Kann die Wirtschaft unbegrenzt wachsen? Bleib neugierig — TED-Ed https://www.youtube.com/watch?v=bN2I5Pn3u14 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Übersetzung: nicole lukosz Lektorat: Andrea Hielscher Sagen wir, Sie finden eine magische Goldmünze, 0:11 die sich alle 25 Jahre verdoppelt. 75 Jahre später hätten Sie erst acht Münzen. 0:17 Aber 1.000 Jahre später hätten Sie über eine Billion. Und in nur 4.600 Jahren 0:23 wäre die Menge der Münzen größer als das derzeit bekannte Universum. Diese periodische Verdopplung nennt man exponentielles Wachstum, 0:32 und auch wenn wir sehr vermutlich keine “Goldene-Gans-Münze” finden, ist in den letzten 200 Jahren etwas ebenso Folgenreiches 0:42 auf diese Weise gewachsen: die Weltwirtschaft. Viele Ökonomen halten eine ewig wachsende Wirtschaft für nötig, 0:50 um das Leben der Menschen ständig zu verbessern. Wenn die Weltwirtschaft nicht mehr wachse, 0:56 würden die Menschen mehr um die bestehenden Werte kämpfen, statt neue Werte zu schaffen. 1:03 Das wirft die Frage auf: Ist ewiges Wachstum auf einem endlichen Planeten möglich? 1:09 Man misst Wirtschaftswachstum, indem man den finanziellen Gesamtwert von allem verfolgt, 1:13 das ein Land (oder die Welt) auf dem Markt produziert und verkauft. Diese Produkte können den Grundbedarf decken 1:20 oder die individuelle und kollektive Lebensqualität verbessern. Aber man braucht auch Ressourcen, 1:26 um sie zu erfinden, herzustellen und zu warten. Zum Beispiel dieses Smartphone. 1:32 Es ist wertvoll, weil es unter anderem Aluminium, Gallium und Silizium enthält, die mit Energie und Ressourcen gefördert, gereinigt und verarbeitet wurden. 1:42 Es ist auch wertvoll wegen des Aufwands für das Design der Hardware und die Entwicklung der Software. 1:48 Und es ist wertvoll, weil ein Typ im schwarzen Rolli auf die Bühne kam und Ihnen das sagte. 1:54 Wie können wir also den finanziellen Gesamtwert aller Dinge steigern? Eine Möglichkeit ist, mehr Dinge herzustellen. 2:02 Eine andere ist es, neue Dinge zu erfinden. In jedem Fall erfordert Wachstum Ressourcen und Energie. 2:10 Gehen uns die nicht irgendwann aus? Um das zu klären, sollten wir bedenken, 2:15 was in die Wirtschaft fließt und was herauskommt: Input sind Arbeit, Kapital -- das Sie sich als Geld vorstellen können -- 2:23 und natürliche Ressourcen wie Wasser oder Energie. Der Output ist Wert. 2:29 In den letzten 200 Jahren sind die Volkswirtschaften bei der Wertschöpfung exponentiell effizienter geworden. 2:36 Wenn wir als Spezies unsere Volkswirtschaften so verbessern können, dass sie immer effizienter werden, 2:43 könnten wir theoretisch immer mehr Wert herausholen -- mit denselben, oder seien wir ehrgeizig, mit weniger Ressourcen. 2:52 Wie geht das? Wie steigern wir die Effizienz? 2:56 Mit neuen Technologien. Hier taucht ein Problem auf. 3:01 Neue Technologien machen Dinge nicht nur effizienter, sie können auch neue Nachfrage erzeugen, die sogar mehr Ressourcen braucht. 3:09 Zurzeit besteht kein echtes Risiko, dass uns die meisten Ressourcen ausgehen. Aber wir haben ein viel größeres, drängenderes Problem: 3:17 Die globale Wirtschaft, speziell in den wohlhabenden Ländern, treibt den Klimawandel voran und zerstört wertvolle Naturräume, 3:25 von denen wir alle abhängen -- Boden, Wälder, Fischereigründe und unzählige andere Ressourcen, 3:30 die unsere Zivilisation am Leben halten. Was sollten wir also tun? 3:35 Hier sind sich die Ökonomen nicht einig. Viele meinen, neue Ideen können die meisten Probleme lösen. 3:43 Sie argumentieren, so wie der exponentiell steigende Ressourcen- und Energieverbrauch 3:49 exponentielles Wirtschaftswachstum zur Folge hat, nimmt auch der menschliche Einfallsreichtum exponentiell zu 3:55 und stellt sich diesen Aufgaben in einer Weise, die wir einfach nicht vorhersehen können. 4:01 Beispielsweise steigerte Deutschland zwischen 2000 und 2014 sein BIP um 16 % und senkte die CO2-Emissionen um 12 %. 4:11 Das ist beachtlich, aber die Emissionen sinken zu langsam, um die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. 4:18 Aus diesem und anderen Gründen sehen einige Ökonomen eine Lösung darin, die Wirtschaft völlig umzugestalten. 4:25 Sie plädieren dafür, wir sollten uns von der Sucht nach Wachstum verabschieden und zu einer Postwachstumsökonomie übergehen. 4:35 Wie würde das aussehen? Eine Postwachstumsökonomie ginge nicht vom Wirtschaftswachstum aus; 4:41 stattdessen müssten wir das optimieren, was wir wirklich brauchen -- erneuerbare Energien, das Gesundheitswesen und öffentliche Verkehrsmittel. 4:49 Postwachstumsökonomen schlagen also vor, reiche Länder sollten existenzsichernde Löhne garantieren, 4:55 Ungleichheit bei Wohlstand und Einkommen reduzieren und Zugang zu staatlichen Leistungen wie dem Gesundheitswesen gewähren. 5:02 Dann wären Menschen theoretisch unabhängiger von ihrer Arbeit als Garant des Lebensunterhalts und medizinischer Versorgung, 5:09 und man könnte eher die Produktion dessen reduzieren, was als weniger notwendig gilt. 5:15 Aber das wirft andere Fragen auf: Wer definiert, was notwendig ist? Wie würden wir die unvermeidbaren Konflikte lösen? 5:22 Könnten wir wirklich ganze Branchen abschaffen? Der Ansatz “Wir entwickeln neue Ideen, um diese Probleme zu lösen” 5:30 kann so realistisch erscheinen wie, nun ja, eine magische Goldmünze. Und der Ansatz “Wir müssen unsere Volkswirtschaften fundamental verändern” 5:38 kann besonders wohlhabende Länder politisch entmutigen. So oder so, wir brauchen einen Weg, der allen zugute kommt 5:46 und gleichzeitig unseren Planeten schont.