Die Hanse: Europas große Handelsmacht 1150–1650 MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=dL_5C-iITiY Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Hansestadt Hamburg. Hansestadt Bremen. 0:02 Das haben bestimmt viele von euch schon mal gehört. Und das erklärt auch, 0:05 warum auf einigen Autokennzeichen noch ein „H“ für Hansestadt zu sehen ist. Aber wusstet ihr, dass auch Köln einmal eine Hansestadt war? 0:12 Oder Dortmund? Ganz ohne „H“ im Kennzeichen? Tatsächlich ist die Hanse eine der ganz großen Erfolgsstorys des Mittelalters. 0:20 Es ist eine Geschichte der Städte und von Kaufleuten, die in diesen Städten Handel treiben. 0:26 Diese Karte hier zeigt, wo die Hanse überall aktiv war. Aber was ist die Hanse denn eigentlich genau? 0:32 Wie wird sie so mächtig, dass sie sogar Könige in ihre Schranken weisen kann? Und warum ist sie heute, Jahrhunderte nach ihrer Auflösung, noch so präsent? 0:41 Spoileralarm: Es ist nicht ganz einfach, diese Fragen eindeutig zu beantworten. 0:46 Wir versuchen es trotzdem mal! Schaut euch einmal dieses Bild hier an. 0:52 Es zeigt den deutschen Hansekaufmann Georg Gisze. Das Porträt entstand in der ersten Hälfte des 0:58 16. Jahrhunderts, zu einer Zeit, in der Gisze in London arbeitet. Um ihn herum sehen wir Gegenstände, die deutlich machen, dass er ein Kaufmann ist: 1:06 Eine Waage, ein Rechnungsbuch und mehrere Briefe. Auch in der Hand hält er einen Brief. 1:14 Warum sind solche unscheinbaren Briefe ein typisches Zeichen für einen Kaufmann? Und was haben sie mit der Hanse zu tun? 1:21 Um das zu verstehen, holen wir ein Bisschen weiter aus. Die Kaufleute im Mittelalter sind lange Zeit vor allem fahrende Händler. 1:29 Das heißt, sie reisen von Ort zu Ort, um ihre Waren auf Messen und auf Märkten anzubieten. 1:34 Aber der Transport von Gütern auf der Straße oder per Schiff ist anstrengend und auch risikoreich. 1:40 Die Wege sind häufig unsicher und Überfälle sind keine Seltenheit. Und genau das ist ein wichtiger Grund dafür, dass die Hanse entsteht. 1:48 Das verrät uns schon der Name. Das altdeutsche Wort „hansa“ bedeutet ursprünglich 1:54 so viel wie Schar oder Gruppe. Eine Hanse ist also ursprünglich 1:57 eine Gruppe von Kaufleuten, die sich zusammengeschlossen haben. Gemeinsam reisen sie sicherer auf den Handelswegen. 2:03 Außerdem ist es in der Gemeinschaft einfacher, ein Schiff anzumieten oder im Ausland gemeinsam für die eigenen Rechte einzutreten. 2:10 Heute verbinden wir vor allem Küstenstädte wie Stralsund, Wismar oder Rostock mit der Hanse. 2:16 Im 11. und 12. Jahrhundert kommen viele der fahrenden Kaufleute, aber auch aus dem Rheinland und Westfalen. 2:21 Damals ist zum Beispiel die Stadt Soest ein wichtiges Handelszentrum. Historiker bezeichnen diese Gegend daher auch als eine der Kernzonen der Hanse. 2:30 Insgesamt betrachtet liegt die Wiege der Hanse in einem Gebiet, das ungefähr von der Linie Nijmegen - Hamburg im Norden 2:36 und Köln – Magdeburg im Süden begrenzt wird. Wir bezeichnen die Händler der Hanse daher auch als niederdeutsche Kaufleute. 2:43 Niederdeutschland. So nennt man historisch den Norden. Im Unterschied zum oberdeutschen Süden. 2:49 Diese Kaufleute profitieren davon, dass die Bevölkerung in Europa ab dem 12. Jahrhundert stark wächst. 2:55 Denn all die Menschen müssen versorgt werden mit Lebensmitteln und Kleidung, mit Baumaterial und Rohstoffen, 3:01 aber auch mit Luxusgütern wie Pelzen oder Bernstein. Viele dieser Güter gibt es im Ostseeraum, 3:07 der nun immer wichtiger für den Handel wird. Weil norddeutsche Fürsten ihren Einfluss ab dem 12. Jahrhundert gewaltsam nach Osten ausdehnen 3:14 und dabei auch neue Städte gründen, wächst die Bedeutung der Region immer weiter. Kurz zur Einordnung. 3:20 Viele Gebiete des heutigen Deutschlands gehören in dieser Zeit zum sogenannten Heiligen Römischen Reich. 3:26 An der Spitze dieses Reiches steht zwar der Kaiser. Es besteht aber aus vielen Herrschaftsgebieten, 3:31 die von verschiedenen geistlichen und weltlichen Fürsten regiert werden. Und ihr werdet es euch schon gedacht haben: 3:36 Zu diesem Thema haben wir schon mal ein Video gemacht und das findet ihr oben auf dem i verlinkt. 3:40 Schaut da gerne mal rein. Das wohl bekannteste Beispiel 3:43 für eine solche Stadtgründung eines norddeutschen Fürsten ist Lübeck. Im Jahr 1143 wird die Stadt am Fluss Trave gegründet, 3:52 nicht weit von der Ostseeküste entfernt. In unmittelbarer Nähe liegt die ehemalige slawische Siedlung Ljubice, von der die Stadt auch ihren Namen erhält. 4:00 Wie an vielen anderen Orten in Osteuropa gibt es hier bereits funktionierende Handelswege. 4:04 Das ist praktisch für die neu ankommenden Kaufleute, die darauf jetzt zurückgreifen können. 4:09 Lübeck nimmt in der Folgezeit eine zentrale Position für den Handel zwischen Ost und West ein. 4:15 Von hier erreichen die Kaufleute etwa die Insel Gotland, die lange Zeit eine zentrale Drehscheibe des Ostseehandels ist. 4:22 Neben Lübeck entstehen noch weitere wichtige Handelszentren an der Ostsee. Dazu zählen unter anderem Städte wie Danzig, 4:30 Königsberg, Riga oder Reval; Das heutige Tallinn in Estland. 4:35 Viele von ihnen werden allerdings mit Gewalt gegründet. Denn entlang der Ostsee siedeln bereits Slawen. 4:42 Die Westeuropäer zwingen diesen Slawen oft gewaltsam den christlichen Glauben auf und integrieren sie in ihre neuen Herrschaften. 4:49 Eine wichtige Größe dabei ist der Deutsche Orden, ein Ritterorden, der den Kreuzzug gegen die heidnischen Slawen propagiert. 4:57 Ein Vorteil dieser neu gegründeten Städte im Ostseeraum ist, dort siedeln sich nun Kaufleute an, die die gleiche Sprache 5:02 sprechen wie ihre Berufsgenossen in Münster oder Dortmund. Das erleichtert den gegenseitigen Austausch. 5:08 Auch im Westen trägt die wachsende Bedeutung der Städte mit dazu bei, dass die Handelswege 5:12 wieder sicherer werden. Lübeck und Hamburg etwa vereinbaren im Jahr 1241 5:16 den Schutz der Straße, die beide Städte miteinander verbindet. Friedlichere Verkehrswege, gute Kontakte 5:22 und ein gesicherter Absatz wegen steigender Nachfrage. Das sind drei wichtige Voraussetzungen dafür, dass die Kaufleute 5:29 ihre Geschäfte ab dem 13. Jahrhundert vermehrt von ihrer Heimatstadt ausführen 5:33 und die beschwerlichen Reisen den Gesellen, Geschäftspartnern oder Transportunternehmen überlassen können. 5:39 Sie lenken den Handel jetzt großteils aus der Ferne, und zwar mit schriftlichen Anweisungen 5:45 und Begleitbriefen, die sie ihren Warentransporten mitgeben. Auf diese Weise entsteht ein Netzwerk, 5:51 das den daran beteiligten Händlern wichtige Handelsvorteile verschafft. Sie versorgen sich sozusagen gegenseitig mit Insiderinfos. 5:58 Welches Tuch ist gerade in Riga nachgefragt? Wie viel kostet der Fisch in Norwegen? 6:03 Und wo schränkt vielleicht ein bewaffneter Konflikt den Handel ein? Die unscheinbaren Briefe stehen also für den permanenten 6:10 Informationsfluss, der zum Erfolg der Hanse Kaufleute beiträgt. Im Laufe des 13. Jahrhunderts 6:15 breitet sich das Handelsnetzwerk im gesamten Nord-Ostsee-Gebiet aus. 6:20 Die Kaufleute dieses Netzwerks verbindet neben der gemeinsamen Sprache vor allem eines: das Streben nach guten Geschäften und wirtschaftlichem Gewinn. 6:29 Um das zu erreichen, arbeiten sie eng zusammen, auch im Ausland. Das zeigt sich besonders gut an den sogenannten Kontoren. 6:37 Als Kontor bezeichnen die Kaufleute eine Niederlassung in einer ausländischen Stadt. 6:43 Besonders bedeutend für die Hanse sind Brügge in Flandern, London in England, Nowgorod in Russland und Bergen in Norwegen. 6:52 Neben diesen vier großen Kontoren gibt es noch einige Dutzend weitere kleinere Niederlassungen außerhalb des Heiligen Römischen Reichs. 6:59 Die Kontore dienen den Hanse Kaufleuten als sichere Basis, von der aus sie ihre Geschäfte führen können. 7:06 Und sie handeln dort mit den ausländischen Herrschern Privilegien aus, etwa niedrigere Zölle oder die Erlaubnis, selber Recht zu sprechen. 7:15 Das bringt ihnen entscheidende Vorteile gegenüber Konkurrenten. Im Gegenzug bringen die Kaufleute begehrte Waren ins Land. 7:24 Was passiert, wenn man der Hanse diese Privilegien verwehrt, das Erleben beispielsweise die Bürger der Stadt Brügge in Flandern. 7:31 Im Jahr 1358 eskaliert hier ein Konflikt um die Vorrechte der Hanse Kaufleute. Die Folge: Flandern, die wirtschaftliche Boomregion 7:40 Westeuropas für den Tuch- und Fernhandel in dieser Zeit, wird komplett boykottiert. Mehr als zwei Jahre lang kommt dort kaum ein deutscher Kaufmann hin. 7:49 Am Ende bekommt die Hanse ihre gewünschten Privilegien. Sie hat ihren Willen durchgesetzt. 7:54 Mit der Flandern-Blockade zeigen die Kaufleute deutlich, wie viel Macht sie haben, wenn sie sich zusammenschließen. 8:00 Und in diesem Konflikt bezeichnen sich die Städte, die sich am Boykott beteiligen, erstmals als „dudesche Hense“, die deutsche Hanse. 8:08 Schauen wir auf die vier großen Kontore, dann erhalten wir einen guten Einblick, mit welchen Waren die Hanse Kaufleute handelt. 8:16 Im Kontor im russischen Nowgorod, dem sogenannten Petershof, werden vor allem Wachs, Honig und Pelze aufgekauft. 8:22 Sehr schön illustriert sehen wir das auf dem sogenannten Rigafahrer-Gestühl der Stralsunder Nikolaikirche. 8:28 Die russischen Handelspartner erkennen wir hier an den langen, geflochtenen Bärten. In ihren Händen halten sie unter anderem Wachs. 8:36 Dieses Wachs ist besonders wichtig für die Herstellung von Kerzen. Und von denen brauchen die Kirchen im Mittelalter jede Menge. 8:44 In Bergen dagegen erhalten die Kaufleute eine ihrer wichtigsten Waren: den Stockfisch. 8:50 So nennt man luftgetrockneten Kabeljau. Vielleicht fragt ihr euch jetzt, was diesen Fisch so wertvoll macht. 8:56 Tatsächlich hat das mit dem Christentum zu tun. Im Mittelalter wird an weit über 100 Tagen im Jahr gefastet. 9:03 Fleisch ist an diesen Tagen verboten, Fisch aber erlaubt. Darum ist der haltbare Stockfisch genauso wie in Salz eingelegte Heringe 9:11 eine äußerst lukrative Handelsware. In Brügge und London 9:15 dagegen lässt sich gut flandrisches und englisches Tuch kaufen, das wiederum in Russland und Skandinavien sehr begehrt ist. 9:21 So fungieren die Kaufleute der Hanse wie ein großes Warenkarussell, das Handelsgüter von West nach Ost und von Ost nach West bringt. 9:30 Aber wie wird man eigentlich Mitglied in diesem exklusiven Netzwerk? Im Prinzip kann jeder niederdeutsche Kaufmann 9:37 Teil des Handelsnetzwerks werden, solange seine Stadt am hansischen Handel teilnimmt. 9:41 Wichtig ist eine gute Schulbildung und jede Menge Erfahrung. Oft schicken die Kaufleute daher ihre Söhne schon im Alter von 11 bis 13 Jahren 9:50 in eine andere Stadt, damit sie dort bei einem Kaufmann lernen können, meistens bei einem Geschäftspartner. 9:56 Denn die Hanse ist ein großes Netzwerk und dass man sich kennt und sich vertraut, das ist dafür absolut entscheidend. 10:04 Nicht selten machen die Lehrlinge auch Station bei ausländischen Handelspartnern oder in einem der Kontore. 10:10 Zu guter Letzt brauchen die Lehrlinge Geld, um später selbst als Kaufmann durchstarten zu können. 10:15 In ihrer Ausbildungszeit können sie daher schon in kleinem Umfang mit Waren handeln und die Gewinne aus diesem Kleinhandel, 10:23 die stellen ein wichtiges Startkapital für ihre Selbstständigkeit dar. Wenn es die Kaufleute schließlich zu einem gewissen Wohlstand gebracht 10:30 haben, dann sind sie häufig auch im Rat ihrer Stadt vertreten. Hier lenken sie die städtische Politik und können sie im Sinne 10:37 der Hanse beeinflussen. Auch deshalb funktioniert das Netz der Städte untereinander gut. 10:41 Zumindest, solange alle die hansischen Interessen im Vordergrund stehen haben. Die mittelalterliche Hanse ist damit nicht nur das Netzwerk 10:48 der niederdeutschen Kaufleute, sondern auch die Zusammenarbeit der Städte, in denen diese Kaufleute leben. 10:54 Schätzungen zufolge handelt es sich dabei zu Hochzeiten um etwa 200 Städte. Obwohl diese Zahl nur schwer nachzuprüfen ist. 11:01 Und das hat einen ganz einfachen Grund Es gibt im Mittelalter keine schriftliche Verfassung, 11:05 die eindeutig festlegt, was die Hanse genau ist, wie viele Mitglieder sie hat und welchen Regeln diese zu folgen haben. 11:12 Die Städte, in denen die Kaufleute mit gemeinsamen Handelsinteressen leben, arbeiten jedenfalls durchaus eng zusammen. 11:19 Um diese Zusammenarbeit zu organisieren, gibt es die sogenannten Hansetage. Wird ein solcher Hansetag einberufen, dann kann jede Stadt 11:27 einen Boten entsenden, der für sie verhandeln soll. Eine Pflicht zur Umsetzung der gemeinsamen Beschlüsse gibt es zwar nicht, 11:33 aber werden die Regelungen ins Stadtrecht der jeweiligen Hansestadt aufgenommen, dann sind sie rechtskräftig. 11:40 Die Entscheidungen der Hansetage können weitreichende Konsequenzen haben. Das bekannteste Beispiel dafür sind die Kriege der Hanse 11:48 gegen den dänischen König Waldemar IV., genannt Atterdag. Der bedroht Mitte des 14. Jahrhunderts 11:54 die zentralen Handelswege in der Ostsee. Gleich zweimal beschließt ein Hansetag 11:59 daher, eine Flotte auszurüsten und Waldemar offen den Kampf anzusagen, zuletzt 1367 in Köln. 12:05 Erst nach einem längeren bewaffneten Konflikt schließen die Hansestädte und der Dänenkönig schließlich in Stralsund 1370 einen Friedensvertrag. 12:13 Die Kriege gegen Waldemar zeigen noch einmal, wie mächtig die Hansestädte sein können, wenn sie sich zusammenschließen. 12:20 Wir müssen aber auch sagen: Solche kriegerischen Auseinandersetzungen stellen eine große Ausnahme dar. 12:25 Denn den Hanse Kaufleuten geht es nicht darum, Krieg zu führen und Territorien zu erobern. 12:30 Das kostet schließlich alles Geld. Für sie ist das oberste Ziel gute Geschäfte zu machen. 12:35 Nur wenn diese bedroht sind, dann erscheinen bewaffnete Konflikte überhaupt als Option. 12:40 Viele Städte genießen im Mittelalter eine hohe Autonomie. Sie haben also gewisse Freiheiten, und davon 12:46 profitieren nicht zuletzt die Kaufleute der Hanse. Im 14. und 15. Jahrhundert 12:50 schaffen es allerdings viele Landesfürsten, wieder mehr Einfluss auf die Städte auszuüben, die sich auf ihren Territorien befinden. 12:57 So verliert etwa Berlin im Jahr 1442 seine Unabhängigkeit an Friedrich II. Eine Folge davon: Die Hohenzollern zwingen die Stadt, aus der Hanse auszutreten. 13:09 Die Hanse reagiert auf diese Entwicklung, indem sie sich selbst erstmals feste Strukturen gibt. 13:14 So einigen sich die Hansestädte Mitte des 16. Jahrhunderts auf eine Bündnisurkunde, die unter anderem 13:19 einen jährlichen Jahresbeitrag festschreibt. Allerdings: Immer mehr Städte wollen den Jahresbeitrag nicht zahlen, 13:26 und die Landesherren akzeptieren nicht, dass die Städte auf ihrem Territorium einem Städtebündnis beitreten. 13:33 Die Folge: Immer mehr Städte treten aus dem Hansebündnis aus. Daneben gibt es noch zwei weitere Gründe, warum die Hanse an Bedeutung verliert. 13:41 Erstens: Die Europäer kolonisieren Amerika. Dadurch entsteht der atlantische Handel. 13:47 Da sind Städte wie Lissabon oder Antwerpen im Vorteil, die einen direkten Zugang zum Atlantikhandel haben. 13:53 Zweitens: Mit Erfindung des Buchdrucks erscheinen die ersten Zeitungen, mit denen sich jetzt jeder, der will, up to date halten kann. 14:01 Ungefähr zur gleichen Zeit entsteht außerdem ein gut ausgebautes Postsystem, mit dem Nachrichten schnell von A nach B gelangen. 14:08 In Kombination macht das das Informationsnetzwerk der Hanse ein stückweit überflüssig. 14:13 Die Kaufleute verlegen sich daher zunehmend darauf, ihre Geschäfte durch Stellvertreter ausführen zu lassen 14:18 und schließen sich seltener mit anderen Kaufleuten zusammen. Im Jahr 1669 findet dann der letzte Hansetag statt. 14:26 Genauso wenig wie es eine Gründungsurkunde der Hanse gibt, 14:28 gibt es allerdings einen offiziellen Beschluss über ihre Auflösung. Bremen, Hamburg und Lübeck versuchen, das Erbe der Hanse fortzuführen. 14:36 Gemeinsam gründen die drei Städte zum Beispiel Auslandsvertretungen in den USA, in Mexiko oder Brasilien. 14:42 Erst 1920 schließt in Berlin die letzte Vertretung der drei Städte. Es gibt zwar inzwischen wieder einen modernen Städtebund, „Die Hanse“. 14:51 Das ist aber eine Neugründung von 1980. Hamburg, Bremen und Lübeck. 14:58 Das sind auch heute noch die bekanntesten Hansestädte. Häufig sieht man es diesen Städten an, dass ihre Geschichte vom Handel 15:05 und dem Wohlstand der Kaufleute geprägt ist. Man muss da einfach mal durch die Innenstadt laufen. 15:09 Das zeigt sich nicht nur an den Backsteinfronten in Lübeck, sondern auch am Krantor in Danzig, 15:13 in der Altstadt von Tallinn oder in Tyske Bryggen, dem ehemaligen Hansekontor in Bergen, 15:18 auch wenn dort nicht mehr die Originalbauten zu sehen sind. Der Zusatz „Hanse“ oder „Hanseatisch“ hat heute in Deutschland einen sehr guten Ruf. 15:26 Die Hamburger SPD nutzt im Wahlkampf 1961 sogar den Slogan „Gute Hanseaten. Sozialdemokraten.“ 15:34 In Skandinavien dagegen wird die Hanse bis heute viel negativer gesehen. Dort verbindet man sie vor allem mit einem gefährlichen deutschen Machtanspruch. 15:42 Aber auch wir schauen mittlerweile etwas differenzierter auf die Hanse und können sie besser wissenschaftlich einordnen. 15:47 Dabei habt ihr vielleicht schon im Laufe dieses Videos gemerkt: Es ist sehr schwierig zu beschreiben, was die Hanse genau ist, 15:54 denn eigentlich ist sie eine Art unsichtbare Organisation, die sich darüber hinaus immer wieder verändert. 16:00 Ihre Geschichte zeigt aber, wie vernetzt die Menschen im Mittelalter schon sind. Informationen und Waren legen damals häufig sehr weite Strecken zurück. 16:09 Schließlich erstreckt sich das Handelsnetz der Hanse über ganz Nordeuropa. Aber was meint ihr denn? 16:15 Gibt es einen Aspekt, den ihr besonders faszinierend findet An der Geschichte der Hanse? schreibt das gerne unten in die Kommentare. 16:21 Ich bin gespannt, was ihr dazu denkt. Und hier neben mir 16:24 findet ihr eine Doku von Terra X zu Schiffen, die kein Glück hatten und als Wracks auf dem Meeresgrund 16:29 gelandet sind. Sehr spannend. Und daneben noch ein Video von uns 16:33 zum Heiligen Römischen Reich, also der Heimat der Hanse. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.