Welches Geheimnis verbirgt sich unter dem Tempelberg? | Terra X Terra X History https://www.youtube.com/watch?v=VF3GAhsLoKU Transkript (automatisch erstellt) 0:03 Der Tempelberg in Jerusalem- heute eine 14 Hektar große, freie Fläche mit einer fast 20 Meter hohen Umfassungsmauer, die noch viel tiefer in die Erde reicht. Lediglich der Felsendom mit seiner Goldenen Kuppel und die Al-Aqsa-Moschee ragen heute empor. 0:20 Für die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam ist der Tempelberg ein heiliger Ort. In seiner Geschichte wurde er heiß umkämpft und erbittert verteidigt. Aber, was liegt unter seiner Oberfläche verborgen? Was lässt sich dort entdecken? 0:43 „Haram Al-Scharif“ das „erhabene Heiligtum“, nennen Muslime den Tempelberg. Er ist der drittwichtigste heilige Ort nach Mekka und Medina. Christen verbinden mit diesem Ort bedeutende Ereignisse im Leben Jesu, die sich im Umfeld abspielten. 0:58 Für Juden ist er der heiligste Ort. Dort befand sich einmal der Tempel, ihr einziges Heiligtum. Deshalb beten Juden bis heute an der Klagemauer, den Überresten der Stützmauer des Tempelplateaus. 1:11 Die Anwesenheit Gottes ging hier niemals weg – sagen die Rabbiner. Aber was ist historisch beweisbar? Das Geheimnis des Tempelbergs liegt natürlich darin, ob es der Tempelberg ist oder nicht. Für die Araber ist es der haram-Sharif, das erhabene Heiligtum und da steht der Felsendom. 1:27 Und die Frage ist: Gibt es darunter, gibt es im Westen des Felsendom den jüdischen Tempel? Und den sollte man ergraben, wenn man das könnte. Aber wo ist das Problem? Warum darf dort nicht geforscht werden? Ausgrabungen können heute lediglich im Weiteren Umfeld des Tempelberges stattfinden. 1:47 1911 gelang es dem Schatzgräber Montague Brownslow Parker auf seiner Suche nach dem sagenumwobenen Tempelschatz heimlich im Felsendom zu graben, er wurde aber entdeckt und floh noch in der Nacht aus Palästina. Auch dem Briten Charles Warren gelang im 19. Jahrhundert eine der ersten großen Ausgrabungen am Tempelberg, seine Entdeckung: ein Wasserschacht und eine Reihe von Tunneln. 2:11 Heute verbietet die zuständige islamische Behörde Waqf jegliche Ausgrabungen. Das hat Konsequenzen: Es findet einfach gar keine Forschung statt und insofern haben wir ein Haufen Fragen und wir können sie nicht lösen. 2:23 Und solange der Waqf nicht erlaubt dort auszugraben werden wir immer auf unseren Theorien sitzen bleiben. Die Archäologie ist nun einmal auf Feldarbeit angewiesen. Was also wissen wir über den Tempelberg? Hinweise auf seine Bebauung reichen ins Jahr 1000 v. Chr. und finden sich im Alten Testament. 2:48 Es sind die einzigen Quellen, die über diese Ereignisse berichten. In den Königs- und Samuelbüchern wird König David erwähnt. Er soll Jerusalem von den ursprünglichen Bewohnern, den Jebusitern erobert und auch einen Platz auf dem Berg erworben haben. 3:05 Dort auf der höchsten Erhebung des Berges beginnt er Tiere zu opfern. Der Ort ist heute noch unter der Kuppel des Felsendoms zu sehen. Wenn wir uns darauf konzentrieren, was man wirklich sehen kann und beweisen kann, dann haben wir eine Durchbohrung durch den Felsen, die ist menschengemacht 3:22 und führt in eine große Höhle hinein und es sieht alles so aus, als sei das der Abfluss für das Blut, dass man ja im judäischen Opfer, im judäischen Umfeld immer abließ von den Tieren. König David scheint mit dem Felsen auf dem Tempelberg stark verbunden. Doch die Funde sind rar, die ein klares Bild zeichnen können. 3:44 Historisch gesichert ist jedoch, dass es in Jerusalem ein israelitisches Königshaus gab und David sein erster König war. Das belegt eine von der Bibel unabhängige Quelle: die Tel-Dan-Stele. Sie wurde 1993 auf dem antiken Siedlungshügel Tel Dan im Norden Israels gefunden. 4:03 Konkrete Bauwerke zur Zeit des Königs David konnten in Jerusalem archäologisch nicht bestätigt werden. Es gibt viele Sensationsmeldungen aus den letzten Jahren: man hat den Palast Davids gefunden, oder man hätte Stadtmauern gefunden. 4:15 All das ist nicht wirklich zu erweisen. Wir haben Dinge, die sind viel älter als David und wir haben Dinge, die sind mindestens 200 Jahre jünger als David. Da haben wir in Jerusalem einfach Pech, wenn wir nach David suchen, weil viel zu viele Menschen darüber gesiedelt und das Alte auch das Davidische weggenommen haben. 4:35 Schriftliche Hinweise zu Bau und Aussehen des Tempels finden sich lediglich im Alten Testament. Es sind die einzigen Quellen. Demnach ist der Tempel 950 v. Chr. von Salomo, dem Sohn König Davids errichtet worden. 4:52 Stand er auf der höchsten Erhebung des Tempelberges unter dem heutigen Felsendom, wo David einst Tiere opferte? Der Tempel selbst hat mit Sicherheit nicht auf dem Felsen selber gestanden. Das ist der Platz für den Brandopferaltar. 5:06 Der Tempel muss im Westen davon gestanden haben, geöffnet zum Brandopferaltar, der niemals zum Tempel gehörte. Und der Tempel selber war 30 × 10 m und also nicht besonders groß für unsere Verhältnisse und er war faktisch von der Stange gekauft. 5:21 Es war der übliche Tempelbaustil: Vorhalle, Heiligtum, Allerheiligstes. Auf dem Tempelberg ist bisher nichts davon gefunden worden. Laut Bibel soll David einen heiligen Kultgegenstand, die Bundeslade mit den 10 Geboten auf den Tempelberg gebracht haben. 5:39 Das ist jedoch nicht zu belegen. Aber, dass es einen Jahwekult - also eine Verehrung des jüdischen Gottes Jahwe wirklich gab, schon. Er wird auf der Mescha-Stele um 850 v.Chr. im Zusammenhang mit der Dynastie David erwähnt. 5:53 Eines ist sicher dieser Kult diente dem alttestamentlichen Gott Jahwe und der war im Tempel nicht wirklich als Person, d.h. als Statue anwesend, sondern es gab nur einen leeren Thron, also im Allerheiligsten und darauf stellte man sich Gott vor, sichtbar für diejenigen, die glaubten. Ansonsten wissen wir nicht viel von dem Kult. 6:17 Für das Heiligtum auf dem Tempelberg wird das Jahr 587 v.Chr. zum Schicksalsdatum. Er wird von der babylonischen Großmacht unter Nebukadnezar II. zerstört. Darüber berichten das Alte Testament und die babylonische Chronik. Damit hatten die Juden ihr zentrales Heiligtum verloren. Die Oberschicht kommt in babylonische Gefangenschaft. 6:42 50 Jahre später wendet sich das Blatt: die Babylonier werden von den Persern geschlagen. Die lassen die Juden frei. Dafür profitieren sie von den Steuereinnahmen. Die Perser sagen: Du darfst zurück und du darfst deinen Tempel wieder aufbauen und dein Priester ist dein oberster Steuereinnehmer. 7:00 Und jeder Judäer, der im Land lebte zahlte nur noch die Steuer zu seinem Oberpriester, dass der 90 oder 95 % an die Perser weitergibt, das interessiert niemanden. Laut Flavius Josephus kehren die Juden also aus dem Exil zurück und bauen den Tempel wieder auf. 7:21 Das Alte Testament datiert dies im Zeitraum von 520 - 516 v.Chr. unter König Darius I. Er wird wohl an der gleichen Stelle gestanden haben, wie zuvor bei Salomo. Die Ummauerung des Tempelbezirks ist heute noch sichtbar. Der Tempel selbst bleibt verschollen. 7:43 Fast 200 Jahre später kommt wieder ein großer Einschnitt: Alexander der Große erobert Persien und Ägypten. Das Zeitalter des Hellenismus beginnt und damit die Ausbreitung der griechischen Kultur. 7:58 Die Seleukiden, benannt nach Seleukos I., einem Heerführer Alexanders, führen diese Politik ab 312 v. Chr. in Palästina fort. Ein Teil der Bevölkerung fühlt sich von der liberalen Lebensweise angezogen und verlässt Jerusalem. 8:12 Das musste natürlich Eindruck schinden bei den Judäern. Und wer wollte schon in einem kleinen Jerusalem wohnen bleiben, wo alles so konservativ ist, wo sich nichts entwickelt, wo man wirklich hart ums tägliche Leben kämpfen muss. Wenn man nach Tyros oder Sidon gehen kann, oder nach Gaza oder schließlich nach Alexandria und dort viel Geld verdienen kann. 8:35 Und in Jerusalem? Aristokraten kämpfen um das Hohepriesteramt, konservative Juden, gegen die, die eine griechische Lebensweise angenommen haben und den neuen griechischen Göttern opfern. Aufstände beginnen. Der Seleukiden-König Antiochos IV. räumt 167 v. Chr. mit den Streitigkeiten auf: Er lässt den gesamten Tempelschatz plündern und schändet das Heiligtum. 9:04 Das ist nur die halbe Wahrheit, vielleicht auch nur die Viertel Wahrheit. Denn der Kampf der Aristokraten in Jerusalem hat so viel Unheil angerichtet, sodass die armen Bevölkerungsschichten noch ärmer wurden und einfach keine Überlebenschance mehr haben. 9:18 Und dann haben die natürlich gesagt wir wollen die alte Welt zurückhaben, in der wir ehrenhaft leben konnten mit unserem Gott. Und - Das ist der Beginn der makkabäischen Kämpfe. Der Name stammt von einem der Anführer, Judas aus dem Geschlecht der Hasmonäer, der den Beinamen Makkabäer, „der Hammer“ erhält. 9:38 166 v.Chr. beginnt er den Tempelberg zurückzuerobern. 2015 wurde am Tempelberg eine aus dieser Zeit erbaute Festung gefunden, die kampfspuren aufweist. Der Tempelberg zu dieser Zeit: Es gab also die Festung. Das ist sicher. Die restliche Tempelanlage veränderte sich vermutlich nicht. 10:02 Der Tempel wird 164 v. Chr. von Judas Makkabäus wieder eingeweiht und entwickelt sich zum zentralen Heiligtum. Er begründet das Priesterkönigtum der Hasmonäer, das fast 100 Jahre unabhängig regiert. Doch die Hasmonäer können sich nicht halten. Erneut bestimmt ein neues Großreich die Geschichte: 63 v.Chr. erobert der römische Feldherr Pompeius Jerusalem. Die Hasmonäer verlieren an Bedeutung. 10:31 Die Hasmonäer sind eine große Hoffnung gewesen. Es war das letzte judäische Königtum. Aber sie sind eine große Enttäuschung. Sie sind wirklich Menschen gewesen, oder es ist eine Familie gewesen, die für ihren eignen Prunk gelebt hat und nichts oder ganz wenig für seine Bevölkerung getan hat. 10:48 Ich glaube nicht, dass man ehrlicherweise den Hasmonäern hinterher trauern muss. Während ihrer Herrschaft erweitert sich der heilige Bezirk, entsprechend wird auch das Podest auf dem Tempelberg größer. Das bezeugen Mauerreste aus der Zeit. 11:08 21 v.Chr. beginnt Herodes der Große mit dem Bau eines neuen Tempels. Herodes ist von 40 bis 4.v.Chr. der von Rom eingesetzte König in Judäa. Die riesigen Steinquader der herodianischen Befestigungsmauer lassen erahnen welche Pracht seine Tempelanlage gehabt haben muss. Doch was macht er mit dem alten Tempel? 11:31 Er muss jetzt daran gehen den alten Tempel in dem Tempelberg verschwinden zu lassen, deshalb könnte man ihn meines Erachtens noch archäologisch ausgraben, und den neuen hat er auf diesen Podest oben draufgesetzt, oben drüber, nicht 3 m links nicht 3 m rechts, er braucht den gleichen Ort, denn der heilige Ort liegt immer oben drüber. So ist das im Nahen Osten. 11:57 Der Tempelberg zur Zeit von Herodes: Er schafft ein riesiges Plateau. Seine Außenmauern sind teilweise 36 Meter hoch. Darauf steht der Tempel: ein monumentales Bauwerk. Als wahrscheinlich gilt, dass der jüdische Wanderprediger Jesus an Wallfahrtsfesten zum Tempel pilgert, auch in den Tagen seiner Verurteilung. 12:22 Historisch belegt ist, dass Jesus während des Passah-Festes vor den Toren Jerusalems zwischen 30 bis 34 n.Chr. gekreuzigt wird. Danach wird er zur Hauptfigur einer neuen Weltreligion: Dem Christentum. 12:50 66 n. Chrs. beginnt der große jüdische Krieg gegen die Römer. Er wird im Jahr 70 mit der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels entschieden. Auf dem Titusbogen in Rom ist dargestellt, wie die Römer aus dem Tempel Kultgegenstände als Beute mit nach Rom nehmen. 13:09 Danach liegt der Tempelberg für 50 Jahre in Schutt und Asche. 130 n.Chr. lässt der römische Kaiser Hadrian in Jerusalem die „colonia aelia capitolina“ gründen. Eine römische Kolonie mit römischen Soldaten und mit römischen Angesiedelten. 13:28 Wir haben „aelia“ das ist die Stadt Hadrians, weil das sein Gentilname ist, also seine Sippe und wir haben „capitolina“, der Kapitol. Das ist das Heiligtum von Jupiter, Juno und Minerva und demzufolge wird deutlich gesagt, wem die Stadt jetzt gehört und wer sie benennen kann. 13:51 Es ist eine Zäsur. Es folgen ein Beschneidungsverbot und schließlich die Vertreibung der Juden. Damit beginnt die große Diaspora. Das betrifft auch die frühen Christen. Sie gelten als eine Sekte des Judentums. Von den Römern werden sie zunehmend blutig verfolgt. 14:12 Eine neue Zeitenwende beginnt, als der römische Kaiser Konstantin die Bühne betritt. 313 n. Chr. gewährt er Religionsfreiheit. 14:21 Er selbst ist dem christlichen Glauben zugewandt und lässt sich später auch taufen. Zu Beginn des 4. Jhrs. baut er die Grabeskirche über der Grabstätte von Jesus, die heute noch in Jerusalem zu besichtigen ist. 14:35 Damit wird die Stadt christlich. Die Byzantinische Zeit in Jerusalem dokumentiert das Madaba- Mosaik aus dem 6. Jhdt. Kaiser Konstantin hat kaiserliche, er hat richtige monumentale Strukturen in Jerusalem geschaffen und hat die Grabeskirche errichtet. 14:50 Auf der anderen Seite, der Tempelplatz bleibt frei. Das ist die verworfene Religion, es ist der alte Bund: wir sind der neue und der bedeutende und der jetzt gültige 15:01 und die Madaba-Karte, die älteste Landkarte Jerusalems, die wir überhaupt besitzen, lässt dann den Tempelberg völlig draußen. Der Aufstieg des Islam bringt einen neuen entscheidenden Wendepunkt. 15:15 Nach dem Tod Mohammeds 632 n.Chr. breitet er sich von Mekka schnell aus. Nach der Belagerung Jerusalems 636 n.Chr. wird die Stadt dem Kalifen Umar I. übergeben. 15:29 Der frühe Islam geht mit der jüdischen und christlichen Religion tolerant um. Der Tempelberg selbst wird jetzt muslimisch. 15:42 Das wird der drittwichtigste Heiligtumsplatz des Islam werden und für diese Umayyaden gibt es nun einen wichtigen Vertrag mit den Leuten der Schriftreligionen. Sie erkennen die Juden an und sie erkennen die Christen an. Und diese haben die Möglichkeit dort frei zu leben, während die bestimmende Religion natürlich dann der Islam wird. 16:06 Die herodianische Plattform wird restauriert. Ab 691 n.Chr. errichtet Kalif Abd al-Malik auf dem Tempelberg einen Schrein, den späteren Felsendom. Der Ort wird mit der nächtlichen Himmelsreise Mohammeds in Verbindung gebracht. 16:21 Kurz danach baut der Kalif die Al-Aqsa-Moschee, eine Gemeindemoschee. Der frühe Islam gibt dem Tempelberg in Jerusalem die Würde zurück wie er früher einmal unter den Juden gehabt hat. 16:32 Und dort wird der Felsendom gebaut, also ein Schrein über den großen Felsen, in einer wirklich gigantischen Dimension, aber nicht gigantischer als die Grabeskirche, d.h. man ist auf einer Höhe mit dem Christentum und man führt die Traditionen des Judentums fort. 16:53 Im Laufe der Zeit wurde der Tempelberg zunehmend „haram“, eine heilige Stätte ausschließlich für Muslime. Neue Grabungen unter dem Tempelberg sind nach wie vor verboten. 17:05 Allein die Befestigungsmauern am Rande des Tempelbergs konnten bisher archäologisch erforscht werden. So wird der Tempelberg sein Geheimnis bewahren. Das Geheimnis des Tempelbergs ist zweifellos der verlorene Tempel, der irgendwo im Westen unter dem Felsendom verborgen sein muss. 17:26 Schade, dass der nicht gelüftet wird, weil damit eine ganz enge Verbindung unsere drei großen monotheistischen Weltreligionen freigelegt werden könnte. Was denkt ihr, was sich unter dem Tempelberg versteckt? Schreibt es gerne unten in die Kommentare und wenn Euch das Video gefallen hat, lasst ein Abo da.