Der Vietnamkrieg erklärt MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=dFreXzXXXdo Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Kriege gab und gibt es leider viele auf der Welt. Manchmal liefen sie sozusagen unter dem Radar ab. 0:06 Das heißt, dass niemand so richtig davon Notiz genommen hat. Zumindest nicht hier in Europa. 0:10 An anderen dagegen nahm die ganze Weltöffentlichkeit teil. So ein Krieg war der Vietnamkrieg. Obwohl er eigentlich kein Krieg war, 0:18 der die politische Weltkarte verändert hat, kennt ihn fast jeder. Warum das so ist und wie der Vietnamkrieg abgelaufen ist, 0:24 das erklären wir jetzt. Erstens die Vorgeschichte. Am Ende des Zweiten Weltkriegs 0:32 kommen die Länder, die von Deutschland oder Japan besetzt wurden, wieder frei. Teilweise handelt es sich um Kolonialgebiete europäischer Mächte. 0:40 Ein solches Kolonialgebiet ist Französisch-Indochina. Heute sind das die Länder Kambodscha, Laos und Vietnam. 0:47 Die Kolonialmacht ist, wie der Name schon vermuten lässt, Frankreich. Schon länger gibt es 0:52 eine Unabhängigkeitsbewegung in den vietnamesischen Landesteilen, wobei die Kommunistische Partei Vietnams 0:59 eine entscheidende Rolle spielt. Zu der Zeit heißt sie auch Indochinesische Kommunistische Partei. 1:06 Einer ihrer Anführer ist Ho Chi Minh. 1940 wird Frankreich von Nazideutschland besiegt. 1:13 Die Marionettenregierung im unbesetzten Frankreich darf in Indochina weiter die Kolonialmacht verwalten. 1:18 Aber Japan dehnt seinen Einfluss aus. Schließlich besetzt Japan Vietnam. 1:23 Die Frauen und Männer von Ho Chi Minh, auch Vietminh genannt, kämpfen gegen die Kolonialherren und die Besatzer 1:28 und können sich vor allem im Norden Vietnams festsetzen. Als der Zweite Weltkrieg endet, hoffen sie auf die Unabhängigkeit Vietnams. 1:36 Aber Frankreich kämpft um seine Kolonie. 1946 kommt es darum zum Indochina-Krieg, 1:42 in dessen Verlauf die USA Frankreich unterstützen, China und die Sowjetunion dagegen die vietnamesischen Kommunisten. 1:50 1954 zieht sich Frankreich geschlagen zurück. Man vereinbart, dass es in ganz Vietnam freie Wahlen geben soll. 1:56 Aber das scheitert. Es entstehen zwei Länder. Im Norden, ein kommunistisches Vietnam, im Süden 2:01 ein kapitalistisches Regime. Also Südvietnam ist kein demokratischer Staat, 2:05 sondern ein autokratischer antikommunistischer Staat. Bald gibt es im Süden Aufstände, und es kommt faktisch zu einem Krieg 2:12 zwischen den beiden Teilen Vietnams. Nordvietnam gewinnt dabei mit der Zeit die Oberhand. 2:18 Und jetzt kommt es zum zweiten Punkt: Eingreifen der USA. Die US-Regierung will verhindern, dass sich der Kommunismus weiter ausbreitet. 2:26 Deshalb hatte man schon die Franzosen unterstützt und den französischen Krieg gegen die Kommunisten in Nordvietnam mitfinanziert. 2:32 Und deshalb unterstützt man jetzt auch Südvietnam mit Geld und auch Militärberatern. 2:37 In den USA glaubt man nämlich an die „Dominotheorie“: Wenn Südvietnam kommunistisch wird, also sozusagen wie ein Dominostein umfällt, 2:45 dann werden viele andere Länder wie eine lange Kette von Dominosteinen folgen, bis zum Schluss die USA selbst kommunistisch werden. 2:53 Im Sommer 1964 kommt es dann im Golf von Tonkin vor der nordvietnamesischen Küste zu einem folgenschweren Zwischenfall. 2:59 US-Kriegsschiffe melden Angriffe von ein paar Schnellbooten aus Nordvietnam. Das führt dazu, dass der US-Kongress den Präsidenten Lyndon Johnson 3:07 kurz darauf ermächtigt, alle notwendigen Schritte, einschließlich der Anwendung bewaffneter Gewalt, 3:14 zu ergreifen, um Südvietnam zu unterstützen. Das heißt, Johnson darf offiziell gegen Nordvietnam in den Krieg ziehen. 3:21 Schon damals gibt es Zweifel am genauen Hergang der Ereignisse. Heute gehen Historiker davon aus, den Angriff durch Nordvietnam, der Johnson 3:29 die Unterstützung des Kongresses sichert, hat es in dieser Form nicht gegeben. Der Zwischenfall dient als Vorwand für den Kriegseintritt, 3:36 der schon seit längerer Zeit vorbereitet wird. Die USA bombardieren erst einmal ausgewählte Stellungen 3:42 der nordvietnamesischen Armee und drohen mit noch mehr Luftangriffen. Für die Kommunisten ist damit klar, 3:48 dass die USA sich in Südvietnam festsetzen werden. Sie schicken jetzt Kampftruppen in den Süden. Die mit ihnen 3:55 verbündeten Aufständischen greifen sogar einen US-Truppenstützpunkt an. Präsident Johnson befiehlt, Nordvietnam zunächst stärker zu bombardieren. 4:04 Er will damit die Kommunisten zwingen, sich aus dem Süden zurückzuziehen. Im Frühjahr 1965 4:11 beginnt dann die Operation „Rolling Thunder“, also Donnergrollen. Eine gewaltige Luftoffensive der USA, bei der die Luftstreitkräfte 4:19 vor allem auf Flächenbombardements setzen. Das heißt einfach gesagt, 4:22 dass man über einem größeren Zielgebiet eine große Menge Bomben abwirft. Dabei wird in Kauf genommen, dass auch viele Zivilisten sterben. 4:30 Die Luftangriffe sollen Nordvietnam zur Aufgabe zwingen. Aber das passiert nicht. 4:34 Deshalb folgt jetzt Schritt drei: Bodenkrieg und Chemiewaffen. 4:40 Die USA schicken Hunderttausende Soldaten in den Krieg. 1968 sind etwa eine halbe Million GIs in Vietnam stationiert. 4:49 Das heißt, dass jetzt für Amerika viel mehr auf dem Spiel steht. Es geht um das Prestige, das Ansehen der Supermacht. 4:56 Ich will mal ein Beispiel versuchen. Zunächst haben zwei vietnamesische Boxer gegeneinander gekämpft. 5:01 Die USA waren der Trainer von einem der Boxer. Aber als der zu verlieren droht, steigen die USA selbst in den Ring. 5:07 Jetzt müssen sie gewinnen und den Gegner k.o. schlagen, Denn immerhin sind sie ja der größte Boxer, also die stärkste Supermacht. 5:15 Natürlich braucht das US-Militär sehr viele Soldaten. So werden massenweise junge Männer zum Wehrdienst eingezogen. 5:22 Damit beginnen die Anti-Vietnamkrieg-Proteste. Der Krieg spaltet die US-amerikanische Gesellschaft. 5:28 Die Soldaten, die frisch eingezogen wurden, sind unerfahren und haben natürlich Angst um ihr Leben. 5:32 Das erschwert die Einsätze der Armee. Sie geht wie bei einem herkömmlichen Krieg vor. 5:37 Aber ihre kommunistischen Gegner merken schnell, dass sie dabei keine Chance haben. 5:41 Also setzen sie auf die Guerillataktik. Kleine Einheiten schlagen aus dem Hinterhalt schnell zu 5:47 und verschwinden dann wieder. Der Vietcong, 5:50 wie die nordvietnamesischen Guerillas auch genannt werden, vermeidet also eine größere direkte Konfrontation mit den militärisch überlegenen 5:57 Einheiten der USA. Der Vietnamkrieg ist damit ein Paradebeispiel für einen sogenannten 6:03 asymmetrischen Krieg. Die eigentlich unterlegenen Nordvietnamesen agieren versteckt in Wald 6:08 und aus unterirdischen Tunneln heraus und nutzen ihren Heimvorteil. Während die USA ihren unsichtbaren Gegner im Dschungel 6:15 ohne feste Front vergeblich zu stellen versuchen. Sie setzen im Dschungel Krieg auf Bombenteppiche aus der Luft 6:21 und Angriffe mit Napalm, einem Brennkampfstoff. Napalm verursacht beim Menschen schwere Brandverletzungen. 6:27 Es klebt am Körper und ist mit Wasser nicht zu löschen. Um den vietnamesischen Guerillaeinheiten die Deckung zu nehmen, 6:35 versprühen US-Flugzeuge außerdem chemische Mittel, die die Bäume entlauben. Eben, damit man bis zum Boden sehen und gezielt mit Flugzeugen bombardieren kann. 6:43 Millionen Liter dieser Pflanzengifte werden in Vietnam und Kambodscha versprüht. 6:48 Die hochgiftige Chemikalie, die in Fässern mit einem orangenen Warnhinweis geliefert wurde, bekommt den harmlos klingenden, 6:55 fast schon niedlichen Namen „Agent Orange“. Aber auch mit diesen 7:00 umstrittenen Chemiewaffen kommen die USA militärisch nicht voran. Im Gegenteil: Es kommt zu Teil vier: 7:08 der Tet-Offensive. Anfang 1968 greifen die Kommunisten überraschend 7:14 die großen Städte des Landes an und versuchen, sie einzunehmen. Die US-Truppen schlagen zurück. 7:20 Letztlich schaffen sie es auch, die verloren gegangenen Gebiete zurückzuerobern. 7:24 Beide Seiten bezahlen allerdings einen hohen Preis. Es sterben viele Menschen, Soldaten und auch Zivilisten. 7:33 Bei der Rückeroberung werden viele Städte zerstört. Immer mehr US-Amerikaner erkennen, dass der Krieg eigentlich nicht 7:39 gewonnen werden kann. Vielleicht denkt ihr jetzt: Okay, ist doch gut. 7:43 Es sind jetzt beide Boxer so erschöpft, dass sie zu kämpfen aufhören, dann ist es vorbei. 7:48 Aber so einfach ist es leider nicht, denn es folgt Schritt fünf: die Ausweitung des Krieges. 7:55 Anfang 1969 wird ein neuer US-Präsident vereidigt: Richard Nixon. Der hat im Wahlkampf versprochen, dass er den Krieg in Vietnam beenden wird. 8:04 Seine Strategie lautet: Um zu gewinnen, muss man den Krieg ausweiten. Nixon zieht zwar amerikanische Truppen 8:11 Stück für Stück ab, aber er bombt noch mehr als zuvor. Er will den Nordvietnamesen Angst machen, 8:16 damit die denken, er wäre verrückt genug, um jede Waffe einzusetzen. Im Bild geblieben: Der US-Boxer schlägt jetzt wie wild um sich und brüllt. 8:25 Nixon will die Nachschubwege der Kommunisten abschneiden und lässt im Geheimen Ziele im bisher neutralen Kambodscha 8:31 bombardieren, in dem selbst ein Bürgerkrieg tobt. Tatsächlich verstecken sich dort im Dschungel auch kommunistische Kämpfer. 8:37 Aber auch diese Taktik bringt nicht den entscheidenden Erfolg. 1972 greifen die Kommunisten wieder an und dringen nach Südvietnam vor. 8:47 Jetzt gleicht das eher einem herkömmlichen Krieg. Die frisch ausgebildeten 8:50 südvietnamesischen Truppen können die Angreifer nicht aufhalten. Also bombardieren die USA wieder verstärkt der Norden. 8:58 Tatsächlich schneiden sie den Angreifern so den Nachschub ab. Militärisch entsteht wieder ein Patt. 9:05 Der Krieg tobt also Anfang der 1970er-Jahre in seiner gesamten Grausamkeit. Aber seit geraumer Zeit laufen im Hintergrund Verhandlungen. 9:13 Und damit kommen wir zu sechstens: die Verhandlungen. Schon seit 1968, also mitten im Krieg, 9:20 laufen in Paris Gespräche, wie der Vietnamkrieg beendet werden kann. Die Gespräche sind unglaublich kompliziert, weil dieser Krieg 9:27 im Kalten Krieg ja so viele sichtbare und versteckte Mitspieler hat. Nicht umsonst bezeichnet man ihn auch als „Stellvertreterkrieg“ im Kalten Krieg. 9:37 Da sind natürlich die Kommunisten aus Nordvietnam und ihre Verbündeten, die Aufständischen in Südvietnam. 9:42 Hinter ihnen stehen die Sowjetunion und China. Diese beiden kommunistischen Supermächte 9:49 liegen miteinander übrigens auch überkreuz. Auf der anderen Seite 9:53 gibt es die Regierung in Südvietnam und die USA zusammen mit den Verbündeten. US-Präsident Richard Nixon lässt bombardieren. 9:59 Gleichzeitig verhandelt aber sein außenpolitischer Berater Henry Kissinger im Geheimen mit den Nordvietnamesen. 10:05 Das wusste nicht mal das Außenministerium. Das Ganze ist nicht mehr zu durchschauen, so komplex ist die Situation. 10:11 Denn im Hintergrund laufen Gespräche zwischen den USA und der Sowjetunion und zwischen den USA und China. 10:17 Die großen Gegner im Kalten Krieg wollen Entspannung. Und tatsächlich nähert man sich an, und so wird auch eine Einigung 10:24 in Vietnam möglich. Nur die Kriegsgegner vor Ort, 10:27 die Südvietnamesen und die Kommunisten aus dem Norden, wollen noch das Bestmögliche für sich herausholen und stellen sich quer. 10:34 Da lässt Nixon Nordvietnam innerhalb von zwei Dezemberwochen noch einmal massiv bombardieren. 10:40 Es sind die schwersten Bombenangriffe der US-Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. Wegen der Jahreszeit damals 10:46 wird die Operation auch Christmas Bombing genannt. Ende Januar 1973 wird dann tatsächlich ein Abkommen unterzeichnet. 10:53 Der Vietnamkrieg ist beendet, zumindest für die Vereinigten Staaten von Amerika. Der Bürgerkrieg geht aber weiter. 11:00 Aber ohne die Truppen der USA kann Südvietnam nicht lange bestehen. Im Frühjahr 1975 startet Nordvietnam eine weitere Offensive und erobert Saigon, 11:08 die Hauptstadt des Südens. Vietnam wird wiedervereinigt, Hunderttausende Südvietnamesen 11:13 werden in grausame Umerziehungslager geschickt. Und damit zu: Siebtens die Folgen. 11:20 Es gibt verschiedene Ebenen, auf denen wir die Folgen des Vietnamkriegs anschauen müssen. 11:24 Erst einmal die Vietnamesische. Vietnam ist nach dem langen Krieg zerstört, verwüstet. 11:29 Riesige Flächen sind wegen der chemischen Mittel vergiftet. Bis heute sterben Menschen an Krebs als Folge dieser Vergiftung. 11:36 Kinder kommen mit schweren Behinderungen zur Welt, weil die Gifte das Erbgut schädigen. 11:41 Und dann die unmittelbaren Toten. Millionen Menschen sind auf beiden Seiten gestorben. 11:46 Der Krieg war so grausam, dass er tiefe Wunden in die Seelen der Menschen gerissen hat. 11:51 Am Ende müssen sich die Südvietnamesen dem Kommunismus unterwerfen. Dann die US-amerikanische Ebene. 11:58 Der Vietnamkrieg ist der erste Krieg, den die USA verloren haben. Mehr als 58.000 Soldaten sterben, 12:05 mehr als 300.000 werden verwundet und verstümmelt. Viele Soldaten waren im Krieg, auch in einem psychisch schlechten Zustand. 12:12 Viele nehmen Heroin oder andere Drogen. Viele werden abhängig. 12:16 Bis heute haben Veteranen Probleme mit Drogen, Alkohol und Depressionen. Außerdem fühlen sich viele ausgestoßen, denn die zurückkehrenden Soldaten 12:25 wurden nicht mit einer Parade begrüßt. Im Gegenteil: Es finden viele, dass sie in einem falschen Krieg kämpfen mussten. 12:32 In den 1980er-Jahren wird in den USA das Vietnam Veterans Memorial in Washington eröffnet. 12:38 Vielleicht war er ja auch schon einmal da. Es gibt Filme, Bücher, Songs, die sich damit beschäftigen. 12:43 Das Lied „Born in the USA“ von Bruce Springsteen zum Beispiel handelt von einem hoffnungslosen Vietnamveteranen. 12:49 Glaubt man gar nicht. Bei der Melodie. Bis heute wird das Trauma aufgearbeitet. 12:55 Der Vietnamkrieg ist auch der erste Krieg, der über den Fernseher zu den Menschen nach Hause kommt. 13:00 Die Berichte über die Grausamkeiten, die auch die US-Soldaten verüben, haben eine Welle von Antiamerikanismus ausgelöst. 13:07 Die Studentenbewegung der 1960er-Jahre in Deutschland wendet sich auch gegen den Vietnamkrieg. 13:13 Also ein breites Protestbündnis, kann man sagen. Jetzt will ich wissen, Wie seht ihr denn den Vietnamkrieg? 13:19 Sagt ihr, da kann man auch heute noch Rückschlüsse daraus ziehen? Das sollte uns eine Lehre sein? 13:24 Oder sagt ihr, das ist vergangen? Das kann man nicht vergleichen, 13:26 zum Beispiel nicht mit aktuellen Konflikten. Schreibt eure Meinung dazu gerne unten in die Kommentare. 13:31 Und bitte bleibt sachlich. Hier rechts von mir findet ihr ein Video von uns 13:35 über das Jahr 1968. Gerade eben haben wir schon kurz über gesprochen, Stichwort Studentenbewegung und darunter eine Doku von Terra X über Vietnam. 13:43 Da geht es auch darum, welche Folgen der Vietnamkrieg bis heute für das Land hat. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.