Why should you read “Lord of the Flies” by William Golding? - Jill Dash TED-Ed https://www.youtube.com/watch?v=NnnZ6y1HPqI Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Lektorat: Andrea Hielscher William Golding verlor den Glauben an die Menschheit. 0:10 Der Philosophielehrer diente als Leutnant der Königlichen Marine im Zweiten Weltkrieg auf einem britischen Zerstörer 0:17 und war ständig mit den Gräueltaten seiner Kameraden konfrontiert. Als er nach England zurückkehrte und sah, 0:23 wie sich die Supermächte des Kalten Kriegs mit atomarer Vernichtung bedrohten, hinterfragte er die wahren Wurzeln der menschlichen Natur. 0:32 Die Überlegungen über die Notwendigkeit von Gewalt inspirierten ihn zu seinem ersten und berühmtesten Roman “Herr der Fliegen”. 0:40 Nach 21 Absagen von Verlagen wurde der Roman 1954 schließlich veröffentlicht. 0:46 Sein Titel stammt von Beelzebub, einem Dämon, den man mit Stolz und Krieg verbindet -- 0:52 zwei Themen im Mittelpunkt von Goldings Buch. Der Roman ist die düstere Satire eines klassischen Inselabenteuers, 0:59 ein beliebtes Genre, bei dem Jungen an exotischen Orten stranden. Die Protagonisten der Geschichten bezwingen die Natur 1:08 und weichen den Gefahren ihrer neuen Umgebung aus. Das Genre unterstützte auch 1:13 das problematische kolonialistische Narrativ vieler damaliger britischer Werke, 1:17 in denen die Jungen den Inselbewohnern ihre vermeintlich überlegenen britischen Werte vermitteln. 1:23 Goldings Satire geht sogar so weit, dass sie explizit den Schauplatz und die Namen der Figuren 1:30 aus R. M. Ballantynes “Die Koralleninsel” übernimmt, einem der beliebtesten Inselabenteuer-Romane. 1:36 Doch während Ballantynes Buch den Lesern “Genuss ... Gewinn ... und grenzenloses Vergnügen” versprach, 1:42 hatte Goldings Buch Düsteres auf Lager. Zu Beginn von “Herr der Fliegen” sind die Jungen schon auf der Insel, 1:49 aber Gesprächsfetzen deuten auf ihre grauenvolle Reise hin: Ihr Flugzeug 1:54 war in einem nicht näher bezeichneten Atomkrieg abgeschossen worden. Die Jungen im Alter von 6 bis 13 Jahren kennen sich nicht, 2:03 außer den Mitgliedern eines Chors in schwarzer Uniform, angeführt von einem Jungen namens Jack. 2:08 Wie in Ballantynes “Koralleninsel” scheint die neue Heimat der Jungen ein Paradies -- 2:14 es gibt Süßwasser, Obdach und reichlich Nahrung. Doch gleich von Anfang an 2:21 legt sich makabres Dunkel über das scheinbar ruhige Szenario. Die Schatten der Jungen ähneln “schwarzen, fledermausartigen Kreaturen” 2:30 und der Chor erscheint als “etwas Dunkles ..., das am Strand entlangtappt”. 2:36 Stunden nach der Ankunft verbreiten die Jungen schon grauenhafte Gerüchte 2:40 über ein bösartiges “Biest”, das im Wald lauert. Nach diesem ominösen Anfang 2:46 beschreibt Goldings Erzählung, wie schnell Zusammenarbeit ohne die Gegenwart einer erwachsenen Autorität scheitert. 2:53 Zunächst schaffen die Überlebenden eine gewisse Ordnung. Ein Junge namens Ralph bläst in ein Muschelhorn, 2:59 um die Gruppe zu sammeln und Aufgaben zu verteilen. Doch als Jack und Ralph um die Führung kämpfen, 3:05 spaltet sich die Gruppe und die Jungen werden Opfer ihrer dunklen Triebe. 3:09 Die Horde Kinder vergisst bald ihre Rettungspläne, erstickt die wenigen Stimmen der Vernunft 3:15 und folgt Jack blind an die Grenze der Insel und die Grenze der Vernunft. 3:20 Die universellen Themen des Romans, Moral, Anstand und Gesellschaft, machen ihn zu einem Literaturklassiker 3:27 und verspotten damalige Konventionen sowie lang gehegte Überzeugungen über Menschlichkeit. 3:33 Inselabenteuer-Geschichten unterstützen oft den Kolonialismus, doch “Herr der Fliegen” handelt diesem Muster zuwider. 3:39 Statt die Inselbewohner grausam als stereotype Wilde darzustellen, verwandelt Golding seine engelhaften britischen Schuljungen 3:47 in barbarische Karikaturen. Während die Jungen auf der Insel ihren Kampf austragen, 3:53 tobt der noch schlimmere Krieg, der sie herbrachte, im Hintergrund weiter. 3:57 Auch wenn die Jungen vor sich selbst gerettet würden, in welche Welt würden sie zurückkehren? 4:04 Da sich die Figuren zeitlich und örtlich kaum festlegen lassen, escheint der Roman wahrhaft zeitlos -- 4:11 eine schonungslose Analyse der menschlichen Natur. Selbst wenn nicht alle Leser Goldings düstere Sicht teilen, 4:19 ist “Herr der Fliegen” verstörend genug, um selbst die größten Optimisten herauszufordern.