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System Bürgergeld: Wie gerecht ist der deutsche Sozialstaat? | Am Puls
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 311 Zeilen
- HZ 4 Arbeitslosenhilfe, Bürggereld. Die neue Grundsicherung kommt. Der Name wieder neu. Was aber bleibt
- 50 Milliarden explodierende Kosten. Die würde ja auch eine Wohnung bezahlen, die gar nicht genutzt wird. Ja,
- wie kann es sein, [musik] dass überall Arbeitskräfte gesucht werden, mehr als eine Million offene Stellen und gleichzeitig mehr als 5 Millionen
- [musik] Menschen nicht arbeiten, Bürgergeld beziehen? Wo sind die Fehler im System Jobcenter? Aus einem schönen System wird ein total ungerechtes
- System, wenn wir diese Dinge nicht ansprechen. Sie kriegen jetzt von uns erstmal kein Geld.
- Ich bin Saratcke. Auf der Suche nach Antworten bin ich Kreuz und Quertörschland gereist. Ich war im Osten.
- Für die Leute, die halt keine Lust haben, ist es wie so eine Art Druck, dass die halt losgehen und tief im Westen bezle Murgeld,
- Kindergeld alles. Über das Z und die sozialen [musik] Netzwerke habe ich einen Aufruf gestartet. Sagen Sie, also ich mache mir
- die Finger nicht schmutzig oder aber sie würden gern arbeiten, können [musik] nur nicht. Hunderte fühlten sich angesprochen. Mit
- manchen von ihnen habe ich mich verabredet. Ich habe Menschen getroffen, die das [musik] System ausnutzen. Sie haben sich 76 Wochen krank schreiben
- lassen, obwohl sie [musik] nicht krank waren. Ja. Und Menschen, die wirklich aufs
- Bürgergeld angewiesen sind. Dieses [musik] Land hat uns im Arm genommen und wir mussen dir sagen einfach. Wie schaffen wir es denen zu
- helfen, die Hilfe brauchen und die zu stoppen, die [musik] den Sozialstaat missbrauchen?
- [musik] [musik]
- Menschen zum [musik] Arbeiten bewegen. Raus aus dem Bürgergeld. Das wollen sie hier in Thüringen schaffen und gehen dafür einen in Deutschland einmaligen
- Weg. Ich beginne meine Recherche vor ein paar Monaten mitten im Winter. Seit November verpflichtet der Landkreis Bürgergeldempfänger jeden Morgen um 7
- Uhr für gemeinnützige Arbeit anzutreten. Mir ist schwer gefallen heute morgen um 7 Uhr hier pünktlich zu sein. Ehrlich
- gesagt. Mango würst dich auf jeden Fall dran. Ja, ab das Pilotprojekt richtet sich an
- Bürgergeldbezieher unter 25, die keine Ausbildung haben. Bundesweit sind das 141 000 Menschen. 30 von ihnen sind hier dabei eigentlich.
- Es gibt keinen, der wirklich jeden Tag hier auf der Matte steht. Nein, gibt's nicht. Die ersten Wochen waren
- vorhin 30 Teilnehmer waren sechs da. Der Rest muss ja dann abgeholt werden. Wer nicht erscheint und keine Krankmeldung einreicht, soll vom
- Ordnungsdienst geholt werden. Jeden Tag fahren die Mitarbeiter raus und klingeln.
- Wer erwartet uns? Oh, ein Teilnehmer, den man noch nie angetrocken Ja.
- Ah. Mhm. den wir solange die Maßnahme geht begleiten. Wie? Der war noch nie da.
- Der war noch nie da. Nee, der war noch nie angetrocken. Die Teilnehmer waren vom Jobcenter vorgewarnt worden und aufgefordert, sich
- einen Ausbildungsplatz zu suchen. Wer das nicht geschafft hat, muss nun ran. Kannst du in dem Anklingeln? Da ist Fenster offen.
- Ja. Landratsamt, guten Tag. Wir wollten eigentören, der wohnt ja scheinbar auf ihrer Etage.
- Ja, der wohnt neben mir. Haben Sie den mal gesehen die letzte Zeit? Ehrlich gesagt nicht. Ich sehe da ganz
- ganz selten jemanden. Wirklich richtig selten. Dann danke schön. Bittte schön.
- Nicht da. Nein. Und wieso Klingel ausgebaut hat das System? Weiß man nicht.
- Wen wir nicht. Also das haben wir auch schon mal fotografiert, ne? an den ancenter. Das heißt, sie wird ja auch eine Wohnung
- bezahlen, die gar nicht genutzt wird, ne? Also ja. Ja. Macht das nicht Puls, also ist das
- nicht? Wir haben jetzt wirklich die Woche auch durchgängig ihn aufgesucht, also jeden Tag und damit müss es jetzt eigentlich
- auch gut sein. Ja. Ja. Leistung einstellen, dann auch einung müsste es reichen.
- Die berüchtigten Sanktionen, von denen so viel die Rede ist, offenbar ein langwieriges Unterfangen. Ist ja auch für sie nicht schön, wenn
- man mir dann mal so vor der Tür stehen, ne? Ja. Okay.
- Ein sieht man sel die Bilanz der Morgenvisite ist verheerend. Niemand da oder will uns nicht öffnen.
- Bringt es was da immer wieder zu klingeln, zu sagen, wir sind da? Also das bringt schon was, weil auch die Nachbarn uns jetzt hier gesehen haben.
- Man unterhält sich, man spricht drüber, wer waren bei dir. Bei uns im ländlichen Raum, das macht schon noch ein bisschen was aus. Ach so,
- genau, weil irgendwann wird's ja unangenehm, wenn wir ständig kommen. Natürlich gibt es auch die, die mitmachen, die pünktlich zum Dienst
- erscheinen. Für 1,20 € Stunden Lohn arbeiten Sie unter anderem in einer Holzwerkstatt oder reparieren Spielplätze. Heute Winterdienst. Die
- Stadt Bleiche Rode hat um Hilfe gebeten. Ich würde ein bisschen mitschippen, wenn ich darf.
- Ja, soll ich vorne weg oder hinterher? vorne weg am besten, ne? Ja.
- Hst du irgendein Trick? Schön, dass uns mit schützt. Findst das übertrieben, dass sie sagen, wenn du nicht kommst, dann klingeln wir
- und holen dich? Nee, ist ja irgendwie richtig so, ne? Finde ich, weil für die Leute, die halt keine Lust haben, ist es auch mal so wie
- so eine Art Druck, dass die halt losgehen, so ne. Und so die erste Woche, ja, das war schon so eine Umstellung wieder, aber mir hilft auf jeden Fall
- mehr wieder rauszukommen und ja mehr Unterstützung für eine Arbeitsstelle, eine Ausbildung zu bekommen. Deswegen gehe ich ja auch jeden Tag hierher und
- so weiter. Bist am Start. Ja, dann let's go, würde ich sagen. Ja,
- mich erinnert dieses Projekt irgendwie an Gerhard [musik] Schröder fördern und fordern und ausgedacht hat es [musik] sich tatsächlich ein Genosse,
- der Landrat von Nordhausen. [musik] bis zuletzt steht ja immer so im Raum,
- der Jentricker macht hier irgendwas, was gar nicht zulässig ist. Aber wieso das? H
- wieso das? Na ja, der ja kooportiert wurde, wir sind dann irgendwo mit mit Zwangsmaßnahmen unterwegs. Das sage ich ja, Zwangsmaßnahme ist entweder Sanktion
- oder gar kein Bürgergeld, indem man sich einfach abmeldet oder man geht halt arbeiten. Trotzdem heute war, ich glaube auch
- wieder sowas wie die Hälfte 15 Leute waren da. Ist er nicht auch ein bisschen ernüchtern so nach 3 Monaten, dass dass da nicht dann auch wirklich 30 Mann
- stehen? Das ist sehr ernüchternd und das spiegelt offenbar auch ein größeres Problem wieder, als man es in der Politik bisher wahrhaben möchte, weil
- man redet ja immer jetzt bei den Bürgergeldempfängern so von 1%, die da vielleicht totalverweiger werden und wir sehen jetzt eigentlich schon eine viel
- größere Zahl und das zeigt, dass die Dunkelziffer dort viel größer ist, wo man auch feststellt, da ist schon Betrugsverdacht im Raum.
- Totalverweigerer. Dazu zählen die Behörden offiziell nur jene 1%, die wirklich jeden Kontakt mit dem Jobcenter verweigern.
- Aber wie viele mehr gibt es, die sich im Systembürgergeld eingerichtet [musik] haben und unseren Sozialstaat ausnutzen, obwohl sie arbeiten könnten?
- Mir ist klar, der finanzielle Schaden durch Steuerhinterziehung durch KOMEXgeschäfte der Reichen ist um ein Vielfaches höher als der durch
- Bürgergeldbetrüger. Aber ein Sozialstaat, der sich ausnehmen lässt, wird irgendwann nicht mehr für die da sein, die ihn wirklich brauchen.
- Und davon gibt es viele. Hunderte [musik] haben mir geschrieben. [musik] Bin chronisch krank und tausche sehr
- gerne gegen Gesundheit, Arbeit und ein normales Leben. Ich habe in Führungspositionen gearbeitet, bin seit knapp 200 Bewerbungen und 2 Jahren
- Bürgergeldempfänger. Bin auf den Zuschuss angewiesen. Das Schlimmste ist, ich arbeite seit ich 16
- bin. Habe vier Jahre von HZ4 leben müssen. Da gab es [musik] nichts, worauf ich mich gerne ausgeruht hätte.
- Menschen, die sich ausruhen in der sozialen Hängematte, die sich bequem gemacht haben, auch die gibt es. Ich
- bin seit [musik] Jahrzehnten der Meinung, dass es zu leicht ist, die Gesetze zu nutzen und führe dies vor. Interesse [musik] geweckt?
- Das hat mir ein Zuschauer geschrieben. Er will unerkannt [musik] bleiben. Wir treffen uns nicht bei ihm zu Hause, denn er macht sich mutmaßlich strafbar.
- Er zeigt mir Briefe von Emtern und seinen aktuellen Leistungsbescheid und sagt, dass er seit etwa 40 Jahren den Sozialstaat ausnimmt.
- Wie geht das? Nach der Lehre wurde ich mal kurz arbeitslos. Stellte festhups. Du kriegst ja ohne zu arbeiten doch ganze Menge
- Geld. So schlecht ist es ja gar nicht. Außerdem äh beim Arbeitsamt war eine Mailefrist von einmal in drei Monaten und wenn ich in drei Monaten mal zwei
- Stunden gewartet habe, dann waren das für mich die bestbeziten zwei Stunden. [musik] Er hat eine kaufmännische Ausbildung,
- war immer mal wieder angestellt und hat es so geschafft, sich fast ununterbrochen den Anspruch auf das deutlich lukrativere Arbeitslosengeld zu
- sichern und nur kurz in damals Harz 4 [musik] abzurutschen. 1750 € bekommt er aktuell. 38 Stunden nur auf den Hintern sitzen
- vom Computer und für der Leistungsdruck im Nacken war es jedes Mal der Druck, der sie dann hat aufhören lassen oder? Nö, die Rüstlosigkeit
- kein Bock mehr. Mhm. Und die Krankenkassenzahlen 76 78 Wochen Krankengeld, das sind 70 80% vom Nolor und die habe ich dann gerne
- mitgenommen und anfang nächsten Jahres gehe ich in die Altersranter. Das heißt, sie haben bewusst sich 76 Wochen krank schreiben lassen,
- ja, obwohl sie nicht krank waren. Ja. Wie schwer ist das, ein Arzt zu finden,
- der das mitmacht? Ich glaube, ich war guter Schauspieler auf kleiner Bühne. Es hätte in keinem anderen Land der Welt so funktioniert, weder Holland, Schweiz,
- Dänar, Golabo auch immer. Kompliment und dankeschön an deutsches Staat. Würde der Staat mehr und strenger fordern wie zu Zeiten [musik] von Harz
- 4, würde es ihm deutlich schwerer gemacht, sagt er. Aber die Zeiten sind ja vorbei.
- Gibt's auch Menschen, die Sie kritisieren dafür? Oh ja, ich passe freiwillig auf, dass ich nicht jedem alles erzähle, denn ich bin sonst sozial
- ganz schnell geächtet. Auch mein Papa ist da alles andere als begeistert von. Er sagt, du bist gut ausgebildet, du hast einen Beruf, kannst fremd sprachen,
- aber du willst nicht arbeiten. Mhm. Findet mein Vater alles als witzig. Und kommt da dann sowas wie ein
- schlechtes Gewissen? Nö, aber der hätte sich wahrscheinlich auch gewünscht, dass sie Teil der arbeitenden
- Gesellschaft sind. Natürlich. Und die Enttäuschung tut das nicht weh? Äh,
- das ist Papas Enttäuschung. Und nun spreche ich da wenig drüber, um ihm jetzt nicht noch in seiner Wunde zu bohren.
- Auf mich wirkt er [musik] wie ein Tricker, der stolz ist auf seine Tricks. Vielleicht auch deshalb erzählt er mir seine Geschichte und obwohl er seit 40
- Jahren unsere Sozialsysteme systematisch ausnimmt, zu den Totalverweigerern, das angeblich eine%, statistisch gehört er nicht dazu.
- Wie viele solcher Trickser gibt es? Wie vielen Menschen machen wir es zu leicht, ohne Leistung auf unsere Kosten zu leben? Offizielle Zahlen [musik] von der
- Bundesagentur für Arbeit gibt es dazu nicht, aber es gibt Insider, die die Realität sehr genau kennen.
- Nach meinem letzten Impulsfilm zur Frage Wer sind unsere Arbeitslosen haben mir viele Zuschauer geschrieben, auch ein Mitarbeiter aus einem Jobcenter. Der
- schrieb damals, sie waren schon sehr nah dran an der Realität, aber in Wahrheit ist es noch viel schlimmer. Wie genau? Das will ich hier heute erfahren, denn
- er hat mich eingeladen, um auszupacken. Sarah Tackel, Fred Göken. [musik] Fred Göken ist sozusagen
- Gründungsmitglied im Jobcenter Bremen. Seit 2005 arbeitet [musik] er dort und hat fast alles gemacht. Heute ist er in der Verwaltung. Dass wir uns treffen,
- weiß in der Behörde niemand. [musik] Für dieses Interview riskiert er viel. Was ist das, was Sie so ärgert, was Sie so ungerecht finden? Die Ungerechtigkeit
- per se aus einem schönen System wird ein total ungerechtes System, wenn wir diese Dinge nicht ansprechen. Ein Hauptproblem, sagt er, sein die
- Riesenbudgets der Jobcenter. Für Weiterbildungs und Qualifizierungsmaßnahmen geben die einzelnen Jobcenter zum Teil hohe
- zweistellige Millionenbeträge aus. Geld ausgeben ist unsere zentrale Aufgabe, ne? So betrachten das viele bei uns. Angefangen von einfachen
- Schweißerscheinen oder Unterstützung bei Führerscheinen, was die Leute auch natürlich gerne genommen haben. Das heißt, wenn sie die vermitteln
- würden und in Arbeit bringen würden, dann wä wären wir doch über. Ist doch klar. Das heißt, es ist so ein sich
- selbsterhaltes System. Ja, natürlich das ganze System hält. Ich meine, da würden Sie ja nie jemand finden in 100 Jahren nicht, der das
- zugeben würde. Aber wenn das das Ergebnis ist, ist ein solches. Das ist die Realität. Das heißt, die Jobcenter haben Interesse jemanden in in Dauer Aus
- und Fortbildung zu halten. Ja, ich meine das sicher nicht nicht als erklärtes Ziel, ne? Aber das Ergebnis ist leider
- so, ne? Ich schenke mir auch noch mal Kaffee. Göken findet, die Jobcenter müssten einfach ihren Job machen, Arbeit
- vermitteln statt Maßnahmen. Ja. Und sicherstellen, dass keiner das System ausnutzt.
- Zwei Aufgaben, an denen die Jobcenter aktuell scheitern, sagt er. Schon durch. Schon durch. Danke schön. Danke. Bei wie viel Menschen haben Sie
- den Eindruck, egal was ich hier anbiete, der will weiter vom vom Start leben. So, also das schockt zwar jetzt diese Aussag, aber ich gehe davon aus und das
- ist im Jobcenter eigentlich ein äh offenes Geheimnis. 30 40% machen keine waren Angaben. Also die Motivation der Leute, die ist im System drinne zu
- bleiben und jetzt müsstest du ja eigentlich anfangen zu sanktionieren. Wieso können Sie aktuell nicht viel härter sanktionieren?
- Früher bin ich zur Leistungsabteilung rüber gesagt, pass mal auf, XY meldet sich nie, stellt mal die Leistung ein und dann kommt der schon. Dürfen wir
- nicht mehr machen, weil ja, weil es rechtlich eben nicht in Ordnung ist. Wir bringen uns ja um mit
- unserem Recht, ne? Das äh ist leider so. M gut, aber das wird natürlich auch ziemlich ausgenuts. Aktuell beim Bürgergeld kann der
- Leistungssatz von Kunden nur in einem sehr aufwendigen Verfahren gekürzt werden. Selten sind es mehr als 10%. Die Miete bleibt unangetastet. Mit der
- neuen Grundsicherung soll ab dem 1. Juli schneller um 30% gekürzt werden können. Im Extremfall kann dann auch der komplette Leistungssatz vorläufig
- gestrichen werden, sogar auch das Geld für die Miete. Soweit die Theorie. Doch wie und wie oft werden Bürgergeldempfänger, die das
- System ausnutzen, in der Praxis sanktioniert? Das will ich hier erfahren. Ich bin auf dem Weg in eins der größten
- Jobcenter Berlinst Templo Schöneberg. knappen Viertel der Kunden ist seit 10 Jahren und länger im Bürgergeld und manche von diesen Kunden waren
- tatsächlich noch nie persönlich zu einem Beratungs oder Vermittlungstermin hier. [musik]
- Ich werde mal schauen mit unserem Arbeitgeberservice sprechen. Silke Pusakowski arbeitet seit 2006 im Jobcenter. Seit 20 Jahren sozusagen ein
- kleines Rädchen im großen System. Okay, wunderbar. Dann vielen Dank und wir sehen uns. Danke.
- Danke. Das heißt, wir haben System, das ist zulässt, dass Menschen 10 Jahre lang Sozialleistung beziehen, ohne einmal gefragt zu werden, ähm wollen sie nicht
- arbeiten. Wir haben so viele Kunden zu betreuen, dass man sich gerne auf die Leute stützt, die meine Hilfe auch wollen
- und dann fällt der andere, der zu den Terminen nicht kommt, halt schnell mal unter. Im Bezirk Tempelhof Schöneberg betreuen
- Silke Bosakowski und ihre Kollegen knapp 40.000 Menschen im Bürgergeld. zwei Drittel der Kunden kommen im Moment. Ähm, aber das haben wir uns auch
- hart erarbeitet, weil die Leute wissen, dass wir bei uns im Jobcenter eben auch rausgehen und vorbeikommen.
- Und vorbeikommen, wenn die Kunden nicht kommen. Mhm. Einen solchen persönlichen Besuchsdienst
- gibt es nicht in vielen deutschen Jobcentern, sozusagen auf Streife in Berlin gemeinsam mit ihrem Kollegen Marcel
- [musik] Eichenseher. Wir fahren jetzt zu einer alleinershenen Frau 37 ohne Berufsabschluss. Arbeitsmäßig war die letzte
- Beschäftigung 2017 und die letzte Vorsprache im Jobcenter war im Sommer 24. Wow.
- Ja, für diesen Monat ist die Leistung von ihr um 30% gekürzt. Unsere Erfahrung ist, sie kommt ins Jobcenter, wenn das
- Geld nicht mehr fließt. Und das ist eigentlich das Spiel der letzten Jahre schon. Also ein dickes Brett.
- Ja, ja, ja, ja. 30% klingt viel, doch die Kürzung
- betrifft nur den eigenen Bürgergeldsatz. Die Miete [musik] bleibt aktuell noch unangetastet, das Bürgergeld für die Tochter auch.
- Die beiden klären jetzt kurz, ob wir mit rein können. Von den rund 1300 € den diese Bedarfsgemeinschaft bekommt, werden
- tatsächlich nur etwa 170 € gekürzt. Mehr ist gesetzlich aktuell noch nicht erlaubt.
- Die Kundin hat Probleme aufgezeigt, die habe ich auch. Ja. Ja. Übergewicht schlecht laufen können,
- Depression, eine Gewaltvergangenheit, die ich erlebt habe. Kinder äh habe ich auch alles. Ja,
- aber ich gehe jeden Tag arbeiten. Ja, sie würde ja gerne arbeiten, aber sie hat in den letzten Jahren so zugenommen und sie fühlt sich in ihrem
- Körper nicht wohl und jetzt möchte sie erstmal eine Magenop machen, damit sie sich wieder wohlfühlt und dann kann man sich über so eine Veränderung wie Arbeit
- unterhalten. Mich macht das wütend. Also das ist äh ja, deswegen habe ich auch ganz wenig gesagt,
- aber ist unser Alltag, also Ja, aber das war schon sind andere Realitäten. Nur unsere gemeinsame Realität ist ein
- Sozialstaat, der vor gewaltigen Herausforderungen steht. Die Idee vom Bürgergeld als Nothilfe kollidiert oft mit einer Mitnahmementalität.
- Dann gehen wir jetzt zu Martin. Martin hat ih nur einmal im Jobcenter vorgesprochen, als er den Antrag gestellt hat 2019. Wow, das ist lange
- her. Das heißt, 7 Jahre hat er keinen Termin nicht persönlich wahrgenommen. Genau. Ja. Und bekommt trotzdem die ganze Zeit
- Geld. Auch Martin gilt bislang statistisch nicht als Verweigerer, auch weil seine Mutter ihn immer mal wieder krank
- meldet. Der Grippekranker Martin ist leider nicht im Bett oder kommt nicht aus dem Bett.
- Kommt nicht aus dem Bett. Nee, wir geben ihm einfach ein bisschen Zeit aus dem Bett rauszukommen und dann keiner weiß wie viele Martins es gibt.
- Menschen, die wohl arbeiten könnten, aber es nicht tun und die jahrelang nicht auffliegen. Der Ermittlungsdienst war übrigens im
- Januar hier und hat auch keinen angetroffen. Mehrmals niemanden angetroffen. Kann auch sein, dass er hier gar nicht
- lebt. Genau. Ja. Ja. Wäre ja. Ja,
- ich meine ein bisschen für unwahrscheinlich, weil die Mutter hier so in der Erscheinung tritt, aber normalerweise hatte ich durchaus schon,
- dass da irgendein Onkel immer vorspricht, die ganze Sache am Laufen hält und die Person war seit Jahren schon in Jordanien zurück.
- Und was zahlt der Staat hier in dem Fall? Oh, für Martin kann ich gut. Na Miete und Leist und
- 1186 seit 7 Jahren. Wahnsinn. Ja. Ja, aber wenn der sich jetzt nicht
- meldet, nicht vorspricht, dann hät sich das erledigt. Ja. Ja, das heißt, Martin sollen alle Leistungen
- gestrichen werden. Bürgergeld, Miete, Heizkosten. Doch das ist die ganz große Ausnahme, denn grundsätzlich ist der Sozialstaat sehr großzügig.
- Das hat sich rumgesprochen. Viele Großstädte werden Opfer von Sozialleistungsbetrug im großen Stil, weil kriminelle Netzwerke offenbar ein
- Geschäftsmodell entdeckt haben. Sie locken Menschen aus dem EU-Ausland mit dem Versprechen auf Arbeit, Wohnung und Sozialleistungen nach Deutschland.
- Für die Behörden ist es kompliziert, solch kriminelle Strukturen aufzudecken. Die Masche geht so. Die Menschen, meist aus Bulgarien oder Rumänien arbeiten oft
- nur als Minijober, haben damit aber mit unter sofort Anspruch auf Bürgergeld. So will es das EU-Recht. Untergebracht werden sie in extrem heruntergekommenen
- Häusern [musik] zu überteuerten Mieten, die auch das Amt zahlt. Ein Teil ihrer Sozialleistung müssen sie dann an die Drahtsher abgeben.
- Ich bin in der Dortmunder Nordstadt. Bin Sar vom ZDF. Knapp 40% der Menschen hier leben von Sozialleistung und ich bekomme den Eindruck, dass manche nicht
- hier wären, gäbe es den deutschen Sozialstaat nicht. Sie sind aus Bulgarien? Ja.
- Und und seit wann sind Sie in Deutschland? Ja, ich bin in Deutsch dran 16 Jahre. 16 Jahre
- und hier ist besser. Ja, Bulgarien immer scheiße. Und hier
- ist Deutsch ist super Burgergeld Deutschland immer bezahlen, Kindergeld alles.
- Ich habe mich [musik] mit Diego Paabredet. Er ist selbst Romer und hier groß geworden. [musik] Diego arbeitet vollzeit in einem Supermarkt und kann
- von seiner Arbeit ohne staatliche Unterstützung leben. Wenn Sie sowas sehen, dieser systematische ähm Sozialbetrug auch
- es sind viele, die das tun, die sagen, solange mir die Chance gelingt, die System auszutrixen, dann ist deren eigene Schuld.
- Werden sie da wütend, weil sie sagen, wenn ihr das macht, das fällt auch auf mich zurück? Das ärgert mich natürlich, weil ich gehöre auch zu Roma. So
- natürlich bin ich auch da mitgestempelt. Wenn einer hier Scheiße baut, dann sind alle mitgestempelt. Das ist halt so und das wird auch so bleiben. Aber wenn du
- sagst, ey, ne, Deutschland ist mir scheißegal, ich will nur Geld und die Kultur ist mir scheißegal. Das finde ich auch, das passt nicht.
- Aktuell leben gut 180.000 Menschen aus Bulgarien und Rumänien von Bürgergeld in Deutschland. 1,4 Milliarden Euro hat der deutsche
- Staat dafür im vergangenen Jahr ausgegeben. Dazu kommen noch rund 223 Millionen Euro Kindergeld.
- Sozialleistung für Zugewanderte, ein großes Diskussionsthema. Knapp die Hälfte der Bürgergeldempfänger hat keinen deutschen Pass. Hier vor dem
- Jobcenter in Berlin ist es trotz Übersetzerin schwer für mich [musik] mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Ich mache ein Film zum Bürgergeld. Ich
- habe keine Zeit. Mhm. Sie beziehen Bürgergeld, nehme ich an. Ah, sie beziehen Bürgergeld.
- Keine Zeit. Keine Zeit. Kein Interview. Besondus.
- Aber aber sie hatten noch gerade Thema Bürgergeld. Rund die Hälfte der Ukrainer, Syrer und Afghan in Deutschland leben von
- Bürgergeld. Die Bürgergeldkosten allein für diese drei größten Gruppen sind beträchtlich. 2025 sind es insgesamt 11,6 Milliarden
- Euro. Dazu kommt das Kindergeld sodass sich die Zahlung alles in allem auf rund 13,3 Milliarden Euro belaufen.
- Mit der Flüchtlingswelle 2015 ist der deutsche Sozialstaat wieder einmal unter Druck geraten. Damals war Willkommens Kultur und wir schaffen das. Heute bin
- ich bei den Achmats eingeladen. [musik] Auch sie sind 2015 aus Syrien hierhergekommen. Miada Ahmad zusammen mit vier
- erwachsenen Kindern. Und wieso Deutschland? Deutschland ist meine Traum. Also nach Deutschland reisen. Also vor
- dem Krieg auch. Und wieso? Ich habe Filme gesehen von Deutschland und war wir war wohnen in Damaskus und ich sitze immer nachmittag und mach Kaffee und
- sitze im Balkon und wenn eine äh Flugzeug so gehen und ich immer sage, wann komme ich mit dir nach Deutschland? [gelächter]
- Sucht trumen, ne? Dann kam der Krieg und Miada Ahmad nach einer langen Flucht tatsächlich nach Deutschland.
- Was hast du in Damaskus gearbeitet? Gar nichts. Haus Hausfrau und Mama von fünf Kindern. Bei uns ja muss nicht die Frauen arbeiten.
- Man arbeitet ist genug. Unsere Kultur ist ein bisschen anderes, ne? Eine Kultur, die sich bei manchen in der jungen Generation offenbar wandelt. Ihre
- Tochter Buschra Ahmad hat in der Heimat Friseurin gelernt und bis zu einer Handop auch in Deutschland gearbeitet. [musik] Aktuell bekommen beide
- Bürgergeld und beide zählen damit zu einer präkären Gruppe. Von den 2015 zugezogenen Flüchtlingen sind es vor allem Frauen, [musik] die nicht
- arbeiten. Nur 32% haben feste Arbeit oder wenigstens einen Minijob. Bei den Männern sind es 70%. [musik] Seit wann bist du beim Jobcenter oder im
- Bürgergät? Fast 10 Jahre. Also seitdem ihr hier seid. Ja. Und das meine erste Job für mich das
- jetzt meine erste Arbeit erste Arbeit bisschen schwer, aber ja. Neuerdings arbeitet [musik] Mada Ahmad 4er Stunden am Tag in einem Eiskaffee.
- Sie verdient eigenes [musik] Geld zum ersten Mal in ihrem Leben und stockt damit ihr Bürgergeld auf.
- Arbeitskräfte wie Miada Ahmad werden aktuell überall gesucht. Darüber will ich noch einmal mit Fried Göken sprechen, dem Insider vom Jobcenter
- Bremen. Wir [schnauben] treffen uns zum Mittagessen bei einem Freund von Ihnen. Guten Tag. Hallo.
- Herzlich willkommen. Danke schön. Freut mich. Sar. Hallo.
- Ali Tekin betreibt seit [musik] gut einem Jahr sein eigenes Restaurant. Das einzige, was ihm noch fehlt, Personal. Ich habe gehört, sie suchen auch immer
- händerend Leute, die hier arbeiten, ne? Wir suchen, aber diejenige, die wollten arbeiten, die wollten anders arbeiten. Anders als schwarz
- Beispiel. Ja, wir wollen einfach gerne weiter Bürgergeld und ein bisschen schwarz dazu oder wenigstens die Miete.
- Soll das am zahlen ja regulär zu arbeiten, vollzeit und legal, das lohnt sich aus Sicht einiger
- offenbar nicht. Jedenfalls nicht, solange es derart leicht ist, sich im Bürgergeld einzurichten. Ähm Jobcenter ist ja hier direkt um die
- Ecke. Sitzt das Problem da oder sind es die Leute, die es ausnutzen? Also ist das System das falsches oder sind es die Menschen bedingt
- sich gegenseitig. Einer bietet in eine Rolle an und der Kunde nutzt s nach Kräften. Das fällt natürlich dann auf, wenn du 215 hast, wo
- äh sehr viele Menschen hier nach Deutschland kommen und das fällt jetzt im Moment auch auf, wenn das Geld ausbleibt, weil wir wirtschaftlich
- schwächeln. So einfach ist das. Wenn Sie entscheiden könnten, was würden Sie ändern? Wir müssen halt mit dem Problemen anders umgehen, indem
- wir dann auch Ross und Reiter nennen und sagen, pass auf, bei uns wird gearbeitet. Flankierend mit einer demsprechenden Ordnungspolitik, die wir
- ja auch nicht neu erfinden müssen, die einfach da ist. Das heißt, dass wir in den Jobcentern auch dann sanktionieren für Fehlverhalten. Mhm.
- Dafür müssen wir sagen, das ist unsere Verantwortung. Auch der Bundesrechnungshof hat jüngst festgestellt, dass eine kategorische
- Verweigerungshaltung für viele Bürgergeldempfänger ohne spürbare Konsequenzen blieb. oft jahrelang. Fried Göken nennt das
- Lebensalternative Bürgergeld. Mir hat jemand geschrieben, für den das eine sehr gute Alternative ist.
- bin Bürgergeldempfänger und arbeite schwarz auf einer recht professionellen Ebene. Ich beschäftige je nach Auftragslage ein bis drei Mitarbeiter.
- Bürgergeld beziehen und nebenbei schwarzarbeiten. Ich treffe jetzt genauso jemanden, der den Sozialstadt ausnimmt, mir seine Geschichte erzählt,
- aber natürlich unerkannt bleiben will, weil das ganze ist strafbar. Er arbeitet [musik] als Handwerker 5 se Tage die Woche, gelegentlich auch
- sonntags. Ähm, nehmen Sie mich mal mit in Ihr Leben. Wie viel kommt dabei rum? Ich habe im letzten Jahr ganz knapp vor
- 60.000 1000 € Umsatz gemacht und da war ein bisschen Material, ein bisschen äh Gehalt für meine Jungs und da habe ich so glaube ich unterm Strech so 40 bis 45
- 000 €. Damit kann man natürlich sehr gut lehnen. Ja, vor allem wenn äh quasi durchs Bürgergeld die Wohnung und alles gezahlt
- sind und man das dann noch mal Cash auf die Hand kriegt, ist äh ähm genau die Miete ist bezahlt, die Heizung ist bezahlt, man ist Krankenversichert,
- also die Basics sind okay und jeden Euro, den ich dann schwarz verdiene, das ist den Taschengeld.
- Macht 3500 € Taschengeld pro Monat. ohne dass das Jobcenter davon etwas mitbekommt oder ihn dazu drängt, legal und steuerpflichtig zu arbeiten.
- Ich habe anderthalb Jahre lang jeden Termin kommentarlos versäumt, war für die nicht existenz und das Geld kam trotzdem. Und nach anderthalb Jahren bin
- ich dann zum Jobcenter hingegangen. Er wurden meinen Termin mit der Arbeitsvermittlerin gebeten und hat sie mich gefragt, warum ich denn jetzt hier
- bin. M ja, ich würde gerne ein LKW Führerschein machen. Sagt: "Oh, ja, super." hat mir ein Bildungsgutschein
- ausgestellt für ein LKD Führerschein. Das hätte aber 6 Monate gedauert. Das wären für mich 6 Monate Verdiensausfall gewesen.
- Haben Sie konkret Angst, dass irgendwie das Jobcenter Ihnen auf die Schliche kommen kann, weil knappe 60.000 schwarz zu verdienen ist ja also irgendwo
- sichtbar, ne? Ähm ja, zum Teil. Das meiste ist natürlich bar, nur manchmal bekommt man halt Geld über PayPal. Mm. Und das Jobcenter
- auch neben meinen Kontoauszügen der mal meine PayPal in Auszüge sehen. Mhm. Nur seit anderthalb Jahren schicke ich
- den die Mission und nichts. Ich bekomme jeden Monat mein Girl.
- Mit Fotos, PayPal Auszügen und Kundenreaktionen zeigt er mir, was er macht und wie viel er schwarz verdient. Unser Bürgergeld muss offenkundig besser
- geschützt werden. Haben Sie ein schlechtes Gewissen Bürgergeld und gut nebenbei schwarz verdienen?
- Ja, ein also dem Staat gegenüber natürlich schon. Ich verstehe, dass das äh auch asozial ist in gewisser Weise. Das ist unsolidarisch. Auf der anderen
- Seite, ich gehe damit sehr offen um und viele meiner Kunden wissen das auch und die sind völlig fein damit. Mhm.
- Die machen einen Unterschied, ob ein Bürgergeldempfänger den Vormittag schläft und das nachts um 2 Computer spielt oder ob ein
- Bürgergeldempfänger morgens um 6 Uhr aufsteht und eine vernünftige Arbeit macht zum fairen Preis. Aber würden wir alle schwarz arbeiten und keine Steuern
- zahlen, wird unser Staat zusammenbrechen, ne, mit mit allem guten, was er hat, auch wegen Menschen wie ihn, die Bürgergeld beziehen, obwohl
- sie es gar nicht brauchen. So dass am Ende eine alleine ziehende Mutter, die nicht arbeiten kann, für die bricht das dann ja auch weg.
- Ja, das stimmt. Er ist sicher ein Extrem, aber gewiss kein Einzelfall. Bürgergeld beziehen und nebenbei schwarz arbeiten, z.B. als
- Putzkraft, das höre ich immer wieder. Sie alle leisten durchaus viel. Auch deshalb wollte er seine Geschichte teilen, aber sie leben zugleich auf
- unsere Kosten. Mit der neuen Grundsicherung sollen die Jobcenter wieder [musik] mehr Druck
- machen. Silke Posakowski und Marcel Eichenseher versuchen das jetzt schon. Die Kunden wieder schneller in Arbeit bringen. So
- will es das neue Gesetz. Aber wie oft gelingt das Menschen wirklich einen Jobs zu vermitteln? Wie dass man selber dafür
- verantwortlich? Oh, das ist das ist wirklich sehr gut. Also noch nicht mal eben mal im Jahr. So, jetzt fahren wir zu Susanne. Susanne
- ist 60, lebt allein, war früher Postzusteller und ist seit 24 Jahren im Leistungsbesug. Wow. Ja.
- Woran liegt's? Ja, wenn man das wüsste. [gelächter] Also, Krankschreibung haben wir nicht. von ihr. Also, die hat noch
- nie eine Krankschreibung eingereicht. Letzte persönliche Kontakt war 2022, also vier Jahre her. Wenn wir sie nicht antreffen, dann ist schon entschieden,
- dass wir nicht weiter zahlen. Also, wer nicht da ist, bekommt kein Geld mehr, weil der Wohnsitz nicht mehr stimmt. Das ist eine kreative Auslegung
- der aktuellen Rechtslage und eigentlich nicht vorgesehen. Im regulären Verfahren wurde im vergangenen Jahr 224100
- erwerbsfähigen Leistungsberechtigten das Bürgergeld [musik] gekürzt. Durchschnittlich 0,9%.
- Hallo. Das scheint wenig, doch offenbar kontrollieren die Jobcenter mittlerweile strenger und sanktionieren auch öfter.
- 2025 gab es 25% mehr Leistungsminderung im Vergleich zum Vorjahr. [musik] Das nächste ist ein junger Mann, 28 Jahre und da lief erstmal alles ganz
- sauber. Ja, hat Fachabitur und vor zwei Jahren hat man sich noch darüber unterhalten, er wollte Biologie studieren und dann ist es abrupt
- abgebrochen. Also die letzten Meldetermine hat er nicht mehr wahrgenommen. Okay,
- mal schauen. Der Brief mit der Terminankündigung heute offenbar gelesen.
- Der Herr Eichenseher und die Frau Pusakowski vom Jobcenter. Hallo. Hallo.
- Hallo. Drinne draußen. Wie hätten Sie es gern? Wenn Sie meine Situation kurz ver sehen wollen, können Sie kurz ein reinblicken?
- Okay. Mhm. Ich pass schon nicht rein. Alles gut.
- Mhm. smerice lange nicht vorbeigekommen war dann sehen wir uns gleich unten. Hast du holy, ich habe nur den Boden gesehen.
- Das war ja also Müll bis Na, das aber die ganze Wohnung die ganze Wohnung ist so vermüllt ja auch komplett
- auch psychisch krank 100 pro der Kunde ist psychisch labil. Suizid versucht [musik] der Freundin. Außerdem
- seit Jahren Drogenmissbrauch, auch Heroinen. Ja, was machen wir jetzt? Meine Empfehlung wäre eigentlich, dass sie mit
- dem Sozialarbeiter zweimal die Woche in Kontakt haben, wo man einfach mal guckt, ist gerade wieder schlecht, wird's besser, arbeiten wir an unseren Ziel.
- Und es geht hier nicht vorrängig darum, dass morgen ein Job aufnehmen, sondern dass wir die ganzen Probleme bearbeiten. Ja,
- sind Sie dabei? Ich bin dabei. Ja, ich denke an Vermittlung hat Vorrang. Das hier ist aber eine andere Welt.
- Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, [musik] das auch wirklich angenommen wird und klappt und irgendwann tatsächlich in in
- eine Ausbildung oder Arbeit führt. Also an ihnen glaube ich, aber ist nicht, also ich glaube Monate ist nicht die richtige Maß dafür.
- Nein. Meine Bilanz heute, die Hälfte der Besuchten, die braucht Hilfe. Dass der Sozialstaat für sie da ist, ist richtig [musik] und wichtig. und darauf dürfen
- wir auch mal stolz sein. Doch die anderen haben anscheinend [musik] kein großes Interesse daran, das Bürgergeld zu verlassen, obwohl sie es könnten.
- [musik] Und dann [musik] gibt es auch die anderen, die zeigen, wie es geht, raus
- aus dem Bürgergeld. Bin hier in Ahlen, Nordrhein-Westfalen, weil hier was richtig gut läuft. Kommen
- Sie mal mit. Hallo, ich habe einen Termin bei Miriam
- Suleimann. Waschen, föhnen, Augenbrauen. 2016 ist sie aus Syrien nach Deutschland gekommen. Damals war sie noch verheiratet. Heute ist sie
- alleinerziehende Mama von drei Kindern. Arbeitet vier Tage die Woche hier im Salon. Sie bekommt kein [musik] Bürgergeld mehr.
- Wer hat ihnen geholfen? Wie haben Sie das geschafft? Habe ich das alleine alles geschafft? und vom Jobcenter, die haben mich so
- sowas beim Caritas kann ich immer dahingehen, wenn ich Hilfe bekomme, wenn ich die Anträger so Anträge so ausfühlen und so solche Sachen und Fraujäger, sie
- hat auch viel geholfen. Ja und danach habe ich denn hier Arbeit gefunden und sag Frau Jäger, ich habe Arbeit gefunden. [gelächter]
- Ja, mega. Wo ich bei Neumann und Neumann [musik] Miriam Sulimann profitiert vom Pilotprojekt Anna. steht für
- Alleinerziehende und ihren Nachwuchs nachhaltig aktivieren. Gefördert vom Bund und dem Europäischen Sozialfond, realisiert vom kommunalen Jobcenter.
- Was hat das Jobcenter im Fall von Miram richtig und gut gemacht? Was mir richtig gut gefallen hat, war, dass es sehr unbürokratisch war. Wir
- haben ein halbes Jahr eine Unterstützung über 50% des Lohnens bekommen, weil wir sind bei null angefangen. Miriam war komplett
- ungelernt. Ungelernt. Wieso ist das so wertvoll und wichtig für Sie, also, dass Sie jemanden wie
- Miriam auch gewinnen konnten? Ähm ist einfach eine sehr stagnierende Branche, die Friseurbranche und sie stand auf einmal im Salon und
- sagte, ich möchte gerne für Sie arbeiten, bitte geben Sie mir eine Chance. Toll. Und dann fand ich so klasse, dass
- jemand arbeiten möchte. Jetzt haben wir alle Voraussetzungen und dürfen ab August in die Ausbildung starten mit Haare schneiden. [gelächter]
- Das sagte Seelen letztens, ich möchte auch Haare schneiden und das fand ich richtig schön.
- Das Projekt Anna gibt es nur hier im Landkreis Warendorf. Ihre Chefin ist stolz. Miriam Sleimann auch und die Organisatoren
- sowieso. 25 [musik] km weiter in Warendorf treffe ich Jobcenterchef Killon und sein Team.
- Erzählen Sie mir was zu ihrem Projekt. Was ist da der Schlüssel? Es geht halt darum in der Perspektive zu bieten. Probleme mit Behörden. Wie kann
- ich z.B. Kinderbetreuung organisieren. Ähm wie kann ich z.B. Kontakt mit einer Krankenkasse aufnehmen? Da bekommen die Familien Hilfe zur Verfügung gestellt
- und die Bürger werden weiterhin auch von uns im Jobcenter betreut, von den Integrationsfachkräften, aber alles was bei uns einfach hinten
- rüber fällt, weil wir dafür nicht zuständig sind, wie man immer so schön sagt, das können diese Familiencoaches dann auffüllen.
- Ähm, das klingt gut, nachvollziehbar. Warum wird das nicht überall in der Form gemacht? Wenn Sie ein Familiencoach für eine
- Familie abstellen, der in der Regel im gehobenen Dienst irgendwo bezahlt wird, äh dann ist das sehr kostenintensiv, sehr
- zeitintensiv und wenn man das für alle Kunden und Leistungsberechtigte aus dem SGB2 machen würde bundesweit, wäre das ein sehr, sehr teures Geschäft.
- Mhm. und doch womöglich wirkungsvoller, denke ich, als so manche sehr teure klassische Maßnahmen. Und woanders gibt's sogar Ideen, die nichts kosten
- und trotzdem viel verändern [musik] würden. In Dänemark beispielsweise die Pflicht, sich selbst um Termine zu bemühen. Durch
- den Leistungsberechtigten erhalte ich für einen guten Weg. Dann brauchen wir nicht mehr über Meldeversäumnisse und Sanktionen diskutieren. Ähm, weil wenn
- der Bürger sich selber keinen Termin holt, bekommt er keine Leistung mehr. Einfach und wirkungsvoll. [musik] Wieso also machen wir das nicht genauso
- auch in Deutschland? Wieso initiieren wir nicht mehr Projekte, um gerade junge Bürgergeldempfänger zu aktivieren, wie
- in Thüringen? Wieso verlangen wir nicht von allen Jobcentern rauszugehen, an den Türen zu klingeln wie in Berlin?
- Denn es gibt sie die guten Ideen in Deutschland und drumherum. Darüber wollte ich mit der hier verantwortlichen Bundesarbeitsministerin Berbelbas
- sprechen, [musik] sie aber nicht mit mir. Wir brauchen neue strengere Regeln und Menschen wie Miriam Suleimmann.
- Was braucht, damit das gelingt? Also, was kannst du anderen raten? Ich konnte auch alle sagen, die mussten so immer Arbeit suchen, weil gibt so viele
- Menschen, die konnten so die haben so viele Berufe im Heimat schon mal das gelernt, ne? Die konnten auch hier weitermachen.
- Ja. Und bist du stolz auf deine Mama, dass sie es geschafft hat? Ähm, richtig.
- Bin richtig stolz. Raus [musik] aus dem Bürgergeld. Das gelingt zu wenigen, denn ein Leben ohne
- Leistung, das geht. [musik] Das System macht Missbrauch einfach. Und klar ist, ein Sozialstaat, [musik] der
- sich ausnehmen lässt, der wird auch ausgenommen. Deshalb muss er strenger hinschauen, um für die da zu sein, die ihn wirklich brauchen.
- [musik] [musik]
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