Neutronensterne: Fast so krass wie schwarze Löcher Dinge Erklärt – Kurzgesagt https://www.youtube.com/watch?v=bRu7i011Fxo Transkript (automatisch erstellt) 0:00 (Schimmernde Töne) Neutronensterne sind mit das Krasseste im ganzen Universum. 0:07 Riesige Atomkerne, die bei einem Durchmesser von gerade mal ein paar Kilometern 0:12 die Masse eines Sterns haben. Ihre Existenz verdanken sie dem Tod von etwas Gewaltigem. 0:21 (Muntere Musik) (Belebte Musik) 0:29 Sterne existieren in einem fragilen Gleichgewicht. Gravitation zieht die Masse 0:34 von Abermilliarden Tonnen heißem Plasma zusammen und presst alle Stoffe mit einer solchen Kraft ineinander, 0:40 dass deren Kerne verschmelzen. Wasserstoff verschmilzt zu Helium und setzt Energie frei, 0:46 die versucht, der Schwerkraft zu entkommen. In diesem Gleichgewicht sind Sterne ziemlich stabil. 0:54 Mit der Zeit geht der Wasserstoff aber aus. Mittelgroße Sterne wie die Sonne durchlaufen dann 0:59 eine Phase als Riesenstern, in der das Helium zu Kohlenstoff und Sauerstoff verbrennt, 1:04 bevor sie zu Weißen Zwergen werden. Interessant wird es, wenn Sternen das Helium ausgeht, 1:10 die viel massereicher sind als die Sonne. Das Gleichgewicht zwischen Druck und Strahlung kippt. 1:16 Die Schwerkraft gewinnt und drückt den Stern noch stärker zusammen. Der Kern verbrennt heißer und schneller. 1:23 Die äußeren Schichten dehnen sich aus und immer schwerere Elemente verschmelzen miteinander. 1:29 Bis aus Kohlenstoff Neon wird, dauert es Jahrhunderte. Aus Neon Sauerstoff ein Jahr. 1:34 Aus Sauerstoff Silizium ein paar Monate. Und aus Silizium Eisen einen Tag. Dann folgt der Tod. 1:42 Eisen ist nukleare Asche, die keine Energie mehr abgibt und nicht weiter verschmolzen werden kann. 1:47 Die Verschmelzung stoppt also plötzlich, was das Gleichgewicht zerstört. 1:51 Ohne den nach außen gerichteten Druck wird der Kern vom enormen Gewicht des Sterns einfach zermalmt. 1:58 Was als nächstes passiert ist Wahnsinn. Und ziemlich beängstigend. 2:02 Partikel wie Elektronen und Protonen wollen sich eigentlich nicht näherkommen. 2:06 Der Druck des kollabierenden Sterns verschmilzt sie aber zu Neutronen, die dann dicht zusammengedrückt werden wie in einem Atomkern. 2:15 Aus einer erdgroßen Eisenkugel wird also eine Kugel aus reiner Kernmaterie 2:19 von der Größe einer Stadt. Aber nicht nur der Kern, der ganze Stern implodiert. 2:24 Und die Schwerkraft zieht die äußeren Schichten mit einem Viertel der Lichtgeschwindigkeit nach innen. 2:30 Die Implosion prallt am eisernen Kern ab und die resultierende Schockwelle explodiert nach außen 2:35 und katapultiert den Rest des Sterns ins All. So eine Supernovaexplosion strahlt heller als ganze Galaxien. 2:43 (Dynamische Musik) Übrig bleibt ein Neutronenstern. 2:47 Er hat etwa eine Million Mal mehr Masse als die Erde. Bei einer Breite von gerade mal etwa 25 Kilometern. 2:54 Das ist so dicht, dass die Masse aller lebenden Menschen in nur einem Kubikzentimeter der Neutronensternmaterie 3:00 Platz hätte. Also ungefähr eine Milliarde Tonnen in der Größe eines Würfelzuckers. 3:05 Kurz gesagt: Der Mount Everest in einer Kaffeetasse. Ein Neutronenstern ist richtig extrem. 3:12 Er hat die größte Schwerkraft nach Schwarzen Löchern. Und wäre er noch dichter, würde er zu einem werden. 3:19 Licht krümmt sich darum herum, sodass man die Vorder- und Teile der Rückseite sehen kann. 3:25 Seine Oberfläche wird bis zu eine Million Grad Celsius heiß. Im Vergleich zu den mickrigen 6.000 Grad unserer Sonne. 3:33 Klar soweit. Und von nahem? 3:36 Obwohl diese riesigen Atomkerne Sterne sind, sind sie auch ein bisschen wie Planeten 3:40 mit einer festen Kruste um einen flüssigen Kern. Die Kruste ist extrem hart. 3:45 Die äußersten Schichten bestehen aus übriggebliebenem Eisen von der Supernova, 3:50 dicht zusammengepresst in einem Kristallgitter, durch das Elektronen fließen. 3:55 Weiter in der Tiefe drückt die Schwerkraft die Kerne zusammen. Es gibt immer weniger Protonen. 4:00 Denn die meisten davon sind zu Neutronen verschmolzen. Am Boden der Kruste werden die Kerne sogar so fest zusammengepresst, 4:08 dass sie sich berühren. Protonen und Neutronen ordnen sich neu zu langen Zylindern oder Platten. 4:14 Riesige Kerne mit Millionen Protonen und Neutronen, die aussehen wie Spaghetti oder Lasagne. 4:21 Physiker nennen das "nukleare Pasta". Nukleare Pasta ist extrem dicht. 4:26 Die vielleicht stärkste Materie im Universum, quasi unzerstörbar. Klumpen dieser Pasta bilden in einem Neutronenstern sogar Berge, 4:35 die zwar nur ein paar Zentimeter hoch sind, aber um ein Vielfaches mehr Masse haben als der Himalaya. 4:40 Irgendwo unter der Pasta liegt der Kern. Wir wissen nicht wirklich, 4:44 was mit Materie unter so hohem Druck passiert. Vielleicht lösen sich Protonen und Neutronen 4:49 zu einem Quarkmeer auf, zu einem Quark-Gluon Plasma. Manche dieser Quarks werden vielleicht 4:56 zu sogenannten "Seltsamen Quarks", die "Seltsame Materie" bilden. Die ist so verrückt, dass wir ein ganze Video darüber gemacht haben. 5:03 Vielleicht bleiben sie aber auch einfach Protonen und Neutronen. Niemand weiß es. 5:08 Und genau deshalb erforschen wir sie. Das alles ist ziemlich schwer und zwar buchstäblich. 5:14 Also zurück ins All. Ganz zu Beginn des Kollapses 5:18 drehen sich Neutronensterne sehr, sehr schnell um die eigene Achse wie eine Ballerina, die ihre Arme anzieht. 5:24 Neutronensterne sind Ballerinas im All, die sich viele Male pro Sekunde drehen. 5:29 Dadurch entstehen Strahlungsimpulse, weil ihr extremes Magnetfeld einen Strahl von Radiowellen erzeugt, der bei jeder Drehung vorbeizieht. 5:39 Diese Radiopulsare sind die bekanntesten unter den Neutronensternen. 5:43 In der Milchstraße wissen wir von etwa 2.000 davon. Diese Magnetfelder sind die stärksten im Universum. 5:50 Direkt nach der Entstehung eine Milliarde Mal stärker als das der Erde. 5:54 Wir nennen sie Magnetare, bis sie sich etwas beruhigt haben. Die besten Neutronensterne 6:00 sind aber mit anderen Neutronensternen befreundet. Weil sie Energie als Gravitationswellen ausstrahlen, 6:07 die eine Krümmung der Raumzeit verursachen, verkleinern sich ihre Orbits. 6:12 Dann können sie kollidieren und einander in einer Kilonova-Explosion zerstören, 6:16 in der sie ihr Inneres ausspeien. Passiert das, wird alles so extrem, 6:22 dass sich für eine kurze Zeit wieder schwere Kerne bilden. Nicht durch Fusion, sondern weil neutronenreiche Materie zerfällt 6:29 und sich neu zusammensetzt. (Dynamische Musik) Erst seit kurzem wissen wir, dass das vermutlich der Ursprung 6:35 der meisten schweren Elemente im Universum ist. Gold, Uran, Platin und Dutzende andere. 6:40 (Lebhafte Musik) Jetzt zerfallen unsere beiden Neutronensterne 6:43 und werden zu einem Schwarzen Loch. Um Elemente zu schaffen, 6:48 müssen Neutronensterne also nicht nur einmal, sondern gleich zweimal sterben. 6:53 Über Jahrmillionen verteilen sich diese Atome wieder in der Galaxie. Einige bilden Wolken, die die Schwerkraft 6:59 zu neuen Sternen und Planeten zusammenzieht. Ein immer wiederkehrender Kreislauf. 7:04 Unser Sonnensystem ist ein Beispiel dafür. Und Überbleibsel von Neutronensternen sind allgegenwärtig. 7:10 Unsere ganze technologisierte Welt besteht aus Elementen, die vor Äonen aus Neutronensternen entstanden sind. 7:17 Nach einer 13 Milliarden Jahre dauernden Reise bilden diese Atome jetzt unsere Welt. 7:24 Ziemlich cool. Oder? (Friedliche Musik, Vogelgezwitscher)