Politische Gerechtigkeit PhiloCast https://www.youtube.com/watch?v=ebYWuqL-cWk Transkript (automatisch erstellt) 0:00 ja willkommen zur aktuellen Sendung im Seminar über politische Philosophie heutiges Thema ist das Thema politische Gerechtigkeit der Begriff der 0:10 Gerechtigkeit ist sehr zentral im politischen Weiler unser Zusammenleben auf eine Weise bestimmt die das Zusammenleben 0:19 angenehm verträglich stabile macht und weil der Begriff der Gerechtigkeit auch das Verhältnis zwischen Individuum und kollektiv Gemeinschaft Gesellschaft auf 0:33 eine sehr verständliche Weise herstellen lässt gerecht sind Individuen Bericht können aber auch soziale Strukturen sein und das Grundproblem der 0:45 politischen Philosophie besteht ja darin wie sich das Verhältnis gestaltet zwischen den einzelnen Personen den Individuen ihren Eigenschaften ihren 0:55 Vermögen und dem Kollektiv dem Person Verbund oder auch noch stärkeren Systemen wie Staaten oder Bürgerschaften Polis hat man das in der 1:08 Antike genannt wie ist dieses Verhältnis genau zu verstehen und für dieses Verständnis hilft uns der Begriff der Gerechtigkeit 1:17 wir werden diese Thematik der Gerechtigkeit der politischen Gerechtigkeit anhand von John ralls diskutieren einem sehr bedeutenden 1:27 amerikanischen Philosophen der eine Theorie der Gerechtigkeit verfasst hat die sich sehr gut auf den Bereich des politischen anwenden lässt ich gebe 1:37 jetzt erstmal eine allgemeine Einführung in das Thema Gerechtigkeit wichtig ist dass wir überhaupt alle politischen Begriffe auch alle moralischen Begriffe 1:48 überhaupt alle philosophischen Begriffe zunächst eine Abgrenzung vornehmen von dem Gegenteil also hier interessiert auch immer der Begriff der 1:57 Ungerechtigkeit wie verhalten sich Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit zueinander eine weitere Frage ist die genaue Beziehung zwischen Gerechtigkeit 2:07 und Recht Rechte sind in der politischen Philosophie auch zentral vor allem natürlich die Grundrechte die uns hier 2:15 in Deutschland durch das Grundgesetz garantiert werden wie zum Beispiel freie meinungsäuß tun und so weiter und so fort das sind alles Grundrechte die 2:25 machen auch den Liberalen Zug unsere Gesellschaft aus also hier wie verhält sich Gerechtigkeit zurecht Gerechtigkeit kann als juristischer 2:37 Begriff in Rechtsordnungen verstanden werden er kann aber auch als philosophische Begriff verstanden werden und das ist ein Unterschied 2:45 Gerechtigkeit wird nämlich in philosophischer Hinsicht häufig auch als eine Charaktereigenschaft gefasst und in juristischer Hinsicht wird Gerechtigkeit 2:55 häufig an oder recht häufig gefasst als Eigenschaft eines Systems eines Vertrags eines Verhältnisses zwischen verschiedenen Parteien der 3:06 philosophische betrifft erlaubt es auch nur auf eine Charaktereigenschaft oder auf Charaktereigenschaften von Individuen angewendet zu werden es gibt 3:15 seine weitere wichtige Unterscheidung die Unterscheidung zwischen Naturrecht und positivem recht das besagt diese Unterscheidung diese 3:23 Unterscheidung betrifft die Frage nach begeltung und nach der Entstehung und der Begründung von recht Naturrecht bedeutet uns kommt das Recht von Natur 3:35 aus zu damit muss jetzt nicht unsere biologische Natur gemeint sein es ist möglich aber auch sowas wie ein Wesen also das Wesen des Menschen zum Beispiel 3:44 das Wesen ist die Natur von uns das heißt von Geburt an ohne soziale Umstände so wie wir eben immer schon sind das positive Recht hingegen 3:56 bedeutet das recht künstlich gesetzt ist das bedeutet auch positiv von lateinisch ohne setzen Leben stellt also sozial gesetztes Recht was uns nicht von Natur 4:07 auszukommen natürlich haben beide Formen von rechts oder bei der Auffassung von Recht vor und nachteile Naturrecht erlaubtes recht sehr stabil zu begründen 4:17 ohne Ausnahmen zu postulieren positives Recht hingegen ist ein recht 4:27 was vielleicht stärkeren Einwänden ausgesetzt sein könnte was die absolute geldung anbelangt auf der anderen Seite natürlich 4:36 ist es immer problematisch sowas wie ein Wesen anzusetzen das wirkt häufig wie eine bloße Voraussetzung die noch genauer begründet 4:46 werden muss und hier hat es das positive Recht wiederum leichter wenn es um die begründungslogik geht weil positives recht häufig einen Rechtssystem 4:56 enthalten ist aus einem Rechtssystem folgt und somit viel kognitiven nachvollziehbarer ist Gerechtigkeit ist eine Tugend in der 5:09 Philosophie häufig die auch als Personifikation der Justitia dargestellt wird man sieht hier die Augen sind verbunden das ist die Neutralität 5:20 Unparteilichkeit diese Waage hier gibt symbolisiert die Urteilsfindung die möglichst ausgewogen erfolgt und seine Allegorie und dieses 5:33 Schwert hier ist natürlich eine Art von macht wie auch immer man die macht sich jetzt vorstellen mag ob man damit die Exekutive meinte ja häufig von dir 5:41 judikativ Unterschieden ist das muss man jetzt noch offen lassen politische Gerechtigkeit bedeutet man muss fragen was macht unser 5:51 handelngerecht aber auch noch darüber hinaus was macht Gesellschaftsstrukturen oder gesellschaftlichen was macht unser Zusammenleben gerecht welche 5:59 intersubjektiven Strukturen fördern oder beeinträchtigen Gerechtigkeit diese Frage müssen wir uns stellen und natürlich auch wie sich Ungerechtigkeit 6:08 Gerechtigkeit zu Ungleichheit und Gleichheit Verhalten ist Gerechtigkeit dasselbe wie Gleichheit das scheint zunächst mal nahezulegen ist aber nicht 6:19 der Fall es ist viel komplexer müssen also immer auch auf den Begriff der Ungleichheit fokussieren 6:28 eine weitere Frage die man sich noch stellen kann ist die wie sich Neid und Gerechtigkeit zueinander zu halten ist Neid eine 6:38 gerechtfertigte Haltung gegenüber ungerechten Zuständen oder Kanal selbst auch eine ungerechte Einstellung sein das ist natürlich auch eine ganz 6:49 spannende Frage ich hatte schon gesagt in der Philosophie wird Gerechtigkeit häufig als Tugend als Charaktereigenschaft aufgefasst 6:57 Tugend und Gerechtigkeit ist ein normativer Begriff normativ bedeutet man macht hier Aussagen über den Wert einer Eigenschaft zum Beispiel eine 7:08 Charaktereigenschaft ist eine gute Eigenschaften man soll das haben Ungerechtigkeit ist auch ein normativer Begriff man soll das nicht haben man 7:16 soll nicht ungerecht sein es lässt sich aber auch als politisches Ideal verstehen als ein Zustand der vielleicht nie wirklich realisiert werden kann aber 7:24 zudem man hin Streben soll man kann sich auch ferner fragen wie sich Gerechtigkeit und Rechtfertigung das zueinander verhalten wir hatten 7:34 anhand der Justiz ja Allegorie gesehen dass sie eine Waage hat in der sie einen Urteil aus mittelt und auch rechtfertigt also Gründe angibt wird das Urteil und 7:46 sie diese Gründe gegeneinander abwägt und das scheint nahezulegen das Gerechtigkeit immer auch mit Rechtfertigung etwas zu tun haben muss 7:55 Gerechtigkeit muss begründet werden muss gerechtfertigt werden können andernfalls droht sie zu Ungerechtigkeit zu werden Gerechtigkeit ist eine Tugend eine 8:04 erstrebenswerte Charaktereigenschaft haben wir schon gesehen sie wird häufig im Kontext von anderen sogenannten Kardinal Tugenden diskutiert schon in 8:14 der Antike weitere kardinaltungen sind Mäßigung aber auch Tapferkeit und Weisheit das sind alles Formen von aus mittelungen von 8:26 extremen Zuständen die hier in der Tugend eine gesunde Mitte nach aristotel ist befunden haben wir haben hier wieder gesehen dass die Tugenden häufig auch 8:37 von dem Individuum auf Kollektiv übertragen werden wir hatten gesehen ich mache oben rechts ein Link rein zu historischen Übersicht bei Platon und 8:46 seiner Konzeption des idealen Staates dass er den philosophenkönigin auch eine Tugend zuspricht nämlich die der Weisheit und er spricht dem näher stand 8:56 den Bäuerinnen und Bauern den Handwerkerinnen Handwerkern die Tugend der Tapferkeit nicht zu sondern die der mäßige und Besonnenheit und dem 9:04 Widerstand also dem Polizistinnen den Soldaten den spricht er die Tugend der Tapferkeit zu also man sieht hier wieder man kann das Individuum immer auch auf 9:15 das Kollektiv beziehen hinsichtlich seine Eigenschaften Gerechtigkeit kann eine individuelle Charaktereigenschaft sein aber auch eine politische 9:22 Strukturen und die soll es heute gehen Gerechtigkeit ist ein relativ und situative Begriff Gerechtigkeit betrifft immer die Frage zwischen verschiedenen 9:33 Gruppierungen deren Verhältnis betrachtet wird in bestimmten Kontexten in einer bestimmten Situation kann etwas gerecht sein oder 9:42 ungerecht sein in einer anderen Situation nicht es kommt immer auf die Umstände an das ist also der der Kontext der Gerechtigkeit 9:51 dem Gerechtigkeitsbegriff liegt der Begriff der Gleichheit zugrunde auch wenn nicht automatisch dasjenige gerecht ist was gleich ist das werden wir gleich 10:04 noch sehen wir können uns auch den Begriff der Gerechtigkeit über den Begriff der Fairness ernähren das hat John rolls 10:12 getan recht können nicht nur Personen oder Handlungen sein sondern auch soziale Strukturen und Institutionen wenn sie 10:20 uns zum Beispiel die im Grundgesetz verwirkten Grundrechte wie Meinungsfreiheit Versammlungsfreiheit Eigentum 10:30 Unversehrtheit nicht garantieren es gibt jetzt verschiedene Formen politischer Gerechtigkeit zum Beispiel Bildungsgerechtigkeit dass wir alle 10:42 denselben Zugang des Recht auf Bildung haben zu Bildungssystem dass wir davon nicht ausgeschlossen werden Chancengleichheit dass wir nicht von 10:53 Geburt an gewisse Chancen gar nicht erhalten natürlich ist das immer ein Ideal de facto ist es nie der Fall dass wir genau die gleichen Chancen haben 11:02 Generationengerechtigkeit betrifft eben unser Verhältnis zu älteren jüngeren Generation aber auch noch zu kommenden Generationen die wir 11:11 vielleicht noch gar nicht kennenlernen können ein Beispiel ist hier etwa die Endlagerung von Atommüll der für künftige Generation zum Problem werden 11:20 kann das ist keine Form von Gerechtigkeit wenn wir unsere Probleme in die Zukunft einfach Auslagen globale Gerechtigkeit ist natürlich auch ein 11:30 wichtiges Stichwort globale Gerechtigkeit betrifft jetzt die gesamte Welt und nicht nur Regionen auf der Welt ein Beispiel für globale Gerechtigkeit 11:39 ist etwa die Klimagerechtigkeit weil ja auch Klimawandel nicht nur bestimmte Regionen betrifft sondern die gesamte Welt und 11:46 sich häufig dort negativ auswirkt wo die klimaschädicken gar nicht erzeugt wurden also da gibt es natürlich auch eine Form von Ungerechtigkeit jetzt kommen wir oft 11:56 schon rolls Theorie der Gerechtigkeit als Fairness zu sprechen er hat ein Buch geschrieben a serial of Justice eine Theorie der Gerechtigkeit das ist eine 12:06 ganz bedeutendes Werk und er hat sich auch sonst mit Gerechtigkeit als Fairness befasst was ist jetzt seine These er sagt folgendes jedermann soll 12:17 gleiches Recht auf das umfangreichste System gleicher Grundfreiheiten haben das mit dem gleichen System für alle anderen verträglich ist und er sagt und 12:27 das ist jetzt besonders wichtig soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten gestalten das vernünftigerweise zu erwarten ist dass sie zu jedermanns 12:37 Vorteil dienen und sie mit Positionen Ämtern verbunden sind die jedem offenstehen er geht also immer schon von Ungleichheiten aus und anders als der 12:48 Kommunismus ist sein Ziel nicht diese Ungleichheiten völlig zu nivellieren aufzulösen da ist er realistisch genug dass das nicht geht im Gegensatz ein 12:59 Liberalismus bedingt gewissheitsmaßen auch Ungleichheiten allerdings sind diese Ungleichheit nicht zu vergrößern wie im Sinne einer Schere zwischen arm 13:09 und reich sondern die bevorzugten die Begünstigten sind zu binden an die weniger begünstigten und ihr Fortkommen wir werden das gleich 13:23 noch sehen das ist nämlich dann sein sogenanntes differenzprinzip das ist ein sehr wichtiges Begriff den man mit rolls häufig Verbindung bringt das sagt 13:35 geht man von den Institutionen aus wie sie von der gleichen Freiheit für alle und der fairen Chancengleichheit gefordert werden so sind die besseren 13:43 Aussichten der begünstigten das ist also diese Ungleichheit es gibt begünstigte dass diese Aufsicht eine begünstigten genau dann gerecht sind wenn sie zur 13:54 Verbesserung der Aussichten der am wenigsten begünstigten Mitglieder der Gesellschaft beitragen die intuitive Gedanke ist der dass die 14:02 Gesellschaftsordnung nur dann günstigere Aussichten für bevorzugte einrichten und sichern darf wenn das den weniger begünstigten zum Vorteil gereicht hier 14:11 wird sozusagen der Vorteil der begünstigten rückgebunden an den Vorteil der wenige begünstigten das heißt die werden nie alleine gelassen es kann 14:20 nicht zu dieser viel kritisierten Scheren zwischen Arm und Reich kommen zumindest nach diese Theorie weil es sich eine Rückbindung gibt an diese 14:29 Differenz der Ungleichheit also zusammengefasst rolls negiert nicht Gleichheit das will die Gleichheit nicht sagen herstellen 14:40 in letzter Hinsicht sind er will Ungleichheiten aufeinander beziehen und zumindest abhängig machen da ist er dann doch ziemlich realistisch er sagt das 14:50 noch in einem anderen Zitat soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten also zum Beispiel die Herkunft der soziale Rang das 14:59 Einkommen oder die das Vermögen diese immer schon gegebenen Ungleichheit müssen so geregelt werden die sollen nicht einfach nur hingenommen werden 15:07 sondern in diesem geregelt werden dass es den am wenigsten begünstigsten die besten möglichsten Aussichten bringen an denen muss man sich orientieren wenn es 15:16 um Ungleichheiten geht Ungleichheiten gibt es aber immer so realistisch ist und mal schon ja das war ein kurzer Überblick zum Thema politische 15:30 Gerechtigkeit ich bedanke mich vielmals für die Aufmerksamkeit bis zur nächsten Sendung