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L. Ufferfilge - Nicht ohne meine Kippa - Alltag in Deutschland zwischen Klischees und Antisemitismus

Lismio15:03 437 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 83 Zeilen
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  1. nicht ohne meine kippa mein alltag in deutschland zwischen klischees und antisemitismus von levy israel ufa film
  2. für meine oma meine eltern und marc in dankbarkeit unsere geschichten sind alles was wir haben meine oma
  3. ein vorwort schauen sie sich den buchdeckel noch einmal an das ist alles was eine fremde
  4. person auf der straße im supermarkt im zug im café am strand an der bushaltestelle im hörsaal und im wartezimmer sieht eine kippa auf einem
  5. hinterkopf eine projektionsfläche den vertreter aller juden und zerrbilder von juden den staat israel auf zwei beinen und eine fleischgewordene
  6. verschwörungstheorie ein fabelwesen keinen menschen keine person mit einem bestimmten charakter oder eigener geschichte dieses buch ist eine sammlung
  7. meiner eigenen schlechten auch guten traurigen auch heiteren erfahrungen damit in diesem land als jude sichtbar zu sein und damit was es bedeutet mit
  8. einer zielscheibe auf dem hinterkopf zu leben es sind erzählungen davon wie digital zu meinem kopf kam und wofür es sich lohnt sich bei jüdisch zu bleiben
  9. auch erzählungen davon warum das mitunter so wehtut das erleben wieder fahren wären und weitermachen aus meinem blickwinkel
  10. ich fürchte wenn ich nicht aufschrieb was mir widerfährt hätte ich das zweifelhafte glück ist zu verdrängen doch daraus würde niemand etwas lernen
  11. und würde ich mich unsichtbar machen gäbe es das problem noch immer aber mich nicht mehr ganz
  12. ich erinnere mich nicht mehr was die erste antisemitische tat war die ich erlebt habe ich kann mich nur noch vage an ein gefühl von ohnmacht erinnern dass
  13. sie zurück ließ ich erinnere mich nicht besser weil ich diese erste erfahrung nicht aufgeschrieben hatte ich erzählte damals stattdessen meiner
  14. oma davon und wie schlecht ich dieses gefühl los werden konnte weil ich im nachhinein nichts mehr an der tat ändern konnte
  15. nimm dir einen zettel und einen stift und schreibt alles auf das hilft mir meine oma seitdem schreibe ich alles auf denn
  16. tatsächlich hilft es sehr andere mögen das schreibt therapie oder m powerman nennen ich nenne es weg schreiben
  17. ich tat dies lange nur für mich selbst in notizbüchern später in notizen auf dem smartphone doch irgendwann reichte das nicht mehr und so teilte ich meine
  18. notizen vor etwa zehn jahren zum ersten mal auf facebook später auch auf twitter wenn ich schon schlechtes erleben musste wollte ich damit zumindest nicht allein
  19. sein andere sollten sich mit dem problem auseinandersetzen andere sollten davon erfahren anteil nehmen sich in meine lage versetzen
  20. sensibel dafür werden hilfsbereitschaft entwickeln in den 2000 zehn jahren hielten viele menschen in deutschland
  21. antisemitismus für ein historisches relikt nicht für ein akutes problem umso entsetzter reagierten viele menschen auf meine anekdoten aus dem
  22. alltag mein guter freund daniel bahr will entdeckte die erzählungen für den gemeinschafts blog kleiner drei von der
  23. mutigen anne wieczorek dort wiederum wurde die redaktion von jetzt einem online magazin der süddeutschen zeitung auf die erzählungen aufmerksam und
  24. veröffentlichte einen der texte auf seiner homepage im coaching von der literaturagentur rauchzeichen lass ihn und hatte die idee für das buch bis in
  25. händen halten ihr alle daniel und meiner lektoren julia matthias stellvertretend für den gesamten tropen verlag gilt für seine
  26. entstehung mein besonderer dank dieses buch sollte eine zusammenstellung von alltagsgeschichten sein und wurde mehr das kapitel über mein aufwachsen
  27. habe ich eigens für dieses buch verfasst ich konnte dazu kaum auf zuvor niedergeschriebenen erinnerungen zurückgreifen
  28. ansonsten besteht das buch aus den erfahrungen die ich mit jüdischer sichtbarkeit mache so wie ich sie unmittelbar nach dem geschehen manches
  29. mal ein paar stunden später aufgeschrieben habe für dieses buch habe ich die texte kontextualisiert und sortiert ich habe
  30. hauptsächlich aus den letzten zehn jahren erlebnisse ausgewählt die ein querschnitt ergeben sollen nicht die summe des schlimmsten aber auch keine
  31. schönrednerei ich habe außerdem ganz andere einblicke in mein leben eingewoben damit man erkennt was auf dem buchdeckel wirklich gezeigt wird
  32. keine keeper auf einem hinterkopf sondern eine insbesondere jüdische person mit einem zugegeben langen namen und einer eigenen geschichte
  33. ich knüpfe dieses buch die hoffnung dass es in späteren jahren nie im wissen um die bittere ironie gelesen werden möge dass der autor schlussendlich
  34. deutschland verlassen musste oder sein leben gar dem antisemitismus zum opfer gefallen war dieses buch soll nicht mein testament werden vielmehr soll es einen
  35. kleinen beitrag dazu leisten dass andere jüdinnen und juden ist einmal leichter haben werden sichtbarer und damit freie leben zu können
  36. [Musik] teil 1 am anfang gab es keine keeper
  37. im westfälischen nirgendwo das dorf bauen generationen zuvor einem riesigen moore abgerungen hatten bin ich so deutsch aufgewachsen wie jeder andere
  38. dorfbewohner für den die deutsche leitkultur die summe all dessen ist was sein leben ausfüllt nicht hehre ideale demokratischer freiheiten humanistischer
  39. bildung oder dichter und denker hochkultur sondern das schimpfen über das viel beschworene schlechte wetter westfalens plaudereien über die frisch
  40. geernteten bohl aus dem gemüsegarten den frühschoppen im gasthof die alte kegelbahn den jahrmarkt mit fifa kauf am samstag dem gottesdienst am sonntag die
  41. totgeglaubte mundart und das trinken und schießen im schützenverein es mag bitter klingen doch in meiner kindheit und jugend begriff ich die
  42. region in der ich aufgewachsen bin als post jüdisch in meinem heimatort gab es spärlich sichtbar jüdisch nur mich mit meiner kippa auf dem kopf die meine
  43. großmutter liebevoll käppchen nennt und den in einem kleinen waldstück gelegenen jüdischen friedhof den bis heute nahezu niemand unter den protestantischen
  44. dorfbewohnern kennt die ehemalige synagoge ist heute ein wohnhaus ohne erinnerung an seine sakrale funktion oder das jüdische leben
  45. das in ihm weilte jeder jüdische besitz ist einst unter wert verkauft und geraubt worden viele jüdinnen und juden deren kultur
  46. bis zum nationalsozialismus für fast alle dorfbewohner teil ihrer unausgesprochenen unreflektierten leitkultur gewesen ist sind ermordet
  47. worden manche konnten durch flucht dem gewaltsamem tod entgehen so ist es überall in diesem land gewesen ob provinz oder metropole
  48. es gab um mich herum also kein jüdisches leben die nächste jüdische gemeinde minden bei weit weg und winzig es gab höchstens einmal im monat ein
  49. gottesdienst judentum fand in deutschland im stillen statt meist unsichtbar auch mit dem zuzug vieler tausender
  50. jüdinnen und juden aus den ländern der ehemaligen udssr in den 1990 er jahren und anfang der 2000er jahre wurde jüdisches leben in deutschland nicht
  51. selbstverständlich die deutsche ns vergangenheit die show und ihre folgen der anpassungsdruck in der brd denn nicht zu überwindende kontrast zu dem
  52. leben und der kultur die vorher da gewesen und dann zerstört waren von möglichen jede jüdische selbstverständlichkeit
  53. daran konnten die russischsprachige neumitglieder wenig ändern immerhin standen sie aus der sowjetunion die jahrzehntelang juden und judentum
  54. unterdrückt hatte was meine unmittelbare umgebung mir nicht bieten konnte eröffnete mir das amerikanische fernsehen eine vielfältige
  55. vitale jüdische welt ist zeigte mir das jüdischsein in den usa derart normal verbreitet und gleichberechtigt war dass es nicht nur in nahezu jeder
  56. fernsehserie jüdische figuren gab sondern auch in zahlreichen zeichentrick serien bei den kleinkindern in ra graetz gab es
  57. sogar episoden in denen sie jüdische feiertage wie pessach und kaluga feierten ohnehin china locker das nach weihnachten am häufigsten im fernsehen
  58. zu bestaunen de fest zu sein ich saß in der sesamstraße später dann in frames und natürlich in den er nie ich hatte manchmal den eindruck man würde damit
  59. zwar feiern wie in die simpsons öfter zu sehen bekommen als taufe kommunion und konfirmation zusammen
  60. noch heute werde ich gefragt ob meine mutter so wie jene in die nanny sei ist sie nicht und ob juden wirklich so gern und so viel essen würden wie in dieser
  61. serie wer ist nicht gerne und viel ich mochte die serie sehr ich glaube ich habe sie vier oder fünfmal in ganzer länge gesehen und kann bis heute das
  62. deutsche titel lied singen sie verkauft hochzeitskleider und war sehr mondän mondän oft habe ich überlegt ob ich von der
  63. serie eine humorvolle augenzwinkernde vermittlung meiner religion und kultur gelernt habe zweifellos habe ich durch sie ein gewisses faible für barbra
  64. streisand entwickelt so manche späte stunde habe ich mit filmen und serien zu gebracht die noch lange vor meiner kindheit und jugend gedreht worden sind
  65. ausgerechnet alaska etwa dass mir in meiner jugend eine große hilfe gewesen wäre schließlich geht es um einen jungen mann der als einziger jude in einem kaff
  66. im nirgendwo mit diesem nirgendwo meiner alten heimat verhält es sich wie mit einer schneekugel der untergrund ist nahezu
  67. völlig eben und so wie sich die natur nicht erhebt tun es auch menschliche bauten kaum es erscheint als würde der himmel hier wesentlich mehr raum
  68. einnehmen als in der stadt die den blick gen horizont doch stets einzuschränken weiß der blick auf dem offenen land wandert immer wieder nach oben zu der
  69. enormen weite und tiefe der nacht der vielzahl der sterne und am tage zu den riesigen sich mächtig auftürmenden wolken ein besonders imposantes
  70. schauspiel wenn es so windig ist dass es die dicksten äste von den bäumen reißt der himmel färbt sich dunkelblau wie alte tinte und die wolken scheinen so
  71. schwer dass es sie auf den asphalt nieder zwingen müsste stattdessen aber fallen regentropfen gröber und härter als im gnädigen regionen nieder
  72. vielleicht muss ein zurückgedrängt umso aufsehenerregender zur schau stellen wer sein verbliebenes gebiet beherrscht durch tosende unwetter und nächte die
  73. alles verschlucken das nirgendwo ist wie gemacht für lange spaziergänge ich ging früher jeden tag meist ein und
  74. denselben weg entlang spazieren er führte meine straße entlang immer geradeaus bis zu einer weggabelung an die ein acker grenzte hier musste man
  75. wählen denn man links kann man zu einer alten pferdekoppel die die besten jahre schon lange hinter sich hatte ging man rechts verschwand der weg irgendwann ins
  76. ungewisse ich pflegte nur bis zu jener weggabelung zu gehen deutschland ein weiß rot gestrichene holzpfahl ich tippte ihn an und kehrte um die strecke
  77. bis dorthin nutzte ich um einen bestimmten gedanken in meinem kopf zu drehen und zu wenden während joggen wohl dazu dient den kopf
  78. freizubekommen füllt einen spaziergang ihn mit klarheit und wer nissen an ich sah hasen über die äcker hasten und rehe genügsam über die felder schreiten
  79. schafe blöken in ewiger ferne und ab und an flatterte in versen aufgescheucht aus einem geäst wenn ich ihm zu nahe gekommen war
  80. berührt ich den holzpfahl ich nannte ihn den grübel zahl der unfreiwillig an die markierung des nordpols erinnerte war es zeit für einen neuen gedanken auf dem
  81. rückweg ich dachte über das für und wider in einer angelegenheit nachdachte allein menschen in ein vergangenes ereignis ein worte für neues
  82. gedicht das sich gerade schrieb oder hielt ein zwiegespräch mit gott es gab immer schon orte die ich am schönsten fand wenn ich mit ihnen allein
  83. war oder sie nur richtig genießen