Verdun 843 - Drei Brüder zerreißen das Frankenreich EchronoTV https://www.youtube.com/watch?v=QmaxjJOMkB0 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 drei Brüder, ein toter Vater, ein schicksalhaftes Erbe und eine Entscheidung, die den Kontinent 0:11 für immer verändern sollte. [Musik] Im Herzen Europas existierte einst ein gewaltiges Reich, größer als das spätere 0:24 deutsche Kaiserreich, mächtiger als jedes moderne Bündnis. Ein Reich, das sich von der Nordsee bis nach Italien erstreckte, von den Pyrénäen bis an die 0:33 Elbe. Kein Deutschland, kein Frankreich, kein Ost und West, nur ein Kaiser, eine Krone, ein Glaube. Doch im Jahr 843 kam es zur folgenschwersten Familienfäde 0:46 der europäischen Geschichte. Aus Machtansprüchen und Eifersucht wurde eine Entscheidung geboren, die den Lauf der Geschichte neu schrieb. Der Vertrag 0:55 von Verdan zerschlug nicht nur ein mächtiges Reich, sondern erschuf die Grundlagen für die moderne europäische Landkarte. 1:05 Die meisten Menschen denken bei der Entstehung Europas an Napoleon, an das Heilige römische Reich 1:16 oder an die Weltkriege. [Musik] Aber die Wurzeln reichen viel tiefer. Zurück in eine Zeit, in der es noch 1:25 keine Nationalstaaten, keine festen Grenzen und keine moderne Bürokratie gab. Wir sprechen über das neunte Jahrhundert, eine Zeit in der ein Kaiser 1:34 das wohl größte Reich seit der Antike beherrschte. Karl der Große, ein visionärer Herrscher, der mit militärischem Geschick und kluger 1:41 Verwaltung ein neues Europa formte. Doch was danach geschah, war dramatisch. Nach seinem Tod entzweiten sich seine Erben und schließlich im Jahr 843 1:51 beschlossen sie etwas, dass sie selbst kaum verstanden, aber das unsere Welt für immer verändern würde. 2:00 Karl der Große lateinisch Carolus Magnus war nicht nur König der Franken, sondern ab 800 auch vom Papst gekrönter Kaiser. Die Krone trug er nicht nur als Symbol, 2:09 er sah sich als rechtmäßiger Nachfolger der römischen Caesar an. Sein Reich war ein Flickenteppich aus Stämmen, Kulturen, Dialekten und Traditionen von 2:18 den Pyrénäeen bis zur Elbe, von der Nordsee bis nach Rom. Und obwohl Karl militärisch erfolgreich war, war seine Verwaltung archaisch. Keine Hauptstadt, 2:28 keine zentrale Armee, keine einheitlichen Gesetze. Das Reich hielt sich, weil Karl stark war, nicht weil das System stabil war. Als er 814 starb, 2:39 hinterließ er dieses fragile Reich seinem Sohn Ludwig dem Frommen. Und genau hier begann das Problem. 2:48 Ludwig hatte drei Söhne, Lotha, Ludwig 2:58 und Karl. Wie viele Könige seiner Zeit versuchte er die Erbfolge zu regeln, aber jedes 3:06 Mal, wenn sich das politische Gleichgewicht änderte, änderte Ludwig auch seine Nachfolgeregelung. Das Ergebnis: Misstrauen, Neid und 3:14 schließlich Krieg. Nach Ludwigs Tod im Jahr 840 brach ein offener Bürgerkrieg aus. Zwei der Brüder, Ludwig der Deutsche und 3:24 Karl der Karle, verbündeten sich gegen ihren älteren Bruder Lota, der den Kaisertitel beanspruchte. Im Jahr 842 kam es zum berühmten Straßburger Eid, 3:34 ein Schwur der Brüder aufeinander, jeder in der Sprache seiner Truppen. Ludwig sprach in Althochdeutsch, Karl in Altfanzösisch. Das war mehr als 3:44 Symbolik. Es war ein Bruch der Sprache, ein kultureller Spalt, der sichtbar machte. Dieses Reich war kein einheitliches Ganzes mehr. Es hatte sich 3:53 in Ost und West gespalten. Nach Jahren blutiger Kämpfe waren die Brüder erschöpft und auch ihre Länder litt enorm. Städte wurden geplündert, 4:04 Dörfer niedergebrannt, ganze Ernten vernichtet, sodass Hunger und Elend weit verbreitet waren. 4:13 Selbst die wohlhabenden Adligen begannen, eigene Machtinteressen zu verfolgen und setzten sich über zentrale Befehle hinweg. 4:22 Die einstige Allianz zwischen den Brüdern zerfiel immer wieder. Jeder versuchte den anderen zu überlisten, mal durch militärische Taktiken, mal durch 4:30 geheime Absprachen mit einflussreichen Fürsten oder der Kirche. Diplomaten, Bischöfe und Berater reißen unermüdlich zwischen den Lagern hin und her, um 4:39 Vorschläge für einen Schlichtungsversuch auszuhandeln. Es war eine Zeit voller Intrigen, Verrat und Misstrauen. Jeder Schritt musste 4:47 sorgfältig überlegt werden, denn ein Fehler konnte den ganzen Krieg neu entfachen. 4:56 Gleichzeitig spürten alle drei die Erschöpfung, das Volk, die Armeen und selbst die Brüder selbst waren müde vom endlosen Blutvergießen. Bald wurde 5:04 deutlich, dass ein weiterer Krieg das Frankenreich endgültig zerstören würde. Die Brüder mussten eine Lösung finden, die einen Frieden erzwingen konnte. 5:12 ohne dass einer vollständig unterlang. Dieser Moment zeigt, wie politische Ermüdung, Machtkalkül und pragmatische Notwendigkeit zusammenkam. Kein Bruder 5:21 konnte wirklich gewinnen und doch konnte keiner verlieren. Ein Jahr später 843. Die Brüder sind Kriegsmüde. Sie treffen 5:31 sich in der Stadt Wter. Dort wird das Frankenreich offiziell aufgeteilt. Lota erhält den mittleren Teil, das sogenannte Mittelreich. Italien, 5:40 Schweiz, Burgund, Lotringen, die Rheegend. Ein langer, aber schmaler Streifenland. Ludwig bekommt das Ostfrankenreich, das spätere 5:49 Deutschland. Karl bekommt das Westfrankenreich, daraus wird Frankreich entstehen. Diese Entscheidung wurde getroffen, um Frieden zu schaffen, aber 5:58 in Wahrheit schuf sie eine jahrhundertelange Konfliktzone. Das Mittelreich, besonders das Gebiet zwischen Rhein und Mars, wurde später 6:05 zum Spielball der Macht. Von dort kommen die Namen Lotringen, Elsas, Begund, alles Regionen, um die Deutschland und Frankreich jahrhundertelang stritten. 6:18 Die Teilung von 843 bedeutete mehr als nur neue Grenzen. Sie bedeutete die kulturelle Trennung Europas. Westeuropa entwickelte sich romanisch mit starker 6:28 Papstbindung und zentralen Monarchien. Osteuropa, vor allem das Ostfrankenreich, entwickelte eine 6:37 föderale Struktur mit starken Fürsten und Kaisern, die sich immer wieder mit dem Papst anlegten. 6:45 Diese Linie Ost gegen West ist kein Zufall, sondern eine historische Kontinuität, die inderda 6:55 Trennung. Eine französische und eine deutsche Identität entstanden auf beiden Seiten 7:02 der ehemaligen Reichsgrenze. Im 19. Jahrhundert spritzte sich dieser Gegensatz weiterzu, als der Nationalismus in beiden Regionen 7:10 erstarkte und den Anspruch auf kulturelle und politische Vorherrschaft befeuerte. Und im 20. Jahrhundert schließlich führten diese Spannungen 7:19 direkt in zwei verheerende Weltkriege mit genau jener historischen Trennlinie im Zentrum, die bereits 843 durch den Vertrag von Feder gezogen worden war. 7:34 Stell dir vor, das Reich wäre nicht geteilt worden. Wäre ein vereintes Europa schon im 9. Jahrhundert möglich gewesen? Ein Kaiserreich von Paris bis 7:42 Prag, von Hamburg bis Rom? oder wäre es unter seinem eigenen Gewicht zusammengebrochen? Vielleicht hätten wir keine zwei 7:49 Weltkriege erlebt oder vielleicht einen viel früher. Vielleicht hätte es nie Nationalstaaten gegeben. Kein Frankreich, kein Deutschland. Vielleicht 7:59 hätte Europa sich ganz anders entwickelt oder gar nicht. Der Vertrag von Wider ist kein Schulbuch Hit wie Caesar oder Napoleon, aber er 8:10 ist vielleicht wichtiger, denn er steht am Anfang dessen, was wir heute Europa nennen. Er ist der Moment, in dem aus einem Reich zwei kulturell getrennte 8:20 Räume wurden. Ein Pakt dreier Brüder, geboren aus Streit, endet in einer Spaltung und prägt das Schicksal eines Kontinents bis heute. 8:28 [Musik] Und jetzt frage ich dich, wie würde Europa heute aussehen, wenn sich Ludwig, Karl und Ler damals für eine Einheit und 8:38 gegen eine Teilung entschieden hätten? Schreib es in die Kommentare. Ich freue mich auf deine Meinung. Und falls du noch mehr über Geschichte erfahren 8:45 willst, die du noch nicht gehört hast, abonniere meinen Kanal, damit du nichts verpasst. Bis zum nächsten Mal. [Musik]