Von Gorbatschow zu Putin: So zerfällt die Sowjetunion MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=i52NTWGqoP4 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 „Die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts.“ 0:04 So nennt Wladimir Putin, der russische Präsident, den Zerfall der Sowjetunion. Aber was ist da eigentlich passiert? 0:10 Im Mittelpunkt steht Michail Gorbatschow, der letzte Staatschef der Sowjetunion. Er wollte das riesige Land reformieren, mit mehr Offenheit, Glasnost, 0:18 und einem Umbau der Wirtschaft, Perestroika. Doch seine Reformen führen nicht zur Erneuerung, sondern zum Zerfall. 0:25 Was wurde aus den 15 Teilrepubliken, aus denen die Sowjetunion bestand? Und wie gelang es Putin, aus dem Chaos der 0:32 1990er Jahre Profit zu schlagen und sich als Präsident zu etablieren? Ihr merkt: Da steckt viel drin. 0:38 Also, los geht's. Am 11. März 1985 wird Michail Gorbatschow 0:46 zum Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei gewählt und damit zum mächtigsten Mann der Sowjetunion, einer Supermacht, 0:54 die sich aber in einer tiefen Krise befindet. Die Wirtschaft leidet unter der staatlich gelenkten Planwirtschaft, 0:59 die kaum mehr Wachstum ermöglicht und viele Innovationen blockiert. Die Bürokratie ist aufgebläht und verhindert jede echte Veränderung. 1:07 Gleichzeitig führt die Sowjetunion seit 1979 einen verlustreichen Krieg in Afghanistan, der hohe Kosten verursacht. 1:14 Auch das Wettrüsten mit den USA verschlingt enorme Summen und belastet den Staatshaushalt zusätzlich. 1:19 Die Bevölkerung ist frustriert und Gorbatschow erkennt, dass es so nicht weitergehen kann. 1:24 Er startet einen umfassenden Reformprozess. Zunächst tauscht er in einem Generationenwechsel altes Führungspersonal aus, 1:31 geht gegen Korruption vor und beginnt eine Kampagne gegen Alkoholmissbrauch. Für ihn ist Alkohol der schlimmste Feind des Landes, 1:40 weil er Misswirtschaft und moralischen Verfall begünstigt. Seine Reformen bekommen zwei Namen, die weltberühmt werden: 1:46 Perestroika und Glasnost. Was genau dahinter steckt, das schauen wir uns jetzt an 1:53 Durch Perestroika, auf Deutsch „Umbau“ will Gorbatschow die Verwaltung 1:57 und die Strukturen von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik modernisieren. Eine Mammutaufgabe. 2:03 Der Umbau der Wirtschaft steht an erster Stelle. Er will die Versorgung von Konsumgütern erhöhen und so 2:09 die Lebensbedingungen für die Bevölkerung verbessern. Es fehlt an fast allem. 2:14 Die Regale sind leer. Grundnahrungsmittel wie Brot oder Butter sind knapp. 2:18 Haushaltsgeräte, Kleidung oder Autos, Dinge, die im Westen längst zum Alltag gehören, 2:23 sind für viele Menschen unerreichbar. Wer einen Farbfernseher 2:27 oder ein Telefon besitzt, gehört schon zur privilegierten Schicht. Auch bei Computern und neuer Technik hinkt die Sowjetunion hinterher. 2:34 Ein Grund für die Misere ist: Der Wettlauf mit den USA verschlingt riesige Summen, und wirtschaftlich ist dieser Wettstreit nicht zu gewinnen. 2:43 Gorbatschow versucht gegenzusteuern. Die Reformen bleiben halbherzig. 2:48 Die Lage der Menschen verschlechtert sich weiter. Gorbatschow glaubt, dass mehr Freiheit und mehr Mitbestimmung 2:54 nicht nur der Wirtschaft, sondern auch dem Staat nutzen können. Sein berühmtes Zitat „Wir brauchen Demokratie 3:00 wie die Luft zum Atmen“ bringt seine Vision auf den Punkt. Auf lokaler Ebene dürfen jetzt mehrere Kandidaten innerhalb der Partei 3:08 antreten, allerdings weiterhin nur aus dem kommunistischen Spektrum. Die Dominanz der KPdSU bleibt unangetastet. 3:14 Echte Mehrparteienwahlen sind nicht vorgesehen. Ein bedeutender Schritt ist die Einführung 3:20 des Kongresses der Volksdeputierten, der künftig Gesetze ausarbeitet. Damit entsteht eine gewisse Gewaltenteilung zwischen 3:26 Parlament und Regierung. Und jetzt kommen wir zum zweiten Schlagwort: Glasnost. 3:30 Darunter verspricht Gorbatschow: „Wir wollen Offenheit in allen öffentlichen Angelegenheiten und in allen Bereichen des Lebens.“ 3:37 Also ein transparenter Staat und mehr Presse- und Meinungsfreiheit. Das klingt erst mal alles schön und gut. 3:43 Ob Gorbatschow diese umfangreichen Reformen aber auch wirklich umsetzen kann - dazu später mehr. 3:49 Nicht nur innerhalb des Ostblocks will Gorbatschow einen neuen Ton anschlagen, sondern auch im Kontakt mit dem Rest der Welt. 3:57 Gorbatschow setzt auf Entspannungspolitik gegenüber dem Westen. 1989 ziehen die letzten sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan ab. 4:06 Die zweite Hälfte der 1980er Jahre ist bestimmt durch Annäherung, Abrüstung und Dialog. 4:12 Nach dem Zweiten Weltkrieg geraten viele mittel- und osteuropäische Staaten unter die Kontrolle der Sowjetunion. 4:17 Moskau setzt kommunistische Regierungen ein, die sich strikt an sowjetische Vorgaben halten. 4:23 Wer sich dagegen auflehnt, wird brutal niedergeschlagen. Der Arbeiteraufstand in der DDR 1953, die Revolution in Ungarn 1956 4:32 und der Prager Frühling 1968 enden alle mit Gewalt und Repression. Die sogenannte Breschnew-Doktrin legitimiert dieses Vorgehen. 4:41 Sie erlaubt der Sowjetunion, in jedem Land militärisch einzugreifen, wenn sie den Kommunismus dort bedroht sieht. 4:47 Gorbatschow bricht mit dieser Linie. Er hebt die Breschnew-Doktrin auf und macht deutlich: 4:51 Die Sowjetunion wird sich nicht mehr das Recht herausnehmen, über die politische Entwicklung ihrer Nachbarstaaten zu entscheiden. 4:58 Damit öffnet er den Weg für Selbstbestimmung und politische Reformen und letztlich für die Abkehr vom Kommunismus. 5:04 Gorbatschow macht das aber nicht aus Idealismus. Die Sowjetunion ist schlicht und einfach nicht in der Lage, 5:10 die hochverschuldeten Ostblockstaaten zu finanzieren. Die Folgen sind historisch. 5:15 1989 wird Polen demokratisch. In diesem Kontext habt ihr vielleicht schon von Solidarność gehört. 5:22 Ein Video zur Geschichte Polens findet ihr oben auf dem i verlinkt. Im Oktober erklärt sich Ungarn zur Republik. 5:29 Im November fällt die Berliner Mauer, ein Symbol jahrzehntelanger Teilung und Unterdrückung. 5:35 Im Dezember ist die Tschechoslowakei kein kommunistischer Staat mehr. Und so geht es weiter. 5:39 Als sich das sowjetische System Anfang der 90er Jahre zunehmend aufzulösen beginnt, wird deutlich, wie stark die nationalen Bewegungen 5:46 innerhalb des Vielvölkerreichs gewachsen sind. In vielen Republiken entstehen Ideen von Unabhängigkeit. Zunächst meist friedlich. 5:54 Besonders die baltischen Staaten, Litauen, Estland und Lettland gehen früh voran. Sie waren erst seit dem Zweiten Weltkrieg 6:01 Teil der Sowjetunion und hatten eine starke nationale Identität und historische Erfahrungen mit Unabhängigkeit. 6:07 Die Bevölkerung dort organisiert sich schnell und entschlossen. 1990 erklären sich alle drei Länder für unabhängig. 6:14 In Litauen kommt es dabei zu vereinzelten gewaltsamen Auseinandersetzungen, aber insgesamt bleibt der Prozess weitgehend friedlich. 6:21 Die baltischen Staaten setzen damit ein deutliches Zeichen: Die Kontrolle Moskaus ist nicht mehr unumstößlich, 6:28 und der Zerfall der Sowjetunion nimmt Fahrt auf. Im ganzen Ostblock wird jetzt offen über die Verbrechen der Stalinzeit, 6:35 die Fehler der Partei und die Schwächen des Kommunismus gesprochen. Gorbatschow wollte die Sowjetunion als Vielvölkerstaat bewahren, 6:42 aber stattdessen wenden sich immer mehr Republiken ab. Viele suchen die Nähe zum Westen, um nie wieder in russische Abhängigkeit 6:50 zu geraten. Auch wirtschaftlich scheitern die Reformen. 6:52 Gorbatschow gewährt zwar mehr Freiheiten für Betriebe, hält aber am Prinzip der staatlichen Steuerung fest. 6:58 Sein Zögern und seine Inkonsequenz, die Mischung aus Planwirtschaft und vorsichtiger Öffnung führt zu Unsicherheit, 7:04 sinkender Produktivität und wachsender Unzufriedenheit. Statt Wohlstand bringt die Reformphase wirtschaftlichen Stillstand. 7:10 Ein weiterer entscheidender Wendepunkt wird die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. 7:15 Am 26. April 1986 explodiert Block vier des ukrainischen Kernkraftwerks. Die Katastrophe zeigt viele der Probleme eindeutig auf. 7:24 Die marode Technologie der Sowjetunion, die weiterhin existierende Geheimniskrämerei 7:29 der Regierung und die miserable Katastrophen und Informationspolitik erschüttern das Vertrauen in den Parteistaat. 7:36 Nur wenige Monate nach Gorbatschows Versprechen von Glasnost Gorbatschow verliert zunehmend die Kontrolle über die Prozesse, die er selbst angestoßen hat, 7:44 und wird vom einstigen Antreiber zum Getriebenen. Im Juni 1991 wird in Russland, der größten und mächtigsten 7:52 Sowjetrepublik, erstmals ein Präsident demokratisch gewählt: Boris Jelzin, ein radikaler Reformer. 7:59 Und dann passiert etwas, das kaum zu fassen ist: Jelzin erklärt gegen den Willen Gorbatschows Russland innerhalb der Sowjetunion als autonom. 8:09 Jelzin und seine russische Regierung erklärten damit, dass ihre Beschlüsse wichtiger seien als die Gorbatschows und der sowjetischen Regierung. 8:17 Die Folge ist eine Doppelherrschaft zwischen zwei Präsidenten und zwei Regierungen. 8:21 Ihr müsst euch das mal klarmachen: Der zentrale Kern der Union, das Land, in dem die sowjetische Regierung 8:26 selbst sitzt, kehrt der Union praktisch den Rücken. Für Gorbatschow ist das ein politisches Desaster. 8:33 Es zeigt, wie sehr seine Macht schon geschwunden ist. Die Sowjetunion, 8:37 die er verzweifelt zu retten versucht, verliert jetzt auch ihr Zentrum und damit wird endgültig klar, dass ihr Zerfall nicht mehr aufzuhalten ist. 8:45 Selbst seine eigene Partei wendet sich jetzt gegen ihn. Reformunwillige Politiker und Hardliner, 8:51 die im sowjetischen Sicherheitsrat sitzen, führen einen Putsch aus. Mitte August 1991 stehen in ganz Moskau Panzer. 8:58 Die Putschisten erklären Gorbatschow für abgesetzt. Der sitzt derweil unter Hausarrest und unter Bewachung 9:03 in seinem Ferienhaus auf der Krim. Allerdings treffen die reformunwilligen Putschisten auf Widerstand. 9:09 Die junge russische Regierung unter Präsident Boris Jelzin und der Widerstand der Bevölkerung der Sowjetunion wollen die Reformen weiter vorantreiben. 9:17 Jelzin bündelt die demokratischen Kräfte und widersetzt sich der Gewalt. Das Parlament und er verschanzen sich im Regierungssitz. 9:24 Die Bürger von Moskau errichten Barrikaden und stellen sich hinter Jelzin. Große Teile des Militärs und der Geheimdienste folgen dem Präsidenten. 9:33 Und so bricht der Putsch zusammen. Die Unabhängigkeit Russlands ist jetzt nicht mehr zu verhindern. 9:39 Der Vielvölkerstaat hat in den Augen der Bevölkerung jede Legitimität verloren. Ein besonders deutliches Anzeichen dafür kommt aus der Ukraine. 9:48 Am 1. Dezember 1991 stimmt eine überwältigende Mehrheit von mehr als 90 % für die staatliche Unabhängigkeit. 9:56 Auch im Donbass und auf der Krim. Das Referendum zeigt, wie weit sich die Bevölkerung 10:00 bereits von der Sowjetunion entfernt hat. In den Tagen danach nimmt der Zerfallsprozess Fahrt auf. 10:06 In Russland verbietet Präsident Jelzin die Kommunistische Partei. Am 8. Dezember unterzeichnen die Präsidenten von Russland, Belarus und der Ukraine 10:13 das Abkommen von Belowesch, das die Sowjetunion faktisch auflöst. Der letzte formale Schritt folgt am 25. Dezember, 10:22 Gorbatschow tritt zurück als Präsident eines Staates, den es gar nicht mehr gibt. 10:26 Zurück bleiben 15 unabhängige Republiken. Heute behauptet Wladimir Putin, die Ukraine sei für den Zerfall der 10:32 Sowjetunion verantwortlich. Ein Narrativ, das auch in Teilen der russischen Gesellschaft Anklang findet. 10:38 Aber historisch ist diese Sichtweise nicht haltbar. Auch in anderen Sowjetrepubliken, einschließlich Russland selbst, 10:44 gab es vergleichbare Unabhängigkeitsbestrebungen. Das ukrainische Votum war Teil eines breiten 10:50 gesamtgesellschaftlichen Prozesses, in dem sich die Bevölkerung vieler Republiken von der Sowjetunion abgewandt hat. 10:57 Russland übernimmt jetzt die zentralen Funktionen der ehemaligen Sowjetunion, darunter den ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat, 11:03 internationale Verträge und die Kontrolle über das Atomwaffenarsenal. Das liegt vor allem daran, dass Russland die größte Nachfolgerrepublik ist, 11:11 die sowjetische Regierung dort ihren Sitz hatte und Russland bereit ist, die Schulden und Verpflichtungen der UdSSR zu übernehmen. 11:19 Damit wird Russland zum offiziellen Rechtsnachfolger und zum neuen globalen Akteur 11:24 anstelle der untergegangenen Sowjetunion. In Jelzins Russland werden verschiedene Reformen angestoßen, 11:29 vor allem in der Wirtschaft. Staatliche Betriebe werden privatisiert. Preise richten sich jetzt nach Angebot und Nachfrage. 11:36 Und ein neuer Finanzsektor mit Banken und Börsen entsteht. Aber die Maßnahmen zeigen nicht die erhoffte Wirkung. 11:43 Das Bruttoinlandsprodukt bricht ein. Die wirtschaftliche Leistung halbiert sich. 11:48 Gleichzeitig nutzen einige wenige die chaotische Übergangsphase, um sich enorm zu bereichern - 11:54 die sogenannten Oligarchen. Eigentlich sollte jeder Bürger durch sogenannte Privatisierungschecks 12:00 Anteile an ehemaligen Staatsbetrieben erhalten. Aber viele verkaufen diese Gutscheine aus Unwissenheit oder Not, oft für wenig Geld. 12:08 So gelingt es Einigen, große Unternehmen günstig aufzukaufen und sich ein Vermögen aufzubauen. 12:14 Eine kleine, extrem reiche Elite entsteht, die mit ihrem Geld zunehmend politischen Einfluss gewinnt. 12:20 Währenddessen verschärfen sich auch die sozialen Probleme. Hunderttausende Menschen verlassen das Land. 12:24 Die Kriminalitätsrate steigt rasant. Zwischen 1990 und 1996 wächst die Zahl der Mafia-Gruppen extrem an. 12:32 Es wird zu einem Faktor, der Politik, Wirtschaft und Bevölkerung stark belastet. 1998 steht Russland kurz vor dem Staatsbankrott. 12:40 Nur internationale Milliardenkredite, auch aus Deutschland, verhindern den Kollaps. Gleichzeitig entstehen blutige Konflikte, etwa im Kaukasus. 12:49 In Tschetschenien beginnt 1994 ein Krieg, der zwei Jahre später mit einer weitgehenden Autonomie endet. 12:55 Aber ohne staatliche Unabhängigkeit. Jelzin wird 1996 erneut zum Präsidenten gewählt, 13:01 ist aber gesundheitlich stark angeschlagen und alkoholkrank. Seine eingeschränkte Regierungsfähigkeit öffnet Raum für neue politische Kräfte. 13:09 Darunter Wladimir Putin. 1998 wird er Chef des Geheimdienstes FSB und gewinnt weiter an Einfluss. 13:17 Obwohl er in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist, wird er im August 1999 überraschend zum Ministerpräsidenten ernannt. 13:25 Ein Schritt, der Teil von Jelzins Plan zur Machtübergabe ist. Kurz darauf erschüttert eine Reihe bis heute nicht vollständig 13:32 aufgeklärter Terroranschläge Russland. Mehr als 300 Menschen sterben. 13:36 Putin beschuldigt tschetschenische Terroristen, reagiert mit harter militärischer Gewalt 13:41 und startet den zweiten Tschetschenienkrieg. Er inszeniert sich als entschlossener Kämpfer für Sicherheit 13:47 und Ordnung und gewinnt damit schnell an Popularität. Als Jelzin am 31. Dezember 1999 13:53 überraschend zurücktritt, übernimmt Putin verfassungsgemäß die Amtsgeschäfte des Präsidenten. 13:59 Russland verfügt zwar über demokratische Strukturen, aber die Reformen unter Jelzin bleiben ohne durchschlagenden Erfolg. 14:06 Gleichzeitig beginnt sich die Wirtschaft zu erholen, vor allem durch stark steigende Öl- und Gaspreise und den weltweiten Bedarf 14:12 nach Rohstoffen, die Russland Milliarden in die Kassen spülen. Der Lebensstandard steigt. 14:17 Die Hoffnungen in Putin wachsen. Im März 2000 wird er offiziell zum Präsidenten gewählt. 14:23 Auch im Westen gilt er zunächst als Hoffnungsträger und möglicher Partner, besonders in Deutschland. 14:29 Seitdem hat Putin die Macht praktisch nie wieder aus der Hand gegeben. Die Sowjetunion ist gescheitert. Wie ist Michail Gorbatschows Rolle heute 14:38 zu bewerten? Wollte er zu viel? Die gleichzeitige Wende in der Außenpolitik weg vom Wettrüsten hin 14:43 zur Entspannung und tiefgreifende Reformen im Inneren bei gleichzeitiger Bewahrung des Ostblocks wirken rückblickend wie eine kaum lösbare Aufgabe. 14:52 Aus offizieller russischer Sicht gilt sein Kurs heute als Fehler. Denkt nur an das Putinzitat vom Anfang. 14:57 Für viele andere war Gorbatschows Politik ein mutiger Versuch, mehr Freiheit, Demokratie und Modernisierung zu wagen. 15:03 Zwar entstehen demokratische Strukturen und zivilgesellschaftliche Initiativen, aber vielerorts werden oppositionelle Kräfte unterdrückt. 15:11 Und was 1999 kaum jemand ahnt: Mit Wladimir Putin betritt ein Mann die politische Bühne, der den Zerfall nicht als Befreiung, 15:18 sondern als historischen Verlust begreift und daraus eine neue Strategie entwickelt. 15:23 Putin baut seine Macht im Inneren systematisch aus. Unabhängige Medien, NGOs und politische Gegner werden ausgeschaltet. 15:30 Gleichzeitig beansprucht er die ehemaligen Sowjetrepubliken als russische Einflusszone. 15:35 Die Kriege in Georgien, die Annexion der Krim, die Invasion der Ukraine alles das folgt dem Ziel, verlorene Kontrolle zurückzugewinnen. 15:43 Belarus wird schrittweise in russische Strukturen eingebunden. Die Ukraine soll laut Putin Teil des „historischen Russlands“ sein. 15:51 Außenpolitisch sucht er neue Allianzen, etwa mit China oder dem globalen Süden, um dem Westen ein Gegengewicht entgegenzustellen. 15:57 Und durch hybride Kriegsführung, Cyberangriffe, Desinformation, Wahlbeeinflussung, versucht Putin, liberale Demokratien zu destabilisieren. 16:06 Putin plant keine Rückkehr zur Sowjetunion im alten Sinne. Aber er arbeitet an einer neuen Ordnung, die Russland wieder zur dominierenden 16:14 Macht im postsowjetischen Raum und in Europa machen soll. Habt ihr selbst vielleicht Verbindungen zur Sowjetunion? 16:20 Durch Freunde oder Familie? Oder kennt ihr das Thema eher aus dem Schulunterricht? 16:25 Schreibt es gerne unten in die Kommentare. Und wenn euch russische Geschichte interessiert, dann schaut gerne neben mir. 16:29 Da findet ihr ein Video zum russischen Bürgerkrieg. So entstand die Sowjetunion und direkt darunter einen Dreiteiler, 16:36 eine Dokureihe zum Aufstieg von Putin zur Macht. Schaut auch da gerne mal rein. 16:42 Danke euch fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.