Französische Revolution I Beginn I musstewissen Geschichte MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=WCiYpgmSwLw Transkript (automatisch erstellt) 0:00 In diesem Video erkläre ich euch, wie die Französische Revolution beginnt. Weil das ein bisschen ein komplizierter Ablauf ist, 0:06 schauen wir ihn uns ganz genau und Schritt für Schritt an. Das Video ist auch ein kleines bisschen länger als die andern, 0:12 aber dafür erfahrt ihr wirklich alles, was man wissen muss. Wenn man so will, ist es ein Drama in fünf Akten. 0:24 Erster Akt: Die Wahl der Generalstände. Aus dem Video über die Gründe für die Französische Revolution, 0:30 das ihr findet, wenn ihr auf das "i" klickt, da wisst ihr vielleicht noch, dass im Frankreich von Ludwig XVI. ziemlich viel Unordnung ist. 0:38 Es gibt eine Hungersnot, die Preise vor allem für Lebensmittel steigen immer weiter. 0:42 Die einfachen Leute, die Bauern auf dem Land sind unzufrieden damit, dass nur sie allein für den Staat bezahlen müssen 0:49 und dass die Adligen und Kirchenmänner nichts beitragen. Ludwig XVI. hat außerdem ein ganz dringendes Problem, 0:56 das für ihn wichtiger ist als alles andere und das er schnell lösen muss. Frankreich ist pleite. 1:02 Also macht er etwas, was schon seit 150 Jahren nicht mehr passiert ist: Der König, der bisher alles allein entschieden hat, 1:10 ruft die Vertreter aller drei Stände, die Abgeordneten seines gesamten Volkes zusammen. 1:16 Diese Versammlung, in der sich die Kleriker, die Adligen und die Bürger und Bauern versammeln, 1:21 also alle drei Stände, nennt man Generalstände. Der König will, dass die Generalstände neue Steuern genehmigen. 1:28 Aber zuerst werden die Abgeordneten gewählt. Die Geistlichen Frankreichs, Bischöfe, Pfarrer und Mönche, 1:34 die den Ersten Stand bilden, wählen 300 Abgeordnete. Die Adligen, der Zweite Stand, wählen 300 Abgeordnete 1:43 und der Dritte Stand, die Bürger und Bauern, wählen 600 Abgeordnete. 1:48 Immerhin so viele wie die anderen beiden Stände zusammen. Aber, und das ist das große Problem, 1:53 es gibt vielleicht 500.000 Kleriker und Adlige, und 24 Millionen einfache Leute. 2:00 Es herrscht also ein krasses Ungleichgewicht. Nach der Wahl machen sich die Abgeordneten des Dritten Standes auf 2:07 nach Versailles. Im Gepäck haben sie Beschwerdeschriften, 2:11 die die Menschen in den Dörfern verfasst haben. Da stehen Sachen drin wie "Unsere Steuern sind zu hoch." 2:16 "Die Bauern werden von den adligen Grundherren schlecht behandelt." "Wir müssen wie Sklaven arbeiten, wir haben Hunger." 2:22 Und vieles mehr, was in diese Richtung geht. Die Abgeordneten des Dritten Standes 2:26 vertreten hauptsächlich Bauern und Landarbeiter. Man muss aber sagen, es ist kein Bauer tatsächlich auch Abgeordneter. 2:33 Dazu wurden Anwälte, Gelehrte und Kaufleute gewählt. Und es ist doch klar, dass Bauern andere Interessen haben als Anwälte. 2:39 Aber auch in den andern Ständen geht es nicht so wirklich einheitlich zu, wie man meinen könnte, das ist ja auch irgendwie verständlich. 2:46 Ein Bischof hat andere Probleme als ein Dorfpfarrer. Ein Grundbesitzer in der Provinz lebt eher wie ein reicher Bauer 2:53 als sein adliger Kollege, der in Versailles im Spiegelsaal tanzen geht. Zweiter Akt: Der Ballhausschwur. 3:01 Am 5. Mai 1789 steigt die feierliche Eröffnung der Ständeversammlung. Die Stände sitzen schön brav voneinander getrennt. 3:10 Man kann sie gut an der Farbe unterscheiden. Also natürlich an der Farbe ihrer Kleidung. 3:15 Der Erste Stand, die Geistlichen, tragen violette und rote Gewänder. Die Adligen kommen in bunter, farbenprächtiger Kleidung 3:22 und die Bürger des Dritten Standes haben schwarze Klamotten an. Gleich am Anfang merkt man, dass Ärger in der Luft liegt. 3:30 Nach der Eröffnung der Versammlung setzen König und Adlige ihre Hüte auf, denn das ist Ausdruck ihrer besonderen Stellung. 3:37 Einige Bürger tun das Gleiche. Ungeheuerlich! Dieses Hut-Aufsetzen ist ein symbolischer Akt. 3:44 Die Bürger machen damit klar, dass sie sich nichts mehr gefallen lassen. Dass sie die gleichen Rechte haben. 3:49 Damit die Situation nicht eskaliert, nimmt der König seinen Hut wieder ab. Und alle Adligen müssen die Hüte auch abnehmen. 3:57 Dann spricht der König und erklärt, wieso er neue Steuern will. Zu den Beschwerden seiner Untertanen sagt er nichts. 4:04 Er befiehlt den Ständen, auseinanderzugehen und jeder für sich zu beraten und abzustimmen. 4:09 Es zählen also nicht die einzelnen Abgeordneten, sondern jeder Stand gibt nur eine einzige Stimme ab. 4:15 So war das immer. Die Kleriker und der Adel haben zusammen zwei Stimmen, 4:20 der Dritte Stand nur eine. Damit konnten die Bauern und Bürger bisher nie etwas durchsetzen. 4:27 Deshalb widersprechen die Abgeordneten des Dritten Standes dem König. Sie wollen, dass alle miteinander beraten 4:34 und dass dann nach abgegebenen Stimmen aller Abgeordneten, also nach Köpfen, ausgezählt wird. 4:39 Der König und die meisten Abgeordneten der ersten beiden Stände lehnen das natürlich ab. 4:44 Aber die ärmeren Adligen und auch viele Dorfpfarrer schließen sich dem Dritten Stand an. 4:50 Der König ist sauer. Er lässt den Versammlungsort absperren 4:54 und befiehlt dem Dritten Stand zu gehorchen. Daraufhin machen die Abgeordneten des Dritten Standes 5:00 etwas noch nie Dagewesenes. Sie versammeln sich am 20. Juni 1789 im Ballhaus, 5:06 also sozusagen in 'ner Art Turnhalle von Versailles, und erklären sich zur Nationalversammlung. 5:12 Sie sagen: "Wir sind die einzigen und wahren Vertreter 5:16 des ganzen französischen Volkes. Wir gehen erst wieder weg, wenn wir eine Verfassung ausgearbeitet haben, 5:22 die allen Franzosen gleiche Rechte garantiert." Dieses Versprechen, das sich die Abgeordneten geben, 5:27 nennt man den Ballhausschwur. Und was macht der König? 5:31 Tja, der König befiehlt: "Geht nach Hause!" Aber die Nationalversammlung sagt: 5:36 "Nö. Wir nehmen keine Befehle entgegen, auch vom König nicht." Das ist der eigentliche Beginn der Revolution. 5:43 Bisher war der König derjenige, der die Macht hat, der Souverän. Jetzt beschließt die Nationalversammlung, dass sie die Macht hat, 5:51 dass sie als Vertreter des Volkes der Souverän ist. Dritter Akt: Der Sturm auf die Bastille. 5:59 Jetzt hätte der König vielleicht die Revolution noch abwenden können, wenn er energischer aufgetreten wäre, aber Ludwig XVI. fügt sich 6:06 und fordert die ersten beiden Stände dazu auf, sich der Nationalversammlung anzuschließen. 6:11 Der König hat jetzt praktisch alle Unterstützer verloren. Das, was in Versailles abgeht, ist wirklich revolutionär. 6:19 Ein Staat wird umgekrempelt. Aber man muss dazu sagen, es geht doch noch relativ gesittet zu. 6:26 Auf den Straßen von Paris ist die Lage sehr viel angespannter. Die Bürger hungern schon seit Wochen. 6:32 Da kommen Gerüchte auf, dass der König die Armee einsetzen will, um die Nationalversammlung auseinanderzutreiben. 6:39 Die Bürger besorgen sich daher Waffen, um sich zu wehren und die Abgeordneten zu verteidigen. 6:43 Sie versperren die Straßen mit Barrikaden und sie ziehen vor die Bastille, vor das Staatsgefängnis. 6:50 Dort lagern nämlich Waffen und Munition, die sie haben wollen. Aber der Kommandant der Bastille lässt auf die Bürger schießen. 6:57 Mehr als 100 Leute werden erschossen. Daraufhin holen die Bürger Kanonen und erobern die Bastille. 7:05 Dieser Sturm auf die Bastille wird heute als Nationalfeiertag begangen und gilt offiziell als der Beginn der Revolution. 7:14 Vierter Akt: Das Ende des Feudalsystems. Und wieder gibt der König nach, zieht die Soldaten ab 7:21 und kommt nach Paris, um zu erklären, dass er auf Seiten des Volkes stünde. Aber überall im Land kommt es jetzt zu Unruhen. 7:28 Die Bauern stürmen die Schlösser von Adligen und bringen ihre Grundherren um. 7:33 Auch Klöster werden überfallen und die Geistlichen dort ermordet. Damit sich die Lage wieder beruhigt, beschließt die Nationalversammlung, 7:41 dass die Leibeigenschaft ab sofort abgeschafft ist. Die Grundherren dürfen nicht mehr über die Bauern zu Gericht sitzen, 7:47 sie verlieren ihre Vorrechte und müssen künftig sogar Steuern bezahlen. Die Nationalversammlung vernichtet das Feudalwesen völlig. 7:56 So lautet ein Beschluss. Alle Bürger sollen Zugang zu allen Ämtern, 8:00 auch in Kirche und Militär, haben. Alle sollen nach gleichen Grundsätzen Steuern zahlen, 8:05 Grundzinsen und Grundpflichten werden abgeschafft. Damit endet nach Jahrhunderten in Frankreich das Feudalsystem. 8:13 Eine Sache ist aber ganz wichtig: Nämlich etwas, das nicht passiert. 8:17 Es wird den Adligen kein Besitz weggenommen. Und damit lässt sich schon ganz am Anfang der Revolution erahnen, 8:24 dass das Motto "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" niemals so ganz eingelöst wird. 8:30 Die Bürger, die als Abgeordnete den Dritten Stand vertreten haben, interessieren sich für politischen Einfluss. 8:36 Nicht für soziale Gerechtigkeit. Das ist aber das Thema der Bauern und der städtischen Unterschichten, 8:42 der Arbeiter und Tagelöhner. Na ja, immerhin beschließt die Nationalversammlung wichtige Gesetze. 8:49 Fünfter Akt: Die Verkündung der Menschenrechte. Am 26. August 1789 verkündet die französische Nationalversammlung 8:59 die Menschen- und Bürgerrechte. Alle Menschen haben bestimmte Rechte, die ihnen niemand nehmen kann. 9:05 Eine Sensation. Die Menschen dürfen sich gegen Unterdrückung wehren. 9:15 Der Ursprung jeder Herrschaft liegt beim Volk. Jeder Mensch darf alles tun, was einem anderen Menschen nicht schadet. 9:23 Wegen seiner Religion darf niemand bestraft werden. Und vieles mehr. 9:28 Diese Rechte orientieren sich an der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, 9:32 zu der ich auch ein Video gemacht hab, findet ihr, wenn ihr aufs "i" klickt. Die Lage auf dem Land beruhigt sich wieder. 9:38 Nur: Der König will die neuen Gesetze nicht unterschreiben. Da kommt eine Gruppe ins Spiel, die wir bisher nicht auf dem Schirm hatten, 9:45 die kaum jemand auf dem Schirm hatte, nämlich die Frauen von Paris. Die sind unglaublich wütend. 9:51 Sie haben nichts zu essen bekommen, auch ihre Kinder nicht und dann weigert sich der König auch noch, die Gesetze zu unterschreiben. 9:57 Über 7000 Frauen ziehen zum Schloss Versailles und demonstrieren dort ziemlich rabiat. 10:04 Sie dringen sogar in das Schloss ein. Die Soldaten können sie nicht hindern. Der König hat keine andere Wahl, er muss sich wieder fügen. 10:11 Er kommt mit den Frauen nach Paris und unterschreibt die neuen Gesetze. Und so endet die erste Phase der Französischen Revolution. 10:19 Eine neue Verfassung wird ausgearbeitet, und ein Jahr später, am 3. September 1791, verkündet. 10:27 Frankreich ist jetzt offiziell eine konstitutionelle Monarchie mit einer Verfassung, die die Macht des Königs deutlich einschränkt. 10:35 Also, noch mal kurz zusammengefasst: Der König ruft die Stände zusammen, weil er Geld braucht. 10:40 Der dritte Stand erklärt sich zur Nationalversammlung und entmachtet praktisch den König. 10:46 Das war am 20. Juni 1789. Es kommt zu blutigen Unruhen. 10:51 In Paris wird die Bastille gestürmt, am 14 Juli 1789. Im ganzen Land werden Schlösser und Klöster geplündert. 10:59 Am 5. August 1789 beschließt die Nationalversammlung das Ende des Feudalsystems. 11:06 Am 26. August des gleichen Jahres werden die Menschenrechte verkündet. Das absolutistische Königtum wird in eine konstitutionelle Monarchie umgewandelt. 11:17 Mehr zur Französischen Revolution findet ihr natürlich auch hier auf dem Kanal, mit weiteren Videos. 11:22 Daher am besten den Kanal abonnieren, falls ihr das noch nicht gemacht habt. Wenn ihr Fragen zu diesem Thema oder anderen geschichtlichen Themen habt, 11:29 postet sie unten in die Kommentare und wir kümmern uns darum. Vielen Dank euch fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal. 11:35 Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017