Atommüll: So gefährlich ist er wirklich | Harald Lesch | Terra X Lesch & Co Terra X Lesch & Co https://www.youtube.com/watch?v=h7G4-WgAPJk Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Ist Atommüll wirklich gefährlich? Man kann für die Nutzung der Kernenergie sein, man kann gegen die Nutzung von Kernenergie sein. Wie auch immer, Kernkraftwerke gibt es 0:09 auf dem ganzen Planeten und sie produzieren nicht nur Energie, die genutzt werden kann, sondern sie erzeugen auch radioaktiven Müll. Und jetzt suchen wir in Deutschland ja ein Endlager, 0:18 aber brauchen wir das eigentlich? Denn ein Teil von dem Zeug strahlt ja nur für einige Jahrzehnte. So habe ich z. B. mal gelesen, den wunderbaren Satz: 0:24 Man müsste Atommüll nach wenigen Jahrzehnten schon essen, um Schaden zu nehmen. Kann ich nur sagen: Guten Appetit. Aber jetzt mal ganz ehrlich, ist das Zeug wirklich so gefährlich? 0:33 Stimmt das? Ist Atommüll wirklich gefährlich? So gefährlich? INTRO 0:44 Um das noch mal klar einzuordnen. Die Nutzung von Kernenergie oder der Kernkraft, ist die Nutzung der stärksten Kraft, die wir im Universum kennen. Einer Kraft, die es möglich macht, 0:55 dass gleichnamige Ladungen, also Protonen, in einem sehr, sehr kleinen Raumgebiet, also dem Atomkern, zusammenbleiben, obwohl doch gleichnamige Ladungen sich abstoßen und zwar umso stärker, 1:09 je näher sie zusammen sind. Und was machen wir in Kernkraftwerken? Wir spalten Kerne, und die Energie, die dabei frei wird, ist die Energie, die zur starken Kraft 1:20 oder zur starken Wechselwirkung gehört. Und bei diesem Prozess entsteht eben atomarer Müll, also Müll, der radioaktiv zerfällt. Also wir haben auf der einen Seite 1:29 die Kernprozesse, die den Atomkern zusammenhalten, stabile Atomkerne, aber wir haben auch Kernprozesse, die eben Atomkerne zerfallen lassen, und die hängen nun mit der schwachen Kernkraft zusammen. 1:42 Radioaktivität bedeutet also, dass Material zerfällt. Dabei wird Energie frei und diese Energie, die tritt eben in verschiedenen Formen auf. Radioaktivität kommt in drei verschiedenen 1:54 Darreichungsformen vor, also in Alpha-Strahlung, Beta-Strahlung und als Gamma-Strahlung. Gehen wir mal eine Strahlungsform nach der anderen durch. 2:02 Fangen wir an mit der Alpha-Strahlung, das sind Heliumkerne, also zwei Protonen, zwei Neutronen, also richtig schwere Teilchen eigentlich sogar. Diese Strahlung hat eine relativ kurze Reichweite, 2:11 kann durch Luft und durch Wasser schon abgeschirmt werden, auch durch ein Blatt Papier zum Beispiel. Aber diese kurze Reichweite ist auch genau das Problem. Beta-Strahlung, das sind schnelle Elektronen, 2:21 die Reichweite dieser Strahlung, der Beta-Strahlung, ist etwas größer als die der Alpha-Strahlung. Also das heißt, sie kann in Gewebe eindringen, sie kann auch ein bisschen in Flüssigkeit eindringen, 2:31 wird aber im Allgemeinen durch Metalle wie zum Beispiel Aluminium dann auch schon geblockt. Gamma-Strahlung, das sind Photonen, ist also richtige elektromagnetische Strahlung. 2:40 Im Gegensatz zur Alpha- und Beta-Strahlung handelt es sich hier nicht um Teilchen, sondern um Lichtquanten. Und das sind die höchsten Energien im elektromagnetischen Spektrum, das ist Gamma-Strahlung. 2:49 Was passiert denn jetzt eigentlich, wenn diese drei Strahlungstypen, also schnelle Heliumkerne oder schnelle Elektronen oder die elektromagnetische Strahlung der Gamma-Strahlung, auf organisches Material trifft? 3:02 Also ganz konkret: Was passiert, wenn diese radioaktive Strahlung auf den menschlichen Körper trifft? Was verursachen denn diese Strahlungstypen? Was ist denn daran jetzt eigentlich so schädlich? 3:13 Ich meine, wir haben ja auch andere Formen von Strahlung, die uns jetzt nicht schaden. Obwohl, wir ahnen schon, dass zu viel Energie auf organisches Material gebracht, natürlich Schäden verursacht. 3:26 Das beste Beispiel, was wir alle kennen, ist die Ultraviolett-Strahlung der Sonne, die uns unsere Haut verbrennen lässt. Und das ist der Sonnenbrand. 3:35 Zu viel Energie auf den Leib gebracht ist schädlich. Und genau davon sprechen wir. Wir sprechen von der Wechselwirkung von Teilchen mit Teilchen, also von Alpha, Kern oder Beta-Strahlung 3:51 mit den Molekülen des menschlichen Körpers oder der Wechselwirkung von elektromagnetischer Strahlung hoher Energie, mit dem Körper. Wir sprechen von der Wechselwirkung von Bindungen, also wie Bindungstypen 4:04 sich treffen, wie Energie, die in Bindungen eingebracht wird, auf einmal Bindungen auflösen kann. Wir sprechen über fundamentale physikalische Prozesse. Radioaktive Strahlung, auch ionisierende Strahlung, 4:16 kann Materie eben dahingehend verändern, dass sie Moleküle zerschlägt. Wenn die Moleküle zerschlagen werden, dann gehen natürlich die entsprechenden Eigenschaften, die mit den Molekülen zusammenhängen, verloren. 4:29 Und wenn diese Eigenschaften verloren gehen, dann bedeutet das im Körper, dass er krank wird. Also Radioaktivität kann einen Menschen krank werden lassen, weil durch die Molekülzerstörung Funktionen 4:42 und Eigenschaften, die vorher von den Molekülen erfüllt wurden, nicht mehr erfüllt werden können. Das bedeutet im Klartext, dass innerhalb unsere Körpers Veränderungen stattfinden, 4:51 die ziemlich rabiat sein können. Es werden Proteine zerstört, es werden Zellen verändert und vernichtet. Alles das hat natürlich Auswirkungen auf unseren Stoffwechsel, 5:00 hat Auswirkungen darauf, dass zum Beispiel innerhalb von Organen die Organfunktionen zusammenbrechen, der gesamte Kreislauf zusammenbrechen kann, usw. 5:09 Fangen wir mal mit den katastrophalsten Katastrophen an, die wir bei der Nutzung von Kernkraft bis jetzt auf dem Planeten erlebt haben. Mal natürlich abgesehen, um Gottes Willen, 5:19 von den beiden großen Katastrophen in Hiroshima und Nagasaki 1945, als die Atom-Bomben explodierten, ist die zivile Nutzung der Kernkraft vor allen Dingen durch so 5:29 Unfälle, wie den in Tschernobyl, gekennzeichnet. Und das ist ein akuter Strahlenschaden für alle, die in der Nähe waren, für alle, die dann später auf der Unfallstelle in irgendeiner Form versucht haben, 5:38 zu retten, was zu retten war, die sind natürlich akut geschädigt worden, das heißt also Körperzellen sind vernichtet worden, Körperorgane haben ihre Funktion eingestellt, es kam zu sofortigem 5:48 Haarausfall, Erbrechen, Übelkeit, es ging also innerhalb von wenigen Stunden dann gleich los, Hautrötungen, Gewebeschäden und so weiter. Also es war innerhalb von wenigen Tagen, 5:59 sind viele von den Beteiligten gestorben. Das könnt ihr euch alles in der Fernsehserie Tschernobyl angucken, aber ich kann euch nur raten, da braucht ihr dann wirklich gute Konstitution dafür, um das auszuhalten. 6:11 Man muss bei den Schäden durch Radioaktivität tatsächlich auch nochmal klar sagen, es geht da nicht nur um den unmittelbaren Kontakt zu einer radioaktiven Quelle, sondern es gibt auch 6:20 Langzeitfolgen, die sich dann als Krebserkrankung im Körper niederschlagen. Das hat schlicht damit zu tun, dass sehr viele der Kopierprozesse in den Zellen natürlich immer 6:30 und immer wieder stattfinden. Und selbst kleinste Schäden, verursacht durch radioaktive Strahlung, können auf lange Sicht dann dazu führen, dass es doch mal zu solchen Fehlermeldungen kommt, 6:39 innerhalb des Körpers, die dann zu Tumorbildung führen und damit zu einer schweren Krebserkrankung. Neben den unmittelbaren Schäden haben wir natürlich auch die mittelbaren Schäden, 6:49 durch die Radioaktivität verursacht, nämlich die vererbbaren Strahlenschäden. Dadurch, dass eine Person, mit welchem Teil des Körpers auch immer, in Kontakt mit radioaktiver Strahlung 6:58 gekommen ist, kann es zur Mutation der Keimzellen kommen und das betrifft die Samenzellen genauso wie die Eizellen. Und auf diese Weise hat man es mit Strahlenschäden zu tun, die praktisch dann 7:09 in die nächste Generation übertragen werden. Natürlich kann man mit Menschen keine Tests machen, deswegen kennt man das nur von Tieren, die man der Strahlung ausgesetzt hat und 7:18 dann diese Mutation gesehen hat. Gesund ist das alles nicht mit der Radioaktivität, die Frage ist nur, wie viel strahlt etwas, wie lange, und wie gefährlich ist das alles. Also mit anderen Worten: 7:29 Wie viel Atommüll gibt es eigentlich in Deutschland, wie lange strahlt er und wie lange ist er gefährlich? Fangen wir an mit dem schwach- bis mittelradioaktiven Abfall, von dem haben wir 620.000 Kubikmeter, 7:40 der muss nicht zwingend in ein Tiefenlager, aber es wäre eigentlich schon wünschenswert. Worum handelt es sich da? Es handelt sich um Material, das in irgendeiner Form mit radioaktiver Strahlung 7:50 in Kontakt gekommen ist. Das können Putzlappen sein, das kann alles mögliche an Material sein, was irgendwo auf dem Kraftwerksgelände oder in Forschungseinrichtungen mal radioaktiv verseucht war. 8:00 Also dieses Zeug ist schwach- bis mittelradioaktiv, muss nicht in ein Endlager, wäre aber schön, wenn es weg wäre. Was in ein Tiefenlager muss, ist das hochradioaktive Material, der hochradioaktive Müll. 8:15 Es ist also genau das strahlende Material, das sind die abgebrannten Kernbrennstäbe, das ist das Material aus der Wiederaufbereitung und so weiter. Das, was wirklich, und zwar nicht nur von Kernkraftwerken, 8:26 sondern auch von Forschungseinrichtungen, das was wirklich intensiv strahlt. Und davon haben wir 27.000 Kubikmeter Abfall. Der muss ins Tiefenlager. 8:35 Woraus besteht unser hochradioaktiver Müll? Vor allem aus Uran. Das meiste Uran kann gar nicht gespalten werden, das ist Uran 238, aber Uran 235 kann gespalten werden und 94 % von dem Uran, 8:48 der geliefert wird, der wird gar nicht gespalten. Also, was übrig bleibt ist vor allen Dingen Uran. Dann haben wir die Transurane, das sind Atomkerne, die dadurch entstehen, dass Uran-Kerne Neutronen einfangen, 9:00 die Neutronen in diesem neuen Kern zerfallen und es entsteht ein Kern mit höherer Kernladungszahl. Also Americium, Curium, Plutonium und dergleichen mehr. Dann haben wir noch die Spaltprodukte, die entstehen 9:11 genau dann, wenn eben Uran 235 oder die Transurane gespalten werden. Das ist zum Beispiel Barium, Xenon, Jod, Caesium, Strontium und so weiter. Wir haben 95 % schwach- bis mittelradioaktiven Müll 9:27 und 5 % hochradioaktiven Müll. Aber diese 27.000 Kubikmeter hochradioaktiver Abfall, die produzieren 99 % der radioaktiven Strahlung. Das Zeug, was am radioaktivsten ist, 9:44 ist für 99 % der radioaktiven Strahlung verantwortlich. Also: Das kleine Volumen von 27.000 Kubikmetern hochradioaktivem Müll ist für den Großteil der radioaktiven Belastung verantwortlich. 9:59 Also gucken wir uns mal an, wie lange strahlt, wie lange und wie heftig strahlt unser Atommüll eigentlich. Halbwertszeit, was ist eigentlich eine Halbwertszeit? Das Irre ist ja, selbst wenn wir es könnten, 10:11 und würden einen Atomkern ganz genau betrachten, nehmen wir mal an, wir könnten ihn mit dem Mikroskop ganz genau angucken, also einen Atomkern, ganz genau. Dann könnten wir nicht vorhersagen, ob der bald 10:22 zerfällt oder nicht. Radioaktiver Zerfall ist ein rein statistischer Prozess und hier ist der sogenannte objektive Zufall am Werk. Wir haben keine Möglichkeit zu sagen, welcher der Kerne, 10:32 die vor uns liegen, nun wirklich zerfällt. Deswegen ist es Statistik. Wir haben eine große Menge von Atomkernen, die im Prinzip alle zerfallen könnten. 10:40 Aber sie zerfallen nicht alle auf einmal, sondern sie zerfallen mit einer bestimmten Halbwertszeit. Und innerhalb einer Halbwertszeit ist die vorhandene Konzentration auf ein e-tel abgesunken. 10:53 Also auf 1 geteilt durch die Eulerzahl 2,718281828. Das ist die Halbwertszeit, eine statistische Größe. Niemand kann vorhersagen, wann ein Atomkern zerfällt. Immer nur wie lange es dauert, bis etwas 11:09 auf die Hälfte abgesunken ist. Okay? Und die ist ganz unterschiedlich. Also manche Atomkerne brauchen Milliarden Jahre, bis sie endlich zerfallen. 11:16 Andere machen es nach wenigen Sekunden, wieder andere brauchen einige Jahrhunderte. Und dann gibt es noch die stabilen Atomkerne, die zerfallen nämlich nie. 11:24 Deren Halbwertszeit ist praktisch unendlich. Und damit sieht man natürlich auch das Problem. Wir haben so viele verschiedene Kernsorten in unserem hochradioaktiven Müll, dass man fast schon 11:34 vorher sagen könnte: Oh, da wird es wahrscheinlich auch ganz unterschiedliche Halbwertszeiten geben. Und genau so ist es auch. Nehmen wir mal zwei Beispiele. Uran 238: Halbwertszeit einige Milliarden Jahre. 11:47 Ganz anders: Caesium 137, ist ein Spaltprodukt, Halbwertszeit von 30 Jahren. Was ist jetzt eigentlich das Hauptproblem bei dem Müll? Das lang strahlende Uran, das aber wegen seiner großen 12:00 Halbwertszeit nur schwach strahlt? Oder ist es das stark strahlende Caesium, das nach vergleichsweise kurzer Zeit aber dann radioaktiv abgeklungen ist? Was denn nun? 12:12 Tatsächlich lautet die Antwort: beides und weder noch. Denn man muss jetzt beachten, was wird denn aus den Kernen, wenn sie zerfallen sind? Nehmen wir das Uran 238. Das dauert über Milliarden 12:24 Jahre und es zerfallen wenig Kerne, aber sie zerfallen. Und die Zerfallsprodukte wiederum, sind aber wiederum radioaktiv zerfallende Kerne, die über Alpha-Zerfälle oder Beta-Zerfälle teilweise in Minuten 12:37 oder Sekunden, teilweise über einige hundert oder tausend Jahre wieder zerfallen. Ganz anders beim Caesium, da haben wir in den ersten Jahrzehnten bis Jahrhunderten, 12:44 ist es natürlich hochgefährlich, weil das zerfällt ja wie verrückt, aber irgendwann ist es dann auch zu Ende. Das heißt, wir haben ja ganz unterschiedliche Risikogefährdungslagen. 12:53 Das eine Element macht es über sehr lange Zeit, produziert aber ständig immer wieder neue Risiken. Das andere feiert eine große radioaktive Party und dann ist es vorbei. 13:03 Uran 238. Caesium 137. Das war sozusagen zum warm werden. Die richtig harten Sachen sind sowas wie Plutonium oder Americium. 13:13 Also beim Plutonium, davon habt ihr alle schon gehört, das ist natürlich generell hochgiftig, ein hochradioaktives Schwermetall. Reden wir mal über Plutonium 239. 13:21 Das ist das am häufigsten erzeugte Material in den Kernkraftwerken, hat eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren, ist ein Alpha-Strahler und bleibt, wenn es denn im Körper aufgenommen wird, 13:33 sehr lange in Lunge und Leber, verursacht Knochenkrebs, Lungenkrebs, Leberkrebs, Leukämie. Es hat zudem noch die Eigenschaft, dass es in Uran 235 zerfällt, ist also auch noch spaltbar 13:43 und damit von militärischem Interesse. Plutonium ist ein Teufelszeug und sollte irgendwie ganz von diesem Planeten verschwinden, wenn es irgendwie geht. 13:50 Ein anderes Beispiel ist Technetium 99. Das ist ein Beta-Strahler, Halbwertszeit 211.000 Jahre. Es ist natürlich gefährlich, wenn man es einatmet, Lungenkrebsrisiko usw., aber dieses Zeug ist insofern, 14:05 es ist ja nicht nur langlebig, sondern auch noch mobil. Ja, Technetium ist so ein Zeug, das hat die unangenehme Eigenschaft, dass es durch den Boden wandert. Das ist wasserlöslich und kann durch den Boden wandern. 14:18 Also wenn man es einfach nur vergraben würde, dann würde sich das langsam aber sicher durch den Boden bewegen, könnte dann unser Trinkwasser zum Beispiel kontaminieren. Warum? 14:26 Weil Technetium negativ geladen ist und der Erdboden ist auch hauptsächlich negativ geladen. Und das führt dazu, dass das Material wandert. Das gilt übrigens für alle anderen Zerfallsprodukte 14:37 nicht so sehr, die sind immer positiv geladen, die werden also vom Boden aufgehalten. Das ist ja schonmal gut. Aber Technetium ist eine Hochrisikoquelle. 14:45 Und man sieht schon, die Lagerung von hochradioaktivem Abfall, die ist gar nicht so einfach, weil so viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Wir haben eine Mischung von verschiedenen Substanzen 14:55 mit ganz unterschiedlichen Gefährdungspotenzialen. Die sich aber alle, wie soll ich sagen, addieren. Die einen sind hochgiftig, die anderen können das Trinkwasser kontaminieren, weil sie mobil sind. 15:06 Die anderen wiederum geben unglaubliche Mengen an Energie ab, wenn man sie mit der Nahrung aufnimmt. Es gibt diejenigen, die heftig kurz strahlen. Dann gibt es diejenigen, die lang strahlen und 15:15 dabei Spaltprodukte erzeugen, die dann auch wieder anfangen zu strahlen. Es ist also eine komplexe Situation, über die man sich klar werden muss. 15:23 Und das sind also chemotoxische und radiotoxische Wirkungen, die wir eigentlich alle nicht haben wollen. Kommen wir mal auf unsere Ausgangsfrage zurück, das das war ja der Kommentar: Nach dem Zerfall der stark 15:32 strahlenden Elemente mit kurzer Halbwertzeit, muss man den überbleibenden Atommüll schon essen, um Schaden zu nehmen. Also da geht jemand hin, nimmt einen Löffel und rührt 15:42 also den Atommüll irgendwie unters Essen und futtert den. Wäre das die einzige Schadensquelle, die der Atommüll dann noch darstellen würde? Mit anderen Worten: Man braucht gar kein Endlager mehr? 15:53 Die Antwort lautet nein, denn bei den Spaltprodukten, also wenn der Müll dann allmählich zerfällt, sind immer noch Beta-Strahler dabei. Die brauchen wir gar nicht aufzunehmen, die können dann 16:03 schon von außen Schäden verursachen. Und dann gibt es noch einen anderen Punkt. Wenn der Atommüll nicht sachgerecht gelagert ist, am besten in einem Tiefenlager, kann es dazu kommen, 16:13 dass der atomare Müll beginnt, zu wandern und damit unser Trinkwasser zu kontaminieren oder unsere Nahrung. Dann würde man ihn also praktisch aufnehmen, ohne dass man es will. Also, Finger weg vom Atommüll, 16:25 der muss weg und zwar möglichst tief. Aber die Frage ist, wie lange muss man ihn denn nun lagern? Was ihr hier seht, ist die Radiogiftigkeit, also das Toxische an der Radioaktivität 16:35 von abgebranntem Kernbrennstoff. Und das Wichtige ist erstmal, guckt euch mal die gestrichelte Linie an. Wie sieht das mit der Radioaktivität, der natürlichen 16:43 Radioaktivität auf unserem Planeten aus, durch Uran und seine Zerfallsprodukte? Also das, was auf natürliche Weise entstehen wird, ist die gestrichelte Linie, und wenn wir jetzt 16:52 künstlich was hinzugeben, dann sollte es natürlich so sein, dass diese Kunstprodukte, die sollten irgendwann unterhalb des Uran-Zerfalls liegen. Das heißt, ihr könnt euch jetzt schon angucken, 17:02 wann die Gesamtbelastung unterhalb dieser gestrichelten Kurve ist, da seht ihr schon, wie lange eigentlich im Prinzip ein Endlager sicher sein muss. Aber gucken wir uns mal die Einzelteile an. 17:12 Erstmal die Spaltprodukte, die zerfallen ja ganz schnell, das ist die Kurve ganz vorne, das dauert nur wenige Jahrhunderte und dann sind diese schnell strahlenden Produkte schon weg. 17:21 Dann haben wir die Transurane und ihre Zerfallsprodukte, das dauert dann schon ein bisschen länger, fast 50.000 Jahre, bis die verschwunden sind. Und dann sieht man, 17:31 wie das Plutonium beginnt, mit einer Halbwertzeit von 24.000 Jahren, die Strahlenbelastung zu erhöhen. Wir sehen also, wir brauchen mindestens 100.000 Jahre, am besten noch ein bisschen mehr, 17:40 um sicher unseren hochradioaktiven Müll lagern zu können. Jede Art von Nutzung von Kernenergie produziert Abfälle. 17:48 Jede. Und diese Abfälle sind in ihrer Mixtur, in ihrer Mischung, hochgefährlich. Wie wir es auch immer drehen und wenden, wir brauchen ein Endlager. 17:57 Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich das Video machen muss. Ich habe ja schon eine Sendung dazu gemacht, Terra X Harald Lesch, zum Thema Endlager. 18:04 Wir haben ein großes Live hier im Studio gemacht mit Kolleginnen und Kollegen zum Thema. Dass ich das Video nochmal machen muss, ist eine Reaktion darauf, dass es immer wieder 18:13 solche Bemerkungen gibt: "Wir brauchen doch gar kein Endlager. Wir lassen es einfach abklingen, dann sind wir durch." Nein, nein, nein, nein. 18:19 Leute, die sowas sagen, haben also wenig Ahnung von Kernphysik. Denn diese Zerfallsprozesse, die ganzen Mixturen, die Eigenschaften, wir haben es dargestellt, 18:26 das muss einen veranlassen, das Zeug sehr, sehr tief und sehr, sehr lange sicher zu lagern. Aber was für Zeiten sind das? Kann man sich das vorstellen? 18:35 Was wir uns vorstellen können und woran wir uns gut erinnern, sind die letzten zehn Jahre, vielleicht die letzten 20 Jahre, einige von uns die letzten 50 Jahre vielleicht. 18:42 Aber schon etwas, was 1.000 Jahre alt ist, dafür müssen wir die Geschichtswissenschaften haben, aber wir haben keine Intuition dafür, wie und was da damals war. Wie herausfordernder ist es dann, ein Lager zu finden, 18:53 das eben nicht nur 10.000, 20.000 oder 30.000 Jahre, sondern 100.000, vielleicht sogar 200.000 Jahre lang sicher den Müll lagern soll, den wir in den letzten 70 Jahren in diesem Land durch die Nutzung, 19:05 durch die zivile Nutzung der Kernenergie gemacht haben. Überlegt euch mal, mit was für einer Herausforderung wir es hier eigentlich zu tun haben. Wer weiß schon, was in 100.000 Jahren ist? 19:16 Der Homo sapiens ist von der Größenordnung von einigen 100.000 Jahren auf unserem Planeten. Und wir, als die Nachkommen dieser Menschen, haben jetzt in den letzten 70 Jahren die stärkste 19:29 Kraft des Universums benutzt, um Wasser heiß zu machen und mit diesem heißen Wasser elektrische Energie umzusetzen, in alles Mögliche, mit dem wir unser Leben bewältigen. Das muss man sich mal überlegen. 19:42 Das ist eine riesige Herausforderung und verweist auf unsere Verantwortung, dass wir nämlich über unseren Lebensraum und unsere Lebenszeit hinaus Wirkung auf diesen Planeten erzeugt haben, 19:54 für die wir verantwortlich sind. Und wir sollten daran denken, an Generationen, die noch gar nicht da sind. Die müssen sich dann mit diesen Sachen rumschlagen. Ich finde, wir haben die verdammte Pflicht, 20:04 das jetzt zu regeln und so schnell wie möglich zu einem Lagerkonzept zu kommen, zu einer Standortbestimmung, das ordentlich wissenschaftlich zu begleiten, und danach zu sehen, 20:12 dass das Zeug unter deutschem Boden verschwindet und nirgendwo sonst.