Völkermord an den Herero und Nama - wie kam es dazu? Ein Hut voll Wissen https://www.youtube.com/watch?v=URFcu_814Yo Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Heute geht es um den ersten deutschen Völkermord der Neuzeit. Nein, das ist nicht der Holocaust, wie die meisten denken mögen, sondern dieser Völkermord spielte sich an einem ganz anderen Ende 0:13 dieser Erde ab, nämlich in Afrika. Dort hatten die Deutschen bereits lange bevor irgendjemand von irgendwelchen Nationalsozialisten gesprochen hat einen Völkermord begangen. 0:24 Und was ist mit diesem Völkermord auf sich hatte, warum der zustande kam und wer da nun Opfer dieses Mordes wurde, darüber sprechen wir in den kommenden Minuten. Los geht's. 0:46 Gehen wir einen Schritt zurück. Im Jahr 1888 starb Kaiser Wilhelm I., der deutsche Kaiser. Er hinterließ einen Sohn und einen Enkel als potenzielle Thronerben. Der Sohn 0:57 sollte auch tatsächlich auf den Thron folgen, sollte diesen aber nur kurz einnehmen können, da er nach kurzer Zeit bereits verstarb. So kam es dazu, dass der Enkel des Kaisers Wilhelms I., 1:08 nämlich Wilhelm II. ( wie er sich jetzt nannte) der neue deutsche Kaiser wurde. Das war deswegen von enormer Relevanz, weil Kaiser Wilhelm II. eine ganz andere 1:18 Persönlichkeit war als sein Vater und als sein Großvater. Denn Wilhelm II. träumte davon, das Deutsche Reich zu einer Weltmacht zu machen. Er war nicht länger bereit dabei zuzusehen wie 1:29 die verschiedenen Länder der Welt sich aus China, Afrika, Asien allgemein immer größere Teile herausschneiden und die Deutschen dabei tatenlos zusehen müssten. Diese Politik, dass man 1:43 mit den Kolonialreichen nicht so viel zu tun hatte, war aber der Konsens gewesen in dem alten Reich von Kaiser Wilhelm I. Das hing damit zusammen, dass Otto von Bismarck, der langjährige 1:53 Reichskanzler, (der eiserne Kanzler wie man ihn nannte) mit Kolonialgebieten eigentlich nicht viel anzufangen wusste. Er stand auf dem Standpunkt, die Deutschen haben ihre Kolonie sozusagen in 2:03 Europa. Es geht darum, Deutschland zur Vormacht in Europa auszubauen, aber irgendwelche Gebiete in irgendeinem entlegenen Teil von Afrika, die interessierten ihn herzlich wenig. Das sollte 2:15 aber nun unter Kaiser Wilhelm II. völlig anders sein. Denn Wilhelm II. wie gesagt wollte nun einen "Platz an der Sonne", wie man das manchmal damals nannte, einen Platz Deutschlands 2:25 am Tisch der Großmächte und der Weltmächte. Und wer eine Weltmacht werden wollte, der kam um Kolonialgebiete nicht herum. Nicht nur in der Frage der Kolonialgebiete, sondern auch in verschiedenen 2:36 anderen Punkten der deutschen Politik gerieten nun der junge Kaiser, Wilhelm II., und der langjährige Reichskanzler Bismarck aneinander. Bismarck war jemand, der es innenpolitisch auf 2:47 einer Zersetzung der Sozialdemokratie angelegt hatte. Wilhelm II. wiederum wollte der Kaiser aller Deutschen sein und somit quasi einen Frieden im Inland einigermaßen 2:58 auf die Reihe bekommen. Bismarck wiederum hielt nicht viel von Kolonien, Wilhelm II. hielt entsprechend viel davon. Und so gerieten diese zwei Persönlichkeiten, sehr verschiedene 3:09 Menschen, sehr schnell aneinander, und da der Kaiser nunmal am längeren Hebel saß wurde nun Otto von Bismarck aus seinem Amt entlassen. Als er 1890 die politische Bühne nun verließ hinterließ 3:22 er zunächst ein gestärktes Deutschland. Denn sein Bündnissystem hatte Deutschlands Sicherheit nun zunächst einmal für einige Jahre garantiert. Doch diese verschiedenen Bündnissysteme sollten unter 3:33 der Herrschaft Wilhelms II. nun auseinander- fallen. Aber noch viel gravierender war, dass nun die Deutschen die Bühne der Kolonialmächte betreten sollten mit - wie wir noch sehen werden - 3:44 einem sehr gemäßigten Erfolg. Wollte man nun also ein Kolonialreich begründen wie Kaiser Wilhelm II. sich das wünschte, so musste man natürlich erstmal gucken: Wo war überhaupt noch was 3:55 frei? Denn die meisten Kolonialmächte dieser Zeit (Großbritannien, Frankreich, Portugal, Spanien usw.) machten das ja quasi schon seit Jahrhunderten und hatten sich in verschiedenen Teilen der Welt und 4:07 Regionen der Welt bereits verbreitet. Und so viel hatte man im Grunde nicht mehr übrig. Der einzige Kontinent, wo man sich noch was rausschneiden konnte, war Afrika, denn den Afrika hatte erst in 4:17 den 1880er-Jahren ein "Run auf Afrika" begonnen und immer mehr Kolonialmächte versuchten, sich hier große Scheiben herauszuschneiden. Und hier war für die Deutschen noch was zu holen wenn 4:28 man sich denn beeilen würde. Und so sollte es eben kommen, dass die Deutschen nach und nach in Afrika Kolonialgebiete erwarben. Eines davon war das bis heute bekannte Deutsch-Südwestafrika. 4:40 Dort setzten die Deutschen tatsächlich an, weil man dort eben schon seit Jahrzehnten im Grunde mit Missionierungsgruppen kirchlicherseits war. Es gab dort deutsche Kaufleute, die dort 4:50 Interesse hatten, und so machte es Sinn, dort anzufangen. Dieses Deutsch-Südwestafrika befindet sich ungefähr dort, wo das heutige Namibia ist und dort sollten die Deutschen nun ein 5:00 Kolonialreich errichten, was sie immerhin bis 1915 halten konnten. Doch wie man sich vorstellen kann waren die Deutschen nun in Deutsch-Südwestafrika nicht alleine, sondern natürlich gab es eine 5:12 indigene Bevölkerung. Es gab Bevölkerungsgruppen, die dort seit Ewigkeiten lebten und das waren eben verschiedene eingeborene Gruppen, darunter die Herero und die Nama. Diese zwei Gruppen waren 5:24 zwei größere Bevölkerungsgruppen, die in dieser Region miteinander lebten und sich teilweise auch gegenseitig bekriegten. Denn auch innerhalb dieser Stämme ging es natürlich um Macht und 5:33 Einfluss und vor allem um Land. Denn diese Stämme brauchten natürlich Land, denn das waren ja Nomaden. Die mussten ihr Vieh irgendwo weiden lassen usw. und entsprechend geriet man dort 5:44 innerhalb dieser Stämme ständig aneinander. Als nun die Deutschen zusätzlich in diese Region vordrangen, deutsche Kaufleute sich dort niederließen, und diese Kaufleute versuchten, das Land dort 5:54 zu erwerben für eigene Zwecke, geriet man in Konflikt mit den verschiedenen eingeborenen Gruppen. Das ließ sich eine Zeit lang noch einigermaßen kontrollieren. Doch Anfang des 6:04 20. Jahrhunderts, im Jahr 1904, sollte es nun zu einem Aufstand dieser zwei indigenen Bevölkerungsgruppen, der Herero auf der einen Seite und der Nama auf der anderen Seite, kommen. 6:16 Diese zwei Stämme konnten die Deutschen dort tatsächlich kurzfristig unter Druck setzen, was auch damit zusammenhing, dass die Deutschen diese Gegend nicht sonderlich gut kannten und 6:27 und dass man mit dieser Art Kriegsführung, wie das eben Eingeborenenstämme so tun, nicht viel zu tun hatte und auch eben keine Erfahrung hatte. In Berlin wollte man, dass dieser 6:36 Aufstand jetzt natürlich niedergeschlagen wird; doch eben nur niedergeschlagen. Er sollte unterdrückt werden und damit sollte die Sache dann beendet sein. Doch tatsächlich nahmen die Befehlshaber vor 6:47 Ort nun ganz andere Vorhaben in die Hand. Denn die Befehlshaber, die sich in Deutsch- Südwestafrika etabliert hatten (verschiedene Gouverneure, Befehlshaber usw.), die hatten im Grunde 6:59 sich dort eigene kleine Diktaturen aufgebaut. Denn Berlin war weit weg und so hatte man sich eben gedacht: Na gut. Dann machen wir das eben hier so wie wir wollen. Einer der Befehlshaber vor Ort 7:09 war der bis heute bekannte Lothar von Trotha. Und Trotha ist deswegen bis heute so bekannt, weil auf ihn eine Anweisung zurückgeht, die man bis heute als "Vernichtungsbefehl" bezeichnet. Trotha machte in 7:22 diesem Vernichtungsbefehl klar, dass er nun die indigenen Gruppen der Herero und der Nama quasi nicht mehr als Verbündete oder schützenswerte Gruppen halten würde, sondern das waren nun feine 7:34 der Deutschen, die man dort ausradieren musste. Und dieser Vernichtungsbefehl sollte die deutschen Truppen nun dazu bringen, mit massivster Gewalt gegen die indigenen Stämme vorzugehen. Am Ende 7:47 der verschiedenen Auseinandersetzungen waren von den ehemals nur wenigen zehntausend Herero und den wenigen tausend Nama, die es überhaupt nur gab, nur noch wenige übrig. Von den ehemals 80.000 Herero 7:59 überlebten lediglich 16.000 und von den Nama noch weniger. Diese Gewaltwelle gegen eine bestimmte ethnische Gruppe, eine ganz klar abzugrenzende Gruppe, führte dazu, dass man bis heute von diesem 8:13 Vorfall von einem Völkermord spricht. Das wurde allerdings lange Zeit in Deutschland gar nicht so gesehen und auch jetzt in der aktuellen Zeit ist es nach wie vor eine umstrittene 8:23 Frage. Die Gewaltwelle, die die deutschen Soldaten gegen die eingeborenen Stämme lostraten war im Grunde unvergleichlich. Man ging nicht nur mit äußerster Brutalität bei den Kämpfen vor, sondern 8:33 man sperrte auch Gefangene (auch Frauen und Kinder) in Konzentrationslager, wo sie unter schlimmsten hygienischen Bedingungen leiden mussten, wenig zu Essen bekamen. Teilweise schlug man sogar 8:43 den gefallenen Herero die Köpfe ab, sammelte diese Köpfe in Kisten und schickte sie dann nach Berlin, wo man sie für Experimente einsetzte. Die sogenannten kultivierten Europäer, die Kultur 8:56 Religion und alles in diese Region bringen würden, (so dachten die Deutschen) zeigten sich hier von ihrer schlimmsten Seite, in gewisser Weise als Bestien, die genau dem eigentlich widersprachen für 9:07 was sie eigentlich stehen wollten. Mit äußerster Brutalität kämpfte man sich durch diese Gebiete, hinterließ Verwüstung, Tod und Verzweiflung. Als die Niederschlagung des Aufstandes beendet war, 9:18 reagierten die anderen Kolonialmächte entsetzt. Man hatte ja von Beginn an eigentlich schon gedacht, dass die Deutschen nicht in der Lage sein würden, ein Kolonialgebiet effizient und effektiv 9:29 verwalten und gestalten zu können. Die Vorfälle in Südafrika bildeten in gewisser Weise den Aufbruch Deutschlands ins Kolonial-Business, allerdings wie gesagt mit mäßigem bis miesen Erfolg. Doch im 9:40 Zuge des Ersten Weltkrieges wurden die deutschen Truppen in den Kolonialgebieten enorm unter Druck gesetzt und so mussten die Deutschen bereits 1915 Deutsch-Südwestafrika aufgeben. Es ging danach an 9:51 britische und südafrikanische Truppen, die sich dort zunächst einmal breit machen sollten. Ich fasse noch einmal zusammen: Die Deutschen hatten mit der Thronübernahme durch Kaiser Wilhelm II. 10:00 eine neue Außenpolitik eingeleitet. Der Kaiser wollte einen Platz für Deutschland am Tisch der Großmächte und der Weltmächte und dafür brauchte man eben Kolonien. Man begann damit in 10:12 Afrika, weil eben viele andere Kolonialgebiete der Welt auch schon besetzt waren von anderen Kolonialmächten. Und so kam man dazu, im heutigen Namibia das Gebiet Deutsch- Südwestafrika zu 10:24 errichten. Doch hier traf man auf zwei Eingeborenenstämme, die bereit waren, Widerstand zu leisten. Die Deutschen konnten das Ganze nicht friedlich beilegen und schlugen so mit äußerster Brutalität 10:34 die Aufstände der Herero und der Nama nieder. Man löschte hier zwei Bevölkerungsgruppen zu großen Teilen aus, weshalb es wohl angemessen ist, hier von einem Völkermord zu sprechen. Am 10:44 Ende hatten die Deutschen damit bewiesen, dass sie offenbar nicht in der Lage sind, ein Kolonialgebiet effizient zu verwalten. Und entsprechend löste das bei den anderen Kolonialmächten nur ein Gefühl aus 10:55 von: Naja. Haben wir sowieso gewusst. Die kriegen das einfach nicht gebacken. Die Kolonialgebiete konnten die Deutschen dennoch immerhin bis in den Ersten Weltkrieg und teilweise bis nach dem 11:04 Ersten Weltkrieg halten, bis sie im Zuge ihrer Niederlage diese Gebiete dann alle verlieren sollten und das Kaiserreich dann in sich implodierte. Falls euch dieses Video gefallen hat dann hinterlasst 11:14 doch bitte einen Daumen hoch, abonniert den Kanal, teilt und empfehlt das Video weiter. 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