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Armut und Globalisierung | EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 7:08 45 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 49 Zeilen
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  1. Schau mal kurz auf dein Handy oder auf die Schuhe an deinen Füßen. Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, dass die eine halbe Weltreise hinter
  2. sich haben. Und genau diese Reise, die verbindet dich direkt mit zwei der allergrößten Themen unserer Zeit, Armut und Globalisierung.
  3. Wie das alles zusammenhängt und was das für unsere Zukunft bedeutet, genau das schauen wir uns jetzt mal genauer an. Unsere kleine Reise hier hat vier
  4. Stationen. Zuerst klären wir mal, was heißt das eigentlich in extremer Armut zu leben. Dann tauchen wir tief ein in die Welt der Globalisierung und fragen
  5. uns, ist sie jetzt der Held oder doch der Bösewicht in dieser ganzen Geschichte? Danach entdecken wir, wie auch winzig kleine Ideen manchmal die
  6. allergrößte Wirkung haben können. Und ganz zum Schluss, da stellen wir uns der vielleicht wichtigsten Frage von allen. Wie retten wir die Menschen, ohne dabei
  7. unseren Planeten zu zerstören? Okay, fangen wir mal ganz von vorne an. Extreme Armut, ein Begriff, gehen wir ständig hören, aber was steckt da
  8. wirklich dahinter? Die wahre Dimension ist ja kaum greifbar. Ganz ehrlich, halt mal kurz inne und überleg mal für dich, was kommt dir da in den Sinn? Geht es
  9. dann nur darum, kein Geld zu haben oder ist da vielleicht noch viel viel mehr dran? Also die offizielle Definition der Vereinten Nationen, die ist schockierend
  10. präzise. Wer von weniger als 1,25$ am Tag leben muss, gilt als extrem arm. Das ist nun mal zum Vergleich weniger als der Preis für einen Kaffee hier bei
  11. uns. Und es bedeutet so viel mehr als nur Hunger. Es ist ein Leben ohne Zugang zu sauberem Wasser, ohne ärztliche Hilfe, wenn du krank bist und ohne jede
  12. Chance auf Bildung. Es ist im Grunde die fundamentalste Font fond geschlossen sein, die man sich vorstellen kann. Und um das mal einzuordnen, in den 1990er
  13. Jahren, da hat dieses Schicksal 1,9 Milliarden Menschen betroffen. Stellt euch das mal vor. Das ist mehr als jeder vierte Mensch, der damals auf der Welt
  14. gelebt hat. Eine schier unvorstellbare Zahl. Aber dann, dann ist etwas wirklich erstaunliches passiert. Bis zum Jahr 2015 ist diese Zahl auf 836 Millionen
  15. gesunken. Klar, das ist immer noch eine riesige Zahl, aber es bedeutet, dass über eine Milliarde Menschen der extremsten Armut entkommen sind in nur
  16. 25 Jahren. Das ist ohne Zweifel einer der größten Erfolge der Menschheitsgeschichte. Die große Frage ist nur, wie zum Teufel haben wir das
  17. geschafft? Tja, die Antwort auf diese Frage hat vor allem einen Namen Globalisierung. Ein Wort, das riesige Debatten auslöst, weil es, wie wir
  18. gleich sehen werden, immer zwei Seiten einer Medaille hat. Ein echtes zweischneidiges Schwert. Also, die allermeisten Wirtschaftsexperten sind
  19. sich da ziemlich einig. Der entscheidende Motor, der diese Milliarde Menschen aus der Armut gehoben hat, war die immer stärkere Vernetzung der Welt
  20. durch den Handel. Ganz einfach gesagt, Unternehmen konnten plötzlich fast überall auf dem Globus produzieren und ihre Waren verkaufen. Und genau hier
  21. kommst du selbst ins Spiel. Während du vielleicht gerade online nach dem besten Preis für deine neuen Sneaker suchst, läuft im Hintergrund eine gigantische
  22. globale Maschinerie ab. Unternehmen suchen auf der ganzen Welt nach genau dem Ort, an dem sie diese Sneaker am allerbilligsten herstellen können. Und
  23. genau das ist dieses zweischneidige Schwert. Auf der einen Seite, klar, wir bekommen günstigere Produkte und in ärmeren Ländern entstehen Millionen von
  24. Arbeitsplätzen, die es vorher einfach nicht gab. Aber die andere Seite der Medaille ist eben auch Arbeitsplätze in reicheren Ländern wandern ab und die
  25. Bedingungen in den neuen Fabriken Stichwort Sweatshops sind oft einfach menschenunwürdig. Dieses Zitat vom Wirtschaftsnobelpreisträger Paul
  26. Krookman, das fasst das brutale Dilemma eigentlich perfekt zusammen. Er sagt im Grunde: "Ja, die Bedingungen sind furchtbar, aber die Alternative für die
  27. Menschen dort ist oft nicht ein besserer Job, sondern gar keiner. Also Hunger, das ist eine unglaublich schwierige moralische Abwägung. Was ist hier das
  28. kleinere Übel? Aber Globalisierung bedeutet ja nicht nur, dass Fabriken umziehen. Sie ermöglicht auch gewaltige technologische Sprünge. Man nennt das
  29. LEF Frogging. Man überspringt quasi eine ganze Entwicklungsstufe, sowie man beim Brettspiel einfach ein Feld auslässt und weiter vorne landet. Das allerbeste
  30. Beispiel dafür ist das Handy. Anstatt erst mühsam und teuer Telefonleitungen im ganzen Land zu verlegen, konnten viele Länder diesen Schritt einfach
  31. komplett überspringen und direkt Mobilfunkmasten aufstellen. Und plötzlich haben Millionen von Menschen Zugang zu Bankgeschäften, zu
  32. Informationen und zu Bildung. Alles direkt über ihr Handy. Das war eine absolute Revolution. Globalisierung und Technologie sind also riesige Hebel,
  33. keine Frage, aber sie sind nicht die einzige Antwort. Manchmal da liegt die größte Kraft für Veränderung nicht in diesen großen globalen Systemen, sondern
  34. in ganz kleinen lokalen Ideen. Es gibt nämlich neben dem großen Welthandel auch Ansätze, die nicht auf Konzerne setzen, sondern direkt auf die Kraft der
  35. einzelnen Menschen und ihnen genau das geben, was ihnen am meisten fehlt, eine echte Chance. Eine dieser Ideen ist der Mikrokredit. Das Konzept dahinter ist
  36. eigentlich genial einfach. Man gibt Menschen, die für eine normale Bank komplett unsichtbar sind, weil sie keine Sicherheiten oder kein Bankkonto haben,
  37. einen winzig kleinen Kredit, damit sie sich eine eigene Existenz aufbauen können. Oft geht es dabei nur um Summen um die 100 $. Klingt für uns nach nicht
  38. viel, aber das ist genug, um z.B. eine Nähmaschine, ein paar Hühner oder Werkzeug zu kaufen und damit ein eigenes kleines Geschäft zu starten und damit
  39. ein nachhaltiges Einkommen zu erzielen. Der Erfinder des Mikrokredits Mohammed Junus hat das mal perfekt auf den Punkt gebracht. Er sagt: "Amen Menschen fehlt
  40. es nicht an Einfallsreichtum oder an harter Arbeit. Ihnen fehlt oft nur das winzige bisschen Startkapital, um ihre Ideen zu zünden. Der Mikrokredit ist
  41. sozusagen dieser Funke. All dieser Fortschritt durch Handel, Technologie und kleine Kredite, das klingt ja alles fantastisch, aber die ganze
  42. Erfolgsgeschichte hat einen riesigen blinden Fleck, einen Haken, der droht, alles wieder zu nichte zu machen. Dieses Wirtschaftswachstum, das Millionen aus
  43. der Armut befreit hat, es hat einen Preis, einen, den wir unserem Planeten in Rechnung stellen. Und diese Rechnung, die wird langsam fällig. Die ganze Waage
  44. ist aus dem Gleichgewies geraten. Das Kernproblem ist eine ganz einfache Logik. Wenn Menschen der Armut inkommen, dann wollen sie und das völlig zurecht
  45. ein besseres Leben. Ein Dach über dem Kopf, vielleicht ein Transportmittel, bessere Ernährung. Aber in unserem jetzigen System bedeutet das
  46. unweigerlich mehr Konsum, mehr Autos, mehr Fleisch, mehr Smartphones und das heizt die Abholzung, die Verschmutzung und den Klimawandel immer weiter an. Und
  47. genau das führt uns zur alles entscheidenden Zukunftsfrage, die unsere Generation irgendwie lösen muss. Wie schaffen wir es, Wohlstand für alle
  48. Menschen zu ermöglichen und gleichzeitig unseren Planeten zu erhalten? Das ist das größte Dilemma unserer Zeit. Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht,
  49. aber es ist die eine Frage, über die wir alle nachdenken müssen.