Der Theologe, der sich gegen Hitler stellte | Dietrich Bonhoeffer Zweiter Weltkrieg Biografien https://www.youtube.com/watch?v=gvo4e6KlG_o Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Am 9. April 1945 hängen die Nazis einen Mann. 0:04 Zwei Wochen vor Kriegsende. Er ist kein Soldat, kein Attentäter, kein Spion. 0:09 Sein Verbrechen: Er glaubte, dass man Hitler töten muss. 0:13 Dieser Mann war Pastor. Sein Name: Dietrich Bonhoeffer. 0:17 Und seine Geschichte stellt eine Frage, die bis heute niemand beantworten kann. Darf ein Christ töten, um Tausende zu retten? 0:24 Es ist der frühe Morgen des 9. April 1945. 0:28 Im Innenhof des Lagers Flossenbürg steht ein Galgen. Ein Mann in Häftlingskleidung kniet in seiner Zelle. 0:34 Seine Hände sind zum Gebet gefaltet. Der Lagerarzt beobachtet die Szene durch die halb offene Tür. 0:40 Später wird er schreiben: Selten habe ich einen Menschen so ruhig sterben sehen. 0:45 In wenigen Minuten wird dieser Mann nackt zum Galgen geführt. Sein Name ist Dietrich Bonhoeffer. 0:50 Er ist 39 Jahre alt, Pastor, Theologe und Verschwörer gegen Adolf Hitler. 0:56 Aber wie wird aus einem Gottesmann ein Staatsfeind? Wie kommt ein Mann, 1:00 der sein Leben der Bergpredigt gewidmet hat, dazu, Mord zu rechtfertigen? Die Antwort liegt 12 Jahre zurück. 1:07 In einem Radiovortrag, der Deutschland erschüttert hat. Februar 1933. 1:13 Nur zwei Tage nachdem Hitler Reichskanzler geworden ist, sitzt Bonhoeffer vor dem Mikrofon des Berliner Rundfunks. 1:19 Er hält einen Vortrag über Führung und Macht. Und dann sagt er etwas, das niemand erwartet. 1:25 Wenn ein Führer sich zum Götzen macht, wird aus dem Führer ein Verführer. Die Sendung wird abgebrochen. 1:32 Ob technischer Fehler oder Zensur. Bis heute ist unklar. 1:36 Aber eins ist sicher. In diesem Moment wird Bonhoeffer zum Feind. 1:40 Wer ist dieser Mann, der es wagt, Hitler zu widersprechen? Geboren am 4. 1:44 Februar 1906 in Breslau als Sohn eines berühmten Psychiaters. Aufgewachsen in Berlin im vornehmen Grunewald. 1:52 Ein Wunderkind. Mit 21 Jahren schließt er sein Studium ab. 1:57 Mit 24 ist er Dozent, einer der jüngsten Theologen Deutschlands. Aber der Hörsaal reicht ihm nicht. 2:04 1930 geht er nach New York. Dort erlebt er etwas, das ihn für immer verändert. 2:09 Er besucht eine Kirche in Harlem. Eine Gemeinde von schwarzen Amerikanern. 2:14 Menschen, die unterdrückt werden. Die in Armut leben. 2:18 Hier sieht er, was es bedeutet, Glauben wirklich zu leben, nicht nur zu predigen, sondern zu handeln. 2:23 Diese Erfahrung wird ihn nie mehr loslassen. Als er 1931 nach Deutschland zurückkehrt, ahnt er 2:30 nicht, dass er in ein Land zurückkehrt, das bald in Flammen stehen wird. Zwei Jahre später ist Hitler an der Macht, 2:36 und Bonhoeffer stellt eine Frage, die seine Kollegen schockiert. Was soll die Kirche tun, wenn der Staat Unschuldige verfolgt? 2:43 Seine Antwort im April 1933 vor Berliner Pfarrern ist unmissverständlich Die Kirche muss bereit sein, dem Rat in die Speichen zu fallen. 2:52 Einige Zuhörer verlassen empört den Raum. Die meisten deutschen Christen wollen von solchem Widerstand nichts wissen. 2:59 Die Mehrheit der evangelischen Kirche macht mit. Bei den Nazis. 3:02 Sie nennen sich deutsche Christen. Sie wollen Hakenkreuz und Christuskreuz verbinden. 3:08 Bonhoeffer gehört zu den wenigen, die sich dagegen wehren. Im September 1933 gründet er mit anderen den Pfarrer Notbund. 3:16 Der Beginn der Bekennenden Kirche. Die Nazis wollen getaufte Juden aus dem Fahrdienst werfen. 3:21 Bonhoeffer sagt Wer nicht für die Juden schreit, darf auch nicht Gregorianische singen. 3:27 Es ist eine Kampfansage. Und sie macht ihn zur Zielscheibe. 3:31 1935 übernimmt er die Leitung einer geheimen Predigerschule in Finkenwalde. 3:36 Hier lebt er mit seinen Studenten wie in einem Kloster. Gemeinsames Gebet, gemeinsames Leben. 3:42 Aber es ist keine weltfremde Frömmigkeit. In seinem Buch „Nachfolge" prägte ein Begriff, 3:48 der bis heute nachhallt, die „billige Gnade". Damit meint er Gnaden ohne Folgen, ohne Opfer, ohne Risiko. 3:56 Dagegen stellt er die Treue, Gnade, die Gnade, die das ganze Leben fordert. Im September 1937 schlägt die Gestapo zu. 4:04 Die Schule wird geschlossen. 27 Studenten werden verhaftet. 4:08 Bonhoeffer erhält Rede und Schreibverbot. Er wird aus Berlin ausgewiesen. 4:12 Jetzt hat er zwei Möglichkeiten Ins Ausland fliehen oder bleiben und kämpfen. Im Juni 1939 reist er tatsächlich nach Amerika. 4:22 Freunde haben ihm eine Professorenstelle besorgt. Er ist in Sicherheit. 4:26 Aber schon nach wenigen Wochen kehrt er zurück. In seinem Tagebuch schreibt er. 4:31 Ich muss diese schwere Zeit unserer Geschichte mit den Christen in Deutschland durchleben. 4:35 Ich werde kein recht haben, am Wiederaufbau nach dem Krieg mitzuwirken. Wenn ich die Prüfung dieser Zeit nicht mit meinem Volk teile. 4:42 Es ist eine Entscheidung, die ihm das Leben kosten wird. 1940 passiert etwas Merkwürdiges. 4:48 Bonhoeffer, der Staatsfeind, wird plötzlich Mitarbeiter der Abwehr des militärischen Geheimdienstes. 4:55 Offiziell soll er seine Kontakte im Ausland nutzen. Die Wahrheit ist eine andere. 5:00 Sein Schwager Hans von Dohnanyi arbeitet in der Abwehr unter Admiral Wilhelm Canaris. 5:06 Und im Herzen der Abwehr hat sich eine Gruppe gebildet, die etwas plant, das niemand laut ausspricht. 5:11 Sie wollen Hitler töten. Bonhoeffer wird Teil dieser Verschwörung. 5:16 Der Pastor wird zum KURIER des Widerstands. Er reist durch Europa, in die Schweiz, nach Italien, nach Schweden. 5:23 Unter dem Deckmantel der Spionage trifft er sich mit Vertretern der Kirche im Ausland. 5:29 Im Mai 1942 kommt es zum entscheidenden Treffen in Schweden. 5:34 Bonhoeffer trifft heimlich Bischof George Ball aus England. Er enthüllt ihm die Existenz des deutschen Widerstands. 5:41 Er nennt Namen Ludwig Baeck, Carl Friedrich Goerdeler, Hans Oster. 5:47 Er bittet um ein Zeichen der Alliierten, ein Signal, dass sie bereit wären, mit einem anderen Deutschland zu verhandeln. 5:52 Nach Hitler. Die Antwort ist vernichtend. 5:56 Die britische Regierung lehnt ab. Nur bedingungslose Kapitulation. 6:00 Keine Unterscheidung zwischen Nazideutschland und einem anderen Deutschland. 6:05 Bonhoeffer ist am Boden zerstört, aber er macht weiter. Gleichzeitig ist er an einer gefährlichen Rettungsaktion beteiligt. 6:12 Im September 1942 gelingt es 14 Menschen zu retten, die als Juden verfolgt werden. 6:19 Sie werden als angebliche Agenten in die Schweiz geschleust. Die Aktion wird später Unternehmen sieben genannt. 6:24 Es ist ein kleiner Sieg, aber genau diese Aktion wird ihm zum Verhängnis. Am 5. 6:30 April 1943 klingelt es an der Tür des Elternhauses in Berlin. Gestapo. 6:36 Sie führen Dietrich ab. Auch sein Schwager wird verhaftet. 6:39 Der offizielle Vorwurf Betrug mit Geld. Die wahre Verschwörung bleibt zunächst unentdeckt. 6:45 Noch 18 Monate verbringt Bonhoeffer im Militärgefängnis in Berlin Tegel. Die ersten Tage sind die Hölle. 6:52 Einzelhaft, sinkende Decken, Brot auf dem Boden. Er notiert Gedanken an Selbstmord. 6:58 Aber dann helfen ihm freundliche Wärter. Sie ermöglichen ihm, Briefe zu schreiben. 7:03 An seinen engsten Freund Eberhard Bethge. Diese Briefe werden später als Buch veröffentlicht. 7:09 „Widerstand und Ergebung". zählen zu den wichtigsten religiösen Texten des 20. 7:13 Jahrhunderts. In diesen Briefen ringt Bonhoeffer mit der Frage, die ihn nicht loslässt. 7:18 Darf ein Christ töten? Er kommt zu einer Antwort, die viele schockiert. 7:22 Er schreibt Wer schuldig werden will um der Verantwortung willen, der rechnet sich selbst und keinem anderen Menschen zu. 7:29 Was er tut. Er steht unter Gottes Gnade und Verdammnis zugleich. 7:34 Es ist eine radikale Position. Bonhoeffer sagt ja, Tyrannenmord kann richtig sein. 7:39 Aber derjenige, der ihn begeht, wird schuldig. Er kann sich nicht auf Gottes Willen berufen. 7:45 Er muss die Schuld auf sich nehmen und Gott um Gnade bitten. Es ist die Ethik des geringeren Übels. 7:52 Die Theologie des schmutzigen Gewissens. Dann kommt der 20. 7:55 Juli 1944. Das Attentat auf Hitler scheitert. 8:00 Oberst Stauffenberg hat eine Bombe im Hauptquartier platziert. Aber Hitler überlebt. 8:05 Die Rache ist gnadenlos. Tausende werden verhaftet, Hunderte hingerichtet. 8:10 Im September werden in einem Bunker in Zossen Akten gefunden. Dokumente von Hans Dohnanyi. 8:15 Sie enthüllen die ganze Verschwörung. Jetzt wissen die Nazis alles. 8:19 Hitler befiehlt persönlich. Alle töten. Bonhoeffer wird in den Keller des Gestapo Hauptquartiers verlegt. 8:26 Prinz Albert Straße in Berlin. Dann ins Lager Buchenwald. 8:30 Im April 1945, als das Reich zusammenbricht, beginnt die letzte Odyssee. 8:36 Ein Bus transportiert ihn und andere Gefangene durch Deutschland. Am 8. 8:41 April, dem Sonntag nach Ostern, hält Bonhoeffer in einem Schulhaus in Bayern eine letzte Andacht. 8:46 Der Bibelvers des Tages lautet Durch seine Wunden sind wir geheilt. Kaum hat er geendet, stehen zwei Männer an der Tür. 8:54 Gefangener Bonhoeffer. Mitkommen. Alle im Raum wissen, was das bedeutet. 8:59 Einem britischen Mitgefangenen gibt er die letzte Botschaft mit. Für Bischof Bell. 9:04 Das ist für mich das Ende. Aber auch der Beginn. 9:08 In der Nacht findet im Lager Flossenbürg ein Scheingericht statt. Keine Verteidigung, keine Zeugen, nur ein Todesurteil. 9:16 Im Morgengrauen werden die Verurteilten in den Innenhof geführt. Admiral Canaris, General Oster, Dietrich Bonhoeffer. 9:23 Der Lagerarzt beobachtet, wie Bonhoeffer mutig und ruhig die Treppe zum Galgen steigt. 9:28 Es ist der 9. April 1945. 9:31 Zwei Wochen später wird das Lager befreit. Vier Wochen später ist der Krieg vorbei. 9:37 Dietrich Bonhoeffer wurde 39 Jahre alt. Er hinterließ keine Kinder. 9:41 Seine Verlobte Maria sah er nie wieder. Was er hinterließ, 9:45 sind Worte und eine Frage, die bis heute niemand beantworten kann. Hatte er recht? 9:51 Darf ein Christ töten, um Tausende zu retten? Bonhoeffer sagte Ja. 9:56 Aber er sagte auch derjenige, der es tut, wird schuldig. Er kann nicht mit reinem Gewissen töten. 10:02 Er muss die Last der Schuld tragen, um auf Gottes Gnade zu hoffen. Es ist eine Antwort, die unbequem ist, 10:09 die keine einfachen Lösungen bietet. Aber vielleicht ist das der Punkt. 10:13 Vielleicht gibt es in extremen Zeiten keine reinen Hände. Vielleicht fordert Verantwortung, manchmal schuldig zu werden. 10:20 Bonhoeffer schrieb wenige Wochen vor seinem Tod „Von guten Mächten wunderbar geborgen, 10:25 erwarten wir getrost, was kommen mag". Diese Zeilen werden bis heute gesungen 10:31 in Kirchen, bei Beerdigungen, bei Hochzeiten. Sie sind zum Trost für Millionen geworden. 10:37 Aber Bonhoeffer war kein Heiliger. Er war ein Mann, der eine unmögliche Entscheidung treffen musste 10:43 und der bereit war, den Preis dafür zu zahlen mit seinem Leben. Am Galgen von Flossenbürg. 10:49 Wenn dir dieses Video gefallen hat, freue ich mich über ein Like. 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