Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).
Armut und Globalisierung | EINFACH ERKLÄRT
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 49 Zeilen
- Schau mal kurz auf dein Handy oder auf die Schuhe an deinen Füßen. Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, dass die eine halbe Weltreise hinter
- sich haben. Und genau diese Reise, die verbindet dich direkt mit zwei der allergrößten Themen unserer Zeit, Armut und Globalisierung.
- Wie das alles zusammenhängt und was das für unsere Zukunft bedeutet, genau das schauen wir uns jetzt mal genauer an. Unsere kleine Reise hier hat vier
- Stationen. Zuerst klären wir mal, was heißt das eigentlich in extremer Armut zu leben. Dann tauchen wir tief ein in die Welt der Globalisierung und fragen
- uns, ist sie jetzt der Held oder doch der Bösewicht in dieser ganzen Geschichte? Danach entdecken wir, wie auch winzig kleine Ideen manchmal die
- allergrößte Wirkung haben können. Und ganz zum Schluss, da stellen wir uns der vielleicht wichtigsten Frage von allen. Wie retten wir die Menschen, ohne dabei
- unseren Planeten zu zerstören? Okay, fangen wir mal ganz von vorne an. Extreme Armut, ein Begriff, gehen wir ständig hören, aber was steckt da
- wirklich dahinter? Die wahre Dimension ist ja kaum greifbar. Ganz ehrlich, halt mal kurz inne und überleg mal für dich, was kommt dir da in den Sinn? Geht es
- dann nur darum, kein Geld zu haben oder ist da vielleicht noch viel viel mehr dran? Also die offizielle Definition der Vereinten Nationen, die ist schockierend
- präzise. Wer von weniger als 1,25$ am Tag leben muss, gilt als extrem arm. Das ist nun mal zum Vergleich weniger als der Preis für einen Kaffee hier bei
- uns. Und es bedeutet so viel mehr als nur Hunger. Es ist ein Leben ohne Zugang zu sauberem Wasser, ohne ärztliche Hilfe, wenn du krank bist und ohne jede
- Chance auf Bildung. Es ist im Grunde die fundamentalste Font fond geschlossen sein, die man sich vorstellen kann. Und um das mal einzuordnen, in den 1990er
- Jahren, da hat dieses Schicksal 1,9 Milliarden Menschen betroffen. Stellt euch das mal vor. Das ist mehr als jeder vierte Mensch, der damals auf der Welt
- gelebt hat. Eine schier unvorstellbare Zahl. Aber dann, dann ist etwas wirklich erstaunliches passiert. Bis zum Jahr 2015 ist diese Zahl auf 836 Millionen
- gesunken. Klar, das ist immer noch eine riesige Zahl, aber es bedeutet, dass über eine Milliarde Menschen der extremsten Armut entkommen sind in nur
- 25 Jahren. Das ist ohne Zweifel einer der größten Erfolge der Menschheitsgeschichte. Die große Frage ist nur, wie zum Teufel haben wir das
- geschafft? Tja, die Antwort auf diese Frage hat vor allem einen Namen Globalisierung. Ein Wort, das riesige Debatten auslöst, weil es, wie wir
- gleich sehen werden, immer zwei Seiten einer Medaille hat. Ein echtes zweischneidiges Schwert. Also, die allermeisten Wirtschaftsexperten sind
- sich da ziemlich einig. Der entscheidende Motor, der diese Milliarde Menschen aus der Armut gehoben hat, war die immer stärkere Vernetzung der Welt
- durch den Handel. Ganz einfach gesagt, Unternehmen konnten plötzlich fast überall auf dem Globus produzieren und ihre Waren verkaufen. Und genau hier
- kommst du selbst ins Spiel. Während du vielleicht gerade online nach dem besten Preis für deine neuen Sneaker suchst, läuft im Hintergrund eine gigantische
- globale Maschinerie ab. Unternehmen suchen auf der ganzen Welt nach genau dem Ort, an dem sie diese Sneaker am allerbilligsten herstellen können. Und
- genau das ist dieses zweischneidige Schwert. Auf der einen Seite, klar, wir bekommen günstigere Produkte und in ärmeren Ländern entstehen Millionen von
- Arbeitsplätzen, die es vorher einfach nicht gab. Aber die andere Seite der Medaille ist eben auch Arbeitsplätze in reicheren Ländern wandern ab und die
- Bedingungen in den neuen Fabriken Stichwort Sweatshops sind oft einfach menschenunwürdig. Dieses Zitat vom Wirtschaftsnobelpreisträger Paul
- Krookman, das fasst das brutale Dilemma eigentlich perfekt zusammen. Er sagt im Grunde: "Ja, die Bedingungen sind furchtbar, aber die Alternative für die
- Menschen dort ist oft nicht ein besserer Job, sondern gar keiner. Also Hunger, das ist eine unglaublich schwierige moralische Abwägung. Was ist hier das
- kleinere Übel? Aber Globalisierung bedeutet ja nicht nur, dass Fabriken umziehen. Sie ermöglicht auch gewaltige technologische Sprünge. Man nennt das
- LEF Frogging. Man überspringt quasi eine ganze Entwicklungsstufe, sowie man beim Brettspiel einfach ein Feld auslässt und weiter vorne landet. Das allerbeste
- Beispiel dafür ist das Handy. Anstatt erst mühsam und teuer Telefonleitungen im ganzen Land zu verlegen, konnten viele Länder diesen Schritt einfach
- komplett überspringen und direkt Mobilfunkmasten aufstellen. Und plötzlich haben Millionen von Menschen Zugang zu Bankgeschäften, zu
- Informationen und zu Bildung. Alles direkt über ihr Handy. Das war eine absolute Revolution. Globalisierung und Technologie sind also riesige Hebel,
- keine Frage, aber sie sind nicht die einzige Antwort. Manchmal da liegt die größte Kraft für Veränderung nicht in diesen großen globalen Systemen, sondern
- in ganz kleinen lokalen Ideen. Es gibt nämlich neben dem großen Welthandel auch Ansätze, die nicht auf Konzerne setzen, sondern direkt auf die Kraft der
- einzelnen Menschen und ihnen genau das geben, was ihnen am meisten fehlt, eine echte Chance. Eine dieser Ideen ist der Mikrokredit. Das Konzept dahinter ist
- eigentlich genial einfach. Man gibt Menschen, die für eine normale Bank komplett unsichtbar sind, weil sie keine Sicherheiten oder kein Bankkonto haben,
- einen winzig kleinen Kredit, damit sie sich eine eigene Existenz aufbauen können. Oft geht es dabei nur um Summen um die 100 $. Klingt für uns nach nicht
- viel, aber das ist genug, um z.B. eine Nähmaschine, ein paar Hühner oder Werkzeug zu kaufen und damit ein eigenes kleines Geschäft zu starten und damit
- ein nachhaltiges Einkommen zu erzielen. Der Erfinder des Mikrokredits Mohammed Junus hat das mal perfekt auf den Punkt gebracht. Er sagt: "Amen Menschen fehlt
- es nicht an Einfallsreichtum oder an harter Arbeit. Ihnen fehlt oft nur das winzige bisschen Startkapital, um ihre Ideen zu zünden. Der Mikrokredit ist
- sozusagen dieser Funke. All dieser Fortschritt durch Handel, Technologie und kleine Kredite, das klingt ja alles fantastisch, aber die ganze
- Erfolgsgeschichte hat einen riesigen blinden Fleck, einen Haken, der droht, alles wieder zu nichte zu machen. Dieses Wirtschaftswachstum, das Millionen aus
- der Armut befreit hat, es hat einen Preis, einen, den wir unserem Planeten in Rechnung stellen. Und diese Rechnung, die wird langsam fällig. Die ganze Waage
- ist aus dem Gleichgewies geraten. Das Kernproblem ist eine ganz einfache Logik. Wenn Menschen der Armut inkommen, dann wollen sie und das völlig zurecht
- ein besseres Leben. Ein Dach über dem Kopf, vielleicht ein Transportmittel, bessere Ernährung. Aber in unserem jetzigen System bedeutet das
- unweigerlich mehr Konsum, mehr Autos, mehr Fleisch, mehr Smartphones und das heizt die Abholzung, die Verschmutzung und den Klimawandel immer weiter an. Und
- genau das führt uns zur alles entscheidenden Zukunftsfrage, die unsere Generation irgendwie lösen muss. Wie schaffen wir es, Wohlstand für alle
- Menschen zu ermöglichen und gleichzeitig unseren Planeten zu erhalten? Das ist das größte Dilemma unserer Zeit. Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht,
- aber es ist die eine Frage, über die wir alle nachdenken müssen.