Literaturgeschichte: Expressionismus | STARK erklärt STARK Verlag https://www.youtube.com/watch?v=XAoBfSmRjpA Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Als man die Brust aufbrach, war die Speiseröhre so löchrig. Ein Satz aus dem neuesten Hollywood Schocker? Nein, sondern ein ziemlich 0:10 typisches Zitat für den Expressionismus. Was es mit dieser Epoche auf sich hat, erfährst du in diesem Video. 0:19 [Musik] Die literarische Strömung des Expressionismus fällt in die Zeit von 0:31 1910 bis 1925. Er entwickelte sich im Deutschen Kaiserreich in der Regierungszeit von Kaiser Wilhelm dem II, im sogenannten 0:40 Wilhelminismus. Die wilhminische Gesellschaft und Politik war von patriarchalen konservativen Werten wie Z.B. Gehorsam 0:48 und Nationalismus geprägt. Das sahen die jungen Expressionisten kritisch und begehrten deshalb gegen die wilhelminische Gesellschaft auf. Sie 0:57 legten es unter anderem darauf an, sie zu schocken und zwar mit verschiedenen Mitteln. durch eine Ästhetik des Hässlichen, durch die Schilderung der 1:06 Rebellion junger Menschen gegen die Elterngenerationen oder auch indem sie Randexistenzen wie wahnsinnige oder Prostituierte 1:13 darstellten. Die Expressionisten reagierten aber auch auf die zunehmende Verstäterung. Die Städte wurden in dieser Zeit nämlich 1:21 immer größer, insbesondere Berlin, das Zentrum des Expressionismus. Die Autoren stellten den Großstadtmenschen in seiner Anonymität 1:29 und Orientierungslosigkeit da und verdeutlichten die großstädtische Reizüberflutung. Immer wieder dämonisierten sie die 1:36 Großstadt auch. So z.B. Georgheims Gedicht Der Gott der Stadt. Interessanterweise waren manche Autoren von der Großstadt als Ort der Vitalität 1:46 oder des Rausches auch begeistert. Technische Entwicklungen, beispielsweise die Straßenbahn, machten das Leben zudem hektischer. In der 1:55 Hochindustrialisierung wurde der Mensch immer mehr zu einem kleinen Rädchen in den Produktionsprozessen großer Fabriken. 2:02 Die Expressionisten verarbeiteten diese Entwicklung in Texten, die die Endividualisierung und Verdinglichung des Menschen zeigen. Viele 2:10 Schriftsteller gestalteten auch im allgemeineren Sinne eine Sinn bzw. Existenzkrise in ihren Werken. Das philosophische Vorbild dafür war 2:19 Friedrich Nietsche. Sein Kernsatz Gott ist tot traf genau das Lebensgefühl, keinen Halt mehr im Metaphysischen zu haben. Und Sigmund Freuds Auffassung, 2:29 dass ich sei nicht mehr Herr im eigenen Haus. entsprach dem Eindruck vieler Expressionisten, daß das Ich keine Einheit mehr ist. Sie gestalteten daher 2:38 häufig das Motiv des Ichfalls. Die Darstellung der Ich und Sinnkrise macht einen großen Teil der expressionistischen Literatur aus, aber 2:47 manche Dichter setzten dem auch das Ideal eines neuen Menschen entgegen. Diese Seite der Strömung nennt man O Men Menschexpressionismus. 2:56 Eine besondere Rolle spielte der 1914 beginnende Erste Weltkrieg. Erstmal waren viele Expressionisten davon begeistert, weil sie dachten, nun 3:05 endlich aus dem langweiligen Alltag ausbrechen zu können und die Möglichkeit eines Neuanfangs sahen. Doch die Grausamkeit des Krieges ließ die 3:13 Begeisterung bald in Kriegskritik umschlagen, die insbesondere in Gedichten Ausdruck fand, wie beispielsweise in Georg Trackels 3:20 Grodeek. Der Expressionismus grenzte sich übrigens unter anderem vom Naturalismus ab. Ziel war es nicht mehr, die äußere Wirklichkeit abzubilden, 3:29 sondern das innere Erleben zum Ausdruck zu bringen. Nicht ohne Grund stammt der Begriff Expressionismus von dem lateinischen Expressio ab, was Ausdruck 3:39 bedeutet. Der Begriff wurde übrigens zuerst für die Malerei verwendet und erst später für die Literatur. Mit Berlinbildern wie 3:47 diesem hier konnten die expressionistischen Maler wenig anfangen. Es wurde eher so gemalt. Die Expressionisten arbeiteten also 3:55 lieber mit Überzeichnungen, Verzerrungen und besonderen Farbgebungen. Die Schriftsteller setzten in der Sprache ebenfalls auf große Intensität. Beliebt 4:04 waren Elipsen, Ausrufe und eine neuartige zum Teil überzeichnende Bildsprache. Charakteristisch ist in der Lyrik 4:11 außerdem der Reihungsstil, mit dem einzelne Sinneseindrücke unverbunden nebeneinander gesetzt werden, als Ausdruck der nicht mehr überschaubaren 4:19 Wirklichkeit. So, jetzt noch mal zusammengefasst. Der literarische Expressionismus dauerte etwa von 1910 bis 1925. 4:30 Die Expressionisten revoltierten mit ihrer Literatur gegen die erstarrte wilhelminische Gesellschaft. Viele expressionistische Werke waren vom 4:39 Gefühl einer Sinn bzw. Existenzkrise geprägt. Zum Ausdruck kamen diese unter anderem in den zahlreichen Großstadt und 4:47 Kriegsgedichten dieser Zeit. Die expressionistische Sprache ist von großer Intensität.