Das Organonmodell und die Hier-Jetzt-Ich-Origo | Pragmatik Alexander Willich https://www.youtube.com/watch?v=RmW1lMlmD2g Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Hallo allerseits und willkommen zu diesem Screencast in unserem Pragmatikseminar. Schön, dass Sie da sind. Heute geht es um das erste von 0:10 zwei Kommunikationsmodellen, dass wir uns ansehen, nämlich das von Karl Bühler. Ein Name, den sie sich nicht nur für die Geschichte der 0:20 Sprachwissenschaft auf jeden Fall merken dürfen. Die Literaturgrundlage für dieses Thema ist ein Text von Bühler selbst und damit der erste Originaltext 0:31 in unserem Seminar. Sie sollten nämlich einen Auszug aus Bülas berühmt Buch Sprachtheorie von 1934 lesen, von dem ein kleiner Auszug 0:42 eben in dem Reader von Lut Hoffmann abgedruckt ist. Ich kann Ihnen aber nur empfehlen, das Buch auch mal in Gänze zu lesen, sofern Sie sich für einige sehr 0:52 fundamentale Ideen der Sprachwissenschaft interessieren, nicht nur für die Pragmatik. Die folgenden drei Lernziele sollten Sie 1:01 nach der Lektüre dieses Textes und auch nach dem Ansehen dieses Screencasts hier erreichen können. Sie sollten die Grundideen des Organon Modells 1:10 beschreiben können. Das ist dieses Kommunikationsmodell, um das es geht. Sie sollten die Begriffe Sprechhandlung und Sprachwerk nach Bühler unterscheiden 1:19 können und sie sollten den Unterschied zwischen Zeigwörtern und Nennwörtern kennen. Diese Begriffe gehen ebenfalls auf Bühler zurück. Wer hätte es gedacht? 1:29 Dann mal nichts wie los. Zunächst ein kurzer Blick darauf, wer Karl Büler überhaupt war. Karl Büler ist 1879 geboren und 1:40 1963 gestorben. Er war Zeichentheoretiker und Sprachphilosoph und gilt als Begründer einer handlungstheoretischen 1:48 Sprachauffassung. Die Sprache als ein sogenanntes Organum versteht. Was das genau heißt, werden wir gleich sehen. Und sein bekanntestes Werk habe ich 1:56 schon erwähnt, nämlich das Buch Sprachtheorie von 1934. Ein zentraler Bestandteil dieser Sprachtheorie, die von Büler in dem 2:07 gleichnamigen Buch entworfen wird, ist das sogenannte Organonmodell. Und darum soll es jetzt auch zuerst gehen. Sprache ist, wenn man es so wie Bühler versteht, 2:18 dazu da, damit einer dem anderen etwas mitteilen kann über die Dinge, wie Büler das formuliert. H Also, wir haben jetzt hier drei Komponenten. Wir haben einen, 2:30 dann einen anderen und die Dinge und dann noch die Sprache selbst. Also insgesamt vier Dinge und diese vier Dinge, die werden in dem Organonmodell 2:41 dargestellt, das dann erstmal in etwas so aussieht. In der Mitte steht die Sprache, also das Organum. Wir werden gleich sehen, was das genau heißt. Und 2:51 für Bühler ist das ein sinnlich wahrnehmbares, gewöhnlich akustisches Phänomen, diese Sprache. Also, er denkt hier schon an die gesprochene Sprache, 3:00 aber natürlich kann man das Ganze auch auf geschriebene Sprache übertragen. Ordnen wir das Ganze mal etwas näher. ein die Idee des Organonmodells geht auf 3:10 Platon zurück, der die Sprache als ein Organum, also das heißt ein Werkzeug versteht und Werkzeuge sind ja immer dazu da, ein bestimmtes Ziel zu 3:20 erreichen. Und dieses Ziel hat für Mühler eben drei Eckpunkte, nämlich wie gerade schon gesehen, einer, dann einen anderen und die Dinge. Und über diese 3:31 Dinge möchte der eine dem anderen halt etwas mitteilen. Das heißt, diese Sicht von Sprache ist eine Kausalbetrachtung, könnte man sagen, also der Zusammenhang 3:42 zwischen einer Ursache und deren Folge. Die Ursache ist, dass einer, wie Büler es nennt, ein Schallphänomen erzeugt, also spricht oder schreibt und 3:53 die Folge ist, dass dieses Schallphänomen dann auf den anderen als ein Reiz wirkt. Wenn man das Ganze theoriegeschichtlich 4:02 einordnen möchte, dann ist das so, dass Büler mit dieser Vorstellung von Sprache Kritik übt am sogenannten Stoffdenken des 4:10 physikalistischen Behaviorismus. Das ist eine Strömung der Psychologie, die zu Bülers Zeit und auch lange danach noch sehr populär war. Mehr 4:20 muss man dazu eigentlich nicht wissen. Man merkt aber bei der Lektüre von Bülas Text sehr, dass er seine Ideen als eine Kritik versteht. 4:30 Treiben wir das Ganze jetzt noch ein bisschen weiter. Wir behalten weiter diese drei Eckpunkte des Organonmodells im Hinterkopf. Also einer, ein anderer 4:37 und die Dinge. Schreiben das aber jetzt mal ein bisschen anders auf und zwar so. Was diese Grafik genau sagen soll, werden wir uns jetzt in mehreren 4:47 Schritten mal anschauen. Zunächst mal müssen wir wissen, dass in der Mitte das Schallphänomen steht, also die sprachliche Äußerung. Genauer gesagt, 4:55 der Kreis, den Sie da in der Mitte sehen, soll das Schallphänomen sein. Und dieses Schallphänomen wird jetzt hier zu drei Seiten in Beziehung gesetzt, 5:04 nämlich zum Sender links, also zu dem einen, der das Schallphänomen äußert, dann zum Empfänger rechts, also zu dem anderen, 5:14 der das Schallphänomen zu hören bekommt und zu den Gegenständen und Sachverhalten hier oben, also zu den Dingen, über die etwas mitgeteilt wird. 5:25 Soweit also gar nicht so anders als wir das eben gesehen haben. Und jetzt benennt Bühle aber die Beziehungen zwischen dem Schallphänomen und diesen 5:34 drei Seiten noch mal ganz genau. Die Beziehung zu den Gegenständen und Sachverhalten heißt Darstellungsfunktion, die Beziehung zum 5:43 Sender heißt Ausdrucksfunktion und die Beziehung zum Empfänger heißt Appellfunktion. Viel mehr soll uns diese Grafik 5:51 eigentlich auch gar nicht sagen. Diese drei Funktionen sind relativ wichtig, weswegen wir die uns auch noch mal etwas genauer 5:59 anschauen. Also, das Organmodell von Büler besagt, dass ein sprachliches Zeichen von drei Seiten her beschrieben werden kann, nämlich im Hinblick auf die 6:07 drei Funktionen, die wir gerade unterschieden haben. Zu der Darstellungsfunktion sagt Büler auch, dass sie das sprachliche Zeichen als ein 6:16 Symbol charakterisiert. Bei ihr geht es also darum, das sprachliche Zeichen zu bestimmten Gegenständen und 6:22 Sachverhalten in Beziehung zu setzen. Das sollte sie schon stark auch an das Zeichenmodell von Sosy und auch an das semiotische Dreieck erinnern. 6:32 Hoffentlich. Von der Ausdrucksfunktion sagt Büler auch, dass das sprachliche Zeichen bei ihr als ein Symptom dient. Semotisch gesehen kann man das auch ein 6:40 Index nennen. Kommt Ihnen das bekannt vor? Für Büder drückt das sprachliche Zeichen dann die Abhängigkeit vom Sender aus, 6:48 dessen Innerlichkeit dieses sprachliche Zeichen halt ausdrückt. Aber dazu kommen wir gleich noch mal bei einem Beispiel. Dann wäre da noch die 6:57 Appellfunktion, bei der Büler das sprachliche Zeichen als Signal versteht und als einen Appell an den Hörer, dessen inneres oder äußeres Verhalten 7:05 ist steuert. Klingt das für Sie jetzt noch ein bisschen kryptisch? Für mich auch. Und deswegen schauen wir uns das eben 7:12 wie gesagt gleich an einem Beispiel etwas genauer an. Lassen Sie uns vorher aber noch festhalten, dass das sprachliche Zeichen, von dem jetzt die 7:18 ganze Zeit die Rede war, nicht identisch ist mit dem, was Büler dieses Schallphänomen nennt. Denn das eine kann über das andere hinausragen. Also das 7:30 Schallphänomen kann über das Zeichen hinausragen und umgekehrt und eben weniger umfassen oder mehr umfassen. Das werden wir uns aber 7:39 auch gleich noch näher ansehen. Jetzt aber das versprochene Beispiel. Stellen Sie sich folgende Situation vor. Lia und Bente sitzen auf 7:48 der Couch. Plötzlich sagt Bente zu Lia, mir ist kalt. Wie können wir diese sprachliche 7:56 Äußerung jetzt in das Organummodell einordnen und hinsichtlich dieser drei Funktionen beschreiben? Was meinen Sie? Überlegen Sie mal ein bisschen. Stoppen 8:06 Sie das Video und kommen Sie zurück. Ich zeige Ihnen schon mal diese Darstellung hier noch mal. Wo würden Sie jetzt diese sprachliche Äußerung einsortieren? Mir 8:16 ist kalt. Klar, hier in der Mitte, da wo Büler das sprachliche Zeichen einträgt. Das war sicherlich noch relativ einfach. 8:26 Jetzt gehen wir die drei Funktionen mal durch. Das ist eigentlich das entscheidende hier bei diesem Organonmodell. Was könnte eine 8:32 Darstellungsfunktion dieser sprachlichen Äußerung sein? Was also könnte der Bezug dieser Äußerung, mir ist kalt zu Gegenständen 8:39 und Sachverhalten sein? Also ich meine sowas wie die Temperatur, die ich empfinde, ist niedriger als mir lieb ist. Das ist ja eine relativ neutrale 8:48 Aussage über den Sachverhalt, der in dieser Situation gegeben ist. Was könnte jetzt eine Ausdrucksfunktion sein? Wir erinnern 8:57 uns, die Ausdrucksfunktion setzt die Äußerung zu dem in Beziehung, was Büler den Sender nennt. Ich finde, das könnte so etwas sein wie ich möchte, dass mir 9:06 wärmer ist, denn damit wird ja ganz im Sinne Büers die Innerlichkeit der Person ausgedrückt, also ein Gefühl ausgedrückt von der Person, die diese Äußerung 9:16 tätigt. Und zu guter Letzt, was könnte eine Appellfunktion sein? Wie könnte sich die sprachliche Äußerung also an den Empfänger an Lar richten und 9:25 irgendein Verhalten steuern? Auch das ist sicherlich nicht ganz so schwer. Die Äußerung könnte sowas bedeuten wie gib mir mehr von der 9:35 Decke. Ich hoffe, das Prinzip ist Ihnen klar geworden. Diese eine sprachliche Äußerung hat sozusagen alle diese Funktionen gleichzeitig, alle diese 9:44 drei. Die Frage ist also nicht, welche der drei Funktionen hier jetzt gerade eine Rolle spielt, sondern die Beobachtung, dass alle drei Funktionen 9:51 gleichermaßen in der Äußerung enthalten sind, ist das zentrale dieses Organonmodells. Das ist eben die Grundidee dieses 10:00 Kommunikationsmodells. Okay, jetzt noch mal zurück zu der Unterscheidung zwischen dem sprachlichen Zeichen und dem 10:07 Schallphänomen. Wir erinnern uns noch mal an die Mitte dieser Darstellung, die wir jetzt schon häufiger gesehen haben. Der Kreis, den Sie da sehen, soll das 10:16 Schallphänomen darstellen und das Dreieck soll symbolisieren, dass das Schallphänomen aufgrund der drei Funktionen, die wir gerade auseinander 10:23 gehalten haben, auf drei verschiedene Arten zum sprachlichen Zeichen erhoben werden kann, sozusagen. Das Dreieck steht also für die drei Funktionen. Und 10:33 jetzt sehen Sie, dass das Dreieck sowohl über den Kreis hinausragt an diesen drei Ecken, als auch, dass es an manchen Stellen kleiner ist als der Kreis, also 10:42 an den drei Seiten. Was will Bühle uns damit sagen? Dass das Dreieck an den drei Seiten weniger umfasst als den Kreis, nennt Bühler das Prinzip der 10:53 abstraktiven Relevanz. Und was genau das heißt, sehen wir gleich, dass das Dreieck an den Dreiecken aber über den Kreis hinausragt und mehr als den Kreis 11:03 umfasst. Das nennt Büler die apperzeptive Ergänzung. Klingt seltsam. Ja, finde ich auch. Deswegen gucken wir uns jetzt an, was damit 11:12 gemeint ist. Also fangen wir mit dem Prinzip der abstraktiven Relevanz an. Noch mal zur Wiederholung, das Dreieck, also die drei 11:20 Funktionen, umfassen weniger umfasst weniger als der Kreis, also das Schallphänomen. Andersum könnte man sagen, der Kreis, also das 11:28 Schallphänomen, ragt über das Dreieck hinaus. Das heißt, also das Schallphänomen ist irgendwie größer, als es eigentlich sein müsste und die drei 11:38 Funktionen sind quasi schon erfüllt, aber das Schallphänomen ist noch größer, geht darüber hinaus. Vielleicht kann das in die wenig 11:47 wissenschaftliche Faustregel überführt werden. Es wird mehr gesagt, als eigentlich nötig wäre. Zitieren Sie mich damit aber bitte nicht. Wenn man etwas 11:56 böse ist, könnte man darunter Äußerungen verstehen, die zum Gemeinden eigentlich nichts beitragen. Sowas wie ich, also, wie soll ich das sagen, weißt du? Also 12:06 irgendwie freue ich mich. Man könnte auch einfach sagen, ich freue mich. Ob das, was hier auf den ersten Blick überflüssig erscheint, wirklich so 12:15 unwichtig ist, sei aber mal dahingestellt. Mir geht's jetzt nur darum, dass sie einen Eindruck von dieser Idee 12:24 bekommen. Der umgekehrte Fall ist die aperzeptive Ergänzung. Hier haben wir gesehen, dass das Dreieck über den Kreis hinausragt. Die drei Funktionen sind 12:32 also mehr als das Schallphänomen. Büler formuliert das so, dass das sinnlich gegebene, also das Schallphänomen eine abperzeptive 12:40 Ergänzung erfährt. Also um Informationen ergänzt wird, die nicht oberflächlich sprachlich ausgedrückt werden. Auch hier wieder eine Faustregel, die Sie bitte 12:48 nicht zitieren. Es wird mehr gemeint als gesagt wird. Oder andersrum, es wird weniger gesagt als gemeint wird. Und genau das haben wir in dem kleinen 12:57 Beispiel von gerade ja schon gesehen, denn dort wird nur relativ wenig gesagt, nämlich nur drei Wörter, aber es kann damit ziemlich viel gemeint werden, 13:06 nämlich etwas, das gar nicht sprachlich ausgedrückt wird, wie z.B. Gib mir mehr von der Decke. 13:14 Okay, gehen wir jetzt mal weg von dem Organon Modell und zu einer anderen Unterscheidung von diesmal zwei Begriffen, die auf Bühler zurückgeht, 13:23 nämlich die Unterscheidung zwischen Sprechhandlung und Sprachwerk. Lassen wir dazu erstmal Bühler selbst sprechen. Es gibt für uns alle 13:31 Situationen, in denen das Problem des Augenblicks, die Aufgabe aus der Lebenslage redend gelöst wird. Sprechhandlungen und es gibt andere 13:41 Gelegenheiten, wo wir schaffend an der adäquaten sprachlichen Fassung eines gegebenen Stoffes arbeiten und ein Sprachwerk 13:50 hervorbringen. Das Stichwort Sprechhandlungen zeigt schon, dass wir mitten in der Pragmatik sind, denn es geht ja darum, wie man mit Sprache 13:57 Handlungen vollziehen kann. Das sollte aber noch nicht den Unterschied zum Begriff des Sprachwerks klar machen. Deswegen ordnen wir das Ganze mal etwas 14:05 ein. Also Sprechhandlung versus Sprachwerk. So, die Sprechhandlung auf der einen Seite sagt aus, dass das 14:14 Sprechen unmittelbar eine damit verbundene Aufgabe erfüllt und an diese Aufgabe verknüpft ist. Und mit Bühler könnte man sagen, dass das Sprechen 14:24 erledigt ist, wenn die damit verbundene Aufgabe erfüllt ist. Denken Sie an unser Beispiel von gerade auf der Couch. Wenn die Appellfunktion mit der sprachlichen 14:33 Äußerung erfüllt ist, dann muss darüber quasi auch nicht weiter gesprochen werden. Das heißt aber auch, die Sprechhandlung ist gebunden an das 14:41 praktische Leben, also an eine konkrete Sprechsituation und sie ist damit auf der Ebene der Parol, also des Sprachgebrauchs angesiedelt. Erinnern 14:50 Sie sich noch an den letzten Screencast? Genau um diesen Sprachgebrauch geht's ja in der Pragmatik. Ein anderes Beispiel für so eine Sprechhandlung wäre eine 14:59 Taufe. Warum? Na ja, wenn ich sage, ich taufe dich auf den Namen Lia, dann habe ich damit eine Handlung vollzogen und in dem Moment, in dem ich diese Äußerung 15:10 getätigt habe, ist die damit verbundene Aufgabe erfüllt und ich kann jetzt sozusagen weitersprechen. Jetzt zum Sprachwerk. 15:18 Auf der anderen Seite anders als die Sprechhandlung ist das Sprachwerk jetzt nicht an einer konkrete Situation gebunden, sondern entbunden aus einem 15:26 bestimmten Standort und dem individuellen Leben des Erzeugers, wie Bühler es nennt, also der Person, die eine sprachliche Äußerung 15:34 tätigt. Damit ist dieses Sprachwerk auch enthoben von seiner Erzeugung innerhalb des praktischen Lebens, also einer konkreten Sprechsituation. 15:43 Wenn also die Sprechhandlung auf der einen Seite auf der Ebene der Parol, also des Sprachgebrauchs verortet ist, dann wäre das Sprachwerk auf der Seite 15:52 der Long, auf der Ebene der Long, also des Sprachsystems verortet. Ein Beispiel für so ein Sprachwerk wäre der Text, den Sie einem Buch finden. 16:04 Nicht das konkrete Exemplar, sondern wirklich der der abstrakte Text als ein eben abstraktes künstlerisches oder wissenschaftliches Gebilde oder so. 16:13 Interessanterweise nennt man so ein Erzeugnis ja häufig auch Werk, was schon darauf hindeutet, dass es sich dabei um ein Sprachwerk und eben um keine 16:22 Sprechhandlung handelt. So, das wäre die Unterscheidung zwischen Sprechhandlung und Sprachwerk. Jetzt 16:29 brauchen wir noch eine Unterscheidung, die auf Bühler zurückgeht. Sie merken, es geht heute sehr stark um Unterscheidungen von Begriffen. So 16:36 geht's halt in der Sprachwissenschaft zu, nämlich jetzt die Unterscheidung zwischen Sprechagebilde. Wir werden uns in diesem 16:44 Seminar ja noch ausführlich mit Sprechaten beschäftigen. Deswegen schauen wir uns jetzt vor allem an, was Sprachgebilde sind. Wenn wir Bühler 16:52 zitieren, dann sind Sprachgebilde aus den Umständen der konkreten Sprechsituationen abgelöst und damit kontext unabhängig. Kommt Ihnen dieser 17:01 Begriff bekannt vor? Kontext unabhängig. Mit anderen Worten kann man auch sagen, Sprachgebilde sind Zeichen. Solche kontext unabhängigen Zeichen sollten Sie 17:10 auch schon kennen, nämlich z.B. aus dem Zeichenmodell von Sosy Warum sind diese Zeichen kontext unabhängig? Na ja, weil sie wie Büler sagt durch regulative 17:21 Grundsätze bestimmt sind, also Regeln folgen. Denken Sie mal ganz weit zurück an die Phonetik und Phonologie. Die Phonetik ist die Wissenschaft von der 17:29 konkreten Produktion von Lauten und die Phonologie ist die Wissenschaft von den Regeln, nach denen diese Laute gebildet werden, woraus sich dann ein System von 17:38 Lauten ergibt, ebenso wie es ein System von sprachlichen Zeichen, ein Sprachsystem gibt, das aber kontext unabhängig existiert. Und ein Aspekt, 17:47 der auch für das Zeichenmodell von Zus eine wichtige Rolle spielt, ist das Sprachgebilde, also sprachliche Zeichen oder so intersubjektiv fixiert sind. Man 17:58 könnte auch sagen konventionell sind. Sie sind also unabhängig von einzelnen sprechenden und haben sich durch Konventionen innerhalb einer 18:07 Sprachgemeinschaft herausgebildet, denen alle sprechenden mehr oder weniger folgen. So, jetzt müssen wir uns noch einen letzten thematischen Block aus 18:18 Bühlers Werk anschauen und dann haben Sie es auch schon geschafft. Dieser Block wird uns jetzt vorbereiten auf ein Thema, das uns ganz bald in diesem 18:26 Semester wieder begegnen wird, nämlich die Dixis. Worum es jetzt geht, ist wieder eine Unterscheidung von Begriffen, nämlich die Unterscheidung 18:33 von Zeigfeld und Symbolfeld. Und damit einhergeht eine Unterscheidung zwischen Zeigwörtern und Nennwörtern. Was ist also ein Zeigfeld 18:41 und was sind Zeigwörter? Fangen wir mit Letzteren an. Zeigwörter fungieren in Bülers Worten wie Wegweiser und können nur interpretiert werden vor dem 18:50 Hintergrund eines bestimmten Zeigfeldes. Das ist letztlich die Idee, die sich hinter diischen Ausdrücken verbirgt. Büler sagt, dass Zeitwörter 18:59 auf unterschiedliche Gegenstände verweisen, je nachdem, wer spricht. Denn wenn ich ich sage, dieses Pronomen Ich, dann verweise ich damit auf mich selbst. 19:10 Wenn Sie jetzt aber ich sagen, dieses Pronomen Ich, dann verweisen Sie aber nicht auf mich, sondern auf sich selbst. Das heißt, je nachdem, wer die Äußerung 19:20 tätigt, je nachdem, wer dieses Pronom benutzt, wann die Äußerung getätigt wird und wo die Äußerung getätigt wird, natürlich kann dem eine andere Bedeutung 19:30 verleihen und eine andere Referenz haben, wie man sagt, einen anderen Bezug haben oder einen Verweis haben auf etwas. Diesen Hintergrund, also dieses 19:38 Zeigpfeld nennt Bühler die hier jetzt ich Origo. Weiter geht's mit dem Symbolfeld und den Nennwörtern. Nennwörter 19:48 fungieren jetzt nicht als Wegweiser, sondern als Symbole, Stichwortze Zeichentheorie, Symbiotik und erhalten ihre Bedeutung im sprachlichen Kontext, 19:56 also quasi im Kontext, den Bühler sündemantisches Umfeld nennt. Das heißt nicht die hier jetzt ich, Origo verleih diesen Wörtern ihre Bedeutung, sondern 20:05 insbesondere der sprachliche Kontext, der Kotext. Und anders als Zeigwörter verweisen Nennwörter jetzt nicht auf 20:13 unterschiedliche Gegenstände, je nach der Origo, sondern immer auf denselben Gegenstand und sind damit auch durch alle sprechenden und Hörenden 20:22 tendenziell immer identisch zu interpretieren. Puh, jetzt müssen wir erstmal 20:30 durchatmen. Ich zeig Ihnen noch mal ein paar Beispiele für den Unterschied zwischen Zeigwörtern und Nennwörtern. Also Zeigwörter sind daiktische 20:37 Ausdrücke, sowas wie ich, du, hier, jetzt, morgen oder gleich. Das sind also insbesondere Pronomen und bestimmte Adverbien. Wenn 20:46 ich diese Wörter jetzt hier, heute und als ich äußere, dann tue ich das genau mit dieser hier jetzt ich Origo, die ich gerade habe. Wenn Sie das zu einem 20:57 anderen Zeitpunkt, an einem anderen Ort und als sie eben tun, dann ist die Origo eine andere und diese Wörter bedeuten dann auch etwas ganz 21:05 anderes. Das ist bei den Nennwörtern nicht so. Nennwörter bedeuten quasi immer dasselbe, unabhängig von der Origo, aus der heraus sie geäußert 21:13 werden. Das wären solche Wörter wie Pragmatik, Ente, Eigentumsvorbehalt, Buch oder Universität. Mit anderen Worten, die meisten Wörter, die wir so 21:23 benutzen, sind Nennwörter. Also, beziehen wir das mal zurück auf die Unterscheidung zwischen 21:31 Zeigfeld und Symbolfeld. Büder sagt, dass die Sprache, wenn sie in der Appellfunktion oder auch Signalfunktion auftritt, Subjekts und 21:40 Situationsbezogen ist. Das haben wir ja bei unserem Couch Beispiel von eben schon gesehen. Also je nachdem, wer die entsprechende Äußerung in welcher 21:47 Situation tätigt, kann die Äußerung etwas ganz anderes bedeuten. Das erinnert schon sehr stark an Zeigwörter und an das Zeigfeld, bei 21:56 denen das ja genauso ist. Wir haben auch gerade schon gesehen, dass Zeigwörter insbesondere Personalpronomen wie ich, du und wir und so weiter sind. Und wenn 22:04 man eine Unterscheidung zwischen Zeigfeld und Symbolfeld annimmt, dann kann man mit Bühle auch von einer zweifelderlehre 22:11 sprechen. Bevor wir zum Ende kommen, bleiben wir noch kurz bei den Zeigwörtern und bei der hier jetzt ich Origo. Wir haben ja schon gesehen, dass 22:20 Zeigwörter wie solche Personalpronomen, die nichts anderes als daiktische Ausdrücke sind, von dem Hintergrund einer solchen Origo interpretiert werden 22:28 müssen. Sie können sich so eine Origo vorstellen als eine Art Koordinaten Ausgangspunkt, also den Schnittpunkt zweier Koordinaten hier in der Mitte 22:38 eines solchen Koordinatensystems. Zugegeben, diese Darstellung mit dem Koordinatensystem ist etwas irreführend. Die Idee ist 22:45 einfach, dass solche Zeitwörter unterschiedliche Bedeutungen haben, je nachdem von welcher Origo man ausgeht. Wenn Sie in ihrer Wohnung sitzen und 22:53 sagen, ich bin hier, dann bedeutet das eben in ihrer Wohnung hier. Wenn sie aber im Seminarraum sitzen und sagen hier, dann bedeutet dieses hier eben im 23:03 Seminarraum. Die Origo ist also jeweils anders, weil auch ihr Standort anders ist. Und deswegen ist die Bedeutung eines Wortes wie hier eben abhängig von 23:12 der Origo. Die Origo ist allerdings nicht nur Standort gebunden, sondern auch Zeit gebunden und Personebunden. Deshalb hier jetzt ich, Origo. Das Ganze 23:22 funktioniert auch mit Unterschieden in der Zeit und der sprechenden Person. Büler drückt das Ganze etwas blumiger aus, denn er sagt, die Origo ist die 23:32 Grundlage für die Beschreibung sprachlicher Subjektivität. Also bezogen auf den Ichteil dieser Origo wäre das z.B. so: "Ich habe meine Subjektivität, 23:41 sie haben Ihre und so weiter. Wenn Sie ich sagen, dann meinen sie damit sich selbst. Wenn ich aber ich sage, dann meine ich damit nicht sie, sondern 23:48 mich." Das wissen wir jetzt. Also ist diese Deiks ist gewissermaßen immer subjektiv. Wir halten fest, die daiktischen 23:55 Ausdrücke geben, wenn wir sie verwenden, immer einen Hinweis auf die Ausgangsposition, eben auf die Origo der Person, die innerhalb des Zeigfelds der 24:04 Sprache spricht. Und das kann eben Standortgebunden, zeitgebunden oder personengebunden sein. Bei zeitgebunden oder 24:12 zeitbezogenen Ausdrücken, daikt Ausdrücken, wie z.B. jetzt spricht Bühle auch davon, dass es sprachliche Augenblicksmarken 24:22 sind. So. Damit hätten wir jetzt aber auch das erste der beiden Kommunikationsmodelle 24:29 wirklich hinter uns gebracht. Ich bin mir sicher, dass dazu noch nicht alle Fragen beantwortet sind, aber denen können wir dann wie gewohnt in der 24:36 Präsenzsitzung nachgehen. Und natürlich gibt es zu diesem Kommunikationsmodell auch ein Tutorial und eine Pragmatik Challenge, bei der ich Ihnen jetzt schon 24:44 einmal viel Spaß und Erfolg wünsche. Also bis dahin machen Sie es gut. M.