Die mittelalterliche Stadt (Patrizier vs. einfache Bürger) [Geschichte im Überblick] Fit durch Wissen https://www.youtube.com/watch?v=W_IX44e5sz4 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Hallo zusammen. Heute schauen wir uns mal ganz genau an, wie so eine mittelalterliche Stadt eigentlich aufgebaut war. Wir bauen die soziale 0:08 Pyramide quasi Stein für Stein nach, von der superreichen Elite ganz oben bis zu den Menschen, die wirklich am absoluten Rand der Gesellschaft standen. Diesen 0:17 Spruch, den kennt doch eigentlich jeder, oder? Stadtluft macht frei. Das klingt ja erstmal super, als ob die Stadt ein Ort der Freiheit für alle war. Weg vom 0:26 Feudalherren auf dem Land. Aber war das wirklich so? Galt das für jeden? Tja, die Realität, die sah dann doch ein ganzes Stück komplizierter aus. Das 0:36 Leben in der Stadt war eine extrem starre Hierarchie. Und der Unterschied zwischen einem einfachen Einwohner und einem vollwertigen Bürger, das war im 0:44 Grunde eine unsichtbare, aber sehr massive Mauer, die die allermeisten Leute einfach ausgeschlossen hat. Okay, tauchen wir da mal tiefer ein. Fangen 0:53 wir mal ganz oben an der Spitze der Pyramide. Da saßen die Patrizia, die unangefochtene und super mächtige Elite Stadt. Diese Familien, die kann man sich 1:04 so ein bisschen wie die Aristokratie der Stadt vorstellen. Das waren die ursprünglichen Big Player, die Nachkommen von Gründungsunternehmern, 1:12 manchmal auch zugewanderte adlige oder hohe Beamte. Die haben die politische Macht komplett monopolisiert, oft bis weit ins 14. Jahrhundert hinein. Sie 1:22 saßen im Stadtrat, stellten den Bürgermeister, den Kämmerer. Im Grunde haben sie die Stadt wie ihre eigene Firma geführt, die Gesetze und die 1:30 Finanzen kontrolliert und damit eben auch die Zukunft. Und jetzt kommt der Hammer. Diese Patriia machten oft nur ein einziges Prozent der gesamten 1:40 Stadtbevölkerung aus. Nur 1% der Leute aber, schaut mal hier, sie zahlten unglaubliche 10 bis 12% der Steuern in der Stadt. Das zeigt ganz deutlich, was 1:52 für einen irren Reichtum und was für eine wirtschaftliche Macht die hatten. Aber was war mit all den anderen? Schauen wir mal eine Stufe tiefer. Unter 2:00 den Patrizi, da finden wir sozusagen den Motor der Stadt, die Bürgerschaft. eine Schicht, die sich über ihre Rechte definierte und was immer wichtiger wurde 2:10 über die gemeinsame Stärke in den Zünften. Also, wo war jetzt genau der Unterschied? Na ja, ein Einwohner hat einfach nur in der Stadt gewohnt. Das 2:19 war's. Ein Bürger dagegen war ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft mit Rechten und Pflichten. Dieses Bürgerrecht, das war wie eine 2:27 Mitgliedschaft in einem ziemlich exklusiven Club und da kam man nicht einfach so rein. Der Aufnahmeprozess war streng geregelt. Man mußte also 2:35 beweisen, daß man für die Stadt keine Last sein würde, daß man einen guten Ruf hatte und sich nicht in irgendwelche Fäden von außerhalb einmischte. Und klar 2:43 war auch, dieser Club war nicht für alle. Bestimmte Gruppen wie z.B. Juden oder in manchen Städten auch slawische Einwanderer waren von vorne rein 2:52 komplett ausgeschlossen. Die größte Gruppe unter den Bürgern, das waren ganz klar die Handwerker und die Kaufleute. Und um ihre Interessen zu bündeln und zu 3:01 schützen, haben die sich in Zünften organisiert. Und diese Zünfte haben dann fast jeden Bereich des Wirtschaftslebens kontrolliert. Schaut euch mal diese 3:09 Wappen hier an. Das sind nicht nur irgendwelche Symbole. Jedes einzelne Wappen steht für einen organisierten Block aus wirtschaftlicher Macht und 3:17 ganz wichtig mit der Zeit auch aus militärischer Macht innerhalb der Stadtmauern. Und das hier, das wurde zu ihrem Schlachtruf. Die Zünfte waren ja 3:26 viel zahlreicher und militärisch top organisiert und sie waren es einfach leid, dass die Patrizia die ganze Macht für sich beanspruchten. Sie wollten auch 3:34 mitentscheiden, was dann zu den berühmten Zunftrevolutionen führte. So, aber unterhalb der Bürger gab es noch eine riesige Masse an Menschen mit kaum 3:43 Rechten und ganz ganz unten standen dann diejenigen, die aus der Gesellschaft quasi komplett ausgestoßen wurden. Hier ist eine Sache ganz wichtig zu 3:51 verstehen. Unehrlich bedeutete damals nicht in erster Linie, dass jemand ein Betrüger war. Es bedeutete, dass man als sozial und rituell unrein galt, als ein 4:01 Paria, dem die Ehre, also die absolute Grundlage für ein normales gesellschaftliches Leben aberkannt wurde. Und diese Tabelle hier zeigt, wie 4:09 breit gefächert das war. Klar, der Henker oder der Totengräber, das leuchtet vielleicht noch ein, aber dazu gehörten auch Müller, denen man ständig 4:19 Diebstahl unterstellte oder Schäfer, denen man unmoralisches Verhalten nachsagte und auch fahrendes Volk, den man einfach grundsätzlich misstraute. 4:27 Und die Konsequenzen, die waren absolut verheerend. Man war ein sozialer Außenseiter, durfte in keine Zunft, hatte vor Gericht quasi keine Stimme. 4:37 Und das Schlimmste, dieser Status wurde vererbt. Deine Kinder waren es auch. Es gab so gut wie keinen Ausweg. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie hat 4:47 man dieses komplexe soziale Gefüge überhaupt aufrechterhalten? Das war ja nicht einfach nur so, das wurde aktiv durchgesetzt und zwar durch ein ganzes 4:55 Netz an Gesetzen und Verordnungen. Stellt euch das mal vor. Es gab Gesetze, die ganz genau vorschrieben, wer welche Stoffe, Seide z.B. oder welche Farben 5:05 tragen durfte. Die Kleidung war also quasi die Uniform, die jedem sofort zeigte, wo man in dieser Hierarchie hingehörte. So wurde verhindert, dass 5:15 jemand versucht hat, einen höheren Status einfach vorzutäuschen. Also, was nehmen wir mit? Diese strenge Ordnung hat auf der einen Seite natürlich für 5:23 Stabilität gesorgt, für Handel und für Verteidigung, aber der Preis dafür war eine enorme Ungleichheit und der systematische Ausschluss von ganzen 5:31 Bevölkerungsgruppen. Eine wirklich komplexe Welt, die uns heute noch viel zu denken gibt. Wenn euch diese Analyse gefallen hat und ihr 5:39 Lust auf mehr solche Einblicke habt, dann lasst uns doch sehr gerne ein Like und ein kostenloses Abo da. Das hilft uns wirklich enorm, weiter solche 5:46 Inhalte für euch zu machen.