisher wurden Ehen in der Kirche beschlossen. 2:40 Das kann man zwar auch weiterhin machen, aber rechtlich verbindlich ist die staatliche Trauung auf dem Standesamt, 2:45 mit Urkunde und Stempel und vielen anderen Dingen. Ein neuer Beruf wird erfunden: der Standesbeamte. 2:50 Und diesen Beruf gibt es ja heute auch noch. Der Staat zahlt auch kein Geld mehr an die Kirche. 2:55 Verschiedene katholische Mönchsorden werden verboten. Über die Hälfte der katholischen Bischöfe wurde eingesperrt 3:01 oder aus dem Land getrieben. Man nennt diese Maßnahme "Kulturkampf". 3:06 Wie geht der Kulturkampf aus? Bismarck verliert. Die Katholiken im ganzen Reich halten zusammen. 3:12 Die Zentrumspartei legt bei den Wahlen sogar zu. Und selbst die Protestanten finden, 3:17 dass Bismarck zu sehr gegen die Kirche ankämpft. Am Ende muss der Reichskanzler klein beigeben. 3:23 Immerhin: Die staatliche Schulaufsicht und die Zivilehe, die gibt es heute noch. Otto von Bismarck hat in dieser Zeit schon einen anderen Feind im Auge: 3:33 die Sozialisten. Durch die Industrialisierung - 3:36 ich empfehle euch dazu, das Video hier oben anzuschauen - entsteht eine neue Schicht: die Arbeiterschaft. 3:42 Die politischen Interessen der Arbeiter vertreten die Sozialdemokraten. Die wollen den Sozialismus, 3:48 also vereinfacht gesagt eine Gleichverteilung allen Eigentums. Damit eignen sie sich wunderbar als Reichsfeinde. 3:56 Bismarck bekämpft sie mit dem Sozialistengesetz. Sozialdemokratische Zeitungen, Vereine und Versammlungen werden verboten. 4:04 Nur die SPD, die Arbeiterpartei, darf weiter bestehen. Die Angst vor einer sozialistischen Revolution 4:10 soll die liberalen und konservativen Bürger hinter Bismarck versammeln. Weil Bismarck langfristig auch die Arbeiter als treue Untertanen 4:18 an das Kaiserreich binden will, führt er Sozialgesetze ein. Ihr könnt euch das Video hier oben anschauen, dann erfahrt ihr mehr dazu. 4:25 Seine Hoffnung ist, dass sich die Arbeiter von der SPD ab- und dem Staat zuwenden. 4:31 Aber: Auch den Kampf gegen die Sozialisten verliert Bismarck. Die Arbeiter halten zur SPD und die wird von Wahl zu Wahl stärker. 4:40 Immerhin: Die Sozialgesetzgebung, die begründet den Sozialstaat, in dem wir heute leben. 4:45 Wir sehen also: Die Strategie Bismarcks, dass man die Menschen zusammenbringt, indem man gegen angebliche Feinde kämpft, die hat so gar nicht funktioniert. 4:55 Im Gegenteil: Am Ende hat es sich Bismarck mit fast allen politischen Lagern verscherzt. 5:02 Er ist trotzdem der bestimmende Politiker im Reich. Das liegt zum einen an seiner Stellung als Reichskanzler. 5:08 Nach der Verfassung braucht der Reichskanzler keine Mehrheit im Parlament. 5:12 Er kann also regieren, wie er will und muss sich um Wahlen oder Mehrheiten nicht scheren. 5:17 Er braucht nur das Vertrauen des Kaisers. Es liegt aber auch und vielleicht vor allem an seinem Charisma, 5:23 an seiner Persönlichkeit. Es gibt einen regelrechten Bismarck-Kult. 5:28 Kraft seiner Person schafft Bismarck es immer wieder, politische Mehrheiten und Mehrheiten in der Bevölkerung 5:34 hinter sich zu versammeln. Bis zum Jahr 1890. 5:38 Jetzt sitzt nämlich Wilhelm II. auf dem Thron. Er ist der Enkel von Bismarcks Förderer Wilhelm I. 5:45 Dieser erste deutsche Kaiser, der stirbt im Jahr 1888 und sein Sohn, der Kaiser Friedrich III., sitzt nur 99 Tage auf dem Thron. 5:53 Dann stirbt auch er im sogenannten Dreikaiserjahr. Und der junge Monarch Wilhelm II., der will selbst regieren, 5:59 die Führung in seine Hand nehmen. Er sorgt dafür, dass Bismarck abtreten muss. 6:04 Bismarcks Nachfolger als Reichskanzler wollen weniger Konfrontation. Die Methode mit dem Angst machen vor irgendwelchen Feinden 6:10 funktioniert einfach nicht mehr. Politik ist mittlerweile nicht mehr nur 6:14 eine Angelegenheit des gehobenen Bürgertums, sondern aller Bevölkerungsgruppen. 6:18 Es gibt starke Gewerkschaften, Vereine, Interessenverbände. Zeitungen diskutieren politische Themen und mobilisieren die Leute. 6:26 Die Fronten verschieben sich. Die Sozialdemokraten und die Liberalen, die früher spinnefeind waren, 6:33 finden jetzt zusammen, weil sie beide eher für die Stadtbevölkerung Politik machen. 6:37 Das Katholische Zentrum und die Konservativen haben ihre Anhänger eher auf dem Land. 6:42 Die Linksparteien wie die SPD erhalten immer mehr Stimmen. Aber: Sie schaffen es nicht, eine Mehrheit im Parlament zu organisieren. 6:50 Die Regierung muss also immer nach Mehrheiten suchen und kann keine klare Politik machen 6:56 und die zerstrittenen Parteien schaffen es nicht, dem Parlament mehr Rechte zu erkämpfen. 7:01 Kaiser Wilhelm II. würde gerne selbst regieren, darf das jedoch nicht und er kann sich auch nicht durchsetzen, aber er hat schon viele Anhänger. 7:09 Und so stehen sich die politischen Lager immer unversöhnlicher gegenüber. Das Deutsche Kaiserreich steckt innenpolitisch in einer ziemlichen Krise. 7:19 Es kommt nur nicht zum großen Krach, weil im Jahr 1914 der Krieg ausbricht. Wir machen hier erst mal Schluss. 7:25 Wenn ihr mehr über das Deutsche Kaiserreich wissen wollt, dann guckt euch doch bei uns die anderen Videos an hier auf dem Kanal. 7:31 Außerdem solltet ihr unbedingt den Kanal abonnieren, dann verpasst ihr nämlich künftig kein Video mehr. 7:36 Danke euch fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal. Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017