Der atlantische Sklavenhandel: Was man in den Geschichtsbüchern oft nicht liest - Anthony Hazard Bleib neugierig — TED-Ed https://www.youtube.com/watch?v=N_LRL_TS8ME Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Übersetzung: Anika Weidner Lektorat: Jo Pi Sklaverei -- die Behandlung von Menschen als Eigentum ohne Rechte -- 0:11 trat bereits in aller Welt in verschiedenen Formen auf. Eine davon sticht jedoch durch ihr globales Ausmaß 0:18 und ihre bleibenden Folgen besonders hervor: Der atlantische Sklavenhandel 0:22 vom Ende des 15. bis Mitte des 19. Jh. umfasste drei Kontinente 0:27 und brachte mehr als 10 Millionen Afrikaner gewaltsam nach Amerika. Die Folgen betrafen nicht nur die Sklaven und deren Nachkommen, 0:36 sondern auch wirtschaftliche und historische Entwicklungen großer Teile der Welt. 0:40 Bereits seit Jahrhunderten waren Europa und Afrika über das Mittelmeer in Kontakt gewesen. 0:45 Doch der atlantische Sklavenhandel begann erst im späten 15. Jahrhundert mit portugiesischen Kolonien in Westafrika 0:51 und der Besiedlung Amerikas durch Spanien kurze Zeit später. Der Anbau von Zuckkerrohr, Tabak und Baumwolle in den neuen Kolonien 0:59 war arbeitsintensiv und es gab nicht genug Siedler oder Schuldknechte, um das ganze neue Land zu bestellen. 1:06 Amerikanische Ureinwohner wurden versklavt, aber viele starben an neuen Krankheiten 1:10 und andere wehrten sich erfolgreich. Um also die riesige Nachfrage nach Arbeitskräften zu decken, 1:15 wandten sich die Europäer Afrika zu. Sklaverei gab es in Afrika bereits seit Jahrhunderten in mehreren Formen. 1:22 Einige Sklaven waren Schuldknechte, die sich nach einer bestimmten Zeit frei kaufen konnten. 1:27 Andere wurden eher wie europäische Leibeigene behandelt. Mancherorts wurden Sklaven Teil der Familie ihres Herrn, 1:33 besaßen Land und stiegen sogar in einflussreiche Positonen auf. Aber als weiße Schiffskapitäne Fabrikwaren, Waffen und Rum 1:41 gegen Sklaven anboten, gab es für afrikanische Könige und Händler keinen Grund zu zögern. 1:46 Sie sahen in den Menschen, die sie verkauften, keine gleichwertigen Afrikaner, 1:50 sondern Kriminelle, Schuldner oder Kriegsgefangene feindlicher Stämme. Durch den Verkauf bereicherten sich die Könige 1:59 und stärkten ihre Reiche gegen feindliche Nachbarn. Diese Königreiche florierten durch den Sklavenhandel, 2:04 aber die riesige europäische Nachfrage führte zu einem heftigen Wettbewerb. Sklaverei ersetzte andere Strafurteile. 2:12 Die Gefangennahme von Sklaven wurde ein Grund für Krieg, nicht seine Folge. Um sich vor Sklavenraubzügen zu schützen, 2:19 brauchten benachbarte Königreiche europäische Feuerwaffen, die sie sich ebenfalls mit Sklaven erkauften. 2:24 Der Sklavenhandel war zum Rüstungswettlauf geworden. Er veränderte Gesellschaften und die Wirtschaft auf dem gesamten Kontinent. 2:31 Die Sklaven selbst waren unglaublicher Brutalität ausgesetzt. Sie mussten zu Sklavenfestungen an der Küste marschieren, 2:38 wurden zum Schutz vor Läusen rasiert, gebrandmarkt und dann auf Schiffe nach Amerika verfrachtet. 2:44 Etwa 20 % von ihnen sahen nie wieder Land. Die meiste Kapitäne pferchten die Sklaven dicht zusammen 2:51 und stopften so viele wie möglich unter Deck. Ohne sanitäre Einrichtungen erkrankten viele und starben, 2:57 andere wurden über Bord geworfen, weil sie krank waren oder als Strafe. Die Kapitäne sicherten sich ihren Profit, 3:03 indem sie die Ohren der Sklaven als Kaufbeweis abschnitten. Einige Gefangenen nahmen die Sache in die eigene Hand. 3:11 Viele Afrikaner aus dem Landesinneren hatten nie zuvor Weiße gesehen und hielten sie für Kannibalen, 3:16 die immer wieder Leute mitnahmen und zurückkamen, um mehr zu holen. Aus Angst, gegessen zu werden, oder um dem Leid ein Ende zu setzen, 3:23 begingen sie Selbstmord oder hungerten sich zu Tode im Glauben, dass ihre Seelen nach Hause zurückkehren würden. 3:30 Wer überlebte, wurde vollständig entmenschlicht und als bloße Fracht behandelt. 3:35 Frauen und Kinder blieben über Deck und wurden von der Besatzung missbraucht, während die Männer Tänze aufführen mussten, 3:42 um fit zu bleiben und Aufständen entgegenzuwirken. Was mit den Afrikanern geschah, die die Neue Welt erreichten, 3:49 und wie die Sklaverei noch heute ihre Nachkommen betrifft, ist recht gut erforscht. 3:54 Weniger bekannt jedoch sind die Folgen des Sklavenhandels für Afrikas weitere Entwicklung. 4:00 Der Kontinent verlor nicht nur mehr als 10 Millionen Arbeitskräfte. Die demografischen Auswirkungen waren langfristig viel größer, 4:09 da die meisten Sklaven männlich waren. Als Sklaverei in Amerika und Europa endlich verboten wurde, 4:15 brachen die Königreiche, die sich darauf stützten, zusammen, und wurden leichte Opfer für Eroberungen und Kolonisation. 4:23 Der verstärkte Wettbewerb und die Einfuhr europäischer Waffen schürten Kriege und Instabilität, die bis heute anhalten. 4:31 Der atlantische Sklavenhandel begünstigte auch das Entstehen rassistischer Ideologien. 4:36 Der Großteil afrikanischer Sklaverei war reine Rechtsstrafe oder Kriegsfolge zwischen Stämmen, 4:42 doch die Europäer, die eine weltumfassende Religion predigten und seit langem die Versklavung anderer Christen verboten hatten, 4:48 brauchten eine Rechtfertigung für Taten, die so offensichtlich mit ihren Idealen von Gleichheit unvereinbar waren. 4:54 Deshalb wurden Afrikaner als biologisch minderwertig und zur Sklaverei bestimmt befunden. 5:00 Sie bemühten sich sehr, diese Theorie zu rechtfertigen. Dadurch wurde Sklaverei in Europa und Amerika 5:05 zu einer Frage der Ethnizität und machte es für Sklaven und ihre Nachkommen unmöglich, 5:10 gesellschaftliche Gleichstellung zu erreichen. All diese Aspekte 5:15 machen den atlantischen Sklavenhandel zu einem Unrecht gewaltigen Ausmaßes, dessen Folgen noch lange nach seinem Verbot spürbar sind.