Was sind Sachquellen? | 45 Minuten Unterricht 45minuten https://www.youtube.com/watch?v=RxHXjPqC1DE Transkript (automatisch erstellt) 0:01 [musik] [musik] 0:09 Schaut mal, was ich vor ein paar Wochen bei Buddeln im Garten gefunden habe. Eine alte [musik] 50 Pennigmünze aus dem Jahr 1920. Die ist also schon über 100 0:18 [musik] Jahre alt. Bezahlen kann ich heute nicht mehr mit ihr, aber sie kann uns was über das Leben der Menschen in der Vergangenheit [musik] erzählen. 0:24 Genauer gesagt über das Leben in der Weimara Republik, also der Zeit kurz nach dem ersten Weltkrieg. Relikte, also Überbleibsel aus der Vergangenheit, 0:32 nennt man Quellen. Es gibt verschiedenste Arten von Quellen, die wir uns im Geschichtsunterricht anschauen. [musik] Gegenstände wie 0:37 Münzen, alte Kleidung, Werkzeuge, alte Waffen oder auch Bauwerke nennt man Sachquellen. [musik] Eine ganz bekannte Sachquelle ist 0:44 beispielsweise das Kolosseum in Rom. Das ist [musik] schon beinah 2000 Jahre alt, stammt also aus der Antike. Es wurde zur Unterhaltung der römischen Bevölkerung 0:53 erbaut. [musik] Darin fanden ziemlich brutale Schaukämpfe statt, in denen viel Blut zu sehen war. Z.B. wie die Gladiatorenkämpfe. 1:00 Und obwohl das Kolosseum etwa durch Feuer oder Erdbeben stark in Mitleidenschaft [musik] gezogen wurde, steht es auch heute noch, 1:06 zumindest ein Teil davon. Ein anderes [musik] Beispiel für eine Sachquelle, wenn auch ein sehr makaberes, ist Ötzi. 1:14 [musik] Zzi ist der Name eines mumifizierten Mannes aus der Kupferzeit, der vor etwa 5300 Jahren gelebt hat [musik] und im 1:19 Jahr 1991 von zwei Bergsteigern in den Öztaler Alpen gefunden wurde. Und sowohl sein durch das Eis sehr gut erhaltener Körper als auch die Kleidungsstücke und 1:29 Werkzeuge, die er [musik] bei sich trug, sind für die Forscher der heutigen Zeit wertvolle Sachquellen, weil sie uns viel darüber verraten, wie die Menschen 1:35 [musik] in der Kupferzeit gelebt haben oder welchen klimatischen Bedingungen sie ausgesetzt waren. So war der als Ötzi bekannte [musik] Mann etwa 1,60 m 1:43 groß und ca. 45 Jahre alt. Seine abgenutzten Zähne und die gefundenen Gallensteine verraten uns viel über die [musik] Essgewohnheiten und den 1:51 Speiseplan der Menschen damals, auf dem wohl auch viel Getreide und Fleisch gestanden haben soll. Zudem wurde ein Pfeil in seinem Schulterblatt entdeckt, 1:58 der von einem menschlichen Angreifer stammen musste. Er selbst trug auch Pfeil im Bogen mit sich, dazu noch zahlreiche Werkzeuge, etwa ein Bohrer 2:05 und Feuersteine. Schon spannend, was Sachquellen uns über die Vergangenheit sagen. [musik] Damit wir so viele Informationen aus 2:12 ihnen rausholen wie möglich, analysieren wir sie dazu in drei Schritten. Das habt ihr vielleicht sogar schon [musik] mal im Geschichtsunterricht gemacht. 2:18 Beschreiben, untersuchen und deuten. Beim Beschreiben [musik] schauen wir uns die Sachquelle erstmal genau an und sammeln all ihre äußeren Eindrücke. Was 2:26 genau ist das für [musik] ein Gegenstand? Wie groß ist er? Woraus besteht er? Welche Farbe hat er? Finden wir Schrift darauf oder Bilder oder 2:33 vielleicht auch Gebrauchsspuren? Hier kommt [musik] nur das rein, was ihr mit euren Sinnen wahrnehmen könnt. Keine Vermutungen. Z.B. Bei dieser Sachquelle 2:41 handelt es sich um eine 50 [musik] Pennigmünze, die ungefähr 2 cm im Durchmesser groß ist und gräulig silber [musik] gefärbt. Sie besteht aus Metall 2:50 und jetzt kommt ein bisschen Geschichtsherin wissen, was ihr selber noch nicht haben müsst. Münzen aus dieser Zeit wurden oft aus Nickel oder 2:56 [musik] Kupfernickel hergestellt, auch diese hier. Außerdem ist sie leicht beschmutzt, aber das liegt vermutlich daran, dass sie [musik] aus unserem 3:01 Garten stammt. Auf der Vorderseite der Münze kann man ablesen, dass es sich um eine 50 [musik] Pennigmünze aus dem Jahr 1920 handelt. Zudem finden wir auch die 3:10 Bezeichnung deutsches Reich darüber. Auf der Rückseite ist ein [musik] Ehrenstrauß abgebildet. Davor das Sprichwort sich Regen bringt Segen. Das 3:20 ist alles, was wir auf den ersten Blick rausfinden können. Kommen [musik] wir also jetzt zum zweiten Schritt. Beim Untersuchen versuchen wir das, was wir 3:27 bei der Beschreibung herausgefunden haben, in einen historischen Zusammenhang zu bringen. Wozu wurde [musik] der Gegenstand wohl genutzt? Was 3:33 sagen uns die Inschriften und Bilder darauf? Kurz um, [musik] was verrtet mir dieser Gegenstand über die Vergangenheit? Ich sagte euch ja schon, 3:40 diese 50 Pfennigmünze stammt aus dem Jahr [musik] 1920, also aus der Zeit der Weimaraer Republik. Das wird für euch in Klasse 8 bis 10 eine Rolle spielen. Was 3:48 ihr [musik] aber definitiv selbst daraus ableiten könnt, ist, dass diese Münze über 100 Jahre alt ist und es in dieser Zeit eine andere Währung gab als heute. 3:56 Pennig statt [musik] Cent und Mark statt Euro. Auf jeden Fall wisst ihr auch, wofür man diesen Gegenstand genutzt hat. Zum Bezahlen [musik] natürlich. Die 4:03 Menschen vor 100 Jahren verwendeten also schon Münzen aus einfachem Metall dazu und dass sie so viel einfacher wirkt als ein heutiges [musik] 50 Cent Stück und 4:11 übrigens auch viel leichter ist, zeigt auch, dass früher nicht genug Geld zur Verfügung stand, um wertvollere Münzen [musik] herzustellen. Das lag daran, 4:18 dass das Deutsche Reich nach dem Ersten Weltkrieg wirtschaftlich ziemlich geschwächt war. Ziemlich interessant ist [musik] auch der Spruch auf der 4:24 Rückseite: "Sich Regen bringt Segen oder" oder auch ohne Fleiß kein Preis. Zusammen mit dem Getreidebündel [musik] zeigt das also auch die politische 4:32 Haltung zur Arbeit. Wer viel arbeitet, wird belohnt mit Geld. Und damit sind wir [musik] schon beim dritten Schritt der Sachkrquellenanalyse beim Deuten. 4:41 Deuten heißt, dass wir überlegen, was unsere Untersuchung uns über die Vergangenheit verrätt. Oft schwimmt das schon [musik] ein bisschen mit den 4:46 Untersuchungsergebnissen. Wir erfahren durch diese Münze, dass die [musik] Menschen im Jahr 1920 durch den 4:53 vergangenen ersten Weltkrieg in einer schwachen Wirtschaft lebten und die Einstellung der Menschen war, das Land durch [musik] ihre Arbeit wieder 4:59 aufzubauen. Ganz wichtig beim Deuten ist aber auch, das Ergebnis kritisch zu [musik] hinterfragen. Wie zuverlässig oder seriösquelle? 5:07 Glücklicherweise sind Sachquellen immer ein bisschen zuverlässiger als beispielsweise [musik] Textquellen, denn da können sich die Menschen ja 5:12 theoretisch alles mögliche ausgedacht und aufgeschrieben haben. Aber überlegen wir mal, [musik] wer diese Münze in Umlauf gegeben haben könnte und dadurch 5:19 auch entschieden hat, was darauf [musik] zu sehen ist. Natürlich der Staat und der wollte, dass genau dieses Motto unter die Leute kommt. Sich Regen bringt 5:27 [musik] Segen, ohne Fleiß keinen Preis. Der Staat will also, dass die Menschen gemeinsam anpacken und die Wirtschaft wieder aufbauen. Und dass wir diesen 5:34 Spruch [musik] hier hinten finden, heißt nicht unbedingt, dass die Bevölkerung dahinter stand, sondern dass es der politische Wille war, die Menschen dazu 5:41 [musik] zu bringen, mehr zu arbeiten. Hättet ihr gedacht, dass man aus so einer kleinen Münze so viel [musik] Information rausquetschen kann? Das ist 5:48 die Funktion einer Sachquellanalyse. Testet mal, wie fit ihr nun beim Thema Sachquellanalyse seid, indem ihr die Aufgaben auf diesem Arbeitsplattier 5:55 bearbeitet. Ihr solltet ungefähr 30 Minuten Zeit dafür benötigen. Spielerfolg und vielleicht bekomme ich das Teil auch 6:02 noch ein bisschen sauberer. Ja.