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Theodor Storm: Im Sonnenschein | HÖRBUCH | AUDIOBOOK

vorleser • kostenlose Hörbücher27:28 1.868 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 175 Zeilen
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  1. [Musik] vorleser net leidenschaftlich literarisch
  2. theodor storm sonnenschein erstens in den höchsten zweigen des apfelbaumes
  3. der an der gartenseite des hauses stand trieben die starre ihr wesen sonst war es still denn es war sommer nachmittag zwischen 1 und 2
  4. aus der gartentür trat ein junger reiter offizier in weißer fest täglicher uniform den kleinen dreieckigen federhut schief auf den kopf gedrückt und sah
  5. nach allen seiten in die gänge des gartens hinab dann seinen rohrstock zierlich zwischen den fingern schwingend horchte er nach einem offen stehenden
  6. fenster im oberen stockwerke hinauf aus dem sich in kleinen pausen das klirren holländischer café schälchen und die stimmen zweier alten herren deutlich
  7. vernehmen ließen der junge mann lächelte wie jemand dem was liebes wieder fahren soll indem er langsam die kleine garten
  8. treppe hinunter stieg die muscheln mit denen der breite stark gestreut war knirschten an seinen breiten spuren bald apa trat er behutsam auf als wolle er
  9. nicht bemerkt seien gleichwohl schien es ihn nicht zu stören als ihm aus einem seitengang ein junger mann in bürgerlicher kleidung mit sauber
  10. gepuderte frisur entgegen kam ein ausdruck brüderlichen fast zärtlichen vertrauens zeigte sich in beiden klubs also sich schweigend die hände reichten
  11. der syndikus ist roben die alten herren sitzen am tisch sagte der junge bürger indem er eine starke goldene uhr hervor zog ihr habt zwei volle stunden gehen
  12. nur du kannst rechnen helfen er zeigte bei diesen worten den steig entlang nach einem hölzernen lust häuschen das oft fehlen über den
  13. unterhalb des gartens vorüber strömenden fluss hin ausgebaut war ich danke dir fritz du kommst doch zu uns der angeredet schüttelte den kopf
  14. werbepost tag sagte er und ging dem hause zu der junge offizier hatte den hut in die hand genommen und ließ während er den
  15. steigt hinab ging die sonne frei auf seine hohe stirn und seine schwarzen ungeförderten haare scheinen so hatte er bald den schatten des kleinen pavillons
  16. der gegen morgen lag erreicht die eine flügeltür stand offen er trat vorsichtig auf die schwelle aber die jalousien schienen von allen seiten
  17. geschlossen es war so dämlich drinnen dass seine noch eben des vollen sonnenlichts gewöhnten augen erst nach einer ganzen
  18. weile die jugendliche gestalt eines mädchens aufzufassen vermochten die inmitten des zimmers an einem marmortisch in sitzend zahl um zahl mit
  19. sicherer hand in einen vor ihr liegenden foliant eintrug der junge offizier blickte verhaltenen atems auf das geforderte köpfchen das über den
  20. blättern schwebend wie von dem zuge der feder harmonisch hin und wieder bewegt wurde dann als einige zeit vorüber gegangen zog er seinen degen eine
  21. handbreit aus der scheide und ließ ihn mit einem stoß zurückfallen dass es einen leichten klang gab ein lächeln trat um den mund des
  22. mädchens und die dunklen augen wimpern hoben sich ein weniges von den wangen und fuhr dann aber als hätten sie sich besonnen streifte sie nur den ärmel der
  23. amaranth farben konnte zurück und tauchte aufs neue die feder ein der offizier da sie immer nicht auf blickte tat einen schritt ins zimmer und
  24. zog ihr schweigen die feder durch die finger dass die tinte auf den nägeln blieb herr kapitän rief sie und streckte ihm
  25. die hand entgegen sie hatte den kopf zurück geworfen ein paar tief graue augen waren mit dem ausdruck nicht allzu ernsthaften germans
  26. auf ihn gerichtet er pflückte einreden blatt draußen vom spalier und wünschte ihr sorgfältig die tinte von den fingern sie liest es ruhig an sich geschehen
  27. dann aber nahm sie die feder und fing wieder an zu arbeiten rechner ein andermal frentzen sagte der junge mann
  28. sie schüttelte den kopf morgen ist kloster rechnungs tag ich muss das fertigmachen und sie setzt ihre arbeit fort
  29. du bist ein fehler hält ich bin eine kaufmannstochter er lacht viel lachen nicht du weißt wir können die soldaten eigentlich nicht
  30. leiden 4 welche wir sind das nun constantin und dabei rückte ihre feder addieren die zahlen rhein hinunter wir die ganze
  31. firma du auch frentzen und sie ließ die feder fallen und warf sich an seine brust dass ich ein
  32. leichtes puder wörtchen über ihren köpfen erhob sie strich mit der hand über seine glänzend schwarzen haare wie eitel du bist sagte sie indem sie
  33. den schönen mann mit dem ausdruck wohlgefälligen stolzes betrachtete von der stadt herüberkam der schall einer militärmusik die augen des jungen
  34. kapitäns leuchteten das ist mein regiment sagte er und hielt das mädchen mit beiden armen fest sie bog sich lächelnd mit dem oberkörper von
  35. ihm ab es hilft dir aber alles nicht was sollen daraus werden sie hob sich auf den fußspitzen zu ihm
  36. herr an und sagte eine hochzeit aber die firma frentzen ich bin meines vaters tochter und sie sah ihn mit ihren klugen augen an
  37. in diesem augenblick drang in scheinbar unmittelbarer nähe vom oberen stockwerk des hauses der laut einer harten stimme zu ihnen herüber
  38. die stare flogen schreiend durch den garten der junge offizier wie in unwillkürliche bewegung schloss das mädchen fester in seine arme was hast du
  39. sagte sie die alten herren haben die erste partie gespielt nun stehen sie am fenster und papa macht das wetter für die nächste woche
  40. er sah durch die tür in den sonnenbeschienenen garten hinaus ich habe dich sagte er es darf nicht anders werden
  41. sie legte schweigend einige male den kopf dann machte sie sich los und drängte ihn gegen die tür gehen nun sagte sie ich komme bald ich lass dich
  42. nicht allein er fasste ihr zartes gesichtchen in seine hände und küsste sie dann ging er zur tür hinaus und seitwärts den steig
  43. hinauf an dem liguster zaun entlang der das tiefere flussufer von dem garten trennte so während seine augen dem unaufhaltsamen für überströmen des
  44. wassers folgten gelangte er an einen platz wo das marmorne bild einer flora inmitten sauber geschorener buchsbaum arabesken stand die zwischen den
  45. schnörkeln eingelegten porzellan scherben und glas korallen schnüre leuchteten zierlich aus dem grünen hervor
  46. ein scharfes aromen erfüllte die luft und er mischt zuweilen mit dem duft der provinz rosen die hier zu ende des steiges an der gartenmauer standen an
  47. der ecke zwischen diesem und im register ziehen war eine laube tief verschattet von wucherndem geißblatt der kapitän schnallte seinen degen ab und setzte
  48. sich auf die kleine bank dann begann er mit der spitze seines rohrstock einen buchstaben um den anderen in den boden zu zeichnen
  49. die er immer wieder als könne ein geheimnis durch sie verraten werden bis auf den letzten zug zerstörte so trieb er es eine zeitlang bis seine
  50. augen an dem schatten einer geißblatt rang haften blieben an deren ende er die feinen röhren der blüte deutlich zu erkennen vermochte
  51. bald im längeren betrachten bemerkte er daran den schatten eines lebendigen der langsam an dem stängel hinauf kroch er seitdem eine weile zu dann aber stand er
  52. auf und blickte über sich in das gewinde ranken um die gefährdete blüte zu entdecken und das ungeziefer herunter zu schlagen aber die sonnenstrahlen brachen
  53. sich zwischen den blättern und blendeten ihn musste die augen abwenden also sich wieder auf die bank gesetzt hatte sah er wie zuvor die ranke scharf
  54. und deutlich auf dem sonnigen boden liegen nur zwischen den schlanken kelchen der schatten blüte haftete jetzt eine dunkle masse die von zeit zu zeit
  55. durch zuckende bewegungen eine emsige tierische tätigkeit verriet er wusste nicht wie es ihn überkam er stieß nach dem arbeitenden klumpen
  56. mit seinem rohrstock aber über ihm ging der sommerwind durch das g zweige und die schatten rutschten ineinander und entwischte nie mehr wurde eifrig er
  57. spreizt die knie auseinander und wollte eben zu einem neuen stoße ausholen der trat die spitze eines seidenen mädchen schoss ihm in die sonne
  58. er blickte auf franziska stand vor ihm die feder hinterm ohr deren weiße fahne wie ein tauben fit ich von den gepuderten köpfchen abstand sie lachte
  59. eine ganze weile und hörbar ist da es nur er lehnte sich zurück und blickte sie voll entzücken an
  60. sie lachte so leicht so mühelos es lief über sie hin wie ein windhauch über dem see so lachte niemand anders was treibst du da rief sie endlich
  61. dummes zeug frentzen ich spaziere mit den schatten das kannst du bleiben lassen er wollte ihre beiden hände fassen sie
  62. aber die in diesem augenblick sich nach der gartenmauer umgesehen zog ein messer aus ihrer tasche und schnitt damit die aufgeblühten rosen aus den büschen
  63. ich werde potpourri machen auf den abend sagte sie während sie die rosen an der erde sorgfältig zu einem häufchen zusammen legte
  64. er sah geduldig zu er wusste schon man musste sie gewähren lassen und nun fragte er nachdem sie das messer wieder eingeschlagen und in den schlitz
  65. ihrer robe hatte gleiten lassen nun constantin beisammensein und die stunden schlagen hören und so geschah es vor ihnen drüben
  66. in dem zitronenbaum flog der buchfink ab und zu und sie hörten tief im laube das kreischen der nestlinge dann wieder ihnen selber kaum bewusst drang das
  67. schluchzen des unterhalb fließenden wassers an ihr ohr mitunter sank eine capri folien blüte zu ihren füßen von viertelstunde zur viertelstunde schlug
  68. drüben im hause die amsterdamer spieluhr es wurde ganz stille zwischen ihnen aber der drang den geliebten namen leibhaftig vor sich ausgesprochen zuhören überkam
  69. den jungen mann frentzen sagte er halb laut constantin und es wird er nach der langen stille durch ihre
  70. stimme überrascht und ihm erst jetzt das geheimnis ihres klanges offenbar sagte er du sollst singen frentzen sie schüttelte
  71. den kopf du weißt es taugt für bürger mädchen nicht er schwieg einen augenblick dann fasste er ihre hand und sagte sprich
  72. nicht so auch nicht im scherz du hattest du schon lektion beim kanton was ist das denn sie sah ihn ernsthaft an bald aber brach
  73. ein lustiger glanz aus ihren augen nein rief sie schaue nicht zu finster ich will es dir sagen ich rechne zu gut
  74. er lachte und sie lachte mit bist du mir aber auch zu klug franziska vielleicht sagte sie und ihre stimme erhielt plötzlich einen tiefen
  75. herzlichen klang als er sagte du weißt doch gar nicht wie als du erst hier in der stadt versetzt warst und dann zu meinem bruder fritz ins haus kam war ich
  76. ein kleines mädchen das noch zwei volle schuljahre vor sich hatte nachmittags wenn ich nach hause gekommen schließe ich mich öfters in den saal und stellte
  77. mich daneben wenn ihr euch im rapid und du wolltest keine notiz von mir nehmen einmal sogar als deine klinge mehr in die schürze vor da sagte c't du setzt
  78. dich ins fenster kind du weißt du nicht was das für böse wort waren nun aber begann ich auf allerlei listen zu singen wenn nachbarskinder bei
  79. mir waren suchte ich dich durch eins der anderen mädchen ich selber hätte es nicht getan zur teilnahme an unseren spielen zu
  80. veranlassen und wenn du dann in unseren reihen standest nun frentzen dann lief ich so oft an dem
  81. vor über bist du mich endlich doch an meinem weißen kleidchen haschen musstest sie war dunkelrot geworden er legte seine finger zwischen ihre und
  82. hielt sie fest umschlossen nach einer weile sei sie schüchtern zu ihm auf und fragte hast du denn nichts gemerkt
  83. doch endlich sagte er ich groß geworden und dann wie kam es denn mit dir
  84. er sah sie an als müsse er ihr antlitz befragen ob er reden dürfe wer weiß sagte er ob sg gekommen wäre aber die frau so nicole sagte einmal
  85. so spricht doch constantin nein mir zuliebe erst einmal den steigt hinauf zitat ist nachdem sie die
  86. abgeschnittenen rosen in ihre schürze gesammelt ging sie ohne ein wort zu sagen nach dem garten hause und trat bald darauf mit leeren händen wieder aus
  87. der tür sie hatte zierliche füße und einen bekannten schritt aber sie stieß im gehen unmerklich fast mit den knien
  88. gegen das gewand der junge mann folgte dieser bewegung so wenig schön sie sein mochte mit den glücklichsten augen er merkt es kaum als die geliebte jetzt
  89. wieder vor ihm stand nun fragte sie was sagte die frau sündiger oder war es eine von ihren sieben töchtern sie sagte und er ließ seine augen
  90. langsam auf ihre feinen gestalt hinauf gleiten sie sagte die marcel frentzen ist eine angenehme person aber gehen tut sie wie eine bachstelze und u & friends
  91. ihren legte die hände auf den rücken ineinander und so freudestrahlend auf ihn nieder seitdem fuhr er fort konnte ich nicht
  92. wieder von mir bringen überall habe ich müssen dich vor mir gehen und hantieren sehen sie stand noch immer vor ihm schweigend
  93. und unbeweglich was hast du fragte er du siehst so stolz und vornehm aus sie sagte es ist das glück
  94. eine welt voll und er zog sie mit beiden armen zu sich nieder zweiter es war eine andere zeit wohl über 60
  95. jahre später aber es war wieder an einem sommernachmittag und die rosenblüten auch wieder zumal in dem oberen zimmer nach dem garten hinaus sei es eine alte
  96. frau auf ihrem schoß den sie mit einem weißen schnupft hoch über breitet hatte hielt sie eine dampfende kaffeetasse doch stehen sie heute des gewohnten
  97. krankes zu vergessen denn nur selten und wie in gedanken führte sie die tasse an den mund nicht weit davon dem sofa gegenüber saß
  98. ihr enkel ein mann über die zeit der vollsten jugend noch kaum hinaus er stützte seinen kopf in die hand und blickte nach den kleinen familienbildern
  99. die in silberner fassung über dem sofa hängen der großvater die urgroßeltern tante frentzen des großvaters schwester sie
  100. waren lange tot er hatte sie nicht gekannt nun ließ er seine augen von einem zum anderen gehen wie er schon oft getan
  101. wenn er mit der großmutter in der stillen nachmittagsstunde beisammen saß auf tante friends ins bilde schienen die farben am wenigsten verglichen
  102. obwohl sie vor den eltern und lange vor dem bruder gestorben war die rote rose in der weißem puder frisur war noch wie frisch gepflückt auf der
  103. amaranth farben konnte zeichnete sich deutlich ein blaues medaillon das an einem dunklen bande vom halse auf die brust herabhängen
  104. der enkel konnte nicht die augen wänden von diesen kargen spuren eines dahin gegangenen lebens erblickte fast mit inbrunst in das feine blasse gesichtchen
  105. der garten wie er ihn als knabe noch gesehen trat vor seine fantasie er sah sie darin wandeln zwischen den seltsamen buchsbaum zügen ihr hörte das knistern
  106. ihres schuhs auf den muschel steigen das rauschen ihres kleides aber die gestalt die er so heraufbeschworen blieb allein gebannt in den grünen fleckchen
  107. das vor seinem inneren auge stand was sich um die lebende einst mochte bewegt haben ihre gespielinnen die töchter aus den alten finsteren patrizierhäusern der
  108. freund der nach ihr späte zwischen den büschen des gartens hatte er keine macht ihr zu gesellen wer weiß von ihnen sprache vor sich hin
  109. dass kleine medaillon war ihm wie ein siegel auf der brust des vor so langer zeit verstorbenen mädchens die großmutter setzte die tasse auf die
  110. fensterbank sie hat den sprechen hören unsere gruft gewesen martin fragte sie und sind die reparaturen bei zustande
  111. großmutter es muss alles in ordnung sein wir haben in unserer familie immer auf reputation gehalten es wird alles in ordnung kommen sagte
  112. der enkel aber es ist ein sack eingestürzt der hat ein aufschub gegeben sind denn die eisenstangen abgerüstet das nicht er stand zuhinterst neben dem
  113. gitter das wasser ist darauf getropft das muss tante frentzen sein sagte die großmutter nach einigem besinnen lag dann ein kranz darauf martin sei die
  114. großmutter an ein kranz ich weiß es nicht er mag auch wohl vergangen sein die kreise nickte langsam mit dem kopf
  115. und sah eine weile schweigend vor sich hin na ja sagte sie dann fast wie beschämt es ist nun freilich schon über 50 jahre
  116. her dass sie begraben wurde ihr fächer der mit schmelz und flitter liegt noch drüben im saal in der spiegel kommode
  117. ich habe ihn aber gestern nicht finden können der enkel vermochte ein lächeln nicht zu unterdrücken die großmutter bemerkte es
  118. und sagte seine braut der wildfang ist mir wohl wieder über meinen kram gewesen hier sollten wir das nicht zu eurem possen gebrauchen
  119. aber großmutter wie sie neulich abends in deinem reifrock durch den garten prominenter ihr werdet alle eifersüchtig geworden wenn sie 91 so in eure laube
  120. getreten wäre du bist ein eitler junge martin freilich fuhr er fort die fremden braunen augen hat sie nun einmal
  121. sie kommen jetzt ohne gnade in die familie nun sagte die großmutter die braunen augen sind schon gut wenn nur ein gutes
  122. herz heraus schaut aber den fächer soll sie mir in ehren halten tante frenzel trug ihn auf deines großvaters hochzeit und mich dünkt ich
  123. sehe sie noch mit der dunkelroten rosen den haaren nachher hat sie dann nicht gar lange mehr gelebt es war eine große liebe zwischen den geschwistern
  124. sie hat ihrem bruder dazumal auch ihr porträt geschenkt und dein großvater hat es so lange erlebte bei sich in seiner schreibt schatulle gehabt späterhin wäre
  125. es denn hierher zu ihm und zu den eltern sie ist wohl schön gewesen großmutter fragte der enkel in dem er nach dem bilde hinüber blickte
  126. die großmutter schien ihn nur halb zu hören sie war ein kluges frauenzimmer sagte sie und sehr geschickt in der feder
  127. während ein großvater in massiver und auch wohl später noch hat sie dem alten vater alle jahre die kloster rechnungen ausgeschrieben denn er war
  128. klostervorsteher und dann im rats verwalter er zweiter bürgermeister wurde sie hatte auch eine schlanke wohlproportionierte figur und ein
  129. großvater pflegte sie wohl mit ihren feinen händen zu necken aber heiraten hat sie nie malen wollen gab es denn derzeit keine jungen männer
  130. in der stadt oder haben ihr die freien nicht gefallen das sagte die großmutter in dem sie mit den händen über ihren shows strich dass
  131. mein liebes kind hat sie mit sich in ihr grab genommen man sagte wohl sie habe einmal einen leiden können gott mag es wissen
  132. es war ein freund seines großvaters und ein report ehrlicher mensch aber er war offizier und edelmann und ein großvater war immer sehr gegen das militär eines
  133. großvaters hochzeit tanzen sie miteinander und ich erinnere mich wohl sie machten ein schönes paar zusammen unter den leuten dann sie ihn nur den
  134. franzosen denn er hatte raben schwarzes haar das er nur selten pudern dies wenn er nicht just im dienste war es ist aber das letzte mal gewesen
  135. er nahm bald darauf seinen abschied und kaufte sich weit von hier einen landsitz wo er noch einige zeit nach seines großvaters tode mit einer
  136. unverheirateten schwester gelebt hat der enkel unterbrach sie es muss damals ein anderes ding gewesen sein um die herzens geschichten sagte er
  137. nachdenklich ein anderes ding wiederholte die großmutter in dem sie ihrem körper für einen augenblick die haltung der jugend wiederzugeben suchte
  138. wir hatten so gut ein herz wie ihr und haben unser teil dafür leiden müssen aber vor sie beruhigt er fort was wisst ihr junges volk auch wie es dazu man war
  139. ihr habt die harte hand nicht über euch gefühlt ihr wisst es nicht wie mäuschen stille wir bei unseren spielen wurden wenn wir den rohrstock unseres vaters
  140. nur von ferne auf den stein nörten martin spann auf und fasste die hände der großmutter sagte sie es mag vielleicht besser sein
  141. so wie es jetzt so ist seit glückliche kinder aber seines großvaters schwester lebte in den alten tragen
  142. seit wir nach unserer hochzeit das untere stockwerk hier im hause bewohnten kamen sie gern zu uns herunter manchmal auch sah sie stundenlang bei
  143. seinem großvater im kontor und half ihm bei seinen schreiberei im letzten jahre seit ihre kräfte abzunehmen anfing fand ich sie wohl zuweilen über ihren
  144. rechnungsbüchern eingeschlafen sein großvater saß dann stille ford arbeitet ihr gegenüber an der anderen seite des pulses und ich erinnere mich noch gar
  145. wohl an dass trauer volle lächeln womit er wenn ich zu ihnen eintrat mich auf die schlafende schwester aufmerksam zu machen pflegte
  146. die erzählerin schwejk eine weile und blickte mit weit geöffneten augen vor sich hin während sie mechanisch ihre tasse schwenkte und mit behutsamkeit die
  147. neue aus schlüpfte dann nachdem sie die tasse neben sich auf die fensterbank gestellt hatte sprach sie langsam weiter
  148. unsere alte anne konnte nicht genug davon erzählen wie lustig und umgänglich ihre mamsell in jüngeren jahren gewesen sei auch war sie die einzige von den
  149. kindern die bei gelegenheit mit dem vater ein wort zu reden sagte solange ich sie gekannt ist sie immer still und für sich gewesen zumal wenn der vater im
  150. zimmer war sprach sie nur das notwendige und wenn sie just gefragt wurde was da passiert sein mag dein großvater hat nie davon gesprochen nun sind sie alle
  151. längst begraben der enkel betrachtete das bild des urgroßvaters und seine augen blieben an den strengen linien haften die den
  152. starken mund von den wangen schieben es muss ein harter mann gewesen sein sagte er die großmutter nicht
  153. er hat seine söhne bis in ihr 30 jahr erzogen sagte sie sie haben darum bis in ihr spätes alter auch niemals so recht einen willen gehabt dein großvater des
  154. oft genug beklagt er wäre am liebsten ein gelehrter geworden wie du es bist aber die firma verlangte einen nachfolger es waren damals eben andere
  155. zeiten martin um das bild des großvaters von der wand das sind milder augen sagte er die
  156. großmutter streckte die hände aus als wollte sie aus ihrem leben stuhl aufstehen dann ließ sie langsam ineinander sinken
  157. eher wohl mein kind sagte sie das waren müde augen er hatte keine feinde nur einen mitunter und das war er selber die alte haushälterin trat er ein es ist
  158. einer von den bauleuten draußen erwünscht den herren zu sprechen gehen aus martin sagte die großmutter was ist das denn an sie haben etwas in
  159. der gruft gefunden erwiderte die alte ein schaustück oder so etwas die särge der alten herrschaften wollen schon nicht mehr halten
  160. die großmutter neigte ein wenig das haupt dann blickte sie in der stube umher und sagte mach das fenster zu einer es duftet mehr so stark die sonne
  161. scheint draußen auf die buchsbaum rabatten die frau hat weder ihre gedanken murmelte die alte dienerin denn der
  162. buchsbaum war vor über 20 jahren fort genommen und mit dem glas korallen schnüren hatten derzeit die knaben pferd gespielt aber sie sagte nichts
  163. dergleichen sondern schloss wie ihr geheißen war das fenster danach stand sie noch eine weile und sah durch die zweige des hohen ahorn baums
  164. nach dem alten lust häuschen hinüber wo hinaus sie vor zeiten ihren jungen herrschaften so auf das kaffeegeschirr hätte bringen müssen und wo die kranke
  165. mamsell so manchen nachmittag gesessen hatte nun öffnete sie die tür und martin trat hastigen schrittes herein
  166. du hattest recht sagte er in dem er tante frenzels bild von der wand nahm und es an dem silbernen schleifchen der großmutter vor die augen hielt der maler
  167. durfte nur die kapsel des medaillons malen der offene kristall hat auf ihrem herzen gelegen ich habe oft genug gefragt was er
  168. verberge nun weiß ich es denn ich habe macht es um zu wenden und er legte ein verstaubtes kleinod auf die fensterbank das des grünen rostes
  169. ungeachtet der es überzogen hatte als das original zu der zeichnung auf tante friends ins bilde nicht zu verkennen war das sonnenlicht brach durch den trüben
  170. kristall und beleuchtete im innern eine dunkle haarlocke die großmutter setzte schweigend ihre brille auf dann ergriff sie mit
  171. zitternden händen das kleine medaillon und neigte tief das haupt darüber endlich nach einer ganzen weile wo in dem stillen zimmer nur der unruhige atem
  172. der alten frau vernehmlich war legte sie es behutsam von sich und sagte was es wieder an seinen ort bringen martin
  173. es taugt nicht in die sonne und fügte sie hinzu indem sie das tuch auf ihrem schoß sorgsam zusammenlegte auf den abend bringen mir deine braut es muss in
  174. den alten schubladen noch irgendwo ein hochzeits cathleen stecken wir wollen proben wie es zu den braunen augen lässt
  175. [Musik] vorleser net klassiker der weltliteratur