Das politische System Deutschlands Sozi&Bio Abitur https://www.youtube.com/watch?v=QGqMmYyvdRI Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Das politische System Deutschlands. Puh, klingt erstmal ziemlich kompliziert, oder? Aber keine Sorge, dahinter steckt eigentlich ein ziemlich cleverer Plan, 0:09 eine Art Bauplan für eine stabile Demokratie. Und genau diesen Plan schauen wir uns jetzt mal gemeinsam an, von den Grundmauern bis hoch ins 0:17 Dachgeschoss. Um zu verstehen, wie Deutschland heute tickt, müssen wir uns eigentlich nur zwei Daten merken. Da ist zum einen der 23. Mai 1949. 0:28 Das ist quasi die Geburtsstunde, als das Grundgesetz unterzeichnet wurde. Und dann natürlich der 3. Oktober 1990, der Tag der deutschen Einheit. Diese beiden 0:38 Momente haben das Land geformt, das wir heute kennen. Okay, hier ist unsere Roadmap. Wir fangen beim Fundament an, dem Grundgesetz. Dann schauen wir uns 0:48 an, wer die Gesetze macht, die Legislative und wer sie umsetzt, die Exekutive. Danach kommt die Kontrolle, also die Judikative und zum Schluss, wie 0:58 die Macht im Land verteilt ist. Legen wir los. So, wir starten also beim Fundament und das ist in Deutschland das Grundgesetz. Wichtig ist hier, dass es 1:09 nicht einfach nur irgendeine Verfassung, nein, es ist eine ganz bewusste Antwort auf die deutsche Geschichte, auf das Chaos und das Scheitern der Weimaraer 1:17 Republik und natürlich auf die Schrecken der NSD. Stabilität, das war das oberste Ziel. Und wenn man das Grundgesetz auf seinen 1:26 Kern reduziert, dann landet man bei diesen vier Prinzipien hier. Die stehen in Artikel 20 und sind sozusagen unantastbar. 1:35 Deutschland ist eine Demokratie, klar, ein Rechtsstaat, wo also nicht Willkür herrscht, sondern das Gesetz, ein Sozialstaat, der sich um die Schwächeren 1:43 kümmert und ein Bundesstaat, wo die Macht eben nicht nur in Berlin liegt. Diese vier Säulen, die kann man nicht einfach so ändern. Und das hier, dieser 1:52 eine Satz aus Artikel 20 bringt alles auf den Punkt. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Das klingt so einfach, ist aber revolutionär. Es bedeutet 2:02 nämlich nicht, der Staat oder die Regierung haben die Macht. Nein, wir, die Bürgerinnen und Bürger sind der Souverän. Die Macht kommt von unten, 2:11 nicht von oben. Das Grundgesetz schützt natürlich auch unsere Grundrechte und da gibt es eine ganz wichtige Unterscheidung. Auf der einen Seite 2:19 haben wir die Menschenrechte, z.B. die Meinungsfreiheit. Die gilt für absolut jeden, egal woher er kommt, solange er in Deutschland ist. Und dann gibt's die 2:28 Bürgerrechte, wie die Versammlungsfreiheit. Die sind speziell für deutsche Staatsbürger gedacht, weil sie direkt mit der politischen 2:34 Mitbestimmung zusammenhängen. Okay, schöne Prinzipien, aber wie wird daraus jetzt handfeste Politik? Wie werden aus diesen Ideen Gesetze, die unser Leben 2:44 regeln? Tja, genau dafür gibt es die Legislative. Also die gesetzgebende Gewalt. Schauen wir uns die mal an. Und im Zentrum der Legislative steht 2:53 natürlich der Bundestag. Das ist wirklich das Herzstück unserer Demokratie, denn es ist das einzige Bundesorgang, das wir alle direkt 3:01 wählen. Hier sitzt also die Vertretung des Volkes. Wie kommen die Abgeordneten da rein? Nun, das System ist schon ein bisschen 3:09 speziell. Wir haben ja alle zwei Stimmen bei der Bundestagswahl. Mit der Erststimme wählt man eine konkrete Person aus dem eigenen Wahlkreis. Wer da 3:19 gewinnt, zieht direkt in den Bundestag ein. Aber die eigentlich wichtigere Stimme, das ist die Zweitstimme. Damit wählt man eine Partei und entscheidet, 3:28 wie stark die Parteien insgesamt im Bundestag vertreten sind. Das bestimmt am Ende die Machtverhältnisse. Und was macht der Bundestag den ganzen Tag? 3:37 ziemlich viel Wichtiges. Also zuallererst er wählt den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin, dann verabschiedet er natürlich die Gesetze 3:45 für ganz Deutschland. Er nickt den Haushalt ab, entscheidet also, wofür der Staat sein Geld ausgibt und ganz wichtig, er kontrolliert die Regierung. 3:54 Er schaut ihr also genau auf die Finger. Aber Moment mal, der Bundestag ist nicht der einzige, der bei Gesetzen mitredet. Es gibt da noch den Bundesrat. Man 4:03 könnte ihn als die zweite Kammer bezeichnen und hier sitzen nicht gewählte Abgeordnete, sondern Vertreter der 16 Landesregierungen. 4:11 Der Bundesrat ist sozusagen die Stimme der Länder in Berlin und sorgt dafür, dass ihre Interessen gehört werden. Das ist Föderalismus in Aktion. Und wie wird 4:20 jetzt aus einer Idee eingesetzt? Das ist ein ziemlich durchdachter Prozess. Es fängt mit einem Vorschlag an. Dann wird im Bundestag debattiert und abgestimmt 4:29 oft in mehreren Runden. Danach geht's zum Bundesrat. Wenn der zustimmen muss und nicht will, muss der Vermittlungsausschuss ran und einen 4:36 Kompromiss finden. Das Ganze dauert manchmal, aber es stellt sicher, dass Gesetze nicht einfach so durchgewunken werden. So, jetzt haben wir also 4:44 Gesetze, aber die stehen ja erstmal nur auf dem Papier. Wer sorgt dafür, dass sie auch umgesetzt werden? Wer regiert das Land im Alltag? Genau das ist der 4:54 Job der Exekutive, der ausführenden Gewalt. Die Spitze der Exekutive ist die Bundesregierung, also der Kanzler und seine Minister. Und deren Zusammenarbeit 5:04 funktioniert nach drei Regeln. Erstens, der Kanzler oder die Kanzlerin bestimmt die grobe Richtung. Zweitens, jeder Minister ist für sein eigenes Haus 5:12 selbstverantwortlich und drittens, wenn es mal Streit gibt, dann entscheidet das ganze Kabinett gemeinsam. Eine ziemlich klare Aufteilung, oder? Jetzt müssen wir 5:22 aber ganz klar unterscheiden. Der Kanzler ist der Regierungschef. der macht die Tagespolitik. Aber wir haben ja auch noch einen Bundespräsidenten, 5:30 der ist das Staatsoberhaupt. Seine Aufgabe ist es über den Parteien zu stehen und das Land zu repräsentieren. Das ist eine ganz bewusste Lehre aus der 5:39 Weimara Republik, wo der Reichspräsident damals viel zu viel Macht hat. Aber der Bundespräsident ist jetzt nicht nur zum Händeschütteln da, er hat schon ein paar 5:48 wichtige Aufgaben. Er vertritt Deutschland im Ausland, klar, aber er ernt auch Minister und Richter und ganz wichtig, er unterschreibt die Gesetze. 5:58 Bevor er das tut, prüft er, ob sie auch verfassungsgemäß sind und in ganz seltenen Krisensituationen kann er sogar den Bundestag auflösen. Er ist also eine 6:06 Art Notbremse im System. Okay, wir haben jetzt also die die Gesetze machen und die die sie ausführen. Aber was ist, wenn eine von beiden über die Stränge 6:16 schlägt? Wer kontrolliert die Kontrolleure? Dafür brauchen wir eine dritte Kraft, die Judikative, also die Gerichte und ein System der 6:24 gegenseitigen Kontrolle. Dieses Schaubild hier zeigt das ganz gut. Wir haben in Deutschland keine super strikte Trennung der Gewalten. Bei uns spricht 6:32 man von Gewalten, Verschränkung. Das heißt, die verschiedenen Institutionen sind miteinander verflochten und kontrollieren sich gegenseitig. Der 6:39 Bundestag wählt die Regierung, die Regierung bringt Gesetze in den Bundestag ein und die Gerichte können am Ende beide überprüfen. So hält man sich 6:46 gegenseitig im Gleichgewicht. Und die oberste Instanz in diesem Kontrollennetzwerk, der absolute Wächter über das Grundgesetz, das ist das 6:56 Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Und die Macht dieser Richterinnen und Richter ist wirklich gewaltig. Die können Gesetze einfach kippen, wenn sie 7:04 gegen das Grundgesetz verstoßen. Die schlichten Streit zwischen Regierung und Parlament, sie können sogar Parteien verbieten. Und das Beste, jeder einzelne 7:13 von uns kann sich an dieses Gericht wenden, wenn er glaubt, dass der Staat seine Grundrechte verletzt. Ein extrem starkes Instrument. So, zum Schluss 7:22 zoomen wir noch mal raus und schauen uns an, wie die Macht nicht nur horizontal in Berlin, sondern auch vertikal im ganzen Land verteilt ist. Und w kommen 7:32 wir zum letzten großen Prinzip, dem Föderalismus. Der Föderalismus bedeutet im Grunde, dass nicht alles von Berlin aus entschieden wird. Die Aufgaben sind 7:41 aufgeteilt. Der Bund kümmert sich um die großen Dinge wie Außenpolitik oder Verteidigung. Die 16 Bundesländer sind z.B. für Schulen und die Polizei 7:49 zuständig und ganz unten die Kommunen kümmern sich um das, was direkt vor unserer Haustür passiert. Das verhindert, dass sich zu viel Macht an 7:58 einem Ort beiden. Und am Ende des Tages führt alles wieder zum Anfang zurück, nämlich zu uns, dem Volk. Denn all diese Macht, egal ob im Rathaus, im Landtag 8:08 oder im Bundestag, ist nur geliehen. Ihre Legitimation bekommt sie einzig und allein durch Wahlen und die müssen allgemein unmittelbar, frei, gleich und 8:18 geheim sein. Das ist der Kern der Volksouveränität. Man sieht also, dieses ganze System wurde mit einem klaren Ziel entworfen, Stabilität. Man wollte um 8:28 jeden Preis die Fehler der Vergangenheit vermeiden, aber und das ist die große Frage, die bleibt, dieses auf Stabilität und Ausgleich getrimmte komplexe System, 8:37 wie gut kann es eigentlich mit den völlig neuen schnellen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts umgehen? Ist diese Blaupause flexibel genug für die 8:46 Zukunft?