Wie entsteht unsere sexuelle Orientierung? | Wie bestimmt Sexualität mein Leben? Bonusfolge Die Frage https://www.youtube.com/watch?v=UujSY3WoATI Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Warum sind manche von uns schwul oder lesbisch, andere hetero oder bisexuell? 0:04 Ich find's total spannend, wie unsere sexuelle Orientierung entsteht. Darüber hab ich mit der Sexualthera- peutin Melanie Büttner gesprochen. 0:12 Es ist tatsächlich bis heut noch gar nicht richtig klar. Also, es gibt so Hypothesen, auch wissenschaftliche Studien dazu. 0:19 Eine Hypothese baut sehr auf die Biologie. Die sagt, das ist alles angeboren, darum haben die Menschen keine Wahl, 0:28 und schauen dann zum Beispiel in die Genetik. Also, da gibt's einigermaßen viele Studien, 0:33 die auch mit Zwillingen geguckt haben. Wie entwickeln sich Zwillingspärchen denn so übers Leben? 0:38 Und wenn die hinterher die gleiche sexuelle Orientierung haben, ist es ein Hinweis, dass es genetisch sein muss. 0:45 Es hat sich aber gezeigt in diesen Studien, dass das nur bei einem Drittel der homosexuellen Männer, in dem Fall, 0:51 so ist - die meisten Studien befassen sich mit homosexuellen Männern. Andere Studien haben hingeguckt, 0:57 welche biologischen Faktoren könnte es noch geben? Und haben herausgefunden, vielleicht gibt es im Mutterleib auch Einflüsse. 1:04 Also eine bestimmte Hormonlage. Es könnte sein, dass ich mehr oder weniger Testosteron ausgesetzt bin, 1:10 im Mutterleib, und darum eine Orien- tierung oder eine andere entwickele. Und eine dritte Hypothese, die finde ich besonders spannend, 1:18 konnte zeigen, dass ... je nachdem, der wievielte Sohn du in einer Geburtsfolge bist, 1:26 also, der dritte Sohn oder der vierte Sohn in der Reihe, umso höher ist die Chance, dass du ein homosexueller Mann wirst. 1:33 Wo man sich so fragt: Okay, womit hat das bitte zu tun? Und da gibt es dann eine Hypothese, 1:40 die sagt ... es hat mit dem Immunsystem zu tun. Also, jede weitere Schwangerschaft mit einem männlichen Baby im Bauch 1:48 kann bei einer Mutter dazu führen, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie gewisse Antikörper bildet. 1:54 Die dann das Gen angreifen, im Baby im Bauch, das für Heterosexualität zuständig ist. 2:01 Sehr kompliziert, Immunhypothese heißt das. Aber das ist so ein bisschen wie so ein Puzzlespiel, 2:07 also, man fügt die Teile zusammen und merkt: Irgendwie reicht es mit diesen biologischen Erklärungen nicht. 2:13 Man guckt weiter, und da gibt es Beobachtungen zum Teil, dass man sieht, Menschen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, 2:21 zum Beispiel, als Kinder, das sehe ich zum Teil auch in der Praxis, dass Frauen, die so was erlebt haben, wo ein Mann der Täter war, 2:30 später sagen: "Ich wünsche mir eine Beziehung." "Aber was ich mir nicht vorstellen kann, ist, 2:35 mit einem Mann zusammenzuleben oder mit dem Sex zu haben." "Ich wähle stattdessen eine Frau, weil ich sage, ist für mich okay." 2:42 Also, so was findet man manchmal. Und dann gibt's bisschen, könnte man sagen, als überholt geltende Thesen, 2:51 so aus der Psychoanalyse, Sigmund Freud, beispielsweise, der hat damals die sogenannte Verführungshypothese aufgestellt. 2:59 Er sagte, wenn ein junger Mann von einem vielleicht auch älteren, erfahreneren Mann zum Sex verführt wird, kann das sein, 3:06 dass der auf diese Weise homosexualisiert wird. So ein bisschen, als wäre Homosexualität ansteckend. 3:13 Ja? Und man hat aber in Studien das nicht nachweisen können, dass das einen Einfluss hat. 3:19 Andere Ideen sind, wenn ein junger Mann vielleicht eine sehr, sehr enge Beziehung zu seiner Mutter hat ... 3:26 oder eine ganz schlechte Beziehung zu seiner Mutter hat ... dann wendet er sich eher Männern zu. 3:31 Andere sagen, wenn der Vater besonders distanziert war, dann passiert so was. 3:36 Also, du hörst schon, es wurde in aller Richtungen überlegt, aber so wissenschaftlich nachgewiesen ist das alles nicht. 3:42 Das ist auch eine Frage, die könnte ich ja für mich nicht beantworten. Warum hab ich die Sexualität, die ich habe? Keine Ahnung. 3:50 Das ist halt so. - Das ist halt so. Und ich finde auch, es ist inter- essant, sich damit zu beschäftigen, 3:55 aber in der Konsequenz, finde ich, macht es doch keinen Unterschied, weil das Einzige, was zählt, ist: Wie fühle ich mich? 4:02 Und nicht: Warum fühle ich? Sondern wie fühle ich, und das ist selbstverständlich okay. 4:08 Weil jeder kann die Sexualität leben, die er möchte, und kann mit den Menschen Sex haben, die er begehrt. 4:14 Mit diesem Film wollten wir euch ein paar zusätzliche Infos geben, schreibt gern in die Kommentare, ob ihr euch so was öfter wünscht. 4:22 Außerdem empfehle ich euch noch zwei andere Videos von uns. In dem hier erzählt Tabea, dass sie noch nie vaginalen Sex haben konnte. 4:29 Und in dem hier gehe ich der Frage nach: Was machen Pornos mit uns? Wenn ihr keine Folge verpassen wollt, lasst uns hier unten ein Abo da.